Eine Fachwerkstadt ist eine Stadt, deren Altstadt überwiegend aus Häusern mit sichtbarem Holzgerüst besteht, dessen Zwischenräume mit Lehm oder Ziegeln ausgefüllt sind. Klingt technisch, sieht aber so aus, dass du an der nächsten Ecke stehen bleibst. Die schönsten Fachwerkstädte Deutschlands liegen selten dort, wo die Reisebusse halten, und genau das macht sie so gut.
Ich habe in den vergangenen Jahren ziemlich viele davon abgelaufen, meistens früh morgens, meistens mit der Kamera. Was mir dabei aufgefallen ist: Fachwerk sieht in Celle völlig anders aus als in Gengenbach, und das ist kein Zufall. Deutschland hat mehrere Fachwerklandschaften mit eigenen Regeln, eigenen Zierformen und eigenen Silhouetten. Nach denen ist dieser Artikel sortiert, nicht nach Bundesländern.
Hier sind meine 24 Favoriten, alle selbst besucht, dazu 13 weitere Städte am Ende. Und ganz unten steht, woran du echtes altes Fachwerk erkennst.
Auf einen Blick: die 24 Städte
- Niederdeutsch (Weserraum und Norden): Hann. Münden, Celle, Duderstadt, Stadthagen, Stade
- Harz und Altmark: Quedlinburg, Wernigerode, Goslar, Stolberg (Harz), Tangermünde
- Hessen und Mitteldeutschland: Alsfeld, Fritzlar, Limburg an der Lahn, Idstein, Melsungen, Korbach, Michelstadt
- Franken am Main: Bamberg, Miltenberg, Marktbreit
- Alemannisch im Südwesten: Esslingen, Gengenbach, Bad Wimpfen
- Eifel: Monschau
- Die größte Dichte: Quedlinburg mit rund 2.100 Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten, dicht gefolgt von Goslar mit über 1.500.
- Die ältesten Häuser: Limburg hat mit dem Römer 2-4-6 von 1289 das älteste freistehende Fachwerkhaus Deutschlands, Esslingen die älteste zusammenhängende Häuserzeile.
- Am wenigsten los: Stolberg (Harz) und Marktbreit.
- Am einfachsten ohne Auto: Tangermünde, Marktbreit und Stade.
Karte: alle Fachwerkstädte auf einen Blick
Alle Städte aus diesem Artikel liegen auf dieser Karte, die ausführlich beschriebenen und die kurz genannten getrennt markiert. Wenn du eine Route planst, siehst du hier sofort, was sich verbinden lässt. Zwischen Idstein und Bad Camberg liegen keine neun Kilometer, zwischen Miltenberg und Michelstadt rund zwanzig, und Goslar, Wernigerode und Quedlinburg bekommst du an einem langen Tag zusammen.
Niederdeutsches Fachwerk: Weserraum und Norden
Im Norden ist das Fachwerk aus dem Bauernhaus entstanden, in dem Menschen, Tiere und Ernte unter einem Dach lebten. Daran erinnern die kräftigen Balken, die weit vorkragenden Geschosse und die geschnitzten Knaggen, also die schrägen Stützen unter den Vorsprüngen. Was du hier häufig findest und im Süden kaum: Inschriften über der Haustür, oft mit Jahreszahl und Bibelspruch, und Erker, die im Weserraum „Utlucht“ heißen.
Hann. Münden

Über 700 Fachwerkhäuser aus sechs Jahrhunderten stehen hier auf engstem Raum, und rund 79 Prozent aller Gebäude innerhalb der alten Stadtmauern zeigen sichtbares Fachwerk. Für eine Stadt mit etwa 24.000 Einwohnern ist das eine Dichte, die es sonst nur in deutlich größeren Städten gibt. Wenn du eine einzige Fachwerkstadt in Deutschland ansehen willst, würde ich diese nehmen.
Wir waren an einem Sommermorgen dort, gegen halb zehn, und hatten die Gassen fast für uns. Das ist bei einer Stadt, die Tagesausflügler aus Kassel und Göttingen anzieht, keine Selbstverständlichkeit. Meine liebste Ecke war nicht der Marktplatz mit dem Weserrenaissance-Rathaus, sondern die Straße „Vor der Burg“ Richtung Lange Straße: eng, verwinkelt, und aus jedem Winkel ein anderes Bild.
An der Sydekumstraße 8 steht mit dem „Ochsenkopf“ von 1528 eines der ältesten Häuser der Stadt, das nacheinander Lagerhaus, Lohgerberei und Seifensiederei war. Hann. Münden gehört zum Fachwerk5Eck, einem Zusammenschluss von fünf südniedersächsischen Fachwerkstädten, und liegt an der Deutschen Fachwerkstraße. Alle Details im Guide zu den Hann. Münden Sehenswürdigkeiten.
Celle

Knapp 500 Fachwerkhäuser bilden hier eines der dichtesten geschlossenen Ensembles der Welt, und ich sage das mit einer gewissen Voreingenommenheit: Ich bin in Celle aufgewachsen. Als Jugendlicher fand ich die Stadt langweilig. Heute laufe ich durch die Altstadt und bin jedes Mal aufs Neue überrascht, wie gut das alles aussieht.
Das Prachtstück ist das Hoppener Haus von 1532 in der Rundestraße, sechs Geschosse, die übereinander vorkragen, dazu Schnitzwerk mit Teufels- und Narrenfiguren. Wer genau hinschaut, findet an vielen Häusern die Celler Renaissance-Stufenfriese mit ihren gerundeten Kanten. Diese Zierform hat sich ab 1534 hier entwickelt und ist so nur in Celle zu sehen. Das älteste datierte Haus steht Am Heiligen Kreuz 26 und stammt von 1526.
Mein Tipp für Fotos: Sonntagmorgen zum Sonnenaufgang. Im Winter ist der Celler Weihnachtsmarkt zwischen den beleuchteten Fachwerkfassaden das Beste, was die Stadt zu bieten hat. Alle Details im Guide zu den Celle Sehenswürdigkeiten.
Duderstadt

