Du planst eine Sizilien-Rundreise und fragst dich, wie du zwei Wochen auf der Insel sinnvoll aufteilst? Wir haben es im September ausprobiert. Judith und ich sind 16 Tage mit dem Mietwagen einmal gegen den Uhrzeigersinn um Sizilien gefahren: von Palermo in den Westen, an der Südküste entlang in den barocken Südosten, hinauf zum Ätna und über die Nordküste zurück.
Sizilien ist die größte Insel im Mittelmeer, und die Region ist mit rund 25.800 km² gut ein Fünftel größer als Hessen. Auf der Karte wirkt das überschaubar. In der Praxis brauchst du für hundert Kilometer Bergstraße gern zwei Stunden, und jede Altstadt willst du ohnehin zu Fuß ablaufen.
Hier findest du unsere Route mit allen neun Unterkünften, die Fahrzeiten, die Orte, die bei uns keinen eigenen Artikel bekommen haben, grobe Kosten und eine Karte. Ein paar Klassiker fehlen: Im Tal der Tempel und auf dem Monte Pellegrino waren wir nicht.
Sizilien-Rundreise auf einen Blick
- Route: Palermo → Trapani und Erice → Agrigent → Ragusa → Noto → Catania → Ätna und Taormina → Cefalù → Palermo, also gegen den Uhrzeigersinn.
- Dauer: 16 Tage, 15 Nächte in neun Unterkünften.
- Strecke: rund 1.000 km reine Verbindungsstrecke zwischen den Stationen (laut Routenplaner), mit den Tagesausflügen deutlich mehr.
- Anreise: Flug von Hamburg über Mailand nach Palermo, vom Flughafen mit dem Bus in die Stadt.
- Mietwagen: erst ab dem dritten Tag, abgeholt in Cinisi zwischen Palermo und dem Flughafen.
- Reisezeit: September, tagsüber meist 25 bis 31 Grad, dazu ein paar Gewitter und Regenschauer.
- Längste Fahrt: vom Ätna Nord durch die Nebrodi an die Nordküste, fast vier Stunden.
Karte: unsere Sizilien-Rundreise
Alle Unterkünfte, Stopps und Parkplätze unserer Runde auf einer Karte:
Unsere Route in zwei Wochen: Standorte und Nächte
Im Westen und an der Südküste haben wir fast jede Nacht gewechselt, weil die Ziele dort weit auseinanderliegen. Im Südosten und am Ätna liegen viele Ausflüge nah beieinander. Dort hatten wir je drei Nächte am Stück und konnten auch mal später losfahren.
| Nächte | Standort | Unterkunft | Von hier aus |
|---|---|---|---|
| 2 | Palermo, Kalsa | BLU Fronte Mare* | Palermo zu Fuß |
| 1 | bei Scopello | Camera Tina* | Trapani, Erice, Zingaro |
| 1 | Porto Empedocle | B&B Empedocle* | Scala dei Turchi, Agrigent |
| 1 | Ragusa | B&B Terrazzo su Ibla* | Ragusa Ibla, Modica |
| 3 | Noto | Casa Bellavista* | Noto, Cava Grande, Vendicari, Marzamemi |
| 2 | Catania | Chrilu house* | Syrakus, Catania |
| 3 | Gaggi | La Casa dei Limoni* | Ätna Süd, Alcantara, Randazzo, Taormina, Castelmola |
| 1 | Castelbuono | Olinad Rooms* | Ätna Nord, Nebrodi, Santo Stefano |
| 1 | Carini | l’angolo carinese* | Cefalù, Flughafen Palermo |
Unser Tipp: Plan zwei feste Basen mit mehreren Nächten ein, eine im Südosten und eine zwischen Ätna und Taormina. Dort sparst du dir das tägliche Kofferpacken und fährst die Ausflüge sternförmig.
Anreise: von Hamburg über Mailand nach Palermo

Wir sind von Hamburg mit Umstieg in Mailand nach Palermo geflogen. Vom Flughafen fährt alle 30 Minuten der Bus von Prestia e Comandè in die Stadt, bis zum Hauptbahnhof dauert es rund 50 Minuten. Das Ticket kostet 6 € online und 6,50 € im Bus (Stand Juli 2026, laut Betreiber). Wir sind bis zum Hauptbahnhof gefahren und von dort mit dem Koffer zu Fuß in unser Apartment in der Kalsa gelaufen.
Den Mietwagen haben wir nicht am Flughafen geholt. In Palermo brauchst du keinen, und im Zentrum gilt eine ZTL, also eine Zone mit beschränkter Zufahrt. Wie wir es gemacht haben, steht unter „Warum wir den Mietwagen erst in Cinisi geholt haben“.
Palermo: zwei Tage zu Fuß, ganz ohne Auto

Palermo ist laut, eng und voller Leben, und in zwei Tagen kommst du in der Altstadt gut herum. Wir sind morgens um acht aus der Kalsa losgegangen, über die Quattro Canti und die Fontana Pretoria zur Kathedrale, durch die Villa Bonanno zur Porta Nuova und weiter in die Marktgassen. Der Mercato del Capo hat uns besser gefallen als der Ballarò: ruhiger, mit mehr Charme und ohne Mofas zwischen den Ständen. Mittags gab es in der Osteria Sciapò Pasta zwischen lauter Einheimischen.
Einen Sandstrand hat Palermo nicht. Zum Sonnenuntergang sitzt du an der Hafenmauer am Foro Italico, und dort ist abends einiges los. Alles Weitere, von der Klosterbäckerei bis zum No Mafia Memorial, steht in unserem Artikel zu den Palermo Sehenswürdigkeiten. Wer baden will, findet die Strände rund um die Stadt unter Palermo Strände.
Warum wir den Mietwagen erst in Cinisi geholt haben



Als wir Palermo verlassen haben, sind wir mit dem Gepäck zu Fuß zum Busterminal in der Via Fazello am Hauptbahnhof gegangen und mit dem Überlandbus von Segesta für rund 3,20 € pro Person nach Cinisi gefahren, einem Ort zwischen Palermo und dem Flughafen. Eigentlich wollten wir den Bus um halb elf nehmen. Der Mann am Schalter schickte uns los, wir sollten den Fahrer des 9-Uhr-Busses aufhalten. Es hat geklappt. Die Fahrt selbst zog sich, denn der Verkehr in Palermo ist brutal, und genau den wollten wir uns am Steuer ersparen.
In Cinisi hatten wir dadurch Zeit. Um die Ecke von der Haltestelle liegt der Panificio e gastronomia il Mulino am Corso Umberto I: Croissant mit Kirschmarmelade, ein Sesamgebäck, dazu ein ständiges Kommen und Gehen von Einheimischen. Danach sind wir den Corso hinauf zur Piazza Vittorio Emanuele Orlando gelaufen, an der der Palazzo dei Benedettini steht, heute das Rathaus. Es war viel zu warm, und unser Koffer machte auf dem Pflaster Geräusche ohne Ende. Auf halbem Rückweg zur Autovermietung gaben seine Rollen auf. Die letzten Meter haben wir ihn mehr oder weniger hinter uns hergeschleift.
Die Übergabe bei Felirent lief unkompliziert, wir haben einen Lancia Ypsilon bekommen. Warum wir jeden Kratzer dokumentiert haben und es trotzdem nicht gereicht hat, steht in unserem Artikel Mietwagen auf Sizilien, zusammen mit allen Gratis-Parkplätzen der Runde.
Trapani, Erice und die Pizzeria, wegen der wir hier sind



Von Cinisi ging es direkt nach Trapani. Wir haben kostenlos außerhalb der ZTL geparkt und sind in einer Viertelstunde am Hafen entlang in die Altstadt gelaufen, durch die Porta Oscura und die beiden Einkaufsstraßen. Den alten Fischmarkt wollten wir sehen, er wird aber saniert, und zu sehen ist dort nichts. Zwei Stunden reichen für Trapani völlig.
Danach hinauf nach Erice, mit dem Auto statt mit der Seilbahn. Oben erfuhren wir in einem Laden, dass die Seilbahn an dem Tag ohnehin nicht fuhr. Selten war eine Entscheidung so richtig. Am Nachmittag war Erice fast leer, zum Sonnenuntergang füllte es sich spürbar. Beim nächsten Mal würde ich in Erice länger bleiben und Trapani dafür kürzer halten. Parkplätze, Mandelcreme und die Katzen stehen im Artikel Erice auf Sizilien.
Pizza e Amuri: der Grund für diese Reise
Gegessen haben wir in Erice nicht: Es war zwanzig vor sieben, und die Pizzeria öffnete erst um sieben. Auf Sizilien wird spät gegessen. Also sind wir Richtung Scopello losgefahren, und Judith hat unterwegs gesucht. Gefunden hat sie Pizza e Amuri, eine unscheinbare Pizzeria direkt an der Straße, in der Einheimische aßen. Englisch oder Deutsch sprach dort niemand, wir kein Italienisch, also ging es mit Händen und Füßen. Pizza Diavolo für mich, eine Pizza ohne Käse für Judith, gegessen im Stehen vor der Tür, zusammen für 11,50 €.
Genau so hatte diese Reise angefangen. Im März waren wir in Nordrhein-Westfalen unterwegs und hielten auf dem Weg zur Unterkunft an einer Pizzeria an der Straße. Die Pizza war hervorragend, der Betreiber kam aus Sizilien und hatte eine Inselkarte und Reiseführer an der Wand hängen. Wir haben damals gewitzelt, das sei ein Zeichen. Ein halbes Jahr später standen wir mit einer Pizza in der Hand an einer sizilianischen Landstraße.
Übernachtet haben wir in der Camera Tina bei Scopello, praktisch für den Südeingang des Zingaro am nächsten Morgen. Scopello selbst haben wir uns nicht angesehen.
Zingaro, Scala dei Turchi und ein Freitagabend in Porto Empedocle

