Es gibt in Deutschland 27 Städte, die offiziell „Hansestadt“ heißen, und rund 200 waren es zu Zeiten der alten Hanse. Ich habe dreizehn davon besucht, und die Wahrheit ist: Nicht jede Hansestadt lohnt eine eigene Anreise. Manche schon, und zwar deutlich mehr, als ihr Bekanntheitsgrad vermuten lässt.
Dieser Artikel ist deshalb keine Liste zum Abhaken. Zuerst kommt kurz das, was man wissen sollte, um in einer Hansestadt zu erkennen, was man da eigentlich sieht. Danach kommen meine Favoriten, mit ehrlicher Einordnung: welche mich überrascht haben, welche ihren Ruf verdienen und bei welchen ein halber Tag reicht.
Hansestädte in Deutschland auf einen Blick
- 27 Städte führen offiziell den Namenszusatz „Hansestadt“
- 7 davon tragen das H im Kfz-Kennzeichen: HB, HH, HL, HRO, HGW, HWI, HST
- Rund 200 Städte gehörten zur historischen Hanse, der letzte Hansetag war 1669 in Lübeck
- Erkennungszeichen: Backsteingotik, Speicher am Wasser, giebelständige Kaufmannshäuser
- Größte: Hamburg (1.869.473) · Kleinste: Werben an der Elbe (898)
- Hansetag 2027 in Braunschweig, 2028 in Stralsund, 2029 in Wismar
Kurz erklärt: Was war die Hanse?
Die Hanse war ein Zusammenschluss von Kaufleuten und später von Städten, der zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert den Handel im Nord- und Ostseeraum beherrschte. Kein Staat, kein Verein mit Mitgliedsausweis, sondern ein loses Bündnis mit einem sehr praktischen Zweck: gemeinsam reisen, gemeinsam Handelsprivilegien durchsetzen, im Zweifel gemeinsam Druck machen. Der Vertrag zwischen Hamburg und Lübeck von 1241 gilt als eine der Gründungsurkunden.
Gehandelt wurden Massengüter, nicht Luxus: Salz aus Lüneburg, Hering aus Schonen, Tuch aus Flandern, Getreide, Holz und Pelze aus dem Osten. Genau daraus erklärt sich, warum manche dieser Städte heute so aussehen, wie sie aussehen. Der letzte Hansetag fand 1669 in Lübeck statt, und es erschienen nur noch neun Städte. Aufgelöst hat sich die Hanse nie, sie hörte einfach auf zu tagen.
Wie viele Hansestädte gibt es heute? Drei Zahlen, die ständig durcheinandergehen:
- 27 deutsche Städte führen den amtlichen Namenszusatz „Hansestadt“ in ihrer Hauptsatzung. Bei Lübeck, Hamburg und Bremen ist er alt, die übrigen 24 haben ihn überwiegend nach 1990 wieder aufgenommen.
- 106 deutsche Städte sind Mitglied im Städtebund DIE HANSE, der 1980 im niederländischen Zwolle neu gegründet wurde. Dort sind auch Köln, Dortmund, Hannover und Braunschweig dabei, die den Namenszusatz nicht führen.
- Rund 200 Städte gehörten der historischen Hanse an, von Nowgorod bis Brügge. Wirklich aktiv war davon immer nur ein Bruchteil.
Das H im Kennzeichen haben übrigens nur sieben: HB (Bremen), HH (Hamburg), HL (Lübeck), HRO (Rostock), HGW (Greifswald), HWI (Wismar), HST (Stralsund). Alle anderen fahren mit normalen Kreiskennzeichen. Und das H allein steht für Hannover, das zwar im Städtebund ist, den Titel aber nicht führt. Das ist die häufigste Verwechslung von allen.
Die vollständige Mitgliederliste führt der Städtebund selbst. Einmal im Jahr gibt es den Internationalen Hansetag, ein Stadtfest mit Delegationen aus allen Mitgliedsstädten. Für die nächsten Jahre lohnt der Blick in den Kalender, weil dreimal hintereinander Deutschland ausrichtet: 2027 Braunschweig (10. bis 13. Juni), 2028 Stralsund (15. bis 18. Juni), 2029 Wismar (7. bis 10. Juni).
Woran du eine Hansestadt erkennst
Das ist der eigentlich nützliche Teil, und er funktioniert auch in Städten, die den Titel gar nicht führen. Vier Dinge, auf die du achten kannst.
1. Backsteingotik
Im norddeutschen Tiefland gibt es keinen Naturstein. Wer im Mittelalter eine große Kirche bauen wollte, musste Ziegel brennen, und daraus ist eine eigene Bauweise entstanden: die Backsteingotik. Du erkennst sie an den wuchtigen roten Baukörpern, an Blendnischen in den Wänden, an glasierten Formsteinen, die dunkle Muster ins Mauerwerk setzen, und vor allem an den Staffelgiebeln, die wie eine Treppe nach oben laufen.
Das Bauprinzip ist mit dem Handel gewandert, entlang der Ostseeküste bis ins Baltikum. Deshalb sehen die Kirchen in Wismar, Stralsund und Danzig einander ähnlicher als der Kirche in der nächsten Kleinstadt im Binnenland. Wenn du in Norddeutschland vor einem riesigen roten Kirchenschiff stehst und dich fragst, wie sich eine Stadt dieser Größe so etwas leisten konnte: Die Antwort ist meistens Handel.
2. Speicher am Wasser
Handel heißt lagern. Hansestädte haben deshalb ihre Lagerhäuser direkt ans Wasser gebaut, damit die Ware vom Schiff in wenigen Metern in den Speicher kam. Das Erkennungsmerkmal sind die Ladeluken übereinander in der Fassade und der Windenbalken, der oben aus dem Giebel herausragt: Daran hing der Flaschenzug, mit dem die Säcke nach oben gezogen wurden.