Über 600 bunte Fachwerkhäuser säumen die Marktstraße und die schmalen Gassen, viele davon farbig gefasst. Dass das mittelalterliche Stadtbild den Krieg geschlossen überstanden hat, ist der Grund, warum die Altstadt heute so wirkt, wie sie wirkt.
Ich war an einem sonnigen Samstagnachmittag im Frühling dort, entsprechend war einiges los. Das stärkste Motiv der ganzen Stadt ist für mich das Rathaus: eine verschachtelte Silhouette aus Erkern, Türmchen und geschnitztem Fachwerk, die aus jedem Winkel anders aussieht. Ich bin mehrfach drum herum gelaufen.
Das eigentliche Wahrzeichen ist aber der Westerturm von 1424 mit seiner schraubenartig gedrehten Spitze. Der Legende nach war der Teufel schuld, der sich auf der Flucht vor den Duderstädter Frauen am Turmknauf festhielt und die Spitze dabei verdrehte. Wenn du saubere Fachwerk-Fotos ohne Menschen willst, komm früh. Alle Details im Guide zu den Duderstadt Sehenswürdigkeiten.
Stadthagen

Stadthagen haben die wenigsten auf dem Schirm, und dabei ist es eines der bedeutendsten Zentren der Weserrenaissance in Deutschland. Genau deswegen bin ich hingefahren, auf einer Solo-Runde durch Niedersachsen zusammen mit Hameln und Bückeburg.
Ich war an einem sonnigen Samstagnachmittag Ende Oktober da, gegen 14 Uhr, gut zwei bis drei Stunden. Das reicht für die wichtigsten Stationen locker. Am späten Nachmittag hatten die kleinen Läden rund um den Marktplatz teilweise schon zu, dafür war es angenehm ruhig. Auf dem Bummel kommst du an der Alten Lateinschule vorbei, einem weiteren schönen Stück historischer Bebauung.
Wer den Weserrenaissance-Faden weiterspinnen will, kombiniert Stadthagen mit Bückeburg und Hameln an einem Tag. Alle Details im Guide zu den Stadthagen Sehenswürdigkeiten.
Stade

Stade ist die Fachwerkstadt, die von Hamburg aus am schnellsten zu erreichen ist: S-Bahn, keine Umstiege, und du stehst quasi vor der Haustür. Ich war entsprechend oft dort, allein zum Fotografieren, mit dem Rad, im Winter zum Weihnachtsmarkt. Die Stadt ist klein und schnuckelig, und das Beste an ihr ist der historische Hansehafen mit den Häusern ringsum.
Am Fischmarkt reihen sich die Cafés und Restaurants am Kai aneinander, mit Blick auf das alte Hafenbecken und den hölzernen Tretkran. Wenn du eine einzige Ecke fotografierst, dann diese. Die Altstadt ist dabei kein reines Fachwerk-Ensemble wie Celle, sondern eine Mischung aus Fachwerk und norddeutschem Backstein, was ihr einen anderen, maritimeren Charakter gibt.
Einmal war ich zu einem Insta-Walk eingeladen und durfte Ecken sehen, die man sonst nicht sieht: in beiden Kirchen, oben auf dem Turm von St. Cosmae et Damiani, und danach aufs Wasser. Der SUP Club Stade vermietet auf dem Burggraben rund um die Altstadt einen sogenannten BBQ-Donut, ein kreisrundes Elektroboot für bis zu zehn Personen mit einem Holzkohlegrill in der Mitte. Man kommt nicht ganz um die Stadt herum, weil das Wasser nicht durchgehend verbunden ist, aber die Perspektive vom Graben auf die Altstadt bekommst du sonst nirgends.
Ein Februar-Besuch fiel zufällig mit einem Karnevalsumzug zusammen, was in einer norddeutschen Hansestadt so gar nicht zu erwarten war. Für Kaffee und Kuchen ist das Café am Goebenhaus meine Adresse, vor allem wegen der Schokotorte. Alle Details im Guide zu den Stade Sehenswürdigkeiten.
Harz und Altmark: wo das Fachwerk am ältesten ist
Hier steht die älteste Bausubstanz des Landes, und du kannst die Entwicklung an den Häusern selbst ablesen. Der Ständerbau, die früheste Form, führt die Ständer über die volle Höhe des Hauses durch. Erst später ging man zum Stockwerkbau über, bei dem jedes Geschoss auf dem darunterliegenden aufsitzt und deshalb vorkragen kann. Wenn dir ein Haus auffällt, dessen Geschosse nicht vorspringen, sondern gerade durchlaufen: Das ist wahrscheinlich das Älteste, was du an dem Tag siehst.
Quedlinburg

Rund 2.100 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten prägen die Welterbe-Altstadt, die seit 1994 auf der UNESCO-Liste steht. Keine andere deutsche Stadt zeigt so viele Bauepochen nebeneinander. Wenn dich interessiert, wie sich Fachwerk über die Jahrhunderte verändert hat, ist Quedlinburg die naheliegende Adresse.
Genau dafür gibt es hier das Fachwerkmuseum im Ständerbau, untergebracht in einem Haus von 1310. Das Gebäude ist Teil der Ausstellung, und du lernst dort die verschiedenen Fachwerkstile kennen und was die Ornamente an den Fassaden bedeuten. Wir statten der Stadt bei fast jedem Harz-Ausflug einen Besuch ab, meist mit einem Stopp im ehemaligen Schuhmacherviertel rund um den Schuhhof.
Eine Kleinigkeit, die viele übersehen: der Taubenturm im Adelshof. Solche Türme dienten oft der Aufbewahrung von Wertsachen. Alle Details im Guide zu den Quedlinburg Sehenswürdigkeiten.
Wernigerode

Wernigerode nennt sich „die bunte Stadt am Harz“, und das Adjektiv ist wörtlich gemeint: Die Fachwerkhäuser sind aufwendig restauriert und in kräftigen Farben gestrichen. Das wirkt manchmal sehr aufgeräumt, macht aber trotzdem Spaß, weil an jeder Ecke ein Motiv steht. Es ist meine meistbesuchte Harz-Stadt.
Das Rathaus von 1277 am Marktplatz ist der Grund, warum die Stadt in diese Liste gehört: schlanke Fachwerktürme, eine reich beschnitzte Fassade, davor der Brunnen. Es gilt als eines der schönsten Fachwerkrathäuser Deutschlands, und ich würde nicht widersprechen.
Mein Tipp, den ich jedem gebe: Such das kleinste Haus der Stadt. Es steht in der Kochstraße 43, wurde 1792 gebaut, ist nur 2,95 Meter breit, hat eine Traufhöhe von 4,20 Metern und eine Haustür von 1,70 Metern. Es ist so winzig und so eingeklemmt zwischen den Nachbarhäusern, dass man beinahe daran vorbeiläuft. Der beste Blick darauf ist von der Ecke Marktstraße. Nicht verwechseln übrigens: Das schiefe Haus ist ein anderes Gebäude, die frühere Teichmühle ein paar Gassen weiter.
Ehrlich zur Erwartungshaltung: Wernigerode ist sehr touristisch, die Einkaufsstraße ist hübsch, aber tagsüber voll. Alle Details im Guide zu den Wernigerode Sehenswürdigkeiten.
Goslar

