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Hansestädte in Deutschland: meine Favoriten und was sie besonders macht

Es gibt in Deutschland 27 Städte, die offiziell „Hansestadt“ heißen, und rund 200 waren es zu Zeiten der alten Hanse. Ich habe zwölf davon besucht, und die Wahrheit ist: Nicht jede Hansestadt lohnt eine eigene Anreise. Manche schon, und zwar deutlich mehr, als ihr Bekanntheitsgrad vermuten lässt.

Dieser Artikel ist deshalb keine Liste zum Abhaken. Zuerst kommt kurz das, was man wissen sollte, um in einer Hansestadt zu erkennen, was man da eigentlich sieht. Danach kommen meine Favoriten, mit ehrlicher Einordnung: welche mich überrascht haben, welche ihren Ruf verdienen und bei welchen ein halber Tag reicht.

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Hansestädte in Deutschland auf einen Blick

  • 27 Städte führen offiziell den Namenszusatz „Hansestadt“
  • 7 davon tragen das H im Kfz-Kennzeichen: HB, HH, HL, HRO, HGW, HWI, HST
  • Rund 200 Städte gehörten zur historischen Hanse, der letzte Hansetag war 1669 in Lübeck
  • Erkennungszeichen: Backsteingotik, Speicher am Wasser, giebelständige Kaufmannshäuser
  • Größte: Hamburg (1.869.473) · Kleinste: Werben an der Elbe (898)
  • Hansetag 2027 in Braunschweig, 2028 in Stralsund, 2029 in Wismar

Kurz erklärt: Was war die Hanse?

Die Hanse war ein Zusammenschluss von Kaufleuten und später von Städten, der zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert den Handel im Nord- und Ostseeraum beherrschte. Kein Staat, kein Verein mit Mitgliedsausweis, sondern ein loses Bündnis mit einem sehr praktischen Zweck: gemeinsam reisen, gemeinsam Handelsprivilegien durchsetzen, im Zweifel gemeinsam Druck machen. Der Vertrag zwischen Hamburg und Lübeck von 1241 gilt als eine der Gründungsurkunden.

Gehandelt wurden Massengüter, nicht Luxus: Salz aus Lüneburg, Hering aus Schonen, Tuch aus Flandern, Getreide, Holz und Pelze aus dem Osten. Genau daraus erklärt sich, warum manche dieser Städte heute so aussehen, wie sie aussehen. Der letzte Hansetag fand 1669 in Lübeck statt, und es erschienen nur noch neun Städte. Aufgelöst hat sich die Hanse nie, sie hörte einfach auf zu tagen.

Wie viele Hansestädte gibt es heute? Drei Zahlen, die ständig durcheinandergehen:

  • 27 deutsche Städte führen den amtlichen Namenszusatz „Hansestadt“ in ihrer Hauptsatzung. Bei Lübeck, Hamburg und Bremen ist er alt, die übrigen 24 haben ihn überwiegend nach 1990 wieder aufgenommen.
  • 106 deutsche Städte sind Mitglied im Städtebund DIE HANSE, der 1980 im niederländischen Zwolle neu gegründet wurde. Dort sind auch Köln, Dortmund, Hannover und Braunschweig dabei, die den Namenszusatz nicht führen.
  • Rund 200 Städte gehörten der historischen Hanse an, von Nowgorod bis Brügge. Wirklich aktiv war davon immer nur ein Bruchteil.

Das H im Kennzeichen haben übrigens nur sieben: HB (Bremen), HH (Hamburg), HL (Lübeck), HRO (Rostock), HGW (Greifswald), HWI (Wismar), HST (Stralsund). Alle anderen fahren mit normalen Kreiskennzeichen. Und das H allein steht für Hannover, das zwar im Städtebund ist, den Titel aber nicht führt. Das ist die häufigste Verwechslung von allen.

Die vollständige Mitgliederliste führt der Städtebund selbst. Einmal im Jahr gibt es den Internationalen Hansetag, ein Stadtfest mit Delegationen aus allen Mitgliedsstädten. Für die nächsten Jahre lohnt der Blick in den Kalender, weil dreimal hintereinander Deutschland ausrichtet: 2027 Braunschweig (10. bis 13. Juni), 2028 Stralsund (15. bis 18. Juni), 2029 Wismar (7. bis 10. Juni).