Um acht standen wir am Südeingang der Riserva dello Zingaro. Eintritt 5 € pro Person, nur mit Karte, und im ganzen Park gibt es nichts zu kaufen. Wir hatten vier Liter Wasser pro Person dabei, sechs wären besser gewesen. Nach einem Bad in der Cala dell’Uzzo waren wir gegen 14 Uhr wieder draußen. Wege, Parken und die Bucht stehen in unserem Artikel zur Riserva dello Zingaro.
Von dort sind wir direkt an die Südküste durchgefahren, knapp drei Stunden quer über die Insel. Das ist die zweitlängste Etappe der Runde, und am Abend wollten wir in der Nähe von Agrigent sein.
Scala dei Turchi: Stopp am Aussichtspunkt

Kurz vor Porto Empedocle haben wir an der Scala dei Turchi bei Realmonte angehalten, der weißen Mergelklippe, die in Stufen ins Meer abfällt. Wir haben sie uns vom kostenlosen Aussichtspunkt an der Via Panoramica angesehen. Auf die Felsen selbst kommst du nur im geregelten Bereich der Gemeinde: 6 € pro Person, nur mit Karte, 20 Minuten, Reservierung per E-Mail, bei Wind, Wellengang oder großer Hitze geschlossen (Stand August 2026, laut Gemeinde Realmonte).
Mehr zu den Regeln und zum Baden davor steht in Baden auf Sizilien und im Artikel zu Agrigent.
Porto Empedocle: Piazza Italia und Frühstück am Hafen



Die Unterkunft für diese Nacht hat Judith am selben Tag gebucht: das B&B Empedocle in Porto Empedocle, einem Hafenort eine Viertelstunde vor Agrigent, mit kostenlosem Parkplatz. Der Gastgeber hat uns vorab kleine Videos geschickt, wie wir hinfinden.
Abends haben wir uns Pizza zum Mitnehmen geholt und uns damit auf die Piazza Italia gesetzt. Am Freitagabend trifft sich dort die Stadt, und auf dem Platz ist richtig was los. Wir haben einfach zugeschaut, und Judith hat nebenbei die Unterkünfte für die nächsten Tage klargemacht.
Das Frühstück gehörte zum B&B, serviert wurde es in der Bar Tabacchi Al Porto am Hafen, fünf Minuten zu Fuß. Am Tresen sagst du, dass du Gast bist, und bekommst einen Kaffee und ein Gebäck nach Wahl. Um acht war dort schon ordentlich Betrieb. Der Mann hinter dem Tresen entschuldigte sich für sein Englisch, ein anderer Gast half beim Übersetzen, und während wir aufs Wasser schauten, regnete es einmal kurz. Porto Empedocle ist kein Ort, für den du extra herfährst. Als Übernachtung vor Agrigent war er genau richtig.
Agrigent, Manfria und der Abend in Ragusa Ibla

In Agrigent haben wir außerhalb der ZTL in der Via Imera geparkt und uns einen Vormittag lang durch die Altstadt treiben lassen: die Via Atenea entlang, über bunte Treppengassen hinauf zur Kathedrale, wo es schön windig war, und zum Belvedere Domenico Modugno. Von dort erkennst du die Tempel im Tal, wenn du weißt, wonach du suchst. Wie du das Tal der Tempel selbst besuchst, mit Eingängen und Preisen, steht im Artikel Agrigent auf Sizilien.
Spiaggia di Manfria: Strandspaziergang auf dem Weg