Über 1.500 Fachwerkhäuser verschiedener Epochen stehen im Altstadtkern innerhalb der früheren Stadtmauer, und genau dafür gab es den UNESCO-Titel. Goslar ist der Klassiker unter den Harz-Städten, und das vollkommen zu Recht. Ich war mehrmals dort und habe jedes Mal etwas entdeckt, das ich beim Besuch davor nicht gesehen hatte. Das liegt an der schieren Menge enger Gassen und Winkel.
Mein wichtigster Tipp, gerade mit Kamera: Komm früh, am besten gegen halb sieben oder sieben Uhr morgens. Dann gehören dir die Gassen fast allein, das Licht ist weich, und die Fachwerkhäuser kommen zur Geltung. Im Sommer wird es an Wochenenden ab Mitte Vormittag schnell sehr voll. Am schönsten ist die Stadt im Herbst, wenn sich das Laub färbt und die Gassen orange und rot getaucht sind.
Zum Parken nehme ich die Plätze Kaiserpfalz Nord oder Süd an der Kaiserbleek, beide direkt neben der Kaiserpfalz, je nach Tageszeit sogar kostenfrei. Frühmorgens habe ich dort immer etwas gefunden. Fester Programmpunkt ist der Marktplatz mit dem Glockenspiel, das mehrmals täglich Figuren in Bergmannstracht zeigt, von dort laufe ich einfach in die Gassen. Die Kaiserpfalz gilt als größter und zugleich besterhaltener Profanbau des 11. Jahrhunderts in Deutschland.
Das Erzbergwerk Rammelsberg am Stadtrand gehört ebenfalls zum Welterbe. Unter Tage war ich bisher noch nicht, das steht weiter auf meiner Liste. Alle Details im Guide zu den Goslar Sehenswürdigkeiten.
Stolberg (Harz)

Stolberg war der Ort, der mich auf unserer Harz-Runde am meisten überrascht hat. Ein fast vollständig denkmalgeschütztes Fachwerkstädtchen im Südharz, an jeder Ecke Fachwerk, kaum Touristen. 2019 haben die Leser des Magazins Travelbook den Ort unter rund 100.000 Stimmen zu Deutschlands schönstem Dorf gewählt, und zwar wegen der Altstadt ohne Baulücken und ohne Bausünden.
Judith und ich haben uns an einem Sommervormittag einfach in ein Café am Markt gesetzt und die Fassaden auf uns wirken lassen. Das Licht zwischen den schmalen Häuserfronten ist morgens am schönsten, und am Vormittag hatten wir die Gassen fast für uns. Das markanteste Bauwerk ist der Saigerturm. Der beste Blick geht aber von der Schlossterrasse hinunter auf die Fachwerkdächer, und der kurze Treppenweg dorthin war mein bester Fotospot.
Kleine Warnung zur Verwechslung: Es gibt ein zweites Stolberg im Rheinland bei Aachen. Hier geht es um das Fachwerk-Stolberg im Südharz. Alle Details im Guide zu den Stolberg (Harz) Sehenswürdigkeiten.
Tangermünde

Tangermünde ist die einzige Stadt auf dieser Liste, bei der das Fachwerk nicht allein steht. Hier trifft es auf Backsteingotik, und dieser Kontrast ist das Prägende. Das Rathaus mit seinem 24 Meter hohen Schaugiebel ist Backstein, in der Kirchstraße dagegen reihen sich Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert aneinander, eines davon mit reich verzierten Flachschnitzereien.
Ich bin morgens mit dem Zug aus Hamburg hingefahren, und das ist der praktischste Punkt an dieser Stadt: Der Bahnhof liegt unmittelbar an der Altstadt, alles Sehenswerte erreichst du zu Fuß. Mit dem Deutschlandticket ist das ein entspannter Tagesausflug, auch aus größerer Entfernung.
Die Stadtmauer ist ausgezeichnet erhalten, aber du musst einmal aus der Stadt heraus an die Elbe gehen und von dort zurückschauen, sonst bekommst du sie gar nicht richtig zu sehen. An einzelnen Abschnitten kannst du oben entlanglaufen. Die Burg ist inzwischen ein Hotel, zur Burganlage gehört aber der rund 50 Meter hohe Kapitelturm aus rotem Backstein, der im 16. bis 18. Jahrhundert als Kornspeicher des Berliner Domkapitels diente und seit 2003 Aussichtsplattform ist. Wichtig zu wissen, bevor du davorstehst: Du kommst nur mit einer halbstündigen Turmführung hinauf, dienstags bis sonntags zu festen Zeiten. Der Eintritt kostet 1,50 Euro, Kinder und Schüler zahlen nichts (Stand 08/2026).
Mein Tipp abseits der Hauptmotive ist die Museumsscheune SCHULZENS Zeitreise in der Langen Straße 34 am Eulenturm, auf dem Gelände der Schulzens Brauerei: gesammelte Alltagsgegenstände, Spielzeug und Möbel aus mehreren Jahrhunderten, Eintritt frei gegen freiwillige Spende, geöffnet parallel zur Brauerei. Was mich am meisten überrascht hat: Selbst im Hochsommer war wenig los. Der Elberadweg führt direkt vorbei, und Salzwedel liegt für einen zweiten Stopp nah genug. Alle Details im Guide zu den Tangermünde Sehenswürdigkeiten.
Hessen und Mitteldeutschland: die dichteste Fachwerklandschaft
Wenn Deutschland ein Fachwerkzentrum hat, dann liegt es hier. Das mitteldeutsche Fachwerk erkennst du an den hohen Geschossen, den kräftigen Andreaskreuzen zwischen den Balken und dem Schnitzwerk auf den Schwellen. Typisch sind außerdem Fächerrosetten, Rauten, Lebensbäume und die sogenannten „Wilden Männer“, stark stilisierte Figuren in den Eckständern. Die Deutsche Fachwerkstraße führt nicht zufällig quer durch diese Region.
Alsfeld

