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Hansestädte in den Niederlanden: neun Altstädte an der IJssel

Eine knappe Stunde hinter der deutschen Grenze liegen neun mittelalterliche Altstädte hintereinander an einem Fluss, und die meisten Leute fahren daran vorbei nach Amsterdam.

Die Hansestädte der Niederlande sind neun historische Handelsstädte im Osten des Landes, die im Mittelalter zur Hanse gehörten und heute unter dem Namen „Hanzesteden“ gemeinsam auftreten: Doesburg, Zutphen, Deventer, Hattem, Zwolle, Hasselt, Kampen, Elburg und Harderwijk. Sieben davon liegen an oder dicht an der IJssel, zwei am Rand der ehemaligen Zuiderzee. Zwischen der südlichsten und der nördlichsten liegen rund 50 Kilometer Luftlinie, und wer alle neun abfährt, hat am Ende etwa 150 Kilometer auf dem Tacho.

Genau das macht diese Ecke so brauchbar für ein verlängertes Wochenende. Alle 15 bis 25 Kilometer kommt die nächste Altstadt. Kein Umsteigen, keine Massen, keine Reservierungspflicht.

In acht der neun Städte war ich selbst, nur Hattem fehlt mir bis heute. Am besten gefallen hat mir Deventer. Zu fünf der neun findest du hier ausführliche eigene Artikel. Wo ich nur durchgelaufen bin statt hineinzugehen, steht das im Text. Alle Zahlen und Fakten sind auf den Stand August 2026 nachrecherchiert.

Die niederländischen Hansestädte auf einen Blick

  • Wie viele: neun offizielle Hanzesteden
  • Wo: Provinzen Gelderland und Overijssel, Osten der Niederlande
  • Gewässer: IJssel, Zwarte Water, Veluwemeer (ehemalige Zuiderzee)
  • Gesamtstrecke: rund 150 km Fahrstrecke von Doesburg bis Harderwijk
  • Anreise ab deutscher Grenze: ca. 1 Stunde ab Bocholt, Emmerich oder Bad Bentheim
  • Zeit einplanen: 2 Tage für die Highlights, 4 bis 5 Tage für alle neun
  • Beste Zeit: April bis Anfang Oktober, im Hochsommer trotzdem angenehm leer
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Welche Städte gehören dazu? Die neun Hanzesteden im Überblick

Die Liste ist nicht Auslegungssache. Die neun Städte treten seit 1980 als Verbund auf, damals in Zwolle als „Neue Hanse“ gegründet, um die alte Handelstradition wiederzubeleben. Wer heute von den Hansestädten in Holland oder den Niederlanden spricht, meint diese neun, und genau so führt sie auch die offizielle Seite der niederländischen Hansestädte.

StadtProvinzEinwohnerLiegt anBekannt für
DoesburgGelderland11.200IJssel / Oude IJsselSenf, ältestes Café der Niederlande
ZutphenGelderland49.300IJssel / BerkelTürme, Kettenbibliothek Librije
DeventerOverijssel105.100IJsselLebuïnusturm, Bergkwartier, Dickens Festival
HattemGelderland12.800IJsselDijkpoort, Anton-Pieck-Museum
ZwolleOverijssel134.100Zwarte WaterSassenpoort, Peperbus, Sterngräften
HasseltOverijssel7.700Zwarte WaterKalköfen, Stephanuskerk
KampenOverijssel56.800IJssel-Mündungdrei Stadttore, Kamper Kogge
ElburgGelderland24.000VeluwemeerVischpoort, Rastergrundriss
HarderwijkGelderland50.700VeluwemeerUniversitätsstadt, Dolfinarium

Zwei Anmerkungen dazu, die im Netz oft untergehen. Erstens liegt nicht jede der neun an der IJssel: Zwolle und Hasselt liegen am Zwarte Water, Elburg und Harderwijk am Veluwemeer, also an dem, was früher die offene Zuiderzee war. Das offizielle Motto der Gruppe heißt deshalb sinngemäß „durch das Wasser verbunden“ und nicht „an der IJssel“. Zweitens ist Arnheim keine der neun, obwohl es dauernd mitgenannt wird. Dazu unten mehr.

Was die niederländische Hanse von der deutschen unterscheidet

Wer Lübeck, Wismar oder Stralsund kennt, erwartet Backsteingotik in Großformat, Speicherviertel und Museumshäfen. Die IJssel-Städte funktionieren anders. Sie waren Binnenhäfen an einem Fluss, nicht Seehäfen an der Ostsee, und entsprechend kleiner ist der Maßstab: schmale Kaufmannshäuser, enge Gassen, Stadttore statt Stadtmauern in Wehrdimension.