Wo du diesen Balken siehst, hast du ein ehemaliges Lagerhaus vor dir, auch wenn heute Ferienwohnungen drin sind. In Lübeck sind es die Salzspeicher an der Trave, in Stade und Buxtehude stehen die Häuser direkt am alten Hafenbecken, und Hamburgs Speicherstadt ist die Fortsetzung desselben Prinzips, nur 500 Jahre später und in industriellem Maßstab.
3. Giebelständige Kaufmannshäuser
In den meisten deutschen Altstädten stehen die Häuser traufständig, also mit der langen Seite zur Straße. In Hansestädten stehen sie giebelständig, mit der Schmalseite nach vorn. Das hat einen banalen Grund: Die Grundstücke am Markt waren schmal und tief, weil möglichst viele Kaufleute an die beste Lage wollten.
Dahinter steckt ein ganzes Wohn- und Arbeitskonzept. Unten die Diele, ein hoher Raum, der Kontor, Empfang und Umschlagplatz zugleich war. Darüber die Lagerböden. Ganz oben im Giebel wieder eine Ladeluke. Das Haus war Firma und Wohnung in einem, und die Fassade war die Visitenkarte. Je aufwendiger der Giebel, desto besser lief das Geschäft.
4. Rolande, Stadttore, Ratshäuser
Drei Zugaben, die dasselbe erzählen: Selbstbewusstsein. Ein Roland ist eine steinerne Figur mit Schwert auf dem Marktplatz und war das sichtbare Zeichen dafür, dass die Stadt eigene Marktrechte hatte. Der bekannteste steht in Bremen, es gibt ihn aber auch in Stendal, Quedlinburg und Halberstadt.
Dazu kommen die Stadttore, oft die letzten Reste der Befestigung, und die Rathäuser, die in Hansestädten regelmäßig eine Nummer zu groß für die heutige Einwohnerzahl sind. Genau das ist der Punkt: Sie wurden für die Stadt gebaut, die sie einmal waren.
Karte: alle 27 Hansestädte im Überblick
Auf der Karte liegen alle 27 Städte mit amtlichem Namenszusatz, dazu die weiteren Mitglieder im Städtebund, in denen ich war. Farblich getrennt nach besucht und noch nicht besucht.
Meine Favoriten unter den deutschen Hansestädten
Ich war in dreizehn der 27, dazu in einer Reihe weiterer Städtebund-Mitglieder. Was jetzt kommt, ist nach meinen Lieblingsstädten sortiert, nicht nach Bekanntheit oder Einwohnerzahl: ganz vorne die, in die ich am liebsten fahre. Wer eine vollständige Liste aller Hansestädte sucht, findet sie beim Städtebund.
1. Lübeck: wo ich studiert und gewohnt habe



In Lübeck habe ich vier Jahre studiert und danach noch einmal vier Jahre gewohnt. Als Student habe ich gar nicht richtig wahrgenommen, wie schön die Stadt ist. Da waren Kneipen, Cafés, die Uni und die Freunde wichtiger. Erst danach habe ich verstanden, warum die Altstadt UNESCO-Welterbe ist. Ich war seitdem so oft dort, ich mag die Stadt einfach.
Lübeck ist der Ort, an dem die Hanse ihren Sitz hatte. Der Hansetag tagte hier, das Lübecker Stadtrecht wurde von zahlreichen Städten im Ostseeraum übernommen, und der letzte Hansetag 1669 fand ebenfalls hier statt. Die Altstadt liegt auf einer Insel zwischen Trave und Wakenitz und ist seit 1987 Welterbe. Zum Bummeln und Einkaufen ist sie ideal, und die Häuser sind richtig schick. Und schon der Hauptbahnhof ist schön.
Unbedingt musst du in die Gänge und Höfe: schmale Durchgänge zwischen den Kaufmannshäusern, hinter denen winzige Wohnhöfe liegen. Sie entstanden ab dem 14. Jahrhundert, oft als Stiftungen wohlhabender Bürger, rund 90 sind erhalten. Mit den Igers Hamburg haben wir dort schon mehrere Fotowalks organisiert. Manchmal ist die Tür zu, viele darfst du trotzdem betreten. Nimm aber bitte Rücksicht: In den Gängen wohnen Leute, an denen jeden Tag viele Touristen vorbeilaufen, und die sind auch mal genervt. Und schau dir generell die Seitengassen an, nicht nur die Hauptstraßen.
Mein zweiter Tipp: Fahr auf St. Petri hoch. Ein Aufzug bringt dich auf die Aussichtsplattform in rund 50 Metern Höhe, das kostet nicht viel, und du schaust von oben aufs Holstentor. Und wer will, geht abends in meine alte Studentenkneipe, das Hüx in der Hüxstraße, und trinkt einen Wodka Lemon. Den habe ich früher immer getrunken.
Für die Hanse-Geschichte selbst ist das Europäische Hansemuseum die richtige Adresse: An der Untertrave 1, täglich 10 bis 18 Uhr (außer 24. Dezember), Dauerausstellung 16 Euro, ermäßigt 10 Euro, unter 18 frei, Jahreskarte 30 Euro. Der Eintritt ins Burgkloster ist enthalten, gebucht wird mit Zeitfenster. (Stand: August 2026.)
Die Altstadt-Highlights von der Marienkirche bis zum Buddenbrookhaus stehen im Lübeck-Artikel.
Ehrlich eingeordnet: Wenn du nur eine einzige Hansestadt sehen willst, ist es diese. Die Altstadtinsel lohnt sich zu jeder Jahres- und Tageszeit.
2. Hamburg: die größte und für mich die coolste



In Hamburg wohne ich seit vielen Jahren, und für mich ist es die größte und coolste Hansestadt: das Wasser, der Hafen mit den vielen Schiffen, Speicherstadt und HafenCity, der Michel, die Reeperbahn. Und einmal im Jahr der Hafengeburtstag.
Offiziell heißt sie „Freie und Hansestadt Hamburg“, und der Titel ist keine Folklore: Hamburg war nie Teil eines Fürstentums und ist bis heute ein eigenes Bundesland. Der Vertrag mit Lübeck von 1241 gilt als Keimzelle der Hanse.
Typisch hanseatisch im Sinne von Backsteingotik ist Hamburg allerdings kaum. Vom mittelalterlichen Hamburg ist wenig übrig, dafür haben Großer Brand 1842, Weltkrieg und Wiederaufbau gesorgt. Backstein in großem Stil gibt es vor allem in der Speicherstadt, dem größten zusammenhängenden Lagerhauskomplex der Welt, seit 2015 zusammen mit dem Kontorhausviertel UNESCO-Welterbe. Sie stammt erst aus den 1880er Jahren, ist aber die direkte Fortsetzung des Prinzips: lagern, umschlagen, weiterverkaufen.
Was sich in Hamburg sonst lohnt, steht im Hamburg-Artikel. Ausflüge ins Umland findest du bei den Ausflugszielen rund um Hamburg.
Ehrlich eingeordnet: Die mittelalterliche Hansestadt musst du dir in Hamburg zusammensuchen. Die Hafenstadt, die bis heute vom Handel lebt, siehst du dagegen an jeder Ecke. Der Kontrast zur Altmark ist der lehrreichste Teil an diesem Thema: In der Speicherstadt siehst du den Handel als Industrie, in Salzwedel oder Stendal siehst du, was von ihm übrig bleibt, wenn er vierhundert Jahre lang weg ist. Beides ist Hanse.
3. Lüneburg: die, in der ich am häufigsten bin



Lüneburg liegt zwischen Celle, wo ich herkomme, und Hamburg. Deshalb treffen wir uns hier unterwegs mit der Familie, und ich bin sehr häufig in der Stadt: zum Bummeln, zum Shoppen, zum Fotografieren und im Advent zum Weihnachtsmarkt. Mein Lüneburg-Moment ist trotzdem der erste Besuch. Ich stand vor all dem, was ich vorher nur von Fotos kannte, und habe mich gefragt, warum ich nicht schon viel früher hier war.
Lüneburg ist der klarste Fall dafür, warum eine Hansestadt reich wurde: Salz. Das Salz ging nach Lübeck, auf dem Rückweg brachten die Händler Hering mit. Man sieht es doppelt: an den gestaffelten Backsteingiebeln am Markt und Am Sande, und an den schiefen Häusern in der westlichen Altstadt, wo der Boden über dem Salzstock abgesackt ist, weil über Jahrhunderte Sole abgepumpt wurde.
Am liebsten mag ich das Fachwerk und den Stintmarkt am alten Hafen, im Sommer direkt am Wasser. Auf dem Wasserturm war ich bei einem Instawalk, den Instagramer aus Lüneburg organisiert hatten, und von oben schaust du über die roten Dächer und Kirchtürme. Mein eigener Tipp steht auf keiner offiziellen Liste: der grüne Innenhof hinter der Reitende-Diener-Straße, keine fünf Minuten vom Rathaus.
Alle 15 Stationen, einen Rundgang für einen Tag und den kostenlosen Parkplatz findest du im Lüneburg-Artikel.
Ehrlich eingeordnet: Was mich an Lüneburg nervt? Eigentlich nichts. Wer Lübeck kennt, bekommt hier dieselbe Hanse-Geschichte, Backstein und Fachwerk, nur kleiner und kompakter. Ich fahre immer wieder gern hin.
4. Wismar: die Welterbe-Altstadt um sechs Uhr morgens



Wismar kenne ich schon lange. Das erste Mal war ich mit der Abiklasse hier, und danach bin ich in den Jahren nach der Wende immer wieder hergefahren. Vieles war grau, vieles war Baustelle, und gleichzeitig war alles in Bewegung. Aufbruch trifft es am ehesten, und ich fand es großartig, da hinzufahren.
Zuletzt war ich von Boltenhagen aus da, wo wir Sommerurlaub hatten. Ich bin allein und sehr früh gefahren: Um sechs war ich in der Stadt, gegen neun wieder weg. Auf dem Marktplatz wurde gerade der Markt aufgebaut, am Alten Hafen lag noch kein einziger Fischkutter, und außer mir war praktisch niemand unterwegs. Gegen halb neun saß ich mit Kaffee und Schokocroissant vor der Bäckerei am Markt und habe zugesehen, wie die ersten Leute über den Platz kamen. Rückblickend war das der beste Teil des Vormittags.
Wismar ist die kleine Schwester von Lübeck, gut 60 Kilometer östlich und mit 43.103 Einwohnern nur ein Fünftel so groß: dieselbe Backsteingotik, dasselbe Welterbe-Siegel, aber du läufst in zehn Minuten quer durch. Die Altstadt gehört seit 2002 gemeinsam mit Stralsund zum UNESCO-Welterbe, und der Marktplatz ist rund einen Hektar groß.
Was Wismar von den anderen unterscheidet: Die Stadt gehörte von 1648 bis 1803 zu Schweden, und das sieht man noch. Der Alte Schwede am Markt hat eine Backsteinfassade von etwa 1380, seinen Namen bekam er aber erst im 19. Jahrhundert. Am Hafen stehen die Schwedenköpfe, und das größte Fest der Stadt heißt bis heute Schwedenfest.
Die drei großen Kirchen erzählen die Kriegsgeschichte: Von St. Marien steht nur noch der Turm, weil das Kirchenschiff 1960 gesprengt wurde. St. Georgen wurde nach der Wiedervereinigung über Jahrzehnte wieder aufgebaut. Nur St. Nikolai kam durch. Am Alten Hafen liegt die Poeler Kogge, ein Nachbau nach einem Wrackfund vor der Insel Poel, also ein Hanse-Schiff, wie es die Kaufleute tatsächlich gefahren haben. Und eine Sache, die ich damals nicht glauben wollte und später nachgesehen habe: Das allererste Karstadt eröffnete 1881 in Wismar. Alle Stationen stehen im Wismar-Artikel. 2029 richtet Wismar den Hansetag aus.