Über 400 gut erhaltene Fachwerkhäuser aus sieben Jahrhunderten stehen in Alsfeld, und das Rathaus von 1512 bis 1516 gehört zu den bedeutendsten Fachwerkrathäusern des Landes. Es ist eine frühe Rähmbaukonstruktion, und an ihm taucht erstmals die „Alsfelder Strebe“ auf, eine Strebenform, die der Stadt ihren Platz in der Fachwerkforschung eingebracht hat. Wenn dich die Bauweise interessiert, ist dieses eine Gebäude mehr wert als eine ganze Altstadt anderswo.
Was mir in Erinnerung geblieben ist: das Rathaus selbst und die Wasserspiele davor. Ansonsten habe ich mich durch die Gassen treiben lassen, was in Alsfeld die richtige Methode ist. Achte an den Fassaden auf farbige Fassungen, Schnitzwerk, Schreckköpfe und Sprüche. Und wenn du beim Bäcker vorbeikommst: Es gibt hier tatsächlich eine „Fachwerkschnitte“. Alle Details im Guide zu den Alsfeld Sehenswürdigkeiten.
Fritzlar

Fritzlar hat den dichtesten Fachwerkbestand und den geschlossensten Marktplatz in Nordhessen. Wenn du nur einen Stopp in der Region machen kannst und vor allem Fachwerk sehen willst, fahr hierher. Der Marktplatz mit dem Rolandsbrunnen ist von restaurierten Fachwerkhäusern eingefasst und gehört zu den schönsten in Deutschland.
Das Hochzeitshaus ist eines der größten Fachwerkhäuser Hessens und heute Museum. Dazu kommen der Dom, die erhaltene Stadtbefestigung mit ihren Türmen und die Lage direkt an der Eder.
Ich habe Fritzlar und Korbach an einem Tag verbunden, was gut funktioniert: Rund 28 Kilometer trennen die beiden, und die Städte sind unterschiedlich genug, dass sich der Vergleich lohnt. Alle Details im Guide zu den Fritzlar Sehenswürdigkeiten.
Limburg an der Lahn

Limburg hat den Superlativ, den sonst niemand hat: Der Römer 2-4-6 von 1289 ist das älteste freistehende Fachwerkhaus Deutschlands und als Nationaldenkmal eingestuft. Ein gotisches Hallenhaus, dessen älteste Teile aus dem 13. Jahrhundert stammen. Wenn du dich für Fachwerk interessierst und nur ein einziges Haus in Deutschland ansehen willst, ist es dieses.
Das zweite Haus, das du nicht verpassen solltest, ist das Haus der sieben Laster. An seiner Fassade sitzen sieben Schnitzereien, die je eines der biblischen Laster darstellen: Hochmut, Neid, Unmäßigkeit, Geiz, Wollust, Zorn und Trägheit. Angebracht wurden sie der Überlieferung nach zur Abwehr böser Geister, und sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass Fachwerkschmuck selten reine Dekoration war.
Am Fischmarkt stehen die schönsten Häuser der Altstadt, deren Erdgeschosse ursprünglich je eine einzige hohe Halle bildeten. Über allem thront der Dom. Limburg ist Mitglied der Deutschen Fachwerkstraße und bietet eine eigene Fachwerkführung an. Alle Details im Guide zu den Limburg Sehenswürdigkeiten.
Idstein

Rund 200 Fachwerkhäuser stehen in Idstein, das älteste von 1410. Das schönste ist unstrittig das Killingerhaus von 1615 am Marktplatz, dessen liebevoll gestalteter Erker sich von allem anderen abhebt. Ein Detail, das fast alle übersehen: der geschnitzte Neidkopf am Killingerhaus, eine Fratze, die Unheil abwehren sollte. Solche Köpfe findest du an vielen hessischen Fachwerkbauten, wenn du einmal weißt, wonach du suchen musst.
Ich war mit Diana unterwegs, einer Idsteinerin, die jeden Winkel kennt und mir Ecken gezeigt hat, in die sich kaum ein Besucher verirrt. Ihr bester Hinweis betraf die Unionskirche, die wir fast ausgelassen hätten, weil sie von außen unscheinbar wirkt. Die Deckenmalereien im Inneren sind den Abstecher wert.
Praktisch: Den Schlüssel für den 42 Meter hohen Hexenturm bekommst du kostenlos bei der Tourist-Info im Killingerhaus. Ich bin morgens als Erster hochgestiegen und hatte den Rundumblick über die Fachwerkdächer und den Taunus für mich allein. Alle Details im Guide zu den Idstein Sehenswürdigkeiten.
Melsungen

Melsungen war für mich der halbe Grund, auf der Fahrt von Hann. Münden Richtung Süden überhaupt anzuhalten: Ich hatte Bilder vom Fachwerkrathaus gesehen und wollte genau dieses Motiv. Als wir ankamen, stand ein Gerüst davor. Vier Jahre später steht auf unseren Bildern immer noch eins, was bei einem Fachwerkbau dieses Alters offenbar eher Dauerzustand als Ausnahme ist.
Die Stadt hat das wieder wettgemacht. Der Blick auf die Fachwerkhäuser am Ufer der Fulda, gespiegelt im Wasser, ist das schönste Motiv des Ortes. Und nach einem Regenschauer steht in den Gassen das Wasser zwischen den Pflastersteinen, was Bilder ergibt, für die man sonst warten muss.
Ein Hinweis aus eigener Erfahrung: Melsungen an einem Julinachmittag zwischen 14 und 16 Uhr ist fotografisch nicht der Bringer. Das liegt an der Uhrzeit, nicht an der Stadt. In der Altstadt reiht sich ein Café ans nächste, im Sommer stehen die Tische draußen unter den Bäumen. Alle Details im Guide zu den Melsungen Sehenswürdigkeiten.
Korbach

Korbach ist Hessens einzige Hansestadt, und die schönsten Motive liegen hier nicht am Marktplatz, sondern einen Abzweig weiter. Hinterhöfe, schmale Seitengassen, Fachwerk in allen Zuständen zwischen frisch saniert und schief. Wenn ich aus meinem Tag dort eine Sache mitnehmen müsste, dann diese: Nimm dir vierzig Minuten mehr und geh in die Nebenstraßen.
Das stattlichste Fachwerkhaus ist das Haus Lebach, heute Stadtbücherei, früher das zweite Rathaus. Seine Geschichte hängt direkt am großen Stadtbrand von 1664, von dem am alten Rathaus Teile des Außenmauerwerks und der gotische Treppengiebel mit dem Stadtwappen-Relief überlebt haben.
Und noch etwas, das ich an dem Tag unfreiwillig gelernt habe: Korbach funktioniert bei zwei völlig verschiedenen Wetterlagen. Ich kam gegen elf an, über der Stadt hing dichter Nebel, und ich habe mich zunehmend geärgert, dass der blaue Himmel ausblieb. Irgendwann habe ich aufgegeben, mich ins Auto gesetzt und eine Stunde geschlafen. Als ich aufwachte, war der Himmel aufgerissen, und ich bin denselben Rundgang ein zweites Mal gelaufen. Die Nebelbilder mag ich heute am liebsten. Alle Details im Guide zu den Korbach Sehenswürdigkeiten.
Michelstadt