Der praktische Unterschied ist der Andrang. In Lübeck teilst du die Altstadt im Sommer mit Reisebussen. In Hasselt oder Doesburg stehst du gut möglich allein auf dem Markt. Wenn du Hansestädte magst, aber keine Lust auf Warteschlangen hast, ist das hier die Antwort.

Jetzt zu den Städten einzeln, beginnend mit denen, für die du am meisten Zeit brauchst. Wenn du sie lieber in geografischer Reihenfolge von Süd nach Nord durchgehst: Die steht weiter unten im Routen-Abschnitt.

Zutphen: die Turmstadt

Backsteinhäuser in der Zutphener Altstadt im Morgenlicht, Blick in eine leere Einkaufsstraße
Zutphen um kurz nach sechs. Menschenleer, aber auch: alles zu

Zutphen nennt sich selbst „Torenstad“, und das ist keine Marketing-Erfindung. Kirchtürme, Wehrtürme und ein Stadttor prägen die Silhouette bis heute. Das Besondere hängt allerdings im Anbau der Sint-Walburgiskerk: die Librije, eine Kettenbibliothek aus dem 16. Jahrhundert, in der die Bücher bis heute mit Ketten an den Lesepulten hängen. Weltweit sind nur eine Handvoll solcher Bibliotheken im Originalzustand erhalten.

Den Wijnhuistoren mitten in der Altstadt kannst du donnerstags bis sonntags kostenlos mit einem Gildeführer besteigen. Dazu kommen der Drogenapstoren, die Berkelpoort als seltenes Wassertor und die begrünten Hofjes hinter den Toreinfahrten, an denen du sonst vorbeiläufst, ohne etwas zu ahnen.

Ich war im April 2022 dort, morgens um Viertel nach sechs, und hatte die Altstadt komplett für mich. Was ich dabei gelernt habe: großartig für Fotos, katastrophal für Frühstück. Die ganze Geschichte plus Preise, Öffnungszeiten und Parktipps steht in unserem ausführlichen Artikel zu den Zutphen Sehenswürdigkeiten.

Deventer: die größte und lebendigste

Von allen Hansestädten, in denen ich war, hat mir Deventer am besten gefallen. Es ist auch die, in der ich am meisten Zeit verbracht habe, und die mit dem vollsten Programm. Der Turm der Lebuïnuskerk lässt sich besteigen, 220 Stufen, und ich bin sie alle hochgestiegen. Das Bergkwartier ist das älteste Viertel, teils autofrei, mit der Bergkerk als Mittelpunkt. Am Brink steht die Waag, das alte Waaghaus, heute Museum.

Angekommen bin ich mit der Personenfähre von der anderen IJssel-Seite, und das ist der schönste Stadteingang der ganzen Route. Unterwegs war ich mit einer Stadtführerin, gegessen habe ich im St. Maxime, und den Kaffee gab es am Stadsstrand mit Blick auf die Skyline.

Zwei Termine lohnen die Planung: der Deventer Boekenmarkt im August, nach eigenen Angaben der größte Büchermarkt Europas, und das Dickens Festival im Dezember. Alles zu Rundgang, Fotospots und Praxis findest du im Artikel zu den Deventer Sehenswürdigkeiten.

Zwolle: Sassenpoort, Peperbus und ein Stern aus Wasser

Zwolle ist die Hauptstadt der Provinz Overijssel und mit Abstand die größte der neun. Was die Stadt unverwechselbar macht, ist die sternförmige Gracht rund um die Innenstadt, einst zum Schutz vor Eindringlingen angelegt und heute ein kompletter Wassergürtel ums Zentrum.

Das Wahrzeichen ist die Sassenpoort, rund 600 Jahre alt und das einzige erhaltene von einst sieben Stadttoren, mit fünf dekorativen Türmchen obendrauf. Der zweite Blickfang ist die Peperbus, der 75 Meter hohe Turm der Liebfrauenkirche, in dem ein Glockenspiel mit 51 Glocken hängt. Den Spitznamen verdankt er seiner Form, die tatsächlich an einen Pfefferstreuer erinnert.

Sehenswert ist außerdem das Museum de Fundatie: eine futuristisch anmutende Kuppel, gesetzt auf einen ehemaligen Justizpalast. Schon die Aussicht aus dieser Kuppel lohnt den Eintritt. Und in der Broerenkerk sitzt ein Buchladen, der sich über mehrere Etagen durch die alte Kirche schlängelt, mit angeschlossenem Café.

Meine Fotospots waren andere als die Postkartenmotive: die Thorbeckegracht mit ihren Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert hat es mir am meisten angetan, dazu die Praubstraat in der Nähe der St. Michaelskirche und die Straße Krommejak. Übernachtet habe ich im Hotel Lumen am Stadionplein. Das liegt ein paar Minuten außerhalb, was sich nach Nachteil anhört und keiner ist: Es gibt kostenlose Leihräder, damit bist du in zehn Minuten im Zentrum und hast das Fietsen gleich mit ausprobiert.*

Historisch ist Zwolle außerdem der Ort, an dem die niederländischen Hansestädte 1980 ihren heutigen Verbund gegründet haben. Details, Museen und Grachten stehen im Artikel zu den Zwolle Sehenswürdigkeiten.

Kampen: drei Stadttore und eine echte Kogge

Kampen liegt kurz vor der Stelle, an der die IJssel ins Ketelmeer mündet, und war zeitweise die wichtigste niederländische Stadt im Hansebund. Der Beitritt datiert auf 1441. Von der Befestigung sind drei Stadttore erhalten, was in den Niederlanden ungewöhnlich viel ist: die Koornmarktspoort aus dem 14. Jahrhundert sowie Broederpoort und Cellebroederspoort, beide ursprünglich von 1465. Die Broederpoort erkennst du an den vier schlanken Ecktürmchen.

Dazu kommen die gotische Bovenkerk mit ihrer berühmten Hinsz-Orgel, die Nieuwe Toren von 1648 bis 1664 mit einem Hemony-Glockenspiel, und ein Rathaus, dessen ältere Teile aus dem 16. Jahrhundert stammen.

Das eigentliche Hanse-Erlebnis liegt aber im Hafen: die Kamper Kogge, ein 1998 fertig gebauter Nachbau eines mittelalterlichen Handelsschiffs. Vorlage war ein Wrack von 1336, das im Flevopolder gefunden wurde. Das Schiff ist 21,6 Meter lang und liegt an der Koggewerf im alten Außenhafen. Es fährt tatsächlich, unter anderem auf mehrwöchigen Törns nach Deutschland, Dänemark und Schweden.

Und wenn dir jemand von „Kamper uien“ erzählt: Das sind Schwänke, in denen die Kampener seit Jahrhunderten als etwas begriffsstutzig dargestellt werden. Die Stadt trägt es mit Humor.

Kampen bei Sonnenaufgang, und warum ich nichts zu essen bekam

Ich war im April 2022 dort, und ich war früh dran. Die Sonne ging orangerot über dem Wasser auf, das Wetter war perfekt, und ich hatte die Stadt praktisch für mich. Für Fotos ist das die beste Stunde des Tages.

Was ich an dem Morgen gelernt habe und seitdem in den Niederlanden einplane: Um sechs oder sieben Uhr hat kein Bäcker auf. Ich hatte Hunger und wollte einen Kaffee, und es gab schlicht nichts. Niederländische Bäckereien öffnen meist erst zwischen 9 und 10 Uhr. Ein paar Tage später in Gouda hat sich das noch mal bestätigt, seitdem gilt es für mich als Regel und nicht als Zufall. Wenn du die leere Altstadt willst: nimm dir etwas mit oder frühstücke im Hotel.

Drinnen war ich nirgendwo, weil um die Zeit nichts offen hat. Museen sind ohnehin nicht mein Ding. Ich bin ein paar Stunden geblieben, habe alles abgelaufen und fotografiert, und war sehr zufrieden damit.

Elburg: eine Stadt am Reißbrett, aus dem Mittelalter

Elburg ist die kleine Überraschung der Route. Die Altstadt folgt einem strengen Rastergrundriss, und der ist nicht aus dem 19. Jahrhundert, sondern mittelalterlich: Der Ort wurde im 14. Jahrhundert als rechteckige Festungsstadt mit Vierteln im Schachbrettmuster komplett neu gebaut. Warum, ist nicht abschließend geklärt. Die verbreitete Erzählung nennt eine Flutkatastrophe als Auslöser, sie wird inzwischen aber angezweifelt. Was bleibt, ist ein Straßennetz, das sich anfühlt wie ein Schachbrett mit Stadtmauer drumherum.

Wahrzeichen ist die Vischpoort, das erhaltene Stadttor am Hafen. Dazu kommen die St. Nicolaaskerk, das Gruithuis, das Agnietenkonvent mit dem Museum Elburg, die Synagoge Museum Sjoel und das Bottermuseum, benannt nach dem lokalen Fischereischiffstyp. Der Hafen liegt heute am Veluwemeer, weil die Zuiderzee eingedeicht wurde.

Ich war im April 2022 dort, ein paar Stunden lang, und Elburg hat mich überrascht: richtig hübsch, richtig klein, richtig niedlich. Ein paar Geschäfte, sonst laufen und schauen.