Woran du eine Hansestadt erkennst

Das ist der eigentlich nützliche Teil, und er funktioniert auch in Städten, die den Titel gar nicht führen. Vier Dinge, auf die du achten kannst.

1. Backsteingotik

Im norddeutschen Tiefland gibt es keinen Naturstein. Wer im Mittelalter eine große Kirche bauen wollte, musste Ziegel brennen, und daraus ist eine eigene Bauweise entstanden: die Backsteingotik. Du erkennst sie an den wuchtigen roten Baukörpern, an Blendnischen in den Wänden, an glasierten Formsteinen, die dunkle Muster ins Mauerwerk setzen, und vor allem an den Staffelgiebeln, die wie eine Treppe nach oben laufen.

Das Bauprinzip ist mit dem Handel gewandert, entlang der Ostseeküste bis ins Baltikum. Deshalb sehen die Kirchen in Wismar, Stralsund und Danzig einander ähnlicher als der Kirche in der nächsten Kleinstadt im Binnenland. Wenn du in Norddeutschland vor einem riesigen roten Kirchenschiff stehst und dich fragst, wie sich eine Stadt dieser Größe so etwas leisten konnte: Die Antwort ist meistens Handel.

2. Speicher am Wasser

Handel heißt lagern. Hansestädte haben deshalb ihre Lagerhäuser direkt ans Wasser gebaut, damit die Ware vom Schiff in wenigen Metern in den Speicher kam. Das Erkennungsmerkmal sind die Ladeluken übereinander in der Fassade und der Windenbalken, der oben aus dem Giebel herausragt: Daran hing der Flaschenzug, mit dem die Säcke nach oben gezogen wurden.

Wo du diesen Balken siehst, hast du ein ehemaliges Lagerhaus vor dir, auch wenn heute Ferienwohnungen drin sind. In Lübeck sind es die Salzspeicher an der Trave, in Stade und Buxtehude stehen die Häuser direkt am alten Hafenbecken, und Hamburgs Speicherstadt ist die Fortsetzung desselben Prinzips, nur 500 Jahre später und in industriellem Maßstab.

3. Giebelständige Kaufmannshäuser

In den meisten deutschen Altstädten stehen die Häuser traufständig, also mit der langen Seite zur Straße. In Hansestädten stehen sie giebelständig, mit der Schmalseite nach vorn. Das hat einen banalen Grund: Die Grundstücke am Markt waren schmal und tief, weil möglichst viele Kaufleute an die beste Lage wollten.

Dahinter steckt ein ganzes Wohn- und Arbeitskonzept. Unten die Diele, ein hoher Raum, der Kontor, Empfang und Umschlagplatz zugleich war. Darüber die Lagerböden. Ganz oben im Giebel wieder eine Ladeluke. Das Haus war Firma und Wohnung in einem, und die Fassade war die Visitenkarte. Je aufwendiger der Giebel, desto besser lief das Geschäft.

4. Rolande, Stadttore, Ratshäuser

Drei Zugaben, die dasselbe erzählen: Selbstbewusstsein. Ein Roland ist eine steinerne Figur mit Schwert auf dem Marktplatz und war das sichtbare Zeichen dafür, dass die Stadt eigene Marktrechte hatte. Der bekannteste steht in Bremen, es gibt ihn aber auch in Stendal, Quedlinburg und Halberstadt.

Dazu kommen die Stadttore, oft die letzten Reste der Befestigung, und die Rathäuser, die in Hansestädten regelmäßig eine Nummer zu groß für die heutige Einwohnerzahl sind. Genau das ist der Punkt: Sie wurden für die Stadt gebaut, die sie einmal waren.

Meine Favoriten unter den deutschen Hansestädten

Ich war in zwölf der 27, dazu in einer Reihe weiterer Städtebund-Mitglieder. Was jetzt kommt, ist nach persönlichem Eindruck sortiert, nicht nach Bekanntheit oder Einwohnerzahl. Wer eine vollständige Liste aller Hansestädte sucht, findet sie beim Städtebund.

1. Stendal: die größte Überraschung

Stendal klingt nach einer Stadt, die man auf dem Weg woanders hin sieht. Genauso bin ich dort auch gelandet: mit dem Zug von Hamburg, ein paar Stunden Stopp in Tangermünde davor, dann weiter in die Altmark-Hauptstadt. Dass Stendal mich so begeistern würde, hatte ich nicht erwartet, und deshalb steht es hier oben.

