Die Cavagrande del Cassibile ist eine rund 10 Kilometer lange Schlucht zwischen Avola und Noto im Südosten Siziliens und bekannt für die Laghetti, natürliche Becken am Grund des Canyons. Gesperrt ist sie nicht mehr: Der Abstieg über die Scala Cruci ist seit August 2024 offiziell wieder offen, auch wenn viele Seiten anderes schreiben.
Wer die Alcantara-Schlucht kennt: Hier steigst du eine halbe Stunde ab statt fünf Minuten. Oben der Parkplatz, unten die Becken, dazwischen ziemlich viele Stufen.
Judith und ich waren im September fünfeinhalb Stunden dort. Hier findest du Parken, Eintritt, Abstieg, Fotospots, unsere Wanderung und eine Karte. Den Secondo Laghetto und Noto Antica haben wir ausgelassen.
Cava Grande del Cassibile auf einen Blick
- Region: Sizilien, Provinz Syrakus, zwischen Avola und Noto.
- Was: die Riserva Naturale Orientata Cavagrande del Cassibile, Naturreservat seit 1990.
- Bekannt für: die Laghetti di Avola, Becken am Grund einer rund 10 Kilometer langen Schlucht.
- Zeit einplanen: mindestens einen halben Tag, mit Wanderung am Canyon 5 bis 6 Stunden.
- Anreise: mit dem Auto, von Noto rund 30 Minuten bis zum Eingang Belvedere.
- Parken: Parkplatz am Eingang Belvedere oberhalb von Avola (SR), 5 €, nur bar (auf Google Maps).
- Eintritt: 2 €, am Eingang nur mit Karte.
- Abstieg: ca. 1,2 km Treppenweg, knapp 300 Höhenmeter, 30 bis 45 Minuten.
Gut zu wissen:
- Nach Regen und bei Wetterwarnungen bleibt die Reserve manchmal geschlossen.
- In der Schlucht gibt es kein Wasser und nichts zu essen. Nimm beides mit, dazu Badesachen.
- Trag feste Wanderschuhe, der Weg ist steinig und uneben.
- Hunde und Drohnen sind in der Reserve nicht erlaubt.
Karte: Cava Grande del Cassibile
Parkplatz und Aussichtspunkt am Belvedere, die Laghetti, die Eingänge Carrubella und Stallaini, Noto Antica und Noto auf einer Karte:
Ist die Cava Grande gesperrt? Der Stand 2026

Die Scala Cruci war ab 2014 zu. Nach einem Waldbrand galt die Felswand über dem Weg als instabil, es drohte Steinschlag.
Die Region hat die Wand gesichert und den Weg am 3. August 2024 offiziell wieder freigegeben. Seitdem kostet der Zugang Eintritt, Tickets gibt es an drei Eingängen.
Viele deutsche Reiseblogs und selbst italienische Wanderseiten schreiben trotzdem noch, der Abstieg sei gesperrt. Das stimmt nicht mehr. Wir haben am Belvedere bezahlt und sind losgegangen. Absperrband mussten wir keins überklettern.
Wichtig: Offen heißt nicht immer offen. Bei Unwetterwarnungen schließt die Reserve kurzfristig, mehr dazu unten unter „Cava Grande bei Regen“.
Anfahrt und Parken am Belvedere
Von Noto aus fährst du rund eine halbe Stunde, unterwegs über ein paar Serpentinen. Die sind harmlos. Der Parkplatz liegt direkt am Eingang, hier auf Google Maps.
Das Parken kostet 5 € pro Auto oder Motorrad, für Wohnmobile etwas mehr, bezahlt wird nur bar (Stand September 2026). Dafür gibt es Toiletten, ein Restaurant und, soweit wir das gesehen haben, einen Stellplatz für Wohnmobile mit Duschen.
50 bis 100 Meter vorher kannst du auch am Straßenrand parken. Wir hatten gelesen, dass dort öfter Autos aufgebrochen werden, und haben lieber bezahlt. Als wir am Vormittag ankamen, standen drei Autos auf dem Platz.
Wir haben drei Nächte in Noto gewohnt, in der Casa Bellavista, einem kleinen Ferienhaus mit Küche.* Von dort haben wir die Cava Grande als Tagesausflug gemacht. Noto ist dafür ein guter Standort, auch für Vendicari und Marzamemi.
Eintritt, Öffnungszeiten und Bezahlung
Der Eintritt kostet 2 € pro Person, ermäßigt 1 € (unter anderem Studierende) und 4 € für die Familienkarte. Kinder unter 8 Jahren und Menschen mit Behinderung samt Begleitung sind frei. Das Ticket gilt den ganzen Tag und für alle Eingänge (Stand September 2026).
Unser Tipp: Am Eingang zahlst du nur mit Karte, Bargeld nimmt die Reserve nicht an. Der Parkplatz davor will dagegen nur Bargeld. Du brauchst also beides.
Die Öffnungszeiten wechseln mit der Saison, im Sommer öffnet die Reserve schon am frühen Morgen. Für Cavagrande nennt die Verwaltung aber auch einen Kassenschluss um 16 Uhr, danach kommst du nicht mehr hinein. Von November bis März ist schon um 15 Uhr Einlassschluss (Stand September 2026). Die aktuellen Zeiten stehen auf der offiziellen Seite der Reserve.
Der Abstieg über die Scala Cruci