Meine Kaffeepause, und der einzige Gastro-Tipp, den ich für Elburg guten Gewissens gebe: das Aan de Gracht in der Havenstraat 5, gleich außerhalb der Vischpoort Richtung Hafen. Ich hatte dort einen Kaffee und ein Stück Kuchen, mit Blick auf die Vischpoort. Der Laden ist mehr als ein Café: Brasserie, Kunstatelier, Tagesbetreuung und Stadtbrauerei in einem, und auf der eigenen Seite steht der Satz „Een plek waar iedereen welkom is“. Geöffnet ist montags bis samstags ab 10 Uhr, freitags bis 21 Uhr, sonntags geschlossen (Stand 2026).

Praktisch: Du kannst relativ nah außerhalb der Innenstadt parken und läufst von dort in wenigen Minuten rein. Für mehrere Tage ist Elburg allerdings nichts. Ein halber Tag, und du hast alles gesehen, was du sehen wolltest.

Alles Weitere im Artikel zu den Elburg Sehenswürdigkeiten.

Doesburg: klein, komplett und fast leer

Doesburg hat gut 11.000 Einwohner, trat 1447 der Hanse bei und hatte im 15. Jahrhundert seine Blütezeit. Die Stadt liegt dort, wo die Oude IJssel in die IJssel fließt. Was sie besonders macht, ist die Vollständigkeit: Das gesamte historische Zentrum steht seit 1974 als geschützte Stadtansicht unter Schutz, die Festungsanlage geht auf den Festungsbaumeister Menno van Coehoorn zurück, der sie 1697 anlegte.

Der Turm der Martinikerk ist der höchste in ganz Gelderland. Er wurde 1945 zerstört und danach originalgetreu wieder aufgebaut. Am Markt steht De Waag, die als ältestes Café der Niederlande gilt. Dazu kommen ein Senfmuseum samt Senffabrik, denn Doesburger Senf ist eine eigene Marke, und das Lalique-Museum mit Glaskunst von René Lalique.

Ich habe Doesburg im April 2022 auf dem Rückweg von Zutphen mitgenommen. Geparkt habe ich kostenlos auf dem Parkplatz De Bleek, direkt hinter der IJsselbrücke rechts, von dort läufst du über die Koepoortstraat in wenigen Minuten in die Altstadt. Ich bin nur durch die Gassen geschlendert, habe Blickwinkel gesucht und mich zwischendurch auf eine Bank gesetzt. Gegessen, getrunken oder etwas von innen angesehen habe ich nichts. Mein Fazit trotzdem: richtig niedlich, da muss man mal hin.

Hattem: die einzige, in der ich noch nie war

Die Dijkpoort in Hattem, das mittelalterliche Stadttor mit vier Ecktürmchen, dahinter die Backsteinhäuser der Altstadt
Die Dijkpoort in Hattem. Das einzige Bild in diesem Artikel, das nicht von mir ist, weil ich als Einziges dieser neun Städte Hattem noch nie gesehen habe

Hattem liegt nur vier Kilometer südlich von Zwolle, hat rund 12.800 Einwohner und einen sehr gut erhaltenen Stadtkern mit Häusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Von den ursprünglich vier Stadttoren steht noch die Dijkpoort aus dem 15. Jahrhundert, das Wahrzeichen des Ortes. Dazu kommen die gotische Grote of Andreaskerk und ein Rathaus von 1619 bis 1625.

Interessant sind die Museen: das Anton-Pieck-Museum über den Zeichner Anton Pieck (1895 bis 1987), dessen romantische Illustrationen in den Niederlanden jedes Kind kennt und dessen Handschrift den Freizeitpark Efteling geprägt hat, dazu das Voerman Museum und ein Bäckereimuseum, in dem Kinder selbst Brot backen dürfen.

Hattem ist die einzige der neun, in der ich noch nie war. Alles oben ist recherchiert, nicht erlebt. Weil Hattem und Zwolle nur vier Kilometer auseinanderliegen, ist es der einfachste Nachschlag der ganzen Route, und beim nächsten Mal hole ich das nach.

Weil hier trotzdem viel zu klären war, gibt es zu Hattem einen eigenen ausführlichen Artikel, in dem alle Preise und Zeiten direkt bei Museen und Stadt nachgefragt sind: Hattem in den Niederlanden, mit Dijkpoort, Molen de Fortuin, den drei Museen und einem Tagesvorschlag.

Hasselt: die kleinste der neun

Hasselt am Zwarte Water hat rund 7.700 Einwohner und ist damit die kleinste der neun. Die Stadtrechte bekam der Ort um 1252 vom Bischof von Utrecht, und in Kölner Aufzeichnungen von 1367 taucht Hasselt zum ersten Mal als Hansemitglied auf.