Das Highlight ist ausgerechnet ein Kaufhaus. Das Kaufhaus Ramelow am Markt sieht von außen unscheinbar aus, aber innen steht ein vollständig erhaltenes Bauhaus-Treppenhaus. Mein Begleiter hat mich da regelrecht reingeschleppt, und er hatte recht: Das ist das fotogenste Motiv der Stadt und steht in keinem Reiseführer weit oben.

Der zweite Tipp geht in dieselbe Richtung: Geh auf das Uenglinger Tor hoch. Von oben siehst du auf das Trojanische Pferd vor dem Winckelmann-Museum und auf die Jacobikirche, und diese Perspektive bekommst du nur da oben.

Dazu das Programm einer alten Hansestadt in guter Qualität: der Dom St. Nikolai mit mittelalterlichen Glasfenstern, der Marktplatz mit Marienkirche, Rathaus und Roland, dazu St. Petri und das Tangermünder Tor. Mittags hat sich das Steakhouse Mendoza bewährt, wir haben draußen gesessen, was an einem Augusttag in der Altmark-Sonne die richtige Entscheidung war. Kein Gourmet-Tempel, aber solide.

Die zwölf Highlights im Detail stehen im ausführlichen Stendal-Artikel.

Ehrlich eingeordnet: Stendal ist kein Ziel für ein ganzes Wochenende. Als Tagesausflug ist es stark, und von Hamburg ist es mit dem Regionalzug in gut anderthalb Stunden erreichbar.

2. Korbach: die stillste

Korbach liegt auf 375 Metern zwischen Kellerwald und Sauerland, ist die einzige Hansestadt Hessens und damit die südlichste Deutschlands. Ich war am 4. September 2021 dort, an einem Samstag.

Der Tag lief anders als geplant. Ich kam gegen elf an, und über der Stadt hing dichter Nebel. Ich bin trotzdem los, habe alles abfotografiert und mich zunehmend geärgert, dass der blaue Himmel ausblieb. Irgendwann habe ich aufgegeben, mich ins Auto gesetzt und eine Stunde geschlafen. Als ich aufwachte, war der Himmel aufgerissen, und ich bin denselben Rundgang ein zweites Mal gelaufen, diesmal mit Licht. Dieser Nachmittag ist der Grund, warum ich Korbach in guter Erinnerung habe.

Was mir zuerst auffiel, war die Ruhe. Samstagnachmittag, die Fußgängerzone gut besucht, aber nirgends voll, und in den Seitengassen war ich streckenweise allein. Wer schon mal an einem Sommersamstag durch eine der bekannteren Fachwerkstädte gelaufen ist, weiß, wie ungewöhnlich das ist.

Korbachs Besonderheit ist die Struktur: Die Stadt bestand ursprünglich aus zwei getrennten Städten mit je eigener Kirche, Alt- und Neustadt, die erst 1377 zusammenwuchsen. Daher der doppelte Mauerring und die zwei großen Kirchen, St. Kilian und St. Nikolai. Reingegangen bin ich in St. Kilian, und das würde ich dir auch empfehlen: Von außen fotografierst du in Korbach ohnehin ständig, aber den Innenraum bekommt man nur mit, wenn man die Tür aufmacht.

Wenn ich eine Sache aus dem Tag mitnehmen müsste, dann diese: Die schönsten Motive liegen nicht am Marktplatz, sondern einen Abzweig weiter. Lauf die Hauptachse einmal komplett ab und danach ein zweites Mal, aber bieg jedes Mal ab, wenn rechts oder links eine Gasse aufgeht. Das kostet vierzig Minuten mehr und ist der Teil, an den ich mich am besten erinnere.

Die komplette Fotorunde, den Vergleich mit Fritzlar und alle Praxisdaten habe ich im Korbach-Artikel aufgeschrieben.

Ehrlich eingeordnet: Korbach ist keine Stadt für einen ganzen Urlaub, und als Hansestadt wird sie kaum wahrgenommen. Museum, Fossilienfundstätte und Goldbergwerk habe ich ausgelassen; beim nächsten Mal plane ich sie ein. Parken: Parkplatz Obermarkt in der Oberstraße, über 60 Stellplätze, montags bis freitags 8 bis 19 Uhr und samstags 8 bis 14 Uhr gebührenpflichtig, erste Stunde 0,75 Euro, jede weitere 1,50 Euro. Sonntags und abends kostenlos.