Ehrlich eingeordnet: Ein halber Morgen hat für die Altstadt gereicht, und so früh loszufahren war die richtige Entscheidung. Für Fotos hat das hervorragend funktioniert, für alles andere gar nicht, weil um sechs nichts offen hat. Die Kirchen von innen will ich beim nächsten Besuch sehen.
5. Stade: der Hafen, der die Stadt macht



Von Hamburg aus liegt Stade für mich quasi vor der Haustür, und entsprechend oft war ich hier, meistens allein mit der Kamera. Einmal war ich zu einem Insta-Walk eingeladen, einmal fiel der Besuch zufällig mit einem Karnevalsumzug zusammen, und im Advent war ich zum Weihnachtsmarkt da.
Das Schönste ist für mich der Alte Hansehafen mit den Häusern ringsum. Ein rechteckiges Becken mitten in der Altstadt, an dem die Kaufmannshäuser direkt am Wasser stehen, und am Kopfende der hölzerne Kran. Der sieht alt aus, steht aber erst seit 1977 dort. Ein Segelschiff liegt fast immer im Becken, auf meinen Fotos im September genauso wie im Dezember.
Fototipp: Geh vormittags ans Südende und fotografier von Wasser Ost über das Becken. Dann steht die Sonne fast frontal auf der Häuserzeile Wasser West, und genau das ist das Bild, das man von Stade im Kopf hat.
Die beiden großen Kirchen liegen nur rund 200 Meter auseinander, und ich war in beiden drin. Beim Insta-Walk ging es für mich außerdem auf den Turm von St. Cosmae, 187 Stufen an den Glocken vorbei. Von oben sieht man erst, wie dicht die Altstadt bebaut ist. Wer fotografieren will, biegt westlich der Hökerstraße ab: Bäckerstraße, Rosenstraße, ein Abstecher in die Bungenstraße. Kopfsteinpflaster, Fachwerk und Backstein, Haustüren in Blau und Grün.
Alle Stationen, der Schwedenspeicher und mein Kuchentipp im Café im Goebenhaus stehen im Stade-Artikel.
Ehrlich eingeordnet: Stade ist klein genug, um es in ein paar Stunden zu Fuß zu sehen. Genau deshalb funktioniert es so gut als Halbtagesziel, und der Hafen ist für mich der schönste Ort der Stadt.
6. Tangermünde: die dichteste Altstadt der Altmark



Tangermünde ist keine der 27 mit Namenszusatz, sondern Mitglied im Städtebund, und trotzdem gehört es für mich in diese Liste. Ich bin im Hochsommer morgens mit dem Zug aus Hamburg hingefahren und habe auf dem Rückweg noch Stendal und Salzwedel mitgenommen. Vom Bahnhof bist du schnell in der Altstadt, alles liegt zu Fuß beieinander, und es war mitten im Sommer gar nicht viel los. Tangermünde ist echt klein, aber ich war richtig beeindruckt.
Die Stadt liegt hoch über der Elbe und hat eine fast komplett erhaltene Stadtmauer. Die siehst du allerdings erst richtig, wenn du einmal aus der Stadt hinaus an die Elbe gehst und zurückschaust. Beim Rathaus habe ich nur „Boah“ gedacht: Die Schaufassade ist reine Repräsentation, filigranes Maßwerk vor einer Wand, hinter der nichts passiert. Dazu kommt ganz viel Fachwerk neben rotem Backstein, und genau dieser Kontrast macht die Stadt aus.
Von innen lohnt sich die Kirche St. Stephan, und in Schulzens Zeitreise, einer Museumsscheune voller Alltagsgegenstände, Spielzeug und alter Möbel, war es sehr interessant. Die einzelnen Stationen stehen im Tangermünde-Artikel.
Ehrlich eingeordnet: Für einen Tagesausflug ist Tangermünde super. Für die Altstadt reichen zwei bis drei Stunden, und weil Stendal und Salzwedel nicht weit sind, lässt es sich gut kombinieren. Von Stendal aus fährt der Zug direkt.
7. Bremen: Roland, Rathaus, Schnoor



In Bremen war ich schon häufiger, mal mit dem Zug, mal mit dem Auto, meistens in der Innenstadt. Dass im Krieg vieles zerstört wurde, sieht man der Stadt ein bisschen an. Umso schöner sind die Ecken, die geblieben sind.
Am Marktplatz stehen der Roland, schöne Giebelhäuser und das Rathaus. Rathaus und Roland sind seit 2004 gemeinsam UNESCO-Welterbe: das Rathaus mit seiner Weser-Renaissance-Fassade, der Roland von 1404 als 5,47 Meter hohe Steinfigur, die die Marktrechte und die Freiheit der Stadt symbolisiert. Gleich an der Westseite des Rathauses stehen die Bremer Stadtmusikanten. Da solltest du vorbeigehen und sie einmal streicheln, damit deine Wünsche in Erfüllung gehen.
Das Schnoorviertel mag ich besonders: sehr süß, sehr hübsch, viele kleine Geschäfte, und zum Fotografieren top. Es ist das älteste Wohnquartier der Stadt, ein Gassengewirr mit Häusern aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, in denen früher Fischer und Schiffer wohnten. Ruhiger ist die Böttcherstraße, 110 Meter Backstein-Expressionismus aus den 1920er Jahren, finanziert vom Kaffeekaufmann Ludwig Roselius.
Unbedingt hin musst du an die Schlachte, die Promenade direkt an der Weser. Da reiht sich Kneipe an Café an Restaurant, abends ist dort viel los, und es gibt häufiger Straßenfeste. Wer zum Einkaufen kommt, findet in der Innenstadt außerdem einiges. Die vollständige Runde steht im Bremen-Artikel.
