Frag zehn Leute, was ihnen zu Rheinland-Pfalz einfällt, und neun sagen: die Loreley. Dabei stehen in diesem Bundesland Wohnhäuser mitten auf einer Brücke im Fluss, hängt eine Kirche in einer senkrechten Felswand, und in der Eifel liegt ein 400 Millionen Jahre altes Korallenriff. Rheinland-Pfalz ist das am meisten unterschätzte Reiseland Deutschlands, und die schönsten Städte in Rheinland-Pfalz kennt kaum jemand außerhalb der Region.
Rheinland-Pfalz hat zwölf kreisfreie Städte. Die bekanntesten sind Trier, Koblenz, Mainz, Speyer und Worms, doch die schönsten Orte des Landes sind oft die kleinen: Bacharach am Rhein, Monreal in der Eifel, Meisenheim am Glan. In diesem Artikel stelle ich dir 23 Städte vor, die eine Reise wert sind.
Wenn du dir Rheinland-Pfalz vorstellen willst, denk in Flüssen statt in Grenzen. Rhein, Mosel, Nahe, Lahn und Ahr haben dieses Land geformt, und fast jede schöne Stadt liegt an einem davon. Das ist auch der Grund, warum du hier so gut ohne Auto reisen kannst: Wo ein Fluss ist, ist meistens eine Bahnstrecke.
Ich muss dir gleich sagen, wie belastbar dieser Artikel ist. In sechs der 23 Städte war ich selbst: Mainz, Bingen, Bacharach, Boppard, Koblenz und Speyer. Das war im Juli 2024, komplett mit der Bahn, und die Fotos in diesem Artikel stammen von dieser Tour. Bei den übrigen 17 stütze ich mich auf Recherche und sage dir das an der jeweiligen Stelle auch. Was ich nicht mache: so tun, als hätte ich überall gestanden.
Beim Recherchieren bin ich außerdem über zwei Dinge gestolpert, die in fast keinem anderen Artikel über Rheinland-Pfalz stehen, obwohl sie deine Reiseplanung direkt betreffen. Beide haben mit der Bahn zu tun, und beide findest du weiter unten bei Bernkastel-Kues und Gerolstein.
Ein Wort zur Auswahl: Es geht hier um schöne Städte in Rheinland-Pfalz, nicht um die größten. Die Großstädte des Landes sind Mainz, Ludwigshafen, Koblenz, Trier und Kaiserslautern, und nur drei davon haben es auf diese Liste geschafft. Die schönsten Altstädte liegen fast alle in Orten unter 10.000 Einwohnern.
Die schönsten Städte in Rheinland-Pfalz im Überblick
Wenn du es eilig hast, ist das die Kurzfassung. Jede dieser Städte bekommt weiter unten einen eigenen Abschnitt mit Anreise, Zeitbedarf und ehrlicher Einschätzung.
- Trier: die älteste Stadt Deutschlands, mit neun römischen Bauwerken im UNESCO-Welterbe
- Koblenz: wo Mosel und Rhein am Deutschen Eck zusammenfließen
- Mainz: Landeshauptstadt mit tausendjährigem Dom und dem Gutenberg-Museum
- Speyer: Kaiserdom und mittelalterlicher Judenhof, beides Welterbe
- Worms: Nibelungenstadt mit dem ältesten jüdischen Friedhof Europas
- Bacharach: der schönste Fachwerkort am Mittelrhein, komplett von einer Stadtmauer umgeben
- Bingen am Rhein: Mäuseturm, Burg Klopp und der Beginn des Welterbetals
- Boppard: liegt in der größten Schleife des Rheins
- Andernach: hat den höchsten Kaltwassergeysir der Welt
- Cochem: die Reichsburg über der Mosel, das meistfotografierte Motiv des Flusses
- Bernkastel-Kues: einer der schönsten Fachwerk-Marktplätze Deutschlands
- Saarburg: ein zwanzig Meter hoher Wasserfall mitten in der Altstadt
- Neustadt an der Weinstraße: das Hambacher Schloss als Wiege der deutschen Demokratie
- Deidesheim: Weingüter und Spitzengastronomie auf engstem Raum
- Landau in der Pfalz: ehemalige Vauban-Festung, heute Uni-Stadt mit Zoo
- Oppenheim: darunter liegt ein Kellerlabyrinth von rund 40 Kilometern
- Bad Kreuznach: bewohnte Brückenhäuser über der Nahe, in Europa fast einmalig
- Idar-Oberstein: eine Kirche mitten im Felsen, dazu Edelsteinminen
- Kirchberg im Hunsrück: offiziell eine der fünf schönsten Kleinstädte des Landes
- Meisenheim am Glan: mittelalterlicher Stadtkern, den kein Krieg getroffen hat
- Monreal: Fachwerkidylle im Elztal mit zwei Burgruinen
- Gerolstein: versteinertes Korallenriff in der Vulkaneifel
- Bad Ems: UNESCO-Welterbe der europäischen Kurstädte
Dazu kommt Bad Neuenahr-Ahrweiler im Ahrtal, das ich bewusst getrennt behandle.
Rheinland-Pfalz auf einen Blick
| Größe | rund 19.850 km², neuntgrößtes Bundesland |
| Einwohner | etwa 4,1 Millionen |
| Kreisfreie Städte | 12 |
| Landeshauptstadt | Mainz, rund 220.000 Einwohner |
| Größte Stadt | Mainz, danach Ludwigshafen, Koblenz, Trier und Kaiserslautern |
| Prägende Flüsse | Rhein, Mosel, Nahe, Lahn, Ahr, Saar |
| Nachbarn | Frankreich, Luxemburg, Belgien, dazu fünf Bundesländer |
| ICE-Knoten | Mainz, Koblenz, Montabaur, Kaiserslautern |
| Wie lange bleiben | 4 bis 5 Tage für eine Region, zwei Wochen für das ganze Land |
| Bekanntestes Motiv | die Loreley im Oberen Mittelrheintal |
| UNESCO-Welterbe | Römische Baudenkmäler in Trier, Dom zu Speyer, Oberes Mittelrheintal, SchUM-Stätten, Bad Ems als Teil der Great Spa Towns of Europe |
Welche Städte hat Rheinland-Pfalz?
Zwölf Städte in Rheinland-Pfalz sind kreisfrei, gehören also keinem Landkreis an. Das sind sie:
| Kreisfreie Stadt | In diesem Artikel? |
|---|---|
| Mainz | ja |
| Trier | ja |
| Koblenz | ja |
| Speyer | ja |
| Worms | ja |
| Landau in der Pfalz | ja |
| Neustadt an der Weinstraße | ja |
| Kaiserslautern | nein |
| Ludwigshafen am Rhein | nein |
| Pirmasens | nein |
| Zweibrücken | nein |
| Frankenthal (Pfalz) | nein |
Fünf davon habe ich weggelassen, und ich sage dir offen warum. Ludwigshafen und Frankenthal sind Industrie- und Chemiestandorte, deren Innenstädte im Krieg weitgehend zerstört wurden. Kaiserslautern ist eine lebendige Uni- und Fußballstadt, aber für einen Städtetrip nach Schönheit gibt sie wenig her. Pirmasens und Zweibrücken haben beide ihre Geschichte, punkten heute aber eher mit Outlet und Umland als mit der Altstadt. Ich schreibe das lieber hin, als sie der Vollständigkeit halber schönzureden.
Umgekehrt sind die meisten der wirklich schönen Orte in Rheinland-Pfalz gar keine kreisfreien Städte, sondern kleine Landstädte mit ein paar Tausend Einwohnern. Bacharach hat rund 1.800, Monreal keine 900. Genau die stehen weiter unten.
Die großen Fünf: Trier, Koblenz, Mainz, Speyer und Worms
Fünf Städte tragen die Geschichte dieses Landes: vier davon haben einen Dom, der es ins UNESCO-Welterbe oder zumindest in jedes Architekturbuch geschafft hat, und alle fünf gehen auf die Römer oder das frühe Mittelalter zurück.
1. Trier: die älteste Stadt Deutschlands

Kurz & knapp Für wen: alle, die römische Antike nicht im Museum, sondern auf der Straße sehen wollen Zeit einplanen: zwei volle Tage, sonst wird es Hetze Anreise per Bahn: Trier Hbf, ab Koblenz mit dem Regionalexpress durchs Moseltal rund anderthalb Stunden. Die Fahrt selbst ist schon ein Programmpunkt Highlight: die Porta Nigra, das besterhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen Ehrlich gesagt: Hier war ich selbst noch nicht. Trier steht ganz oben auf meiner Liste, und wenn wir da waren, bekommt dieser Abschnitt eigene Bilder.
Trier wurde um 16 vor Christus als Augusta Treverorum gegründet und ist damit die älteste Stadt Deutschlands. Das ist keine Marketingformel, sondern der Grund, warum hier gleich neun Bauwerke zum UNESCO-Welterbe gehören.
Das bekannteste ist die Porta Nigra, das schwarze Stadttor aus dem 2. Jahrhundert. Dass es überhaupt noch steht, verdankt es einem Zufall: Im Mittelalter baute man eine Kirche hinein, und Napoleon ließ sie später wieder entfernen. Ohne diesen Umweg wäre der Sandstein längst in anderen Häusern verbaut.
Dazu kommen die Kaiserthermen mit ihren begehbaren unterirdischen Gängen, das Amphitheater für einst 20.000 Zuschauer und die Konstantinbasilika, der größte erhaltene stützenfreie Raum der Antike. Wer dort hineingeht, versteht sofort, warum römische Architektur bis heute Maßstab ist.
Der Trierer Dom ist die älteste Bischofskirche Deutschlands, direkt daneben steht die Liebfrauenkirche als einer der frühesten gotischen Kirchenbauten des Landes. Beide gehören ebenfalls zum Welterbe. Am Hauptmarkt mit seinen bunten Giebelhäusern endet der Rundgang am besten, und wer noch Zeit hat, geht ins Karl-Marx-Haus, das Geburtshaus des Ökonomen.
Für die Orientierung vor Ort: Alle genannten Ziele liegen im Umkreis von gut zwanzig Gehminuten um die Porta Nigra auf Google Maps.
Praktisch, und hier lässt sich Geld sparen: Der Einzeleintritt in die Porta Nigra kostet 6 Euro, ermäßigt 5, für Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren 3 Euro. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr. Wenn du mehr als zwei der römischen Bauten sehen willst, lohnt die AntikenCard Premium für 28 Euro: Sie deckt Porta Nigra, Kaiserthermen, Amphitheater und die Thermen am Viehmarkt ab, dazu das Rheinische Landesmuseum. Einzeln gekauft zahlst du dafür deutlich mehr. Alle Preise laut Zentrum der Antike, Stand Juli 2026.
2. Koblenz: wo Mosel und Rhein sich treffen



Kurz & knapp Für wen: alle, die abends draußen sitzen und dabei zwei Flüsse sehen wollen Zeit einplanen: ein bis zwei Tage Anreise per Bahn: Koblenz Hbf, ICE-Halt, ab Mainz rund eine Stunde Highlight: das Deutsche Eck bei Sonnenuntergang Ehrlich gesagt: Ich war da, und Koblenz hat mich überrascht. Erwartet hatte ich eine Verwaltungsstadt, bekommen habe ich eine, in der abends richtig was los ist.
Am Deutschen Eck mündet die Mosel in den Rhein, und genau auf dieser Landzunge steht das gewaltige Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms I. Ich war abends dort, und das ist die richtige Zeit: Auf den Stufen sitzen die Leute, es ist voll, aber entspannt voll. Diese Stimmung hat mir die ganze Stadt sympathisch gemacht.
Von dort führt die Seilbahn über den Rhein hinauf zur Festung Ehrenbreitstein, einer der größten erhaltenen Festungsanlagen Europas und dem besten Aussichtspunkt auf das Deutsche Eck. Auf den Bewertungsportalen ist die Festung die meistbesprochene Sehenswürdigkeit in ganz Rheinland-Pfalz.
In der Altstadt lohnen der Münzplatz, der Jesuitenplatz und die Liebfrauenkirche mit ihren zwei Zwiebeltürmen. Übernachtet habe ich im Aparthotel am Münzplatz mitten in der Altstadt, damit ich abends zu Fuß zurückkam.
Mehr Details stehen in unserem Artikel zu den Koblenz Sehenswürdigkeiten, und wie Koblenz sich in die Flussstrecke einordnet, liest du bei den schönsten Städten am Rhein.
3. Mainz: Dom, Gutenberg und ein guter Kaffee



Kurz & knapp Für wen: alle, die eine Landeshauptstadt wollen, die sich nicht wie eine anfühlt Zeit einplanen: ein bis zwei Tage Anreise per Bahn: Mainz Hbf, ICE-Knoten, ab Frankfurt rund 35 Minuten Highlight: der tiefrote Dom St. Martin Ehrlich gesagt: Für mich eine der schönsten Rheinstädte überhaupt. Meine Rhein-Tour hat hier angefangen, und das war kein Zufall.
Der Mainzer Dom St. Martin ist tausend Jahre alt und aus tiefrotem Sandstein gebaut, was ihm bei jedem Wetter eine andere Farbe gibt. Rundherum liegt eine Altstadt, die tatsächlich benutzt wird: Fachwerk, kleine Plätze, der Renaissance-Marktbrunnen.
Direkt am Markt, im Schatten des Doms, habe ich im Dom Café einen richtig guten Kaffee getrunken. Wenn du dort einen Tisch draußen bekommst, hast du den besten Platz der Stadt für eine Pause.
Kulturell dreht sich in Mainz vieles um Johannes Gutenberg. Das Gutenberg-Museum gegenüber dem Dom zeigt zwei Originalexemplare seiner Bibel und gehört zu den ältesten Druckmuseen der Welt. Weniger bekannt und mindestens so sehenswert sind die leuchtend blauen Chagall-Fenster in St. Stephan. Und wenn du im Februar kommst: Mainz ist eine Fastnachtshochburg, dann ist die Stadt eine andere.
Übernachtet habe ich im Hotel Schottenhof, familiengeführt und rund fünfzig Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Mehr in unserem Beitrag zu den Sehenswürdigkeiten in Mainz.
4. Speyer: Kaiserdom und jüdisches Erbe



Kurz & knapp Für wen: alle, die Romanik und Technikmuseum an einem Tag verbinden wollen Zeit einplanen: ein Tag Anreise per Bahn: Speyer Hbf, ab Mannheim rund 25 Minuten Highlight: der Kaiserdom, die größte erhaltene romanische Kirche der Welt Ehrlich gesagt: Ich war ausgerechnet während des Katholikentags dort. Entsprechend voll, und zum Fotografieren war das nicht ideal. Der Stadt tut das keinen Abbruch.
Der Kaiserdom zu Speyer steht seit 1981 auf der UNESCO-Liste und ist die größte erhaltene romanische Kirche der Welt. Acht deutsche Kaiser und Könige liegen in der Krypta.
Weniger bekannt, aber mindestens so bedeutend ist der Judenhof mit der mittelalterlichen Mikwe, einem rituellen Tauchbad aus dem 12. Jahrhundert. Speyer bildet zusammen mit Worms und Mainz die sogenannten SchUM-Stätten, die 2021 gemeinsam Welterbe wurden. Wenn du dich für diesen Teil der deutschen Geschichte interessierst, ergibt eine Runde über alle drei Städte großen Sinn.
Ganz anders, aber ein echter Publikumsmagnet: das Technik-Museum mit Flugzeugen, einem begehbaren U-Boot und einer Boeing 747, auf die du hinaufsteigen kannst.
Zum Einkehren: Espresso und Tiramisu gab es bei mir im Eiscafé De Vico in der Korngasse 36, dem Stammhaus mit eigener Kaffeerösterei. Das erklärt auch, warum der Espresso so gut war. Übernachtet habe ich im Hotel Postgalerie gegenüber dem Bahnhof, untergebracht im denkmalgeschützten Bau der ehemaligen Oberpostdirektion. Mehr in unserem Beitrag zu den Sehenswürdigkeiten in Speyer.
5. Worms: Nibelungen, Luther und der älteste jüdische Friedhof Europas

Kurz & knapp Für wen: alle, die Geschichte mögen, die nicht hübsch ist, sondern wichtig Zeit einplanen: ein Tag Anreise per Bahn: Worms Hbf, ab Mainz rund 35 Minuten Highlight: der Heilige Sand, der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Worms ist im Krieg schwer getroffen worden, die Altstadt ist deshalb weniger malerisch als in Speyer. Wer wegen der Geschichte kommt, wird trotzdem reich belohnt.
Worms ist der dritte der rheinischen Kaiserdome, und der Wormser Dom St. Peter ist ein Musterbeispiel späten romanischen Bauens. Vor allem aber ist Worms ein Ort, an dem europäische Geschichte gemacht wurde.
1521 stand Martin Luther hier vor dem Reichstag und weigerte sich zu widerrufen. Das Lutherdenkmal erinnert daran und ist das größte Reformationsdenkmal der Welt.
Der Heilige Sand ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas, mit rund 2.500 Grabsteinen, von denen die ältesten aus dem 11. Jahrhundert stammen. Auch er gehört seit 2021 zum SchUM-Welterbe. Wer dort zwischen den schiefen, moosbewachsenen Steinen steht, begreift die Tiefe dieser Geschichte schneller als in jedem Museum.
Und dann die Nibelungen: Worms ist der Schauplatz des Nibelungenlieds, das Nibelungenmuseum in der alten Stadtmauer erzählt die Sage. Jeden Sommer laufen davor die Nibelungen-Festspiele.
An Rhein und Mittelrhein
Zwischen Bingen und Koblenz liegt das Obere Mittelrheintal, seit 2002 UNESCO-Welterbe. Auf 65 Kilometern drängen sich hier rund vierzig Burgen, Weinberge in Steillage und Orte, die aussehen wie eine Kulisse. Diesen Abschnitt kenne ich am besten, weil ich ihn mit der Bahn abgefahren bin.
6. Bacharach: das Highlight des Mittelrheins



Kurz & knapp Für wen: Fotografen und alle, die Fachwerk lieben Zeit einplanen: ein halber Tag reicht, der Ort ist klein Anreise per Bahn: Bahnhof Bacharach, ab Mainz rund 45 Minuten, ab Koblenz rund 35 Highlight: der Blick von den Weinbergen über die Dächer zum Rhein Ehrlich gesagt: Für mich der schönste Ort der ganzen Tour. Klein, ja, aber genau das ist der Punkt.
Bacharach ist über tausend Jahre alt und noch fast vollständig von seiner Stadtmauer mit ihren Türmen umgeben. Über dem Ort thront Burg Stahleck, in der heute eine Jugendherberge untergebracht ist, mit einem der besten Ausblicke der Region.
Mein wichtigster Tipp, gerade wenn du fotografierst: Geh hoch in die Weinberge oberhalb des Ortes. Der Blick von dort über die Dächer, die Ruine der Wernerkapelle und den Rhein ist um Klassen besser als jedes Foto von unten. Der Aufstieg dauert keine zwanzig Minuten.
Unten lohnen das Alte Haus aus dem 14. Jahrhundert und die kleinen Weinstuben. Mehr dazu in unserem Beitrag zu den Bacharach Sehenswürdigkeiten.
7. Bingen am Rhein: Mäuseturm und Hildegard



Kurz & knapp Für wen: alle, die das Mittelrheintal von seinem südlichen Anfang her erschließen wollen Zeit einplanen: ein halber bis ganzer Tag Anreise per Bahn: Bingen (Rhein) Hbf, ab Mainz rund 25 Minuten Highlight: der Mäuseturm auf seiner Insel im Fluss Ehrlich gesagt: Bingen hat mich weniger gepackt als die anderen Stopps. Ich war aber früh am Morgen dort, bei flachem Licht und ohne Betrieb. Das trübt das Urteil, und fair ist das nicht ganz.
In Bingen mündet die Nahe in den Rhein, und hier beginnt das Obere Mittelrheintal. Das Wahrzeichen ist der Mäuseturm auf einer kleinen Insel, einst Zollstation, heute Motiv. Über der Stadt liegt die Burg Klopp, deren Turm du zwischen April und Oktober besteigen kannst.
Bingen ist außerdem eng mit Hildegard von Bingen verbunden, der Universalgelehrten und Heiligen des 12. Jahrhunderts. Das Museum am Strom widmet ihr eine Dauerausstellung.
Der praktische Vorteil von Bingen: Gegenüber liegt Rüdesheim, mit der Fähre bist du in Minuten drüben. Wenn du kannst, komm nachmittags oder abends an die Rheinanlagen, nicht wie ich um acht Uhr früh. Mehr im Artikel zu den Bingen Sehenswürdigkeiten.
8. Boppard: die größte Rheinschleife



Kurz & knapp Für wen: alle, die einen ruhigen Nachmittag am Wasser wollen Zeit einplanen: ein halber Tag, mit Vierseenblick ein ganzer Anreise per Bahn: Bahnhof Boppard, ab Koblenz rund 15 Minuten Highlight: der Vierseenblick über der größten Rheinschleife Ehrlich gesagt: Klein, aber schnuckelig. Hoch zum Vierseenblick habe ich es nicht mehr geschafft, was ich bis heute bedaure.
Boppard liegt in der größten Schleife des Rheins, und genau daraus entsteht die berühmte Täuschung: Vom Vierseenblick oberhalb der Stadt siehst du den Fluss nicht als Band, sondern als vier voneinander getrennte Seen. Hinauf kommst du mit dem Sessellift.
In der Stadt selbst stehen Reste eines römischen Kastells mit einer der besterhaltenen Festungsmauern Deutschlands, dazu die spätromanische St.-Severus-Kirche mit ihren Doppeltürmen, die die Silhouette prägen.
Ich war an einem Nachmittag da und habe abends noch richtig gut in einem Thai-Restaurant gegessen, was man in einer 15.000-Einwohner-Stadt am Rhein nicht unbedingt erwartet. Mehr in unserem Artikel zu den Boppard Sehenswürdigkeiten.
9. Andernach: der höchste Kaltwassergeysir der Welt
Kurz & knapp Für wen: Familien und alle, die ein Naturschauspiel mit Ansage wollen Zeit einplanen: ein Tag, für die Geysir-Expedition selbst rund drei Stunden Anreise per Bahn: Bahnhof Andernach, ab Koblenz rund 15 Minuten Highlight: der Geysir, der bis zu sechzig Meter hoch schießt Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Der Geysir ist nur per Schiff erreichbar und an feste Abfahrtszeiten gebunden, das solltest du vorher buchen.
Andernach hat den höchsten Kaltwassergeysir der Welt. Er wird nicht von Hitze angetrieben, sondern von Kohlendioxid aus dem vulkanischen Untergrund der Eifel, und er bricht in regelmäßigen Abständen bis zu sechzig Meter hoch aus. Zum Namedrop-Wert kommt, dass die Anfahrt per Schiff auf das Naturschutzgebiet Namedyer Werth Teil des Erlebnisses ist.
Die Stadt selbst gehört zu den ältesten Deutschlands und hat einen gut erhaltenen Mauerring mit dem wuchtigen Runden Turm. Eine Besonderheit, die Andernach bundesweit bekannt gemacht hat, ist das Konzept der essbaren Stadt: In den öffentlichen Grünflächen wachsen Gemüse, Obst und Kräuter, und jeder darf ernten. Das klingt nach Marketing, funktioniert aber seit über einem Jahrzehnt.
Praktisch: Das Geysir-Zentrum hat von Ende März bis Ende Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Die Schiffe zur Ausbruchsstelle fahren viermal am Tag, um 11, 13, 15 und 17 Uhr, die Überfahrt zur Halbinsel Namedyer Werth dauert eine gute Viertelstunde. Plane für die komplette Expedition rund drei Stunden ein und buche vorher, weil die Plätze pro Abfahrt begrenzt sind. Stand Juli 2026.
An Mosel und Saar
Die Mosel schlängelt sich von Trier bis Koblenz durch das steilste Weinbaugebiet Deutschlands. Was du hier über die Anreise wissen solltest, steht bei Bernkastel-Kues, und es steht so in fast keinem anderen Artikel.
10. Cochem: die Reichsburg über der Mosel

Kurz & knapp Für wen: alle, die genau ein Burgenmotiv wollen und dafür das beste nehmen Zeit einplanen: ein Tag Anreise per Bahn: Bahnhof Cochem, ab Koblenz rund 35 Minuten auf der Moselstrecke Highlight: die Reichsburg, die 100 Meter über der Stadt thront Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Cochem ist der meistfotografierte Moselort und entsprechend besucht. Wer Ruhe sucht, kommt außerhalb der Sommerferien.
Die Reichsburg Cochem ist das, was die meisten Menschen vor Augen haben, wenn sie an die Mosel denken. Die heutige Anlage ist allerdings ein Wiederaufbau des 19. Jahrhunderts im neugotischen Stil, die mittelalterliche Burg wurde 1689 von französischen Truppen gesprengt. Das macht sie nicht weniger sehenswert, aber es gehört zur Wahrheit dazu.
In der Altstadt lohnen der Marktplatz mit dem barocken Rathaus und das Enderttor, ein erhaltenes mittelalterliches Stadttor. Mit dem Sessellift geht es hinauf zum Pinnerkreuz, von wo aus du die Moselschleife und die Burg in einem Bild hast.
Ein ungewöhnlicher Programmpunkt liegt unter der Stadt: der Bundesbank-Bunker, in dem im Kalten Krieg eine geheime Ersatzwährung für den Ernstfall lagerte. Heute ist er als Dokumentationsstätte zu besichtigen und gehört zu den meistbewerteten Sehenswürdigkeiten des Landes.
Praktisch, und das wissen viele nicht: Die Innenräume der Reichsburg kannst du nur mit Führung betreten, einzeln durchlaufen geht nicht. Die Führung dauert rund 40 Minuten und wird auf Deutsch und Englisch angeboten. Erwachsene zahlen 5 Euro, Kinder 3 Euro, geöffnet ist täglich ab 9:30 Uhr, die letzte Führung startet um 17 Uhr. Angaben laut Reichsburg Cochem, Stand Juli 2026. Mehr in unserem Artikel zu den Cochem Sehenswürdigkeiten.
11. Bernkastel-Kues: Fachwerk am Marktplatz, aber kein Bahnhof

Kurz & knapp Für wen: Weinfreunde und Fachwerkliebhaber Zeit einplanen: ein Tag Anreise per Bahn: Bernkastel-Kues hat keinen Bahnhof. Nächster Halt ist Wittlich Hauptbahnhof, von dort mit der Buslinie 301 in rund 28 Minuten, stündlich. Alternativ Traben-Trarbach Highlight: der Marktplatz mit dem Spitzhäuschen Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Und die Bahnsache ist genau der Punkt, an dem viele Reiseplanungen kippen.
Das ist die erste der beiden Sachen, die ich beim Recherchieren gefunden habe. In zahlreichen Artikeln über die Mosel steht sinngemäß, Bernkastel-Kues sei gut mit der Bahn zu erreichen. Das stimmt so nicht: Die alte Moselbahn ist seit Jahrzehnten stillgelegt, im Ort hält kein Zug. Du fährst nach Wittlich Hbf und steigst dort in die Buslinie 301, die stündlich fährt und rund 28 Minuten braucht. Das bestätigt auch der Verkehrsverbund Region Trier, der die Strecke betreibt. Das funktioniert gut, aber du solltest es vorher wissen und nicht am Bahnsteig herausfinden.
Ist man erst da, entschädigt der Marktplatz für alles. Er gilt als einer der schönsten Fachwerkplätze Deutschlands, und mittendrin steht das Spitzhäuschen von 1416, dessen Obergeschoss deutlich breiter ist als das Erdgeschoss. Über der Stadt liegt die Burgruine Landshut mit Blick ins Moseltal.
Auf der Kueser Seite steht das St.-Nikolaus-Hospital, gestiftet vom Universalgelehrten Nikolaus von Kues, der hier 1401 geboren wurde. Seine mittelalterliche Bibliothek ist bis heute erhalten. Und wenn du Wein magst: Der Bernkasteler Doctor ist eine der berühmtesten Rieslinglagen der Welt. Mehr in unserem Beitrag zu den Bernkastel-Kues Sehenswürdigkeiten und in der Übersicht zu den Orten an der Mosel.
12. Saarburg: ein Wasserfall mitten in der Altstadt
Kurz & knapp Für wen: alle, die ein Motiv wollen, das es so kein zweites Mal gibt Zeit einplanen: ein halber Tag Anreise per Bahn: Bahnhof Saarburg, ab Trier rund 20 Minuten Highlight: der rund 20 Meter hohe Wasserfall der Leuk, mitten zwischen den Häusern Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Der Wasserfall ist übrigens kein reines Naturphänomen, sondern geht auf eