Marzamemi ist ein Fischerdorf mit knapp 400 Einwohnern im Südosten Siziliens, bekannt für seine Piazza Regina Margherita und die alte Tonnara, in der früher Thunfisch verarbeitet wurde. Lohnt sich Marzamemi? Für ein paar schöne Fotos und einen Kaffee auf dem Platz ja. Als eigenes Tagesziel eher nicht, denn nach einer Stunde hast du alles gesehen.
Judith und ich waren im September 2026 an einem warmen Nachmittag dort, nach einer Wanderung durch die Riserva di Vendicari. Im Vergleich zu Ortigia in Syrakus ist Marzamemi winzig: Wo du dort stundenlang durch Gassen läufst, bist du hier nach einer Stunde am Ende. Von allen Orten unserer zwei Wochen auf Sizilien ist Marzamemi der, den ich am ehesten hätte weglassen können. Im kleinen Meeresmuseum in der alten Tonnara-Kirche waren wir nicht.
Hier liest du, für wen sich der Abstecher trotzdem lohnt, wo du kostenlos parkst, was hinter den Mauern der Tonnara steckt und welcher Laden einen Balkon mit Meerblick hat. Eine Karte mit allen Stationen gibt es auch.
Marzamemi auf einen Blick
- Lage: Südosten Siziliens, Provinz Syrakus. Marzamemi ist ein Ortsteil von Pachino
- Bekannt für: Piazza Regina Margherita, alte Tonnara, Thunfisch und Bottarga
- Zeit: eine Stunde für Platz, Gassen und Hafen, mit Essen entsprechend länger
- Mit dem Auto: von Noto gut 20 km (knapp 30 Minuten), von Syrakus rund 50 km (knapp eine Stunde), vom Haupteingang der Riserva di Vendicari rund 20 Minuten
- Mit dem Bus: Interbus fährt Marzamemi an, Fahrplan auf interbus.it. Wir waren mit dem Mietwagen unterwegs
- Parken: gratis am Straßenrand am Kreisel an der Via Mario Falla, 7 bis 8 Minuten zu Fuß bis zur Piazza. Sonst meist kostenpflichtig, nah am Zentrum 5 € Tagespauschale, oft nur bar
- Autofrei: Der Ortskern mit der Piazza ist seit Juni 2026 rund um die Uhr Fußgängerzone
- Eintritt: Platz, Gassen und Hafen kosten nichts
- Gut zu kombinieren mit: Riserva di Vendicari, Noto
Karte: Marzamemi mit Gratis-Parkplatz und allen Stationen
Auf der Karte findest du den kostenlosen Parkplatz am Kreisel, die Piazza und alle Stationen unseres Rundgangs.
Lohnt sich Marzamemi? Für wen ja und für wen eher nicht



Kurz gesagt: Marzamemi lohnt sich als Abstecher, wenn du ohnehin in der Gegend bist, aber nicht als Ziel für einen ganzen Tag.
Ja, wenn …
- du ohnehin in Vendicari oder in Noto bist. Von dort sind es nur 20 bis 30 Minuten mit dem Auto.
- du gern fotografierst. Die Piazza mit den alten Fischerhäusern und dem Palazzo gibt richtig gute Motive her.
- du in Ruhe essen oder lange auf der Piazza sitzen willst. Restaurants gibt es rund um den Platz genug.
- du eine Bootstour entlang der Küste machen willst. Die Boote Richtung Vendicari und Capo Passero legen hier ab.
Eher nein, wenn …
- du nur einen Tag im Südosten hast und zwischen Marzamemi und einem der Naturziele wählen musst.
- du alte Gemäuer von innen sehen willst. Die Tonnara ist zum großen Teil verfallen, von innen sehen kannst du nur das kleine Meeresmuseum in der alten Kirche.
- du ein Fischerdorf mit Alltag erwartest. Rund um Piazza und Hafen dreht sich heute fast alles um Gäste.
Mein Urteil nach einer Stunde: Gute Instagram-Fotos bekommst du hier garantiert. Das ist es dann aber auch. Gegen die Cava Grande del Cassibile oder den Weg durch Vendicari kommt Marzamemi für mich nicht an.
Wo parkst du in Marzamemi? Gratis am Kreisel
Kostenlos parkst du am Straßenrand am Kreisel an der Ecke Via Mario Falla, am nördlichen Ortsrand direkt an der Spiaggia della Spinazza. Von dort läufst du sieben bis acht Minuten bis zur Piazza.
Die genaue Stelle: 36.744197, 15.113205 (auf Google Maps öffnen).
Im Ort selbst ist Parken meist kostenpflichtig, und je näher am Zentrum, desto teurer. Die Parkplätze direkt an der Altstadt nahmen bei unserem Besuch 5 Euro Tagespauschale (Stand September 2026). Bezahlt wird meistens bar, also Münzen und kleine Scheine einstecken.
Gut zu wissen: Bis zur Piazza fährst du ohnehin nicht. Seit Juni 2026 ist der Ortskern mit der Piazza Regina Margherita und den Gassen drumherum rund um die Uhr Fußgängerzone (Pachino News). In der Saison gilt davor zusätzlich eine ZTL, also eine Zone mit beschränkter Zufahrt.
Rundgang: Was du in Marzamemi in einer Stunde siehst
Alles, was Marzamemi ausmacht, liegt in ein paar hundert Metern rund um die Piazza. An fast jeder Station steht eine braune Tafel der Pro Loco auf Italienisch und Englisch. Die Jahreszahlen unten stammen von dort.
Piazza Regina Margherita