Die Scala Cruci ist ein Treppenweg aus Steinstufen, rund 1,2 Kilometer lang. Er führt von der Kante der Schlucht auf rund 500 Metern hinunter an den Fluss, knapp 300 Höhenmeter tiefer. Die Stufen sind unregelmäßig und steinig, gefühlt sind es tausende.
Für den Abstieg brauchst du 30 bis 45 Minuten, je nachdem, wie oft du für Fotos stehen bleibst. Bei uns war es mild und bedeckt, am Anfang sah es sogar nach Regen aus.
Der Aufstieg dauert deutlich länger. Für mich hat er ewig gedauert.
Wichtig: Die Reserve selbst nennt den Weg „besonders unwegsam und anspruchsvoll“, und unterwegs warnen Schilder vor Steinschlag. Trag feste Schuhe mit Profil und meide im Sommer die Mittagshitze.
Die Laghetti: die Becken am Grund der Schlucht



Unten fließt der Cassibile durch eine Kette von Becken, die Laghetti di Avola. Das erste liegt gleich am Ende der Treppe. Bleib dort nicht stehen, sondern geh ein Stück weiter. Da wird es schöner, und je nach Wasserstand kannst du über die Steine im Flussbett klettern.
Am Hauptbecken fällt ein kleiner Wasserfall über eine Stufe aus hellem Kalkstein. Weiter hinten liegt der Secondo Laghetto, dorthin wollten wir auch noch. Der Weg ist eher Dschungel als Wanderweg, und nichts davon sah besser aus als das, was wir schon hatten. Muss man nicht machen.
Baden in den Laghetti


Einige Becken sind sehr tief. Judith ist gleich rein und geschwommen, ein Verbotsschild haben wir unten nicht gesehen. Außer uns waren noch vier andere Leute da, es war sehr ruhig. So leer erlebst du die Laghetti im Hochsommer vermutlich nicht.
Gut zu wissen: Ob du in den Laghetti baden darfst, ist nicht eindeutig geregelt. 2016 hat die damalige Forstverwaltung ein Badeverbot mit Bußgeldern angekündigt, heute schreibt die Reserve nur, Baden sei „nur in einigen Zonen“ möglich. Welche das sind, sagt sie nicht. Frag an der Kasse nach, eine Badeaufsicht gibt es unten nicht.
Wanderung flussaufwärts zum Uruvu Tunnu



Wer nach den Becken noch Kraft hat, kann flussaufwärts weiterwandern. Wir sind von den Haupt-Laghetti ein Stück zurück und die Scala Cruci etwa ein Drittel wieder hoch. Dort sind wir auf den Sentiero Mezza Costa abgebogen. Der Weg mit der Nummer 515 läuft auf halber Höhe am Hang entlang, Richtung Carrubella, dem Eingang auf der Seite von Noto.
Eigentlich wollten wir eine Rundwanderung gehen, die wir auf Komoot gefunden hatten. Sie verlässt die Reserve bei Carrubella. Danach geht es, soweit wir es auf der Karte gesehen haben, über Nebenwege und durch Dörfer zurück zum Parkplatz.
Bis zum Uruvu Tunnu


Gekommen sind wir bis zum Uruvu Tunnu, sizilianisch für „rundes Becken“, einem kleinen See am Weg nach Carrubella. Laut Wegweiser sind es von der Scala Cruci 2,6 Kilometer bis zu einer Kreuzung am Mezza-Costa-Weg. Von dort sind es noch 0,7 Kilometer bis zum Uruvu Tunnu, zusammen rund eine Stunde. Dort haben wir umgedreht.
Je näher du Carrubella kommst, desto schwächer wird der Blick in die Schlucht, der Rückweg am Canyon war deshalb die schönere Wahl. Mit Ab- und Aufstieg kamen wir so auf rund 10 Kilometer. Unterwegs haben wir unzählige Eidechsen gesehen, die sind ziemlich lustig anzusehen.
Weitere Wege führen von Stallaini oder über die Scala di Mastra Ronna in die Schlucht. Die Scala Porci, auf die am Abstieg ein Schild zeigt, ist laut Schild zwar begehbar, hat aber keinen Ausgang. Für den ersten Besuch ist der Abstieg am Belvedere der direkteste Weg zu den Becken.
Fun Fact: Auf dem Weg zum Uruvu Tunnu haben wir eine Blindschleiche gesehen. Dachten wir. Blindschleichen gibt es auf Sizilien nicht. Sehr wahrscheinlich war es eine Erzschleiche, eine Echse mit so winzigen Beinchen, dass man sie leicht übersieht.
Cava Grande oder Alcantara-Schlucht?

Beide Schluchten haben wir auf unserer Sizilienreise gesehen, und am kommunalen Eingang der Alcantara kosten beide 2 € Eintritt. Der Unterschied liegt im Aufwand. In die Alcantara-Schlucht am Ätna führen 450 Stufen, nach wenigen Minuten stehst du unten. Dann watest du durchs kalte Wasser, zwischen Wänden aus Lavagestein.
In die Cava Grande steigst du eine gute halbe Stunde ab. Dafür findest du unten tiefe Becken, bei uns mit nur vier anderen Leuten, und wer mag, wandert noch am Canyon entlang. Wer baden und wandern will und gut zu Fuß ist, ist hier besser aufgehoben. Wer nur kurz ins Wasser möchte, nimmt die Alcantara.
Noto Antica und Vendicari: was du kombinieren kannst
Auf dem Rückweg nach Noto kommst du in die Nähe von Noto Antica. Das sind die Ruinen der alten Stadt auf dem Monte Alveria, die das Erdbeben von 1693 zerstört hat. Danach wurde Noto an seiner heutigen Stelle neu gebaut. Uns fehlte nach der Schlucht die Kraft dafür.
Wenn du mehrere Tage in der Gegend bist: Das Naturreservat Vendicari liegt ebenfalls rund eine halbe Stunde von Noto entfernt. Dort gibt es eine Lagune mit Flamingos und die Badebucht Cala Mosche. Der Weg ist flach statt steil, dafür ohne Schatten.
Fotospots in der Cava Grande


Tipp für Fotografie-Fans: Alle Fotos in diesem Artikel sind mit dem Handy entstanden (Pixel 7 Pro), bei bedecktem Himmel. Die Brennweiten sind aufs Kleinbild umgerechnet.
- Scala Cruci, oberer Teil: mit dem 5-fach-Tele (117 mm) hinunter auf die Becken. Bei uns kurz vor 10 Uhr.
- Wasserfall am Hauptbecken: Ultraweitwinkel (13 mm) vom Beckenrand, so passen Wasserfall, Becken und Felswand in ein Bild. Gegen 11 Uhr.
- Sentiero Mezza Costa unter der Felswand: 24 mm, eine Person auf dem Weg gibt den Maßstab. Gegen halb eins.
- Blick in die Schlucht vom Mezza-Costa-Weg: 2-fach (48 mm), der Fluss als Linie durch das Grün. Ebenfalls gegen halb eins.
Wie viel Zeit für die Cava Grande einplanen?
Mindestens einen halben Tag. Der Abstieg dauert 30 bis 45 Minuten, der Aufstieg länger, dazu kommt die Pause an den Becken. Mit der Wanderung bis zum Uruvu Tunnu kommst du schnell auf fünf bis sechs Stunden und rund 10 Kilometer, so wie wir. Rechne die Anfahrt dazu, von Noto sind es jeweils rund 30 Minuten.
Cava Grande bei Regen

Bei Regen lässt du die Cava Grande besser aus. Die Steinstufen der Scala Cruci werden rutschig, und nach Regen bleibt die Reserve manchmal ganz geschlossen. Bei Unwetterwarnungen schließt sie kurzfristig, im Mai 2025 zum Beispiel einen ganzen Tag lang.
Schau am Morgen auf die Startseite der Reserve, dort stehen die Schließungen. Wir hatten Glück: Morgens sah es nach Regen aus, es blieb aber trocken. Geregnet hat es erst am Abend, da waren wir längst zurück in Noto.
Beste Tageszeit für die Cava Grande
Morgens. Die Reserve rät selbst, die heißesten Stunden zu meiden, und im September öffnet sie schon um 7 Uhr. Wir waren am Vormittag da, das hat gut gepasst.
Plane in jedem Fall so, dass du vor dem Kassenschluss um 16 Uhr da bist. Im September war es mild und leer, im Hochsommer ist es heißer und vermutlich voller.
Was ich beim nächsten Mal anders machen würde: Die Suche nach dem Secondo Laghetto spare ich mir und gehe von den Laghetti direkt flussaufwärts. Die Runde über Carrubella würde ich trotzdem einmal ganz gehen, statt am Uruvu Tunnu umzudrehen. Und auf dem Rückweg nehme ich Noto Antica mit.
Lohnt sich die Cava Grande del Cassibile?
Ja, wenn du gut zu Fuß bist und baden oder wandern willst. Unten wartet Natur statt Barock, und im September hatten wir die Becken fast für uns. Rechne mit einem halben bis ganzen Tag.
Nein, wenn dir viele Stufen schwerfallen oder du nur kurz ins Wasser willst. Dann ist die Alcantara-Schlucht mit ihrem kurzen Abstieg die bessere Wahl, oder Vendicari mit einem flachen Weg zur Badebucht.
Unser Fazit
Die Cava Grande ist kein Ausflug für zwischendurch: Treppen runter, Becken, Canyon, Treppen wieder rauf. Genau das macht den Tag aus. Unsere Empfehlung: früh los, Bargeld und Karte einstecken und nach den Becken noch ein Stück am Canyon entlanggehen.
Mehr Fotos von unterwegs zeigen wir auf Instagram. Wir wünschen dir einen trockenen Tag für den Abstieg. Warst du schon unten an den Laghetti? Schreib uns in die Kommentare, welchen Weg du genommen hast.
Häufige Fragen zur Cava Grande del Cassibile
Ist die Cava Grande del Cassibile gesperrt?
Nein. Der Abstieg über die Scala Cruci ist seit dem 3. August 2024 offiziell wieder offen, gesperrt war er seit einem Waldbrand 2014. Bei Unwetterwarnungen schließt die Reserve kurzfristig, das steht dann auf ihrer Startseite.
Was kostet die Cava Grande und wann ist geöffnet?
Der Eintritt kostet 2 € pro Person, ermäßigt 1 €, die Familienkarte 4 €. Bezahlt wird am Eingang nur mit Karte. Geöffnet ist täglich mit saisonalen Zeiten. Die Kasse schließt laut Verwaltung um 16 Uhr, von November bis März ist schon um 15 Uhr Einlassschluss (Stand September 2026).
Wo parkt man an der Cava Grande del Cassibile?
Direkt am Eingang Belvedere oberhalb von Avola. Der Parkplatz kostet 5 € pro Auto und wird nur bar bezahlt (Stand September 2026). Dort gibt es auch Toiletten und ein Restaurant.
Wie viel Zeit sollte ich für die Cava Grande einplanen?
Mindestens einen halben Tag. Der Abstieg über rund 1,2 Kilometer und knapp 300 Höhenmeter dauert 30 bis 45 Minuten, der Aufstieg länger. Mit einer Wanderung bis zum Uruvu Tunnu kommst du auf fünf bis sechs Stunden.
Darf man in den Laghetti baden?
Das ist nicht eindeutig geregelt. 2016 wurde ein Badeverbot mit Bußgeldern angekündigt, heute erlaubt die Reserve Baden „nur in einigen Zonen“, ohne sie zu nennen. Ein Verbotsschild haben wir an den Becken nicht gesehen, frag trotzdem an der Kasse nach. Eine Badeaufsicht gibt es nicht.
Ist Cavagrande del Cassibile dasselbe wie Cava Grande?
Ja. Der offizielle Name lautet Riserva Naturale Orientata Cavagrande del Cassibile, im Deutschen schreiben viele Cava Grande. Die Becken heißen Laghetti di Avola.
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