Auf der Fahrt nach Osten haben wir an der Spiaggia di Manfria westlich von Gela angehalten, einem breiten Sandstrand mit Dünen. Auf dem Hügel darüber steht die Torre di Manfria, ein Wachturm aus dem 16. Jahrhundert. Du parkst kostenlos an der Straße und läufst rund 200 Meter. Gebadet haben wir nicht, nur ein Stück am Wasser entlang. Für eine Pause nach gut einer Stunde Fahrt ist das genau richtig. Manfria steht auch in unserem Artikel Baden auf Sizilien.
Ragusa Ibla: eine Nacht über der Altstadt

Gegen halb fünf waren wir in Ragusa. Das B&B Terrazzo su Ibla liegt oberhalb der Altstadt, das Auto stand zwanzig Meter von der Tür. Von dort sind wir an Santa Maria delle Scale vorbei hinunter nach Ibla gelaufen. Den Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang hätten wir ohne zwei suchende Touristen, die uns danach fragten, gar nicht gefunden. Im Dunkeln sind wir noch einmal zu Santa Maria delle Scale hinauf, für den letzten Blick über die beleuchtete Altstadt.
Am Morgen gab es Frühstück auf der Dachterrasse, alles selbst gebacken von der Besitzerin, an einem großen gemeinsamen Tisch mit Gästen aus Schweden, Argentinien, Malta und England. Die Besitzerin spricht kein Englisch und unterhält sich über eine Übersetzungs-App. Das funktioniert, und es ist ausgesprochen sympathisch. Ragusa Ibla war für mich der schönste Ort der ganzen Reise, mehr dazu im Artikel Ragusa Ibla.
Noto als Basis: drei Nächte im Südosten



Auf dem Weg von Ragusa nach Noto liegt Modica. Wir haben kostenlos am Anfang des Corso Umberto I geparkt, sind bis Modica Alta hinaufgestiegen und haben in der Bar Duomo einen Arancino gegessen. Die Schokolade und den Rundgang findest du im Artikel Modica auf Sizilien. Danach ging es zum Großeinkauf, denn in Noto hatten wir eine Küche für drei Nächte. Unterwegs stand viel Wasser auf der Fahrbahn, und wie tief es war, ließ sich schwer einschätzen. Langsam fahren hilft.
In Noto haben wir in der Casa Bellavista gewohnt. Von der Haustür siehst du die Kathedrale, zu Fuß sind es zehn Minuten. Am ersten Abend stand eine rosa Wolke hinter der Kathedrale, am zweiten regnete es, und die leeren Gassen spiegelten die Lichter. Am Nachmittag war es voll, abends war Noto am schönsten. Mehr in Noto Sehenswürdigkeiten.
Von Noto aus sind drei Ausflüge kurz:
- Cava Grande del Cassibile: gut eine halbe Stunde Fahrt, dann Treppen in den Canyon und Baden in den Becken. Wir waren rund fünfeinhalb Stunden unterwegs, und der Aufstieg zieht sich.
- Riserva di Vendicari: eine halbe Stunde entfernt, mit Flamingos, einer alten Thunfischfabrik und ab dort 3,5 km ohne Schatten bis zur Cala Mosche.
- Marzamemi: zwanzig Minuten von Vendicari. Ein hübscher Platz, in einer Stunde gesehen. Für mich war es der erste Ort der Reise, den ich hätte weglassen können.
Wie die Barockstädte zusammenhängen und warum Noto die beste Basis dafür ist, steht in unserem Artikel zum Val di Noto.
Syrakus und Catania: zwei Städte, zwei Nächte


Von Noto bist du in gut einer halben Stunde in Syrakus. Wir haben uns auf die Altstadtinsel Ortigia beschränkt und in einer Seitenstraße einen Platz gefunden, auf dem du den ganzen Tag stehen darfst. Ortigia war voll und sehr auf Gruppen eingestellt. Überzeugt haben uns die Handwerksläden, in denen hinten gearbeitet und vorne verkauft wird. Beim nächsten Mal kommen wir im Oktober und um acht statt um halb elf. Den Rundgang findest du unter Syrakus: Ortigia.
Kurz vor Catania standen wir im Stau und kamen im Feierabendverkehr in die Stadt. Chaotisch, aber machbar. Unsere gebuchte Wohnung war überbucht, die neue haben wir unterwegs kurzfristig gefunden, das Chrilu house. Der Vermieter hielt uns mit seinem eigenen Auto einen Parkplatz direkt vor der Tür frei, fuhr weg, damit wir einparken konnten, und trug anschließend unseren 20-Kilo-Koffer die Treppen hoch. Ich vermute, er hat es bereut. Sein wichtigster Hinweis: Lass nichts im Auto liegen.
Den Tag in Catania haben wir zu Fuß verbracht, mit Ätna-Blick von der Via Etnea, der ersten Granita mit Brioche im Café Opera und einem Getränk in der Lavahöhle von A Putia dell’Ostello, durch die ein unterirdischer Fluss rauscht. Den Hafen kannst du dir sparen. Alles Weitere in Catania Sehenswürdigkeiten.
Gaggi als Basis: Ätna, Alcantara und Taormina



Um sieben sind wir aus Catania los, um Viertel nach acht standen wir auf dem Parkplatz an der Schiena dell’Asino auf der Südseite des Ätna. Aus den geplanten elf Kilometern wurden 13,6, oben zog ein Gewitter auf, und wir sind im Laufschritt zurück zum Auto. Die Tour steht in Ätna-Wanderung ohne Guide. Von dort waren es eine Stunde und zwanzig Minuten bis nach Gaggi.
Gaggi ist ein kleiner Ort zwischen Ätna und Küste, nah an Taormina und der Alcantara. Für Ausflüge in alle Richtungen liegt er ideal. In La Casa dei Limoni hat uns die Vermieterin per Übersetzungs-App empfangen, abends saßen wir auf der Terrasse, nebenan eine lebhafte sizilianische Familie. Bei der Ankunft war die Therme kaputt und wurde ausgetauscht. Zum Ausgleich haben uns die Gastgeber zwei Nächte geschenkt, von denen eine in unseren Plan passte.
Von hier aus sind wir zur Alcantara-Schlucht gefahren, durch den kommunalen Eingang für 2 € statt für 30 €, und am nächsten Tag früh nach Taormina. Dort waren wir um Viertel vor neun am Parkhaus Lumbi. Bis zehn war der Corso leer, mittags war er voll. Zu Fuß sind wir weiter hinauf nach Castelmola gestiegen und auf einem anderen Weg wieder hinunter.
Randazzo: Bögen, eine Hochzeit und die Bahn um den Ätna



Nach der Alcantara-Schlucht und den Gurne sind wir noch eine halbe Stunde weiter nach Randazzo gefahren, und schon die Strecke war ein Erlebnis. Sie ist sehr kurvig, führt an Lavafeldern vorbei, an Weinbergen, Pistazien, Feigen, Zitronen und Limetten. Bei grauem Himmel lag das Grün wie ein Teppich über den Hängen, für Judith sah es aus wie ein schlafender Drache, und der Ätna tauchte immer wieder auf.
Randazzo liegt auf rund 765 Metern am Nordhang des Ätna, und vieles in der Altstadt ist aus dunklem Lavagestein gebaut. Wir haben an der Piazza San Pietro geparkt und sind zuerst durch die Via degli Archi gelaufen, eine schmale Gasse unter einer Reihe gemauerter Bögen. Danach weiter zur Basilica di Santa Maria Assunta, deren neugotische Fassade aus dunklem Basalt und hellem Sandstein im 19. Jahrhundert entstand. Drinnen fand gerade eine Hochzeit statt: geschmückter Eingang, ankommende Gäste. Kurz darauf kam ein Oldtimer angefahren. Ich hatte im Scherz gesagt, das sei bestimmt der Brautwagen. Er war es.
Zum Schluss sind wir zum Bahnhof gegangen, an dem die Schmalspurbahn um den Ätna hält, und hatten von dort noch einmal den Vulkan im Blick. Das Wetter war grau und frisch, richtig schön war es an dem Nachmittag nicht. Als Abstecher nach der Schlucht reicht eine gute Stunde: Bögen, Kirche, Bahnhof.
Vom Ätna durch die Nebrodi an die Nordküste

Mit dem ganzen Gepäck im Auto sind wir von Gaggi eine Stunde zum Ätna Nord gefahren, nach Piano Provenzana. Auf den Parkplatz an der Talstation solltest du nicht einfach auffahren: Ein- und Ausfahrt werden per Kamera erfasst, nach 30 Minuten wird es kostenpflichtig. In der Kurve davor liegt links ein kostenloser Platz für zehn bis zwanzig Autos. Die Runde über den Monte Nero, 9,8 km durch Lava, Kiefern- und Buchenwald, steht ebenfalls in Ätna-Wanderung ohne Guide. Danach gab es an der Talstation Kaffee aus der Siebträgermaschine und Schokokuchen. Die Bedienung war erst grummelig und taute auf, als Judith sie nach ein paar italienischen Wörtern fragte.
Die Fahrt durch die Nebrodi
Vom Ätna Nord bis Castelbuono haben wir fast vier Stunden gebraucht, quer durch den Parco dei Nebrodi an die Tyrrhenische Küste und dann die Küstenstraße entlang. Der Park ist mit knapp 89.000 Hektar das größte Schutzgebiet Siziliens. Ich glaube, ich bin in meinem Leben noch nie so viele Kurven gefahren wie auf dieser Strecke.
Es war grau, zwischendurch regnete es, und gefühlt ging es nur bergauf, bergab und um die nächste Kehre. Durch Kiefern- und Buchenwälder, vorbei an Eseln, Ziegen und schwarzen Schweinen, ausgerechnet an Stellen, an denen die Warnschilder Kühe zeigten. Die schwarzen Schweine sind sehr wahrscheinlich Suino Nero dei Nebrodi, eine alte Rasse aus den Wäldern der Nebrodi, die Slow Food als Presidio schützt. Laut Slow Food gibt es nur noch rund 2.000 Tiere. Angehalten haben wir dafür nicht.
Gut zu wissen: Plan die Nebrodi als eigenen Programmpunkt ein, nicht als schnelle Verbindung. Die Strecke ist interessant, aber lang.
Santo Stefano di Camastra: kann man, muss man nicht



An der Küste haben wir in Santo Stefano di Camastra Pause gemacht, dem Keramikort an der Nordküste. Nach einem Erdrutsch 1682 wurde der Ort ab 1683 neu angelegt, und von der Keramik lebt er bis heute, ein Keramikmuseum im Palazzo Trabia inklusive. Und tatsächlich: Keramik an Parkbänken, Tischen, Straßenschildern und vor vielen Läden.
Vor der Kirche lagen Reis und Blütenblätter, und die Hälfte der Leute auf der Straße war fein gemacht. Wir sind mitten in die nächste Hochzeit geraten und haben das Brautpaar mit drei Fotografen durch den Ort ziehen sehen. Sonst fanden wir Santo Stefano nicht weiter besonders, und der Blick aufs Meer ist mittelmäßig. Mein Urteil: Wenn du ohnehin durchfährst, kannst du anhalten. Extra herfahren musst du nicht.
Eine halbe Stunde vor Castelbuono haben wir an der Pizzeria Rais Gerbi beim gleichnamigen Campingplatz an der Küstenstraße zwei Pizzen für zusammen 13 € geholt und sie im Auto gegessen. Laut Google-Bewertungen hat sie eine Gartenterrasse mit Meerblick. Die haben wir mit dem Mitnehmen verpasst.
Castelbuono: eine Nacht in den Madonie



Das letzte Stück nach Castelbuono führte am Abend noch einmal durch Kurven, bis direkt vor die Unterkunft, die Olinad Rooms. Check-in problemlos, das Zimmer war schön. Castelbuono liegt auf 423 Metern in den Madonie, rund um eine Burg der Ventimiglia aus dem 14. Jahrhundert. Bekannt ist der Ort für Manna, den eingetrockneten Saft angeritzter Eschen, und für den Panettone von Fiasconaro. Für mehr als eine kleine Runde um die Ecke hat unsere Zeit am nächsten Morgen nicht gereicht, dann ging es weiter nach Cefalù, 38 Minuten entfernt.
Cefalù und die letzte Nacht in Carini

Zum Schluss der Runde kam Cefalù. Parken am Bahnhof für 1 € pro Stunde oder 10 € am Tag, denn in den Seitengassen ist fast alles Anwohnerparken. Morgens war der Corso Ruggero noch leer, an der Mole gab es einen Americano für 1,80 €, danach sind wir für 5 € auf die Rocca gestiegen. Den Tagesplan mit allen Adressen findest du unter Cefalù Sizilien.
Zum Sonnenuntergang saßen wir am Wasser. Vorher hatte Judith einer älteren Sizilianerin, die auf der Nachbarbank in der prallen Sonne saß, per Übersetzungs-App einen Platz bei uns im Schatten angeboten. Verstanden wurde das erst, als ein älterer Herr dazukam, und am Ende blieb die Dame lieber, wo sie war. Einen schönen Abend hat sie uns trotzdem gewünscht.
Die letzte Nacht haben wir in Carini verbracht, im l’angolo carinese, damit es am Abreisetag nicht weit bis zur Autovermietung in Cinisi und zum Flughafen ist. Von Cefalù sind das rund anderthalb Stunden.
Beim nächsten Mal: mit der Circumetnea um den Ätna

Die Ferrovia Circumetnea ist eine Schmalspurbahn, die ursprünglich auf rund 110 Kilometern von Catania im Bogen um den Ätna bis Riposto an der Ostküste fuhr. In Gaggi haben wir uns die Fahrt angeschaut und sie für diese Reise verworfen, in Randazzo standen wir dann wenigstens am Bahnsteig.
Wer sie heute fahren will, muss planen. Laut Fahrplan der Circumetnea (gültig seit 16. März 2026) fahren Züge nur noch zwischen Santa Maria di Licodia und Randazzo sowie zwischen Randazzo und Linguaglossa, auf dem zweiten Abschnitt nur dreimal am Tag. Den Rest übernehmen Busse, und sonntags und an Feiertagen fährt gar nichts. Randazzo ist damit der Knoten, an dem beide Zugstrecken enden.
Beim nächsten Mal steht die Bahn trotzdem ganz oben auf der Liste, zusammen mit diesen Dingen:
- Monte Pellegrino über Palermo: Wir wollten hinauf, es war uns dann doch zu weit.
- Noto Antica, die Ruinen der alten Stadt: auf der Rückfahrt von der Cava Grande ausgelassen.
- Ortigia um acht Uhr morgens, bevor die Gruppen kommen, und endlich eine Granita in Syrakus.
Fun Fact: Santo Stefano di Camastra ist eine Planstadt. Nach dem Erdrutsch von 1682 entwarf der Militäringenieur Carlos de Grunenbergh den neuen Ort nach einem geometrischen Schema: eine Raute, umschrieben von einem Quadrat.
Fotospots auf der Rundreise
Unsere Fotospots unterwegs (alle mit dem Google Pixel 7 Pro)
- Erice, Blick auf den Monte Cofano: am späten Nachmittag, wenn das Licht flach über die Küste fällt.
- Ragusa Ibla von Santa Maria delle Scale: nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die Altstadt beleuchtet ist.
- Noto im Regen: abends, die nassen Straßen spiegeln die Lichterbögen.
- Taormina, Belvedere an der Via Pirandello mit Isola Bella: morgens vor zehn.
- Randazzo, Bahnhof: die grün-roten Triebwagen der Circumetnea vor den Wohnhäusern, ein Motiv auch bei grauem Himmel.
Was hat unsere Sizilien-Rundreise gekostet?
Damit du grob planen kannst, hier unsere Größenordnungen. Alle Angaben für zwei Personen, Stand September 2026:
- Flug: Hamburg–Mailand–Palermo hin und zurück rund 230 € pro Person, dazu ein aufgegebener Koffer.
- Mietwagen: gut 400 € für die ganze Zeit, Kleinwagen mit Vollkasko, gebucht über ein Vergleichsportal.
- Sprit: knapp 150 € für die ganze Runde. Die Selbstbedienungssäule („fai da te“) ist günstiger als „servito“, wo für dich getankt wird.
- Unterkünfte: meist 50 bis 65 € pro Nacht für Apartment oder B&B, dazu eine Kurtaxe von 1 bis 3 € pro Person und Nacht.
- Essen: rund 30 bis 35 € am Tag, weil wir in den Wohnungen mit Küche oft selbst gekocht haben. Eine Pizza auf die Hand kostete uns zu zweit 11 bis 13 €.
- Eintritte: zusammen unter 40 €. Naturreservate kosten 2 bis 5 € pro Person, in Kirchen sind wir kaum gegangen.
- Parken: fast immer kostenlos, der teuerste Posten war das Parkhaus in Taormina mit 21 €.
Wie viele Tage brauchst du für eine Sizilien-Rundreise?
Für einmal rund um die Insel brauchst du zwei Wochen. Weniger geht, dann aber mit einer Hälfte der Insel statt der ganzen Runde:
- 7 Tage: eine Region mit fester Basis. Entweder der Südosten ab Catania mit Noto, Ragusa, Modica, Syrakus und dem Ätna, oder der Westen ab Palermo mit Erice, Trapani, dem Zingaro und Cefalù.
- 10 Tage: Palermo, die Südküste mit Agrigent und der Südosten bis Catania, Rückflug ab Catania. Prüf bei der Buchung, ob die Rückgabe des Mietwagens an einem anderen Flughafen extra kostet.
- 14 Tage: unsere Runde wie oben, mit zwei längeren Basen in Noto und am Ätna.
Im oder gegen den Uhrzeigersinn?
Für die Strecke ist es egal, entscheidend ist dein Flughafen. Wir sind in Palermo gelandet und gegen den Uhrzeigersinn gefahren. Das hatte einen Vorteil: Der Ätna und die Nordküste kamen zum Schluss, und von Cefalù ist es nur rund anderthalb Stunden bis zum Flughafen. So war der letzte Tag ein ganzer Urlaubstag und kein Fahrtag.
Lohnt sich eine Sizilien-Rundreise auf eigene Faust?
Ja, wenn du gern Auto fährst und früh aufstehst. Mit dem Mietwagen kommst du zu Orten wie der Cava Grande, Vendicari oder dem Ätna Nord, die mit Bus und Bahn nur umständlich erreichbar sind, und du bist in Taormina oder Cefalù da, bevor es voll wird. Die Unterkünfte buchst du flexibel, bei uns teilweise erst am Vortag.
Eher nein, wenn dich enge Gassen, Serpentinen und italienischer Stadtverkehr stressen. Dann nimm dir zwei Standorte, etwa Palermo und Catania, und mach von dort Tagesausflüge mit Bus, Bahn oder einer geführten Tour.
Unser Fazit zur Sizilien-Rundreise
Zwei Wochen sind für Sizilien knapp, aber für eine Runde reichen sie, wenn du dir im Südosten und am Ätna eine feste Basis nimmst. Ausgemacht haben die Runde für uns oft die Momente zwischen den Sehenswürdigkeiten: die Pizzeria an der Landstraße, den Freitagabend in Porto Empedocle, das Frühstück mit Übersetzungs-App in Ragusa. Plan Puffer ein, steh früh auf und lass das Auto vor jeder Altstadt stehen. Mehr Bilder von unterwegs zeigen wir auf unserem Instagram.
Judith hat es am Ende der Reise so zusammengefasst: „Die Sizilianer sind sowieso alle tippitoppi. Ich bleib hier.“
Häufige Fragen zur Sizilien-Rundreise
Wie viele Tage brauche ich für eine Sizilien-Rundreise?
Für die ganze Insel rund zwei Wochen. Mit 7 Tagen konzentrierst du dich besser auf eine Region, etwa den Südosten mit Noto, Ragusa und Syrakus oder den Westen mit Palermo, Erice und Trapani. Mit 10 Tagen schaffst du Palermo, die Südküste und den Südosten mit Rückflug ab Catania.
Brauche ich für eine Sizilien-Rundreise einen Mietwagen?
Ja, wenn du Naturreservate, Bergorte und den Ätna sehen willst. Viele dieser Ziele erreichst du mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich oder gar nicht. In Palermo und Catania selbst brauchst du kein Auto, deshalb holst du ihn am besten erst beim Verlassen der Stadt ab.
Sollte man Sizilien im oder gegen den Uhrzeigersinn umrunden?
Die Richtung ist zweitrangig, wichtiger ist, dass die letzte Etappe nah am Abflughafen endet. Wir sind ab Palermo gegen den Uhrzeigersinn gefahren und hatten am Ende Cefalù, rund anderthalb Stunden vom Flughafen entfernt.
Wo übernachtet man bei einer Sizilien-Rundreise am besten?
Am besten wechselst du im Westen öfter und nimmst dir im Südosten und am Ätna je eine feste Basis für drei Nächte. Wir haben in Noto und in Gaggi bei Taormina gewohnt und von dort Tagesausflüge gemacht. Apartments mit Küche und B&B kosteten uns meist 50 bis 65 € pro Nacht für zwei.
Wann ist die beste Reisezeit für eine Sizilien-Rundreise?
Frühjahr und Herbst, also etwa April bis Juni und September bis Oktober. Wir waren im September unterwegs, mit 25 bis 31 Grad und einzelnen Gewittern. Im Hochsommer wird es für Wanderungen wie im Zingaro oder am Ätna sehr heiß.
Was kostet eine Sizilien-Rundreise auf eigene Faust?
Für zwei Personen kamen Unterkünfte meist auf 50 bis 65 € pro Nacht, der Mietwagen auf gut 400 € für zwei Wochen mit Vollkasko und der Sprit auf knapp 150 €. Dazu kommen Flug, Essen und wenige Eintritte, die auf Sizilien günstig sind.
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