3. Salzwedel: die, für die zwei Stunden reichten

Salzwedel stand nicht auf meiner Liste. Es lag auf dem Rückweg von Stendal, ich hatte zwei Stunden am späten Nachmittag, mehr war nicht geplant. Ich bin einfach durch die Gassen gelaufen, mit der Kamera und ohne Erwartungen, und genau das hat die Stadt belohnt: kaum Menschen unterwegs, goldenes Nachmittagslicht auf den Fachwerkhäusern, an jeder zweiten Ecke ein Motiv.

Auf engem Raum steckt hier erstaunlich viel: ein Rest der Stadtmauer, mit Neuperver Tor und Steintor zwei mittelalterliche Stadttore, mehrere gotische Kirchen und eine Altstadt voller Fachwerk. Die Alte Münze von 1719 war erst Kornspeicher, dann Münzprägeanstalt und ist heute Technikmuseum – jedes Gebäude hier hat drei Leben. Mein persönliches Highlight war die Mönchskirche von innen: gewölbte Decken, farbige Glasfenster, das Schnitzaltarretabel.

Ein Tipp für Fotografen: Leg den Besuch auf den späten Nachmittag. Dann fällt das Licht flach auf die Fassaden, und die Altstadt gehört dir fast allein.

Was in zwei Stunden alles reinpasst, steht ausführlich im Salzwedel-Artikel.

Ehrlich eingeordnet: Zwei Stunden haben für die Altstadt gereicht, und mehr braucht sie auch nicht. Gegessen habe ich nichts, dafür war die Zeit zu knapp. Wenn du tagsüber da bist, lass dir den Original Salzwedeler Baumkuchen nicht entgehen; die Baumkuchenmanufaktur Kruse in der Holzmarktstraße backt ihn noch über offenem Feuer, und das hat hier eine Geschichte seit dem 16. Jahrhundert.

4. Lübeck: die Königin der Hanse

Lübeck ist der Ort, an dem die Hanse ihren Sitz hatte. Der Hansetag tagte hier, das Lübecker Stadtrecht wurde von zahlreichen Städten im Ostseeraum übernommen, und der letzte Hansetag 1669 fand ebenfalls hier statt. Wenn du nur eine einzige Hansestadt sehen willst, ist es diese.

Die Altstadt liegt auf einer Insel zwischen Trave und Wakenitz und ist seit 1987 UNESCO-Welterbe. Das Holstentor ist das bekannteste Bauwerk, aber es ist nicht das interessanteste. Das sind die Gänge und Höfe: schmale Durchgänge zwischen den Kaufmannshäusern, hinter denen winzige Wohnhöfe für Handwerker und Arbeiter liegen. Sie entstanden ab dem 14. Jahrhundert, oft als Stiftungen wohlhabender Bürger, viele wurden 1942 zerstört, erhalten ist trotzdem eine dreistellige Zahl. Und man läuft direkt daran vorbei, wenn man nicht weiß, worauf man achten muss.

Die Altstadt-Highlights von der Marienkirche bis zum Buddenbrookhaus stehen im Lübeck-Artikel.

Für die Hanse-Geschichte selbst ist das Europäische Hansemuseum die richtige Adresse: An der Untertrave 1, täglich 10 bis 18 Uhr (außer 24. Dezember), Dauerausstellung 16 Euro, ermäßigt 10 Euro, unter 18 frei, Jahreskarte 30 Euro. Der Eintritt ins Burgkloster ist enthalten, gebucht wird mit Zeitfenster. (Stand: August 2026.)

5. Wismar: Welterbe-Altstadt in klein

Wismar ist die kleine Schwester von Lübeck, gut 60 Kilometer östlich und mit 43.103 Einwohnern nur ein Fünftel so groß. Die Altstadt gehört seit 2002 gemeinsam mit Stralsund zum UNESCO-Welterbe, und der fast quadratische Marktplatz ist rund einen Hektar groß.

Was Wismar von den anderen unterscheidet: Die Stadt gehörte von 1648 bis 1803 zu Schweden, und das sieht man noch. Das Wirtshaus „Alter Schwede“ von 1380 am Markt trägt seinen Namen daher, und die Schwedenköpfe im Hafen sind zwei Kopfskulpturen, die früher Dalben markierten.

Die drei großen Kirchen erzählen die Kriegsgeschichte: Von St. Marien steht nur noch der Turm, weil das Kirchenschiff 1960 gesprengt wurde. St. Georgen wurde nach der Wiedervereinigung über Jahrzehnte wieder aufgebaut. Nur St. Nikolai kam durch. Alle Stationen der Altstadt stehen im Wismar-Artikel. Am Alten Hafen liegt die Poeler Kogge, ein Nachbau nach einem Wrackfund von 1999, also ein Hanse-Schiff, wie es die Kaufleute tatsächlich gefahren haben. 2029 richtet Wismar den Hansetag aus.

6. Tangermünde: die dichteste Altstadt der Altmark

Tangermünde ist keine der 27 mit Namenszusatz, sondern Mitglied im Städtebund, und trotzdem gehört es für mich in diese Liste. Die Stadt liegt hoch über der Elbe, hat eine fast komplett erhaltene Stadtmauer mit Türmen und das schönste Backstein-Rathaus der Region, dessen Schaufassade reine Repräsentation ist: filigranes Maßwerk vor einer Wand, hinter der nichts passiert.

Ich war im August 2022 morgens dort, bevor es weiter nach Stendal ging. Die einzelnen Stationen stehen im Tangermünde-Artikel. Für die Altstadt reichen zwei bis drei Stunden, und sie ist von Stendal aus mit dem Zug direkt zu erreichen.

7. Bremen: Roland, Rathaus, Schnoor

Bremen ist die zweite Freie Hansestadt und die zweitälteste Stadtgemeinde Deutschlands. Am Marktplatz stehen zwei Bauwerke, die seit 2004 gemeinsam UNESCO-Welterbe sind: das Rathaus mit seiner Weser-Renaissance-Fassade und der Roland von 1404, eine 5,47 Meter hohe Steinfigur, die die Marktrechte und die Freiheit der Stadt symbolisiert. Es ist der älteste erhaltene Roland aus Stein.

Die vollständige Runde über Marktplatz, Dom und Schlachte steht im Bremen-Artikel.

Das Schnoorviertel ist das älteste Wohnquartier der Stadt, ein Gassengewirr mit Häusern aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, in denen früher Fischer und Schiffer wohnten. Heute sind es Läden und Cafés, entsprechend voll wird es. Ruhiger ist die Böttcherstraße, 110 Meter Backstein-Expressionismus aus den 1920er Jahren, finanziert vom Kaffeekaufmann Ludwig Roselius.

8. Hamburg: die größte, aber die am wenigsten hanseatische

Offiziell heißt sie „Freie und Hansestadt Hamburg“, und der Titel ist keine Folklore: Hamburg war nie Teil eines Fürstentums und ist bis heute ein eigenes Bundesland. Der Vertrag mit Lübeck von 1241 gilt als Keimzelle der Hanse.

Vom mittelalterlichen Hamburg ist allerdings wenig übrig; dafür haben Großer Brand 1842, Weltkrieg und Wiederaufbau gesorgt. Der hanseatische Charakter liegt heute im Hafen und in der Speicherstadt, dem größten zusammenhängenden Lagerhauskomplex der Welt, seit 2015 UNESCO-Welterbe. Sie stammt erst aus den 1880er Jahren, ist aber die direkte Fortsetzung des Prinzips: lagern, umschlagen, weiterverkaufen.

Was sich in Hamburg sonst lohnt, steht im Hamburg-Artikel.

Ehrlich eingeordnet: Wer wegen der Hanse nach Hamburg fährt, fährt aus dem falschen Grund. Hamburg lohnt sich für vieles, aber die mittelalterliche Hansestadt musst du dir dort zusammensuchen. Der Kontrast zur Altmark ist trotzdem der lehrreichste Teil an diesem Thema: In der Speicherstadt siehst du den Handel als Industrie, in Salzwedel oder Stendal siehst du, was von ihm übrig bleibt, wenn er vierhundert Jahre lang weg ist. Beides ist Hanse.