8. Rostock: ein Instawalk, der lange her ist



In Rostock war ich nur einmal, an einem sonnigen Samstag im Juni, bei einem Instawalk. Organisiert hatte ihn, wenn ich mich richtig erinnere, die Instagram-Community aus Rostock, und das Schöne daran war, dass wir an Orte gekommen sind, an die man sonst nicht kommt: oben auf einen Kirchturm, in einen weißen Saal, ins Zoologische Institut der Universität und aufs Dach eines Hotels. In der Stadt war viel los, es gab sehr viele schöne Häuser, und mit dem Wasser und dem Hafen war das ganz cool.
Rostock ist mit 204.929 Einwohnern die größte Hansestadt an der Ostsee und hat die älteste Universität im Ostseeraum (1419). Die Altstadt ist aber kein geschlossenes Ensemble wie in Wismar, weil die Stadt im Krieg schwer getroffen wurde. Sehenswert sind der Neue Markt mit dem siebentürmigen Rathaus und die Marienkirche mit ihrer astronomischen Uhr von 1472. Wer Strand will, fährt weiter nach Warnemünde, da war ich auch schon. Mehr steht im Rostock-Artikel.
Ehrlich eingeordnet: Das ist sehr lange her, und an vieles erinnere ich mich nicht mehr genau. Rostock muss ich mir noch einmal ansehen.
9. Stralsund: schön, aber ich muss noch mal hin



Stralsund haben wir auf dem Rückweg von Bornholm mitgenommen, an einem Samstagvormittag Anfang September, drei bis vier Stunden lang. Die Sonne knallte, das Licht war grell, und ich war nicht besonders gut gelaunt. Die Fotos, die ich mir vorgestellt hatte, habe ich an dem Tag nicht bekommen. Darum steht Stralsund bei mir noch einmal auf der Liste.
Eine schöne Hansestadt ist es trotzdem. Rund um den Alten Markt ist Stralsund wirklich hübsch: Das Rathaus zeigt dem Platz seine Schaufassade aus Backstein mit den spitzen Türmchen, gleich daneben steht die Nikolaikirche, und mitten durch das Rathaus führt ein Durchgang mit Säulen, Galerien und Glasdach. Irgendwo dort haben wir einen Kaffee getrunken.
Dazu kommt das Wasser. Die Altstadt ist fast ringsum davon umgeben, und vom Alten Markt sind es nur ein paar hundert Meter bis zum Hafen. Dort liegen Segelboote und kleine Fischkutter, auf der Hafeninsel stehen die alten Backsteinspeicher neben dem weißen Neubau des Ozeaneums, und an der Kaimauer liegt die Gorch Fock, das Segelschulschiff von 1933, heute ein Museumsschiff. An Bord und ins Ozeaneum sind wir nicht gegangen, wir sind am Wasser entlanggelaufen. Auf dem Rückweg haben wir noch in die Marienkirche am Neuen Markt geschaut.
Stralsund ist auch eine der Stationen in den Ausflugszielen in Mecklenburg-Vorpommern.
Ehrlich eingeordnet: Mir waren an dem Vormittag ein bisschen viele Touristen unterwegs. Sonst aber eine Stadt, die mir gefallen hat, und seit 2002 zusammen mit Wismar UNESCO-Welterbe. Ein guter Anlass für einen Besuch ist der Internationale Hansetag, den Stralsund vom 15. bis 18. Juni 2028 ausrichtet.
10. Salzwedel: die, für die zwei Stunden reichten



Salzwedel stand nicht auf meiner Liste. Es lag auf dem Rückweg von Stendal, ich hatte zwei Stunden am späten Nachmittag, mehr war nicht geplant. Ich bin einfach durch die Gassen gelaufen, mit der Kamera und ohne Erwartungen, und genau das hat die Stadt belohnt: kaum Menschen unterwegs, goldenes Nachmittagslicht auf den Fachwerkhäusern, an jeder zweiten Ecke ein Motiv.
Auf engem Raum steckt hier erstaunlich viel: ein Rest der Stadtmauer, mit Neuperver Tor und Steintor zwei mittelalterliche Stadttore, mehrere gotische Kirchen und eine Altstadt voller Fachwerk. Die Alte Münze von 1719 war erst Kornspeicher, dann Münzprägeanstalt und ist heute Technikmuseum – jedes Gebäude hier hat drei Leben. Mein persönliches Highlight war die Mönchskirche von innen: gewölbte Decken, farbige Glasfenster, das Schnitzaltarretabel.
Ein Tipp für Fotografen: Leg den Besuch auf den späten Nachmittag. Dann fällt das Licht flach auf die Fassaden, und die Altstadt gehört dir fast allein.
Was in zwei Stunden alles reinpasst, steht ausführlich im Salzwedel-Artikel.
Ehrlich eingeordnet: Zwei Stunden haben für die Altstadt gereicht, und mehr braucht sie auch nicht. Gegessen habe ich nichts, dafür war die Zeit zu knapp. Wenn du tagsüber da bist, lass dir den Original Salzwedeler Baumkuchen nicht entgehen; die Baumkuchenmanufaktur Kruse in der Holzmarktstraße backt ihn noch über offenem Feuer, und das hat hier eine Geschichte seit dem 16. Jahrhundert.
11. Korbach: die stillste



Korbach liegt auf 375 Metern zwischen Kellerwald und Sauerland, ist die einzige Hansestadt Hessens und damit die südlichste Deutschlands. Ich war am 4. September 2021 dort, an einem Samstag.