Das Michelstädter Rathaus von 1484 ist der originellste Fachwerkbau, den ich kenne. Spätgotisch, mit abgekantetem Giebel und zwei Erkertürmchen, die das Gebäude aussehen lassen wie aus einem Bilderbuch. Das Erbauungsdatum steht in gotischen Ziffern an der Fassade. Als Fachwerkbau der Spätgotik ist es eine echte Rarität, weil aus dieser Zeit kaum etwas erhalten ist.
Ich war früh morgens dort, auf dem Weg von Heppenheim aus. Zu der Zeit hatte außer einem Bäcker noch nichts geöffnet, und das war genau richtig: durch die Gassen laufen, das Rathaus von allen Seiten ansehen, danach Kaffee und Croissant. Wenn du ein Fachwerkmotiv ohne Menschen willst, ist Michelstadt vor neun Uhr die sichere Bank. Alle Details im Guide zu den Michelstadt Sehenswürdigkeiten.
Fränkisches Fachwerk am Main
Am Main ändert sich das Bild. Das fränkische Fachwerk ist verspielter und figürlicher als das norddeutsche: Andreaskreuze, geschwungene Rauten, Feuerböcke und in den Eckpfosten die stilisierten Mannfiguren. Die Häuser wirken schmaler und höher, die Fassaden stärker gegliedert. Wenn du aus dem Norden kommst, fällt dir der Unterschied sofort auf.
Bamberg

Bamberg ist die größte Stadt auf dieser Liste und die einzige, die man normalerweise nicht als Fachwerkstadt bezeichnet. Zu Unrecht: Die Altstadt, seit 1993 UNESCO-Weltkulturerbe, hat stille Gassen mit Fachwerk auf beiden Seiten und mit der bunten Häuserzeile am Pfahlplätzchen eines der schönsten Ensembles Frankens.
Der eigentliche Grund herzukommen ist Klein-Venedig: die ehemaligen Fischerhäuser direkt am Regnitzufer, mit kleinen Gärten und Holzstegen zum Wasser. Ich war im Rahmen einer Solo-Bahnreise durch Franken im Januar dort, und das flache Winterlicht auf den Fassaden ist noch mal eine eigene Erfahrung. Was mir dabei auffiel, war vor allem, wie viel Substanz auf so kleinem Raum steckt.
Das Wahrzeichen ist das Alte Rathaus, das mitten auf einer Insel in der Regnitz steht und nur über zwei Brücken erreichbar ist. Der Legende nach, weil die Bürger dem Bischof kein Grundstück für den Bau überlassen wollten. Danach ging es für mich in einen der Bierkeller der Stadt, wie die Biergärten hier heißen, auf ein Rauchbier. Alle Details im Guide zu den Bamberg Sehenswürdigkeiten.
Miltenberg

Der Marktplatz von Miltenberg, das sogenannte Schnatterloch, zählt zu den meistfotografierten touristischen Orten Deutschlands, und wenn du davorstehst, verstehst du warum: der Marktbrunnen, dahinter der Schnatterlochturm, ringsum geschlossene Fachwerkfassaden. Der Platz sieht aus, als hätte ihn jemand für einen Film gebaut.
Das bekannteste Haus ist das Gasthaus „Zum Riesen“ von 1590, Deutschlands älteste Fürstenherberge. Die aufwendig verzierten Fachwerkbalken und die detailreiche Fassade machen es auch dann zum Blickfang, wenn du nicht einkehrst. Die Stadt liegt zwischen Odenwald und Spessart am Main, was sie gut mit Michelstadt verbinden lässt: etwa zwanzig Minuten mit dem Auto. Alle Details im Guide zu den Miltenberg Sehenswürdigkeiten.
Marktbreit

Marktbreit ist der stille Gegenentwurf zu Miltenberg. Eine fast vollständig erhaltene Altstadt mit Stadtmauer, mehreren Wehrtürmen und dem Maintor, und im Januar an einem grauen Montag praktisch menschenleer. Ich hatte Gassen und Türme für mich allein.
Der Grund, warum ich hingefahren bin, war das Malerwinkelhaus im Malerwinkel. Bei grauem Himmel leuchtet es nicht so wie auf den Sommerfotos, für richtig gute Bilder empfehle ich Frühling oder Sommer. Das für mich schönste Motiv war ein anderes: die Bachstraße mit Blick auf das Maintor und das Rathaus dahinter. Ich habe es aus gefühlt jedem möglichen Winkel fotografiert.
Am Marktplatz steht das Gasthaus Löwen, das bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht und als zweitältestes Gasthaus Bayerns gilt. Der Fachwerkaufbau stammt aus dem 18. Jahrhundert. Praktisch: Der Zug hält direkt am Bahnhof Marktbreit, von dort sind es fünf bis sieben Minuten zu Fuß in die Altstadt. Ich bin von Würzburg aus gefahren und am selben Nachmittag noch weiter nach Ochsenfurt. Alle Details im Guide zu den Marktbreit Sehenswürdigkeiten.
Alemannisches Fachwerk im Südwesten
Im Südwesten sieht Fachwerk noch einmal anders aus. Die Geschosse sind niedriger, die Ständer stehen weiter auseinander, und statt der großen Andreaskreuze findest du häufiger geschwungene Streben und K-Formen. Die alemannische Bauweise hat sich aus dem älteren Ständerbohlenbau entwickelt, und viele Häuser wirken dadurch gedrungener als im Norden. Dafür sind sie oft kräftiger farbig gefasst.
Esslingen am Neckar