9. Fünf weitere, die ich gesehen habe

Diese fünf habe ich auf dem Weg oder als Tagesausflug mitgenommen. Sie stehen hier nicht weiter unten, weil sie schlechter wären, sondern weil ich zu ihnen weniger zu erzählen habe als zu den ersten acht. Was jede von ihnen ausmacht, in Kurzform:

  • Rostock ist mit 204.929 Einwohnern die größte Hansestadt an der Ostsee und hat die älteste Universität im Ostseeraum (1419). Die Altstadt ist aber kein geschlossenes Ensemble wie in Wismar, weil die Stadt im Krieg schwer getroffen wurde. Sehenswert: der Neue Markt mit dem siebentürmigen Rathaus, die Marienkirche mit ihrer astronomischen Uhr von 1472 und Warnemünde mit Leuchtturm und Strand.
  • Lüneburg ist der klarste Fall dafür, warum eine Stadt reich wurde: Salz. Ohne das Lüneburger Salz kein Heringshandel der Hanse. Man sieht es doppelt: an den Backsteingiebeln am Markt und Am Sande, und an den schiefen Häusern im Senkungsgebiet rund um die Michaeliskirche, wo der Untergrund durch die Soleförderung abgesackt ist. Das ist kein malerischer Zufall, sondern Bergbaufolge.
  • Stade hat den Alten Hansehafen, ein rechteckiges Becken mitten in der Altstadt mit Fachwerkhäusern am Wasser und einem hölzernen Tretkran von 1661 am Kopfende. In zwei Stunden abgelaufen, und der beste Ausgangspunkt fürs Alte Land.
  • Buxtehude wurde um 1285 planmäßig angelegt, mit rechteckigem Grundriss und einem Hafenkanal mitten hindurch, dem Fleth. Das ist stadtbaugeschichtlich interessanter, als der Besuch sich anfühlt: In gut einer Stunde hast du alles gesehen.
  • Uelzen kennen die meisten wegen des Hundertwasser-Bahnhofs, den Friedensreich Hundertwasser zur EXPO 2000 umgestaltet hat. Die Altstadt daneben wird darüber übersehen, zu Unrecht: Schnellenmarkt, Gildehaus, St. Marien. Und die Mäusetwiete, die schmalste Gasse der Stadt, in der laut Überlieferung gerade zwei Personen nebeneinander passen. Adresse: Lüneburger Straße 34, ohne die läuft man dran vorbei.

Und die anderen 15?

Zwölf der 27 habe ich gesehen, fünfzehn nicht: Stralsund, Greifswald, Anklam und Demmin in Mecklenburg-Vorpommern, Gardelegen, Havelberg, Osterburg, Werben und Seehausen in der Altmark, dazu Wipperfürth, Warburg, Attendorn, Breckerfeld, Medebach und Herford in Nordrhein-Westfalen.

Über die schreibe ich hier nichts, weil ich nichts dazu sagen kann. Zwei stehen aber ganz oben auf meiner Liste. Stralsund, weil die Altstadt gemeinsam mit Wismar Welterbe ist und die Stadt 2028 den Hansetag ausrichtet. Und Werben an der Elbe, die mit 898 Einwohnern kleinste Hansestadt der Welt, mit einem erhaltenen Stadttor und einer gotischen Kirche. Werben lag auf meiner Altmark-Runde nur 30 Kilometer abseits, und ich bin daran vorbeigefahren, weil ich den Zug kriegen wollte. Das ärgert mich bis heute.

Die westfälische Hanse ist der Teil, den fast niemand kennt: sechs Städte im Binnenland, an den alten Landhandelswegen zwischen Rhein und Ostsee. Sie werden nirgends als Hansestädte vermarktet, entsprechend leer dürften sie sein. Korbach hat mich überhaupt erst darauf gebracht, dass es diese Gruppe gibt.

Zwei Routen, die sich wirklich lohnen

Die Altmark an einem Tag, mit dem Zug

Das ist die Route, die ich selbst gefahren bin, und sie funktioniert erstaunlich gut ohne Auto. Von Hamburg mit dem Regionalzug nach Tangermünde (zwei bis drei Stunden reichen), weiter nach Stendal für den Nachmittag, auf dem Rückweg noch zwei Stunden in Salzwedel. Alle drei liegen an derselben Bahnstrecke. Wer früh startet, sieht an einem Tag drei Hansestädte, die zusammen weniger Besucher haben als Lübeck an einem Vormittag.