Mittelpunkt ist die Grote of Sint-Stephanuskerk, eine Hallenkirche aus dem späten 14. Jahrhundert, bekannt für ihre Akustik und eine Orgel von Rudolf Knol aus dem Jahr 1806. Am Markt steht das alte Rathaus, und auf den ehemaligen Wallanlagen liegt der Van Stolkpark aus dem 19. Jahrhundert.

Die Besonderheit steht etwas außerhalb am Wasser: die Kalkovens, Öfen, in denen aus Muschelschalen Kalk gebrannt wurde. Sie waren zuletzt die einzigen betriebsfähigen Anlagen dieser Art in Westeuropa.

Ich war im April 2022 dort, und zwar aus einem ziemlich banalen Grund: Irgendwo muss man zwischendurch auch mal anhalten und laufen. Geblieben bin ich etwa eine Stunde, und die hat gereicht.

In Hasselt ist wenig los, und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint. Schön ist der Wasserlauf, der sich durch den Ort zieht. Eines würde ich beim nächsten Mal anders machen: Mitte April war ich zu früh. Der Tag war herrlich, aber die Bäume standen noch nicht in der Blüte, und da hat mir etwas gefehlt. Ende April oder Mai dürfte hier deutlich besser aussehen.

Meine Empfehlung: ein halber Tag, mehr nicht. Ich habe nichts von innen gesehen, keine Bootstour gemacht und kein Museum betreten, sondern mich einfach treiben lassen. Für Hasselt ist das genau die richtige Dosis.

Harderwijk: Universitätsstadt am Veluwemeer

Harderwijk hat rund 50.700 Einwohner, liegt am Veluwemeer und trat im 15. Jahrhundert der Hanse bei. Der spannendste Teil der Stadtgeschichte hat mit der Hanse allerdings nichts zu tun: Zwischen 1647 und 1811 gab es hier eine Universität, und die hatte den Ruf, Doktortitel schnell und unkompliziert zu vergeben. Einer, der dort promovierte, war 1735 der schwedische Naturforscher Carl von Linné. An ihn erinnert das Linnaeustorentje aus dem 17. Jahrhundert.

Vom alten Stadtbild sind die Vischpoort, Reste der Stadtmauer samt Kanone und die spätgotische Liebfrauenkirche aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Dazu die Mühle De Hoop, das Stadsmuseum und, etwas außerhalb im Park, Schloss Essenburgh.

Der bekannteste Anlaufpunkt ist heute das Dolfinarium, der größte Meerestierpark der Niederlande, und damit auch die einzige Adresse der ganzen Route, die mit Kindern zuverlässig funktioniert. Wenn du Meerestierhaltung kritisch siehst, weißt du ohnehin, was du davon hältst.

Harderwijk im Abendlicht

Ich kam im April 2022 erst am Abend in Harderwijk an, und das war Glück: Ich bin durch die Gassen gelaufen, habe die Stadtmauer angesehen und bin ans Wasser, und das alles im Abendlicht. Die Fotos von dem Abend gehören zu meinen liebsten aus den Niederlanden.

Gegessen habe ich im Lef & Co an der Strandboulevard Oost 16-18, mit direktem Blick aufs Wasser. Ich hatte einen pulled paddenstoel, also gezogene Pilze statt gezogenem Schwein, und der war richtig gut. Die Preise fand ich in Ordnung. Geöffnet ist sieben Tage die Woche ab 11 Uhr (Stand 2026), was in dieser Gegend keine Selbstverständlichkeit ist. Ob das Gericht noch auf der Karte steht, kann ich nicht versprechen, meine Portion ist von 2022.

Mein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Ganz toll alles, richtig cool. Da kann man auf jeden Fall hin, das sollte man sogar.

Und was ist mit Arnheim?

Arnheim taucht in fast jeder Aufzählung mit auf und gehört trotzdem nicht zu den neun Hanzesteden. Das liegt nicht daran, dass jemand schlampig abgeschrieben hätte: Arnheim war Hansestadt. Die Stadt wurde 1441 auf dem Hansetag in Lübeck in den Bund aufgenommen, gehörte zum Kölner Quartier und schickte bis 1615 Vertreter zu den Hansetagen in Wesel, wo sie nebenbei auch die Interessen von Hattem mitvertrat.

Was Arnheim fehlt, ist die Mitgliedschaft im heutigen Verbund. Die neun Hanzesteden sind ein Zusammenschluss von 1980, also eine Tourismus-Entscheidung und kein historisches Kriterium. Historisch waren in den Niederlanden mehr Städte Hansemitglied als neun, unter anderem Nijmegen und eben Arnheim. Beide fahren die offiziellen Hanse-Radrouten übrigens bis heute mit an.