Esslingen ist die wichtigste Fachwerkstadt in diesem Artikel, auch wenn sie selten so genannt wird. Am Hafenmarkt 4 bis 10 steht die älteste zusammenhängende Fachwerkhäuserzeile Deutschlands, erbaut zwischen 1328 und 1331. Ein Haus in der Heugasse wurde sogar dendrochronologisch auf 1261 datiert. Und das Alte Rathaus von 1422 mit seiner kunstvollen Fachwerkfassade und der astronomischen Uhr gilt als Hauptwerk des alemannischen Fachwerkbaus. Wer verstehen will, wie diese Bauweise aussieht, fängt hier an.
Wir haben einen Tagesausflug von Stuttgart aus gemacht und uns vormittags mit Johannes getroffen, einem Fotografen aus Hamburg, der zufällig in der Gegend war. Das Wetter war grau und immer wieder regnerisch, was man den Bildern ansieht. Judith hatte einen gelben Regenmantel dabei, den wir als Farbtupfer auf den Fotos eingesetzt haben. Wenn du bei so einem Wetter unterwegs bist, ist das der Trick: ein kräftiger Farbakzent vor den gedeckten Fassaden.
Zuerst sind wir hoch zur Esslinger Burg gelaufen und haben von oben fotografiert. Der Aufstieg lohnt sich, weil du von dort die ganze Altstadt und das Neckartal überblickst. Ein praktischer Hinweis, den sonst niemand gibt: Das berühmte Rathaus mit dem Brunnen davor ist erstaunlich schwer zu fotografieren, weil davor schlicht wenig Platz ist. Rechne mit ein paar Anläufen und einem Weitwinkel.
Zwei bis vier Stunden reichen für die Altstadt. In einem Museum waren wir nicht. Die Stadt ist so schön, dass ich bei besserem Wetter noch einmal hinwill. Alle Details im Guide zu den Esslingen Sehenswürdigkeiten.
Gengenbach

Wenn du in Deutschland nach Fachwerk suchst, landest du schnell bei Rothenburg oder Quedlinburg. Gengenbach im Kinzigtal ist die Antwort auf die Frage, was es sonst noch gibt: eine der schönsten Fachwerkaltstädte Baden-Württembergs, Teil der Deutschen Fachwerkstraße, und erstaunlich wenig bekannt.
Wir hatten genau eine Stunde und haben es geschafft, ausgerechnet am Wein- und Stadtfest dort zu sein. Für die Stadt ein schöner Tag, für uns als Fotografen ein Reinfall, weil vor jedem Fachwerkgiebel ein Pavillondach hing. Also sind wir alle Seitengassen abgelaufen, in denen kein Fest war, und keine davon war langweilig. Wenn du nur zehn Minuten hast, geh in die Engelgasse: enge Gassen, schiefe Balken, Blumenkästen, kaum Menschen. Schau dabei nach oben, die Balkenköpfe und Inschriften sind der eigentliche Spaß.
Das Rathaus ist die Ausnahme in dieser Stadt: klassizistisch von 1784, hell und symmetrisch, fast zu ordentlich für eine Fachwerkstadt. Das schönste Fachwerkhaus ist stattdessen das Färberhaus von 1747, leuchtend rot neben dunklem Eichenfachwerk. Das Wein- und Stadtfest liegt üblicherweise Mitte September. Wenn du fotografieren willst, plane darum herum. Alle Details im Guide zu den Gengenbach Sehenswürdigkeiten.
Bad Wimpfen

Bad Wimpfen liegt über dem Neckar auf dem Gelände einer alten Kaiserpfalz, und die komplett denkmalgeschützte Altstadt hat 2025 den TravelBook-Award als „Schönste Altstadt Deutschlands“ bekommen. Wir waren an einem frühen Julimorgen dort und wollten eigentlich kurz bleiben. Daraus wurden fast drei Stunden.
Das Wahrzeichen ist der 58 Meter hohe Blaue Turm, der seit 1170 zur Königspfalz gehört. Die eigentliche Stärke der Stadt sind aber die Fachwerkhäuser dazwischen. Das Bürgermeister-Elsässer-Haus in der Oberen Turmgasse ist ein repräsentativer Bau aus dem 16. Jahrhundert, dessen Barockerker von 1717 heraussticht. Das Bügeleisenhaus in der Badgasse verdankt seinen Namen seinem Grundriss und ist das schmalste Fachwerkhaus der Stadt. In derselben Gasse steht das „Schmuckkästchen“, ein kleiner, dekorativer Bau in fränkischer Manier.
Was uns am meisten beeindruckt hat, war kein einzelnes Gebäude, sondern der Blick von der Pfalz über das Neckartal. Früh morgens liegt alles im weichen Licht, und außer uns war niemand dort. Alle Details im Guide zu den Bad Wimpfen Sehenswürdigkeiten.
Die Eifel: Monschau