Der Tag lief anders als geplant. Ich kam gegen elf an, und über der Stadt hing dichter Nebel. Ich bin trotzdem los, habe alles abfotografiert und mich zunehmend geärgert, dass der blaue Himmel ausblieb. Irgendwann habe ich aufgegeben, mich ins Auto gesetzt und eine Stunde geschlafen. Als ich aufwachte, war der Himmel aufgerissen, und ich bin denselben Rundgang ein zweites Mal gelaufen, diesmal mit Licht. Dieser Nachmittag ist der Grund, warum ich Korbach in guter Erinnerung habe.
Was mir zuerst auffiel, war die Ruhe. Samstagnachmittag, die Fußgängerzone gut besucht, aber nirgends voll, und in den Seitengassen war ich streckenweise allein. Wer schon mal an einem Sommersamstag durch eine der bekannteren Fachwerkstädte gelaufen ist, weiß, wie ungewöhnlich das ist.
Korbachs Besonderheit ist die Struktur: Die Stadt bestand ursprünglich aus zwei getrennten Städten mit je eigener Kirche, Alt- und Neustadt, die erst 1377 zusammenwuchsen. Daher der doppelte Mauerring und die zwei großen Kirchen, St. Kilian und St. Nikolai. Reingegangen bin ich in St. Kilian, und das würde ich dir auch empfehlen: Von außen fotografierst du in Korbach ohnehin ständig, aber den Innenraum bekommt man nur mit, wenn man die Tür aufmacht.
Wenn ich eine Sache aus dem Tag mitnehmen müsste, dann diese: Die schönsten Motive liegen nicht am Marktplatz, sondern einen Abzweig weiter. Lauf die Hauptachse einmal komplett ab und danach ein zweites Mal, aber bieg jedes Mal ab, wenn rechts oder links eine Gasse aufgeht. Das kostet vierzig Minuten mehr und ist der Teil, an den ich mich am besten erinnere.
Die komplette Fotorunde, den Vergleich mit Fritzlar und alle Praxisdaten habe ich im Korbach-Artikel aufgeschrieben.
Ehrlich eingeordnet: Korbach ist keine Stadt für einen ganzen Urlaub, und als Hansestadt wird sie kaum wahrgenommen. Museum, Fossilienfundstätte und Goldbergwerk habe ich ausgelassen; beim nächsten Mal plane ich sie ein. Parken: Parkplatz Obermarkt in der Oberstraße, über 60 Stellplätze, montags bis freitags 8 bis 19 Uhr und samstags 8 bis 14 Uhr gebührenpflichtig, erste Stunde 0,75 Euro, jede weitere 1,50 Euro. Sonntags und abends kostenlos.
12. Stendal: die größte Überraschung



Stendal klingt nach einer Stadt, die man auf dem Weg woanders hin sieht. Genauso bin ich dort auch gelandet: mit dem Zug von Hamburg, ein paar Stunden Stopp in Tangermünde davor, dann weiter in die Altmark-Hauptstadt. Dass Stendal mich so begeistern würde, hatte ich nicht erwartet.
Das Highlight ist ausgerechnet ein Kaufhaus. Das Kaufhaus Ramelow am Markt sieht von außen unscheinbar aus, aber innen steht ein vollständig erhaltenes Bauhaus-Treppenhaus. Mein Begleiter hat mich da regelrecht reingeschleppt, und er hatte recht: Das ist das fotogenste Motiv der Stadt und steht in keinem Reiseführer weit oben.
Der zweite Tipp geht in dieselbe Richtung: Geh auf das Uenglinger Tor hoch. Von oben siehst du auf das Trojanische Pferd vor dem Winckelmann-Museum und auf die Jacobikirche, und diese Perspektive bekommst du nur da oben.
Dazu das Programm einer alten Hansestadt in guter Qualität: der Dom St. Nikolai mit mittelalterlichen Glasfenstern, der Marktplatz mit Marienkirche, Rathaus und Roland, dazu St. Petri und das Tangermünder Tor. Mittags hat sich das Steakhouse Mendoza bewährt, wir haben draußen gesessen, was an einem Augusttag in der Altmark-Sonne die richtige Entscheidung war. Kein Gourmet-Tempel, aber solide.
Die zwölf Highlights im Detail stehen im ausführlichen Stendal-Artikel.
Ehrlich eingeordnet: Stendal ist kein Ziel für ein ganzes Wochenende. Als Tagesausflug ist es stark, und von Hamburg ist es mit dem Regionalzug in gut anderthalb Stunden erreichbar.
13. Buxtehude: die Stadt, in der ich gearbeitet und nichts gesehen habe



Buxtehude ist der Sonderfall in dieser Liste. Nach dem Studium habe ich hier eine Zeit lang gearbeitet: Meine damalige Firma zog mit dem Büro von Hamburg hierher, und ich bin von Lübeck aus hingependelt. Die Stadt selbst habe ich mir damals nicht angesehen. Ich weiß heute nicht einmal mehr, wo das Büro lag.
Bewusst angeschaut habe ich sie erst viel später, an einem sonnigen Novembermittag, an einem Juniabend und im Advent. An dem Juniabend hingen blaue und gelbe Wimpel über dem Wasser, und das Fleth lag so still, dass sich Wolken und Fassaden darin spiegelten. Das ist der Moment, der mir von Buxtehude geblieben ist.
Das Fleth ist auch der Grund, warum die Stadt überhaupt so aussieht: Buxtehude wurde um 1285 planmäßig angelegt, mit rechteckigem Grundriss und diesem Hafenkanal mitten hindurch, damit die Kaufleute direkt vor der Haustür löschen konnten. Vor der Flethmühle liegt der Ewer Margareta, und am Rand der Altstadt steht der Marschtorzwinger, der letzte von einst fünf runden Wehrtürmen.
Alle zwölf Stationen in der Reihenfolge eines Rundgangs, dazu Museum, Führungen und meine Fotospots stehen im Buxtehude-Artikel.