Das ist gleichzeitig meine Empfehlung für alle, die wissen wollen, wie sich eine Hansestadt anfühlt, in der seit 400 Jahren nichts Großes mehr passiert ist.

Die Ostseeküste: Lübeck, Wismar, Stralsund

Die klassische Route, und die einzige, auf der du drei UNESCO-Welterbe-Altstädte hintereinander bekommst. Rund 200 Kilometer von West nach Ost, realistisch drei bis vier Tage. Ich habe davon Lübeck und Wismar gesehen, Stralsund fehlt mir noch.

Timing-Tipp: 2028 ist Stralsund Gastgeber des Hansetags, 2029 Wismar. Wer die Route ohnehin plant, kann sie auf eines der beiden Wochenenden legen.

Führungen und Touren

In den kleinen Hansestädten laufen Führungen fast immer über die Tourist-Information vor Ort, online buchbar ist da wenig. Für Buxtehude, Uelzen, Salzwedel, Stendal und Korbach gibt es kein Online-Angebot; das sagt nichts über die Städte, sondern über den Vertriebsweg. In den großen sieht es anders aus, und drei Angebote passen inhaltlich wirklich zum Thema:

Lübeck: Rundgang zur Geschichte der Hansestadt. Die Führung, die tatsächlich von der Hanse handelt und nicht nur an den Fotomotiven entlangläuft. Als private Tour für bis zu acht Personen, ab 235 Euro für die Gruppe, lohnt sich also nur zu mehreren. Angebot ansehen*

Lübeck: Tour durch die verborgenen Höfe. Genau die Gänge und Wohnhöfe aus dem Lübeck-Kapitel oben, an denen man ohne Führung vorbeiläuft. Anderthalb Stunden, ab 17 Euro, auf Deutsch. Angebot ansehen*

Wismar: Hafenrundfahrt. Eine Stunde vom Wasser aus, was bei einer Hafenstadt die naheliegende Perspektive ist und den Blick auf die Speicher freigibt, den man von Land nicht bekommt. Ab 23 Euro, auf Deutsch. Angebot ansehen*

Übernachten: Für die Altmark-Runde ist Stendal als größte Stadt der Region am praktischsten, für die Ostseeroute Wismar. Unterkünfte in Stendal* und Unterkünfte in Wismar*

Fazit: welche Hansestadt lohnt sich wirklich?

Wenn du eine Hansestadt sehen willst und nur eine: Lübeck. Es ist der Ursprung, es ist Welterbe, und es hat mit dem Hansemuseum den Ort, an dem die Geschichte tatsächlich erklärt wird.

Wenn du wissen willst, wie es sich anfühlt, wenn eine Stadt einmal reich war und dann vierhundert Jahre lang nichts mehr: die Altmark. Stendal, Salzwedel, Tangermünde an einem Tag mit dem Zug. Die Bausubstanz von damals steht noch, weil kein Geld da war, sie zu ersetzen, und Besucher sind kaum da, weil niemand diese Städte kennt. Für mich ist das die attraktivere Version, und es ist der Grund, warum dieser Artikel nicht mit Lübeck anfängt.

Und wenn dich das Thema packt: Die Niederländer haben ihre eigene Version davon, neun Städte an der IJssel, die sich als Hanzesteden vermarkten und deutlich besser erschlossen sind als unsere Altmark. Zwolle richtet 2030 den Hansetag aus.

Mehr Bilder von unterwegs findest du auf unserem Instagram.

Häufig gestellte Fragen zu den Hansestädten in Deutschland

Wie viele Hansestädte gibt es in Deutschland?

27 deutsche Städte führen offiziell den Namenszusatz „Hansestadt“ in ihrer Hauptsatzung. Im heutigen Städtebund DIE HANSE sind dagegen 106 deutsche Städte Mitglied, und der historischen Hanse gehörten insgesamt rund 200 Städte in ganz Nordeuropa an. Wenn dir die Zahl 25 begegnet, ist die Liste veraltet.

Was bedeutet Hansestadt?

Der Titel weist darauf hin, dass die Stadt der Hanse angehörte, einem Handelsbund von Kaufleuten und Städten, der zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert den Handel im Nord- und Ostseeraum beherrschte. Heute ist es ein amtlicher Namenszusatz ohne rechtliche Wirkung.

Woran erkennt man eine Hansestadt?

An vier Dingen: Backsteingotik mit Staffelgiebeln und Blendnischen, Speichern am Wasser mit Ladeluken und Windenbalken, giebelständigen Kaufmannshäusern mit hoher Diele im Erdgeschoss, und an Rolanden, Stadttoren und Rathäusern, die für die heutige Einwohnerzahl deutlich zu groß sind.

Welche Hansestädte haben das H im Kennzeichen?

Sieben: HB für Bremen, HH für Hamburg, HL für Lübeck, HRO für Rostock, HGW für Greifswald, HWI für Wismar und HST für Stralsund. Alle anderen Hansestädte haben normale Kreiskennzeichen. Das H allein steht nicht für eine Hansestadt, sondern für Hannover.

Welche Hansestadt ist die schönste?

Objektiv lässt sich das nicht beantworten, aber subjektiv: Lübeck hat die größte Backsteingotik-Altstadt und ist Welterbe, Wismar bietet dasselbe mit weniger Andrang. Wenn dir leere Gassen wichtiger sind als Bekanntheit, fahr in die Altmark nach Stendal oder Salzwedel.

Ist Kiel eine Hansestadt?

Kiel wurde 1283/84 in die Hanse aufgenommen und 1554 wieder ausgeschlossen, mit dem Vorwurf, Piraten beherbergt zu haben. Den Namenszusatz „Hansestadt“ führt Kiel bis heute nicht. Im heutigen Städtebund DIE HANSE ist Kiel dagegen Mitglied.

Ist Lüneburg eine Hansestadt?

Ja. Lüneburg führt den Zusatz offiziell und war durch den Salzhandel eine der wichtigsten Hansestädte überhaupt, weil das Salz zum Konservieren von Hering gebraucht wurde.

Ist Stade eine Hansestadt?

Ja, Stade führt den amtlichen Zusatz und war schon Hansemitglied, als Hamburg noch unbedeutend war. Der Alte Hansehafen mitten in der Altstadt erinnert daran.

Ist Berlin eine Hansestadt?

Historisch gehörten Berlin und Cölln der Hanse an, traten aber im 15. Jahrhundert wieder aus. Den Namenszusatz führt Berlin nicht, und Mitglied im heutigen Städtebund ist die Stadt auch nicht.

Ist Schwerin eine Hansestadt?

Nein. Schwerin war Residenzstadt der Mecklenburger Herzöge, nicht Handelsstadt, und gehörte der Hanse nie an. Die Verwechslung entsteht durch die Nähe zu Wismar und Rostock.

Ist Köln eine Hansestadt?

Köln war eine der mächtigsten Hansestädte überhaupt und ist bis heute Mitglied im Städtebund DIE HANSE. Den Namenszusatz führt die Stadt aber nicht, deshalb taucht sie in der 27er-Liste nicht auf.

Welche ist die kleinste Hansestadt Deutschlands?

Werben an der Elbe in der Altmark mit 898 Einwohnern (Stand 31.12.2025) und zugleich die kleinste Hansestadt der Welt. Trotz der Größe hat der Ort ein erhaltenes Stadttor, das Elbtor aus der Zeit um 1460/70, mit rundem Zinnenturm und heute einem Heimatmuseum darin.

Welche ist die südlichste Hansestadt?

Korbach in Nordhessen, gleichzeitig die einzige Hansestadt Hessens. Sie liegt rund 400 Kilometer von der Ostsee entfernt, was daran erinnert, dass die Hanse auch über Landwege funktionierte.

Wo findet der nächste Hansetag statt?

Der Internationale Hansetag findet 2027 in Braunschweig statt (10. bis 13. Juni), 2028 in Stralsund (15. bis 18. Juni) und 2029 in Wismar (7. bis 10. Juni).

Noch mehr Reisetipps

  • Hansestädte in den Niederlanden: neun Altstädte an der IJssel, die dieselbe Geschichte erzählen und besser erschlossen sind
  • Stendal: das Bauhaus-Treppenhaus und das Uenglinger Tor im Detail
  • Korbach: die einzige Hansestadt Hessens, mit Parkgebühren und der kompletten Fotorunde
  • Salzwedel: was in zwei Stunden am späten Nachmittag drin ist
  • Tangermünde: die Stadtmauer und das Rathaus über der Elbe
  • Lübeck: die Königin der Hanse mit allen Highlights der Altstadt

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