Ganz im Westen, dicht an der belgischen Grenze, liegt die einzige Stadt dieser Liste, die keiner der großen Fachwerklandschaften eindeutig zuzuordnen ist. Monschau liegt in einem engen Tal der Rur, und die Fachwerkhäuser schmiegen sich so dicht aneinander, dass die Altstadt fast wie eine Kulisse wirkt. Über 330 Bauwerke stehen unter Denkmalschutz.
Wir waren an einem Nachmittag im März dort, morgens in Aachen, dazwischen eine Wanderung. Als die Sonne hinter den Hügeln verschwand, wurde es im Tal schnell frisch, was Anfang März zu erwarten war. Der Blick den Fluss entlang auf die Fachwerkhäuser ist trotzdem ein Klassiker, den man einmal gesehen haben sollte.
Zur Einordnung, damit du richtig planst: Monschau ist wunderschön, aber ein halber Tag reicht völlig, und die Stadt ist deutlich touristischer als die meisten anderen hier. Cafés und Restaurants gibt es reichlich, die Gassen sind an Wochenenden gut gefüllt. Für Fotografie und Ruhe kommst du besser unter der Woche oder in den Morgenstunden.
Ansehen solltest du das Rote Haus, das frühere Domizil einer Tuchmacherfamilie, die Burg Monschau über der Stadt und die historische Senfmühle. Den besten Blick auf die Altstadt hast du von der Haller-Ruine. Parken ist ausschließlich kostenpflichtig, die Plätze am Ortsrand sind günstiger als die in der Altstadt. Aachen liegt eine halbe Stunde entfernt und ergänzt sich gut zu einem Tagesausflug. Alle Details im Guide zu den Monschau Sehenswürdigkeiten, mehr Ziele in der Region in unserer Übersicht der schönen Städte in NRW.
Außerdem sehenswert: 13 weitere Fachwerkstädte
Diese Städte haben es nicht in die Hauptliste geschafft, sind aber jede für sich einen Ausflug wert. Ich war in allen selbst.
- Hameln: Weserrenaissance an der Weser, dazu die Rattenfänger-Geschichte.
- Bückeburg: Residenzstadt im Schaumburger Land, gut mit Stadthagen zu verbinden.
- Mölln: Eulenspiegelstadt zwischen drei Seen.
- Lauenburg: Fachwerk direkt an der Elbe, ungewöhnlich schmale Altstadt.
- Eutin: Rosenstadt in der Holsteinischen Schweiz.
- Salzwedel: Fachwerk-Altstadt in der Altmark, plus Baumkuchen.
- Marburg: die Oberstadt unter dem Landgrafenschloss.
- Wetzlar: Altstadt an der Lahn, oft übersehen.
- Heppenheim: der Marktplatz an der Bergstraße gehört zu den schönsten in Südhessen.
- Bad Camberg: Fachwerk und Kneipp im Taunus, keine neun Kilometer von Idstein.
- Bad Salzungen: Gradierwerk, Burgsee und eine sehr ruhige Altstadt.
- Schmalkalden: mein Favorit der Thüringen-Tour, mit Schloss Wilhelmsburg.
- Besigheim: Fachwerk auf einem Felssporn über dem Neckar.
Warum Rothenburg ob der Tauber hier fehlt
In fast jeder Liste zu diesem Thema steht Rothenburg ob der Tauber ganz vorn, und das zu Recht: Die Stadt ist eines der bekanntesten mittelalterlichen Ensembles Europas. In diesem Artikel fehlt sie trotzdem, und der Grund ist einfach. Ich war noch nicht dort.
Ich schreibe hier nur über Städte, durch die ich selbst gelaufen bin und die ich selbst fotografiert habe. Alles andere wäre abgeschrieben, und davon gibt es genug. Rothenburg steht auf meiner Liste, und sobald ich da war, kommt die Stadt dazu.
Wenn du nach etwas suchst, das in dieselbe Richtung geht: Dinkelsbühl liegt keine vierzig Kilometer entfernt an derselben Romantischen Straße. Und wenn dich vor allem die geschlossene mittelalterliche Kulisse reizt, ohne die Menschenmengen, dann sind Stolberg im Harz und Marktbreit die ehrlicheren Empfehlungen.
Woran du echtes Fachwerk erkennst
Nach ein paar Städten fängst du an, Unterschiede zu sehen. Diese drei Dinge helfen dabei am meisten.
Ständer, Riegel, Schwelle: die Teile, die du im Foto siehst
Ein Fachwerkhaus ist ein Holzskelett mit Füllung. Die senkrechten Hölzer heißen Ständer, die waagerechten dazwischen Riegel. Ganz unten liegt die Schwelle, ganz oben das Rähm, auf dem die Decke oder das nächste Geschoss aufsitzt. Die schrägen Hölzer sind Streben und tragen die Last ab, damit sich das Haus nicht verzieht. Die Felder zwischen den Balken heißen Gefache und sind mit Lehm, Ziegeln oder Bruchstein gefüllt.
Der Rest ist Zierde, und genau die verrät die Region. Andreaskreuze, also die X-Formen zwischen den Balken, findest du vor allem in Mitteldeutschland und Franken. Fächerrosetten und Lebensbäume sind hessisch. Die stilisierten Mannfiguren in den Eckständern sind fränkisch. Und die Knaggen, also die geschnitzten Konsolen unter vorkragenden Geschossen, sind ein norddeutsches Kennzeichen.
Echtes Fachwerk oder aufgenagelte Zierde?
Nicht alles, was nach Fachwerk aussieht, ist eines. Ab dem 19. Jahrhundert und besonders im 20. wurden Balken auf verputzte Massivwände genagelt, weil das Bild gefragt war, die Bauweise aber nicht. Drei Hinweise, mit denen du das auseinanderhältst:
Die Balken tragen nichts. Bei echtem Fachwerk laufen Ständer und Streben so, dass sie Last abtragen: durchgehend, mit erkennbarer Logik von unten nach oben. Aufgenagelte Zierde bildet oft nur ein hübsches Muster, dessen Streben im Nichts enden oder mitten in einer Wandfläche aufhören.
Das Haus ist nicht ganz gerade. Ein echtes Fachwerkhaus arbeitet über Jahrhunderte. Leicht schiefe Fensterreihen, ein durchhängender First und Gefache, die nicht exakt gleich groß sind, sprechen für Substanz. Perfekt gleichmäßige Felder sprechen eher dagegen.
Die Geschosse springen vor. Auskragende Obergeschosse mit Knaggen darunter sind konstruktiv bedingt und lassen sich nur schwer vortäuschen. Wo die Fassade glatt durchläuft und die Balken trotzdem ein Muster bilden, lohnt der zweite Blick.
Warum manche Altstädte ihr Fachwerk unter Putz versteckt haben
In vielen Städten wirken Häuser massiv, obwohl darunter Fachwerk steckt. Dafür gibt es zwei Gründe. Der eine ist Brandschutz: Nach großen Stadtbränden schrieben Bauordnungen verputzte Fassaden vor. Korbach ist ein Beispiel, dort prägt der Brand von 1664 das Stadtbild bis heute. Der andere Grund ist Mode. Im 19. Jahrhundert galt sichtbares Fachwerk als altmodisch und bäuerlich, also verschwand es hinter Putz und Schiefer.
Seit den 1970er Jahren wird vielerorts wieder freigelegt. Wenn dir also eine Fassade auffällt, deren Fachwerk auffällig frisch aussieht, ist es meistens nicht neu, sondern nur lange nicht zu sehen gewesen.
Wann du am besten fährst