Dazu kommt die Geografie: Bei Westervoort direkt östlich von Arnheim zweigt die IJssel vom Nederrijn ab. Die Stelle heißt IJsselkop, und dort beginnt der Fluss, an dem die ganze Route hängt.

Praktisch ist Arnheim deshalb der naheliegendste Startpunkt. Die Stadt ist mit dem RE19, dem Rhein-IJssel-Express, ab Düsseldorf stündlich direkt erreichbar, hat das größte Bahnhofs- und Hotelangebot der Gegend und liegt rund 25 Kilometer vor Doesburg. Was dich dort erwartet, steht im Artikel zu den Arnheim Sehenswürdigkeiten: das Kulturhaus Rozet, das Modekwartier mit den 7 Straatjes, die John-Frost-Brücke und der Park Sonsbeek.

Die Route: welche Städte in welcher Reihenfolge?

Die IJssel ist 123 Kilometer lang und fließt von der Abzweigung bei Westervoort nach Norden bis ins Ketelmeer. Wenn du dich an den Fluss hältst, ergibt sich die Reihenfolge von selbst.

Von Süd nach Nord, mit ungefähren Fahrstrecken:

  1. Arnheim (Start, gehört nicht zu den neun) → 25 km
  2. Doesburg → 20 km
  3. Zutphen → 25 km
  4. Deventer → 30 km
  5. Hattem → 5 km
  6. Zwolle → 12 km
  7. Hasselt → 15 km
  8. Kampen → 20 km
  9. Elburg → 20 km
  10. Harderwijk

Macht rund 150 Kilometer ab Doesburg, oder 175 ab Arnheim. Das ist der Grund, warum diese Route funktioniert: Die längste Einzeletappe ist eine gute halbe Stunde Fahrt.

Wenn du zwei Tage hast: Zutphen und Deventer an Tag eins, Zwolle und Kampen an Tag zwei. Das sind die vier mit der meisten Substanz, und du hast überall genug Zeit, auch etwas von innen zu sehen.

Wenn du vier Tage hast: Die Zweitagesvariante plus Doesburg als Auftakt, Hattem als Nachschlag zu Zwolle und Elburg auf dem Rückweg. Harderwijk lohnt einen halben Tag extra, wenn Kinder dabei sind.

Wenn du eine Woche hast: alle neun, mit einem Ruhetag. Dann passen auch die Dinge dazwischen hinein, für die sonst nie Zeit ist: eine Flüsterbootfahrt in Zutphen, der Turmaufstieg in Deventer, die Kogge in Kampen.

Mit dem Rad: die Hanzesteden-Route

Die offizielle Hanzesteden Fietsroute ist 450 Kilometer lang, in acht Etappen aufgeteilt und verbindet insgesamt 14 Hansestädte. Sie beginnt in Neuss am Niederrhein, führt über Wesel, Kalkar und Emmerich über die Grenze und folgt dann der IJssel durch alle neun niederländischen Hanzesteden. Details und Etappenkarten stehen bei Visit Hanzesteden.

Wenn dir das zu viel ist, gibt es zwei Abkürzungen. Erstens die offiziellen Hanzerondjes: kürzere Rundtouren von durchschnittlich 40 bis 50 Kilometern, die in einer Hansestadt starten und dort auch wieder enden. Das ist die entspannteste Art, einen Tag daraus zu machen. Zweitens der Abschnitt zwischen Zutphen und Kampen, der schönste Teil der Langstrecke. Er läuft größtenteils auf Deichwegen und getrennten Radwegen, und Bahnhöfe gibt es in Zutphen, Deventer, Zwolle und Kampen, sodass du jede Etappe einzeln fahren und zurückrollen kannst.

Anreise, Parken und Praktisches

Mit dem Auto. Ab Bocholt, Emmerich oder Bad Bentheim bist du in etwa einer Stunde in der Region. Parken ist in allen Altstädten kostenpflichtig, montags bis samstags, sonntags meist frei. Die Parkplätze liegen fast überall direkt am Wasser oder am Wall, also drei bis zehn Gehminuten vom Zentrum. In Zutphen ist das die IJsselkade, in Doesburg der kostenlose Parkplatz De Bleek gleich hinter der Brücke.

Mit der Bahn. Zutphen, Deventer, Zwolle und Kampen liegen alle am niederländischen Bahnnetz, Zwolle und Zutphen sind Knotenpunkte. Ab Deutschland fährst du am einfachsten über Arnheim (RE19) oder über Hengelo nach Zwolle. Elburg und Hasselt haben keinen Bahnhof, dorthin brauchst du Bus, Rad oder Auto.