Ehrlich eingeordnet: Für meine Fotorunden im November und im Juni war ich jeweils knapp eine Stunde unterwegs, mehr braucht die Altstadt nicht. Und als ich im selben Advent auf beiden Weihnachtsmärkten war, hat mir das Ambiente am Stader Hafenbecken noch einen Tick besser gefallen.
14. Uelzen: der Bahnhof, an dem ich ständig umsteige



In Uelzen war ich wahrscheinlich schon hunderte Male, allerdings meistens nur am Bahnhof: Wenn ich zwischen Celle und Hamburg fahre, steige ich hier ständig um. Der Hundertwasser-Bahnhof ist schon allein ein Erlebnis. Friedensreich Hundertwasser hat ihn zur EXPO 2000 umgestaltet, mit bunten Säulen, goldenen Kugeln und kaum einer geraden Linie.
Vom Bahnhof läufst du zu Fuß in die Stadt, und die ist nicht groß. Auf meiner Runde habe ich mir das Fachwerk in der Innenstadt angesehen, das alte Rathaus mit St. Marien dahinter, das Gildehaus, den Schnellenmarkt und den Ratsteich mit der Gertrudenkapelle. Und die Mäusetwiete, die schmalste Gasse der Stadt, in der laut Überlieferung gerade zwei Personen nebeneinander passen. Adresse: Lüneburger Straße 34, ohne die läuft man dran vorbei. Alle Stationen stehen im Uelzen-Artikel.
Ehrlich eingeordnet: Uelzen ist etwas für einen halben Tag: ein bisschen rumgucken, fotografieren, in eins der netten Cafés und die Einkaufsstraße entlangbummeln.
Und die anderen 14?
Dreizehn der 27 habe ich gesehen, vierzehn nicht: Greifswald, Anklam und Demmin in Mecklenburg-Vorpommern, Gardelegen, Havelberg, Osterburg, Werben und Seehausen in der Altmark, dazu Wipperfürth, Warburg, Attendorn, Breckerfeld, Medebach und Herford in Nordrhein-Westfalen.
Über die schreibe ich hier nichts, weil ich nichts dazu sagen kann. Eine steht aber ganz oben auf meiner Liste: Werben an der Elbe, die mit 898 Einwohnern kleinste Hansestadt der Welt, mit einem erhaltenen Stadttor und einer gotischen Kirche. Werben lag auf meiner Altmark-Runde nur 30 Kilometer abseits, und ich bin daran vorbeigefahren, weil ich den Zug kriegen wollte. Das ärgert mich bis heute.
Die westfälische Hanse ist der Teil, den fast niemand kennt: sechs Städte im Binnenland, an den alten Landhandelswegen zwischen Rhein und Ostsee. Sie werden nirgends als Hansestädte vermarktet, entsprechend leer dürften sie sein. Korbach hat mich überhaupt erst darauf gebracht, dass es diese Gruppe gibt.
Zwei Routen, die sich wirklich lohnen
Die Altmark an einem Tag, mit dem Zug
Das ist die Route, die ich selbst gefahren bin, und sie funktioniert erstaunlich gut ohne Auto. Von Hamburg mit dem Regionalzug nach Tangermünde (zwei bis drei Stunden reichen), weiter nach Stendal für den Nachmittag, auf dem Rückweg noch zwei Stunden in Salzwedel. Alle drei liegen an derselben Bahnstrecke. Wer früh startet, sieht an einem Tag drei Hansestädte, die zusammen weniger Besucher haben als Lübeck an einem Vormittag.
Das ist gleichzeitig meine Empfehlung für alle, die wissen wollen, wie sich eine Hansestadt anfühlt, in der seit 400 Jahren nichts Großes mehr passiert ist.
Die Ostseeküste: Lübeck, Wismar, Stralsund
Die klassische Route, und die einzige, auf der du drei UNESCO-Welterbe-Altstädte hintereinander bekommst. Rund 200 Kilometer von West nach Ost, realistisch drei bis vier Tage. Ich war in allen dreien.
Timing-Tipp: 2028 ist Stralsund Gastgeber des Hansetags, 2029 Wismar. Wer die Route ohnehin plant, kann sie auf eines der beiden Wochenenden legen.
Führungen und Touren
In den kleinen Hansestädten laufen Führungen fast immer über die Tourist-Information vor Ort, online buchbar ist da wenig. Für Buxtehude, Uelzen, Salzwedel, Stendal und Korbach gibt es kein Online-Angebot; das sagt nichts über die Städte, sondern über den Vertriebsweg. In den großen sieht es anders aus, und drei Angebote passen inhaltlich wirklich zum Thema:
Lübeck: Rundgang zur Geschichte der Hansestadt. Die Führung, die tatsächlich von der Hanse handelt und nicht nur an den Fotomotiven entlangläuft. Als private Tour für bis zu acht Personen, ab 235 Euro für die Gruppe, lohnt sich also nur zu mehreren. Angebot ansehen*
Lübeck: Tour durch die verborgenen Höfe. Genau die Gänge und Wohnhöfe aus dem Lübeck-Kapitel oben, an denen man ohne Führung vorbeiläuft. Anderthalb Stunden, ab 17 Euro, auf Deutsch. Angebot ansehen*
Wismar: Hafenrundfahrt. Eine Stunde vom Wasser aus, was bei einer Hafenstadt die naheliegende Perspektive ist und den Blick auf die Speicher freigibt, den man von Land nicht bekommt. Ab 23 Euro, auf Deutsch. Angebot ansehen*
Übernachten: Für die Altmark-Runde ist Stendal als größte Stadt der Region am praktischsten, für die Ostseeroute Wismar. Unterkünfte in Stendal* und Unterkünfte in Wismar*
Fazit: welche Hansestadt lohnt sich wirklich?
Wenn du eine Hansestadt sehen willst und nur eine: Lübeck. Es ist der Ursprung, es ist Welterbe, und es hat mit dem Hansemuseum den Ort, an dem die Geschichte tatsächlich erklärt wird.