Tageszeit schlägt Jahreszeit. Das Wichtigste zuerst: Komm früh. In Goslar bin ich gegen halb sieben unterwegs, in Hann. Münden, Michelstadt, Bad Wimpfen und Stolberg hatte ich die Gassen vor neun Uhr praktisch für mich allein. In engen Fachwerkgassen ist das der Unterschied zwischen einem Foto und einem Schnappschuss mit fünf Rücken darauf.
Das Licht fällt spät hinein. Fachwerkgassen sind eng und hoch. Mittags im Sommer steht die Sonne so, dass die eine Seite ausbrennt und die andere absäuft. Morgens und am späten Nachmittag ist das Licht zwischen den Fassaden deutlich freundlicher. Mein Melsungen-Nachmittag ist das Gegenbeispiel, aus dem ich gelernt habe.
Graue Tage sind nicht verloren. Farbige Fachwerkfassaden brauchen keinen blauen Himmel, und Nebel macht aus einer Altstadt etwas, das du bei Sonne nie bekommst. In Korbach habe ich beides an einem Tag fotografiert, und die Nebelbilder gefallen mir heute besser. Bei Regen hilft ein kräftiger Farbakzent im Bild, in Esslingen war das Judiths gelber Regenmantel.
Wochentags statt am Wochenende. Marktbreit an einem Januarmontag war menschenleer, Duderstadt an einem Samstagnachmittag voll. Wenn du Ruhe willst, ist der Wochentag der größere Hebel als die Jahreszeit.
Herbst für die Farben. Goslar im Oktober, wenn sich das Laub färbt und die Gassen orange getaucht sind, ist eine andere Liga als dieselbe Stadt im Juli.
Zwei Termine, die du kennen solltest: Das Gengenbacher Wein- und Stadtfest liegt üblicherweise Mitte September und stellt Stände vor jeden Giebel. Das Idsteiner Jazzfestival bespielt am ersten hessischen Ferienwochenende im Juli über zehn Bühnen zwischen den Fachwerkhäusern. Je nachdem, was du suchst, planst du darauf zu oder darum herum.
Wenn du mehrere Städte verbinden willst: Hann. Münden und Duderstadt gehören mit Einbeck, Northeim und Osterode zum Fachwerk5Eck, einer Route durch fünf südniedersächsische Fachwerkstädte. Goslar, Wernigerode und Quedlinburg liegen jeweils eine halbe Autostunde auseinander und ergeben ein perfektes Harz-Wochenende.
Fazit
Fachwerk ist die ehrlichste Bauweise, die Deutschland zu bieten hat: Du siehst dem Haus an, wie es hält. Und du siehst der Stadt an, wo sie liegt, weil sich die Bauweise alle paar hundert Kilometer ändert.
Wenn du nur eine Stadt aus dieser Liste besuchst, nimm Hann. Münden, wegen der Dichte. Wenn du Ruhe suchst, nimm Stolberg oder Marktbreit. Wenn dich die Bauweise selbst interessiert, fahr nach Quedlinburg und geh ins Fachwerkmuseum im Ständerbau, oder nach Esslingen zur ältesten Häuserzeile des Landes. Und wenn du ein einzelnes Gebäude sehen willst, das den ganzen Weg rechtfertigt, dann ist es der Römer 2-4-6 in Limburg, das Rathaus in Michelstadt oder das in Alsfeld.
Mehr Fotos aus diesen Städten und von unseren Touren findest du laufend auf unserem Instagram.
Häufige Fragen zu Fachwerkstädten in Deutschland
Welche ist die schönste Fachwerkstadt Deutschlands?
Das hängt davon ab, was du suchst. Für die schiere Menge ist Quedlinburg mit rund 2.100 Fachwerkhäusern aus acht Jahrhunderten die Nummer eins, gefolgt von Goslar mit über 1.500. Für ein geschlossenes Ensemble ohne Baulücken ist Stolberg im Harz kaum zu schlagen, das 2019 von den Lesern des Magazins Travelbook zu Deutschlands schönstem Dorf gewählt wurde. Meine persönliche Wahl ist Hann. Münden, weil dort rund 79 Prozent der Gebäude innerhalb der alten Stadtmauern sichtbares Fachwerk zeigen.
Was ist eine Fachwerkstadt?
Eine Fachwerkstadt ist eine Stadt, deren Altstadt überwiegend aus Fachwerkhäusern besteht: Gebäuden mit einem sichtbaren tragenden Holzskelett aus Ständern, Riegeln und Streben, dessen Zwischenräume, die Gefache, mit Lehm, Ziegeln oder Bruchstein ausgefüllt sind. In Deutschland haben sich mehrere regionale Bauweisen entwickelt, vor allem die niederdeutsche, die mitteldeutsche, die fränkische und die alemannische.
Wo steht das älteste Fachwerkhaus Deutschlands?
Es kommt darauf an, wonach genau du fragst, und die konkurrierenden Ansprüche schließen sich nicht aus. Das älteste freistehende Fachwerkhaus Deutschlands ist der Römer 2-4-6 in Limburg an der Lahn von 1289, ein gotisches Hallenhaus und Nationaldenkmal. Die älteste zusammenhängende Häuserzeile steht am Hafenmarkt 4 bis 10 in Esslingen am Neckar und wurde zwischen 1328 und 1331 erbaut. Ein noch älteres Einzelhaus, dendrochronologisch auf 1261 datiert, steht ebenfalls in Esslingen, in der Heugasse. In Quedlinburg entstand der Höllenhof laut Untersuchungen in drei Abschnitten zwischen 1215 und 1301, und das dortige Fachwerkmuseum sitzt in einem Ständerbau von 1310.
Woran erkennt man fränkisches Fachwerk?
Fränkisches Fachwerk ist figürlicher und verspielter als das norddeutsche. Typisch sind Andreaskreuze, geschwungene Rauten, sogenannte Feuerböcke und vor allem die stilisierten Mannfiguren in den Eckständern. Die Häuser wirken schmaler und höher als im Norden, die Fassaden sind stärker gegliedert. Gute Beispiele findest du in Miltenberg, Marktbreit und Bamberg.
Gibt es eine Karte mit Fachwerkstädten in Deutschland?
Ja, weiter oben in diesem Artikel. Dort sind alle Städte eingezeichnet, die 24 ausführlich beschriebenen und die 13 zusätzlich empfohlenen, jeweils getrennt markiert. So siehst du direkt, welche Städte nah beieinanderliegen und sich zu einer Route verbinden lassen.
Welche Fachwerkstadt eignet sich für einen Tagesausflug?
Am unkompliziertesten sind Städte mit Bahnhof in Altstadtnähe. Tangermünde erreichst du mit dem Regionalzug, der Bahnhof liegt unmittelbar an der Altstadt, und mit dem Deutschlandticket ist das selbst aus Hamburg machbar. Stade liegt per S-Bahn gut eine Stunde von Hamburg entfernt. Marktbreit funktioniert genauso ab Würzburg, fünf bis sieben Minuten zu Fuß vom Bahnhof. Auch Idstein, Melsungen und Celle lassen sich gut an einem Tag machen.
Ist Lüneburg eine Fachwerkstadt?
Nein. Lüneburg wird oft in einem Atemzug mit Fachwerkstädten genannt, ist aber eine Backsteingotik-Stadt. Prägend sind kunstvoll verzierte Backsteinbauten mit gotischen Treppengiebeln und barocken Schneckengiebeln, dazu die großen Backsteinkirchen. Wenn dich das Thema interessiert, findest du Lüneburg in unserer Übersicht der schönen Städte in Deutschland.
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