Öffnungszeiten, die überraschen. Zwei Dinge sind in den Niederlanden anders als bei uns: Bäckereien öffnen meist erst zwischen 9 und 10 Uhr, nicht um 6. Und montagvormittags haben traditionell viele Läden zu. Wenn du früh in einer leeren Altstadt fotografieren willst, frühstücke vorher im Hotel.

Wie lange brauchst du pro Stadt? Für die meisten kann ich das aus eigener Erfahrung sagen. Für Hasselt reicht eine Stunde, ein halber Tag ist das Maximum. Elburg und Kampen sind je ein paar Stunden. Harderwijk würde ich einen halben Tag geben, am besten den Nachmittag bis in den Abend. Deventer trägt locker einen ganzen Tag, Zutphen und Zwolle je einen halben. Für Hattem und Doesburg planst du zwei Stunden.

Mehrere Städte an einem Tag klingt nach Hetze, ist aber keine. Das liegt an den kurzen Distanzen: Die längste Einzeletappe der ganzen Route ist eine gute halbe Stunde Fahrt.

Wo du schläfst. Für zwei Tage reicht ein Standort. Für vier Tage würde ich zweimal wechseln, einmal im Süden und einmal im Norden, sonst fährst du jeden Abend dieselbe Strecke zurück. Im Süden ist Zutphen die schönste Wahl, weil die leere Altstadt am frühen Morgen als Tagesgast praktisch nicht zu haben ist. Wer mehr Auswahl braucht, nimmt Arnheim als Basis. Im Norden ist Zwolle der praktischste Standort: die größte Auswahl auf der ganzen Strecke, zentral zwischen Hattem, Hasselt und Kampen, Bahnanschluss in alle Richtungen. Und wer lieber am Wasser schläft, findet in Elburg ein gutes Dutzend kleinerer Häuser direkt am alten Hafen.*

Führungen und Touren in den Hansestädten

Stadtführungen sind hier ausnahmsweise sinnvoll, und zwar aus einem konkreten Grund: Ein großer Teil dessen, was diese Städte interessant macht, liegt hinter Toreinfahrten, in Innenhöfen oder in Gebäuden, die von außen unscheinbar aussehen. Alleine läufst du daran vorbei.

Kampen: Hanseatic History Guided Walking Tour. Zwei Stunden in kleiner Gruppe, thematisch genau auf die Hansezeit zugeschnitten: die drei Stadttore, der Hafen, die Handelsrouten. Wenn du auf der ganzen Route nur eine Führung machst, dann diese. Angebote ansehen.

Deventer: Unique Art & Highlights Walking Tour. Zwei Stunden, kleine Gruppe, und mit Abstand das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der Route. Führt durch das Bergkwartier und zu den Kunst-im-Stadtraum-Ecken, die man ohne Ortskenntnis nicht findet. Angebote ansehen.

Zutphen: Highlights-Tour durchs historische Zentrum. Anderthalb Stunden mit einem Gilde-Stadtführer, ausdrücklich auch auf Deutsch, maximal 15 Personen. Die Tour geht genau die Punkte ab, die alleine schwer zu finden sind: die Hofjes, das Schelpenkoepeltje, die Berkel-Reste. Angebote ansehen.

Harderwijk: Grachtenfahrt mit Skipper. Eine Stunde auf dem Wasser, mit Getränk, und die einzige Bootstour der Route, die zuverlässig und günstig zu haben ist. Passt gut, wenn du Harderwijk ohnehin wegen des Veluwemeers ansteuerst. Angebote ansehen.

Für Doesburg und Hattem gibt es online gar nichts zu buchen, für Hasselt und Elburg nichts Brauchbares. Das heißt nicht, dass es dort keine Führungen gäbe: In den kleinen Städten laufen sie über die örtliche Tourist-Information oder das Stadtgilde, oft nur an festen Tagen und meist auf Niederländisch. Vor Ort fragen ist da der bessere Weg. Und falls du bei der Suche über Angebote in „Hasselt“ stolperst: Die meisten davon gehören zum gleichnamigen Hasselt in Belgien, das rund 200 Kilometer weiter südlich liegt.

Fazit: lohnt sich eine Tour durch die Hansestädte?

Ja, und zwar aus einem Grund, der auf keiner Tourismusseite steht: Diese Route hat kein Nadelöhr. Es gibt keine Stadt, in der du anstehen musst, keine Attraktion, für die du drei Wochen vorher buchst, und keinen Ort, der im Juli zusammenbricht. Du fährst hin, parkst, läufst los. Das ist heute selten geworden.

Meine Reihenfolge, wenn du nur begrenzt Zeit hast: Deventer für den vollen Tag, Zutphen für die Türme und die Librije, Kampen für die Hanse-Geschichte und die Kogge, Doesburg für den Moment, in dem du merkst, dass du auf einem Marktplatz ganz allein stehst.