Die Piazza ist das Herz von Marzamemi und eigentlich auch schon der größte Teil davon. Auf der einen Seite stehen die alten Fischerhäuser, gegenüber an der Westseite der Palazzo dei Principi di Villadorata. Baron Bernardo Calascibetta, dem die Tonnara gehörte, ließ ihn um 1750 bauen: unten Lager für Waren und Fanggerät, oben die Wohnung der Besitzer. Mitte des 19. Jahrhunderts kaufte ihn die Familie Nicolaci, die Fürsten von Villadorata.
Der Platz sieht schick aus, die Mauern aus hellem Kalkstein wirken am Nachmittag fast sandfarben. Hier habe ich viele Fotos gemacht.
Tonnara di Marzamemi: Largo Balata und Loggia degli Scieri


Im Zentrum des Dorfs stand die Tonnara, eine Anlage für den Thunfischfang. Gebaut wurde sie unter spanischer Herrschaft im 17. Jahrhundert. 1655 kauften sie die Barone Calascibetta aus Piazza Armerina, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging sie an die Familie Nicolaci aus Noto.
Der Platz vor der Tonnara am kleinen Hafen heißt Largo Balata, nach den Steinplatten, auf Sizilianisch balate, mit denen er gepflastert ist. Auf ihnen ließen sich die Boote leichter an Land ziehen und die Thunfische entladen. Die Loggia degli Scieri mit ihren drei großen Toren war die Halle für die Boote. Drinnen begann die Verarbeitung: Die Thunfische wurden gewaschen und mit dem Schwanz nach oben an Balken gehängt, wo sie mindestens 24 Stunden ausbluteten.
Heute liegen rund um den Hafen Restaurants. Das Ganze wirkt, als wäre es vor allem für Besucher gemacht.
Cortile del Rais: wo der Chef der Thunfischfänger wohnte
Ein paar Schritte weiter liegt ein kleiner Hof, gepflastert mit Kalksteinplatten und umgeben von Fischerhäuschen: der Cortile del Rais aus dem 18. Jahrhundert. Der Rais war der Chef der Tonnara. Er war für die Fischer verantwortlich und dafür, dass die Mattanza gelang, der gemeinsame Fang in den großen Netzen. Sein Haus stand mit der Rückseite direkt am Meer, so hatte er jedes Boot im Blick, das hinaus- oder hereinfuhr.
Die Camperia: ein Schornstein am Gerüst
Nördlich der Piazza, zwischen Viale Jonio, Via Marzamemi und Via Letizia, liegt das große Gelände der Camperia. Die Familie Nicolaci ließ hier Anfang des 20. Jahrhunderts Thunfisch in Öl herstellen. Gekocht wurde der Fisch in zwei Öfen mit Schornsteinen. Der größere stürzte im Zweiten Weltkrieg bei Luftangriffen der Alliierten ein, der kleinere steht noch.
Das Dach ist eingefallen, besichtigen kannst du hier nichts. Den verbliebenen Schornstein hält ein Gerüst, und das sieht aus, als stünde es schon seit zwanzig Jahren da. Vor der Einsturzgefahr am Sockel hat die Naturschutzgruppe Natura Sicula schon 2015 gewarnt.
Zwei Kirchen: Madonna del Carmelo und San Francesco di Paola

Die Chiesa della Madonna del Carmelo war die Kirche der Tonnara. Baron Bernardo Calascibetta ließ sie von 1748 bis 1752 bauen, mit drei Altären. Genutzt wurde sie bis 1948, dann stürzte bei einem schweren Unwetter das Dach ein. Mit ihrem kleinen Glockengiebel ist sie das Fotomotiv der Piazza. Seit April 2025 ist darin das kleine Museo del Mare untergebracht, mit Funden aus einem byzantinischen Schiffswrack vor der Küste. Zur Eröffnung nannte die Lokalpresse Öffnungszeiten von 10 bis 12 und von 16 bis 19 Uhr (Pachino News, Stand April 2025). Gut zu wissen: Als wir am späten Nachmittag vorbeikamen, war die Tür zu. Wer ins Museum will, fragt am besten vorher bei der Pro Loco nach.
Die Chiesa di San Francesco di Paola ist die Dorfkirche von heute: ein einziges Kirchenschiff, vorn eine Fensterrose. Der heilige Franz von Paola ist Schutzpatron der Seeleute und von Marzamemi. Sein Fest ist am Montag nach dem 15. August. Dann tragen die Leute seine Figur durch die Straßen und fahren sie mit einem Boot aufs Meer hinaus, wo das Gebet der Seeleute gelesen wird.
Gassen, Pasta to go und Eis



Rund um die Piazza gehen ein paar schmale Gassen ab, und in vielen davon ist ein Restaurant. In einer gab es Pommes und Nudeln zum Mitnehmen, Eis natürlich auch. Wer etwas mitnehmen will: Marzamemi ist für Thunfisch in Öl und für Bottarga bekannt, den gesalzenen und getrockneten Thunfischrogen.
Martin old Sicily: der Laden mit dem Balkon zum Meer

Unser Tipp für Marzamemi ist ein Laden. Martin old Sicily liegt gleich an der Piazza, ein handgemaltes blaues Schild in der Gasse zeigt den Weg. Geh hinein und einmal ganz durch: Hinten hat der Laden einen kleinen Balkon mit Blick aufs Meer.
Spiaggia della Spinazza: der Strand am Ortsrand
Direkt am Gratis-Parkplatz beginnt die Spiaggia della Spinazza, ein langer Sandstrand, der vom Ortsrand nach Nordwesten bis zum kleinen Kap Bove Marino reicht. Vor der Küste wachsen Seegraswiesen aus Posidonia, einer Pflanze, die es nur im Mittelmeer gibt. Laut der Tafel am Strand schützen sie die Küste vor Erosion und zeigen an, dass das Wasser sauber ist. Zum Baden sind wir in die Cala Mosche in der Riserva di Vendicari gegangen, rund 20 Autominuten nördlich.
Wie viel Zeit brauchst du für Marzamemi?
Eine Stunde reicht für Piazza, Gassen, Tonnara und Hafen, eigentlich sogar eine halbe. Wir haben trotzdem gut eine Stunde geschafft, indem wir jede Seitengasse ein paarmal abgelaufen sind.
Wer essen oder lange auf der Piazza sitzen will, bleibt entsprechend länger. Vom Gratis-Parkplatz kommen hin und zurück noch gut 15 Minuten Fußweg dazu.
Marzamemi und Vendicari an einem Tag: so passt es zusammen
Am besten gehst du morgens in die Riserva di Vendicari und fährst nachmittags nach Marzamemi. Vom Haupteingang der Riserva sind es rund 20 Minuten mit dem Auto.
So haben wir es gemacht: gegen zehn Uhr in Vendicari, zu Fuß bis zur Cala Mosche und zurück. Auf dem Rückweg war es ohne einen Meter Schatten schon richtig heiß, früher loszugehen lohnt sich also. Danach ein Kaffee im kleinen Bistro am Eingang und am späten Nachmittag Marzamemi. Die Stunde auf der Piazza ist dann ein guter Abschluss statt eines eigenen Programmpunkts.
Unser Quartier hatten wir in Noto, knapp 30 Minuten entfernt. Wer lieber am Meer wohnt, findet in Marzamemi selbst gut 300 Unterkünfte.*
Fun Fact: 1948, ein Jahr mit zwei Kirchen. Im Januar 1948 wurde in Marzamemi die neue Kirche San Francesco di Paola eingeweiht. Im selben Jahr stürzte bei einem Unwetter das Dach der alten Tonnara-Kirche ein. Danach blieb sie 77 Jahre geschlossen, bis 2025 das Meeresmuseum einzog.
Fotospots in Marzamemi:
1. Piazza Regina Margherita: von der offenen Seite des Platzes quer auf die alte Kirche mit dem Glockengiebel, die Sonnenschirme im Vordergrund. Unser Titelbild ist von dort.
2. Die Gasse mit den Kakteen: hochkant, damit die überhängenden Kakteen oben und die gelben Töpfe unten ins Bild passen.
3. Loggia degli Scieri: vom Largo Balata frontal auf die drei großen Bogentore.
4. Blick aus der Gasse auf die Kirche: aus einer der schmalen Gassen, die Hauswände rahmen die Kirche links und rechts ein.
Unsere Fotos sind alle am späten Nachmittag entstanden, zwischen etwa halb fünf und halb sechs, alle mit dem Google Pixel 7 Pro.
Bootstouren ab Marzamemi

Wer die Küste Richtung Vendicari und Capo Passero vom Wasser aus sehen will, findet zwei Bootstouren, die direkt in Marzamemi starten:
Bootstour Marzamemi–Portopalo mit Aperitif. Drei Stunden an der Küste entlang bis zur Insel Capo Passero, bei passendem Wetter auch bis Vendicari, mit Aperitif an Bord. Start am Yacht Club im Porto Fossa, geführt auf Englisch und Italienisch, ab 55 € pro Person (Stand September 2026). Angebote ansehen.
Glasbodenboot zu den römischen Säulen. Anderthalb Stunden mit Unterwassersicht zu antiken Säulen, die vor der Küste auf dem Meeresgrund liegen. Start an der Anlegestelle Nautica Il Paguro, geführt auf Italienisch und Englisch, ab 36 € pro Person (Stand September 2026). Das Angebot ist neu und hat erst wenige Bewertungen. Angebote ansehen.
Fazit: schön für eine oder zwei Stunden

Marzamemi ist fotogen und schnell gesehen. Eine eigene Anfahrt lohnt sich dafür kaum, als Abstecher von Vendicari oder Noto aus schon. Unsere Empfehlung: Park gratis am Kreisel, lauf über die Piazza zur Tonnara und geh bei Martin old Sicily einmal durch bis auf den Balkon. Mehr Bilder von unserer Sizilien-Reise zeigen wir auf Instagram.
Warst du schon in Marzamemi und siehst das anders? Schreib es uns gern in die Kommentare.
Häufige Fragen zu Marzamemi
Lohnt sich ein Besuch in Marzamemi?
Als Abstecher ja, als eigenes Tagesziel eher nicht. Die Piazza Regina Margherita und die Gassen sind fotogen, nach einer Stunde hast du aber alles gesehen. Am besten verbindest du Marzamemi mit der Riserva di Vendicari oder mit Noto.
Wie viel Zeit sollte man für Marzamemi einplanen?
Eine Stunde reicht für Piazza, Gassen, Tonnara und Hafen. Wer dort essen oder lange auf dem Platz sitzen will, bleibt länger. Für den Weg vom kostenlosen Parkplatz am Ortsrand rechnest du pro Richtung sieben bis acht Minuten.
Wo kann man in Marzamemi kostenlos parken?
Am Straßenrand am Kreisel an der Via Mario Falla, am nördlichen Ortsrand an der Spiaggia della Spinazza (36.744197, 15.113205). Näher am Zentrum kosten die Parkplätze meist 5 Euro Tagespauschale, oft nur bar. Der Ortskern selbst ist seit Juni 2026 dauerhaft Fußgängerzone.
Hat Marzamemi einen Strand?
Ja: die Spiaggia della Spinazza, ein langer Sandstrand am nördlichen Ortsrand, der bis zum kleinen Kap Bove Marino reicht. Vor der Küste wachsen Seegraswiesen aus Posidonia. Die Cala Mosche in der Riserva di Vendicari liegt rund 20 Autominuten nördlich.
Kann man die Tonnara di Marzamemi besichtigen?
Von außen ja, von innen kaum. Die alte Thunfischfabrik ist zum großen Teil verfallen, das Dach der Camperia ist eingestürzt. Von innen ansehen kannst du seit April 2025 das kleine Museo del Mare in der alten Tonnara-Kirche Madonna del Carmelo.
Wo liegt Marzamemi auf Sizilien?
Im Südosten Siziliens in der Provinz Syrakus. Marzamemi ist ein Ortsteil von Pachino und liegt gut 20 Kilometer südlich von Noto und rund 50 Kilometer südlich von Syrakus. Bis Portopalo di Capo Passero an der Südostspitze der Insel sind es rund 9 Kilometer.
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