Wenn du wissen willst, wie es sich anfühlt, wenn eine Stadt einmal reich war und dann vierhundert Jahre lang nichts mehr: die Altmark. Stendal, Salzwedel, Tangermünde an einem Tag mit dem Zug. Die Bausubstanz von damals steht noch, weil kein Geld da war, sie zu ersetzen, und Besucher sind kaum da, weil niemand diese Städte kennt.
Und wenn dich das Thema packt: Die Niederländer haben ihre eigene Version davon, neun Städte an der IJssel, die sich als Hanzesteden vermarkten und deutlich besser erschlossen sind als unsere Altmark. Zwolle richtet 2030 den Hansetag aus.
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Häufig gestellte Fragen zu den Hansestädten in Deutschland
Wie viele Hansestädte gibt es in Deutschland?
27 deutsche Städte führen offiziell den Namenszusatz „Hansestadt“ in ihrer Hauptsatzung. Im heutigen Städtebund DIE HANSE sind dagegen 106 deutsche Städte Mitglied, und der historischen Hanse gehörten insgesamt rund 200 Städte in ganz Nordeuropa an. Wenn dir die Zahl 25 begegnet, ist die Liste veraltet.
Was bedeutet Hansestadt?
Der Titel weist darauf hin, dass die Stadt der Hanse angehörte, einem Handelsbund von Kaufleuten und Städten, der zwischen dem 12. und 17. Jahrhundert den Handel im Nord- und Ostseeraum beherrschte. Heute ist es ein amtlicher Namenszusatz ohne rechtliche Wirkung.
Woran erkennt man eine Hansestadt?
An vier Dingen: Backsteingotik mit Staffelgiebeln und Blendnischen, Speichern am Wasser mit Ladeluken und Windenbalken, giebelständigen Kaufmannshäusern mit hoher Diele im Erdgeschoss, und an Rolanden, Stadttoren und Rathäusern, die für die heutige Einwohnerzahl deutlich zu groß sind.
Welche Hansestädte haben das H im Kennzeichen?
Sieben: HB für Bremen, HH für Hamburg, HL für Lübeck, HRO für Rostock, HGW für Greifswald, HWI für Wismar und HST für Stralsund. Alle anderen Hansestädte haben normale Kreiskennzeichen. Das H allein steht nicht für eine Hansestadt, sondern für Hannover.
Welche Hansestadt ist die schönste?
Objektiv lässt sich das nicht beantworten, aber subjektiv: Lübeck hat die größte Backsteingotik-Altstadt und ist Welterbe, Wismar bietet dasselbe mit weniger Andrang. Wenn dir leere Gassen wichtiger sind als Bekanntheit, fahr in die Altmark nach Stendal oder Salzwedel.
Ist Kiel eine Hansestadt?
Kiel wurde 1283/84 in die Hanse aufgenommen und 1554 wieder ausgeschlossen, mit dem Vorwurf, Piraten beherbergt zu haben. Den Namenszusatz „Hansestadt“ führt Kiel bis heute nicht. Im heutigen Städtebund DIE HANSE ist Kiel dagegen Mitglied.
Ist Lüneburg eine Hansestadt?
Ja. Lüneburg führt den Zusatz offiziell und war durch den Salzhandel eine der wichtigsten Hansestädte überhaupt, weil das Salz zum Konservieren von Hering gebraucht wurde.
Ist Stade eine Hansestadt?
Ja, Stade führt den amtlichen Zusatz und war schon Hansemitglied, als Hamburg noch unbedeutend war. Der Alte Hansehafen mitten in der Altstadt erinnert daran.
Ist Berlin eine Hansestadt?
Historisch gehörten Berlin und Cölln der Hanse an, traten aber im 15. Jahrhundert wieder aus. Den Namenszusatz führt Berlin nicht, und Mitglied im heutigen Städtebund ist die Stadt auch nicht.
Ist Schwerin eine Hansestadt?
Nein. Schwerin war Residenzstadt der Mecklenburger Herzöge, nicht Handelsstadt, und gehörte der Hanse nie an. Die Verwechslung entsteht durch die Nähe zu Wismar und Rostock.
Ist Köln eine Hansestadt?
Köln war eine der mächtigsten Hansestädte überhaupt und ist bis heute Mitglied im Städtebund DIE HANSE. Den Namenszusatz führt die Stadt aber nicht, deshalb taucht sie in der 27er-Liste nicht auf.
Welche ist die kleinste Hansestadt Deutschlands?
Werben an der Elbe in der Altmark mit 898 Einwohnern (Stand 31.12.2025) und zugleich die kleinste Hansestadt der Welt. Trotz der Größe hat der Ort ein erhaltenes Stadttor, das Elbtor aus der Zeit um 1460/70, mit rundem Zinnenturm und heute einem Heimatmuseum darin.
Welche ist die südlichste Hansestadt?
Korbach in Nordhessen, gleichzeitig die einzige Hansestadt Hessens. Sie liegt rund 400 Kilometer von der Ostsee entfernt, was daran erinnert, dass die Hanse auch über Landwege funktionierte.
Wo findet der nächste Hansetag statt?
Der Internationale Hansetag findet 2027 in Braunschweig statt (10. bis 13. Juni), 2028 in Stralsund (15. bis 18. Juni) und 2029 in Wismar (7. bis 10. Juni).
Noch mehr Reisetipps
- Hansestädte in den Niederlanden: neun Altstädte an der IJssel, die dieselbe Geschichte erzählen und besser erschlossen sind
- Stendal: das Bauhaus-Treppenhaus und das Uenglinger Tor im Detail
- Korbach: die einzige Hansestadt Hessens, mit Parkgebühren und der kompletten Fotorunde
- Salzwedel: was in zwei Stunden am späten Nachmittag drin ist
- Tangermünde: die Stadtmauer und das Rathaus über der Elbe
- Lübeck: die Königin der Hanse mit allen Highlights der Altstadt
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