Und der ehrliche Teil: In Hattem war ich noch nie, das steht im Abschnitt auch so dabei. Alles andere habe ich selbst gesehen. Wenn du dich für genau eine entscheiden musst, nimm Deventer.

Mehr Bilder von unseren Touren durch die Niederlande findest du auf unserem Instagram.

Häufig gestellte Fragen zu den Hansestädten in den Niederlanden

Welche Hansestädte gibt es in den Niederlanden?

Es sind neun: Doesburg, Zutphen, Deventer, Hattem, Zwolle, Hasselt, Kampen, Elburg und Harderwijk. Sieben liegen an oder nahe der IJssel, Elburg und Harderwijk am Veluwemeer, also an der ehemaligen Zuiderzee. Alle neun gehören seit 1980 zum Verbund der Neuen Hanse, der damals in Zwolle gegründet wurde.

War Arnheim eine Hansestadt?

Ja, historisch schon. Arnheim wurde 1441 auf dem Hansetag in Lübeck in den Bund aufgenommen, gehörte zum Kölner Quartier und schickte bis 1615 Vertreter zu den Hansetagen in Wesel. Zum heutigen Verbund der neun niederländischen Hanzesteden gehört Arnheim aber nicht, denn der wurde 1980 gegründet und umfasst nur die Städte an IJssel, Zwarte Water und Veluwemeer. Als Startpunkt für eine Tour ist Arnheim trotzdem praktisch, weil dort die IJssel beginnt.

Welche Hansestädte liegen an der IJssel?

Direkt an der IJssel liegen Doesburg, Zutphen, Deventer, Hattem und Kampen. Zwolle und Hasselt liegen am Zwarte Water, das mit der IJssel verbunden ist. Elburg und Harderwijk liegen nicht an der IJssel, sondern am Veluwemeer.

Wie lange braucht man für alle neun Hansestädte?

Vier bis fünf Tage reichen für alle neun, wenn du zügig unterwegs bist. Angenehmer ist eine Woche mit einem Ruhetag. Für die vier größten, also Zutphen, Deventer, Zwolle und Kampen, planst du zwei volle Tage ein.

Welche ist die schönste niederländische Hansestadt?

Das hängt davon ab, was du suchst. Deventer hat am meisten zu bieten und die lebendigste Altstadt, Zutphen die dichteste Sammlung an Türmen und die Kettenbibliothek Librije, Kampen die klarste Hanse-Geschichte mit drei Stadttoren und dem Koggen-Nachbau. Wer es klein und leer mag, fährt nach Doesburg oder Hasselt.

Wie weit ist es von der deutschen Grenze zu den Hansestädten?

Ab Bocholt, Emmerich oder Bad Bentheim bist du in etwa einer Stunde in Doesburg oder Zutphen. Mit der Bahn fährst du am einfachsten über Arnheim, dorthin fährt der RE19 (Rhein-IJssel-Express) ab Düsseldorf stündlich durch. Von Arnheim aus erreichst du Zutphen, Deventer und Zwolle direkt.

Kann man die Hansestädte mit dem Rad abfahren?

Ja. Die offizielle Hanzesteden Fietsroute ist 450 Kilometer lang, in acht Etappen aufgeteilt und verbindet 14 Hansestädte, von Neuss am Niederrhein bis Harderwijk. Der niederländische Teil folgt der IJssel. Wenn du weniger Zeit hast, nimm eines der Hanzerondjes, das sind Rundtouren von 40 bis 50 Kilometern ab einer einzelnen Hansestadt. Oder du fährst nur den Abschnitt Zutphen bis Kampen, den schönsten Teil der Langstrecke.

Was ist der Unterschied zwischen den niederländischen und den deutschen Hansestädten?

Die niederländischen Hanzesteden waren Binnenhäfen an einem Fluss, nicht Seehäfen an der Ostsee. Entsprechend kleiner ist der Maßstab: schmale Kaufmannshäuser, enge Gassen, erhaltene Stadttore statt großer Speicherviertel. Der praktische Unterschied ist der Andrang. In Lübeck oder Stralsund teilst du die Altstadt im Sommer mit Reisebussen, in Hasselt oder Doesburg stehst du oft allein auf dem Markt.

Lohnt sich ein Wochenende in den Hansestädten?

Ja. Für ein Wochenende nimmst du Zutphen und Deventer am ersten Tag, Zwolle und Kampen am zweiten. Das sind die vier mit der meisten Substanz, sie liegen alle an der Bahnstrecke, und du hast überall genug Zeit, auch etwas von innen anzusehen statt nur durch die Gassen zu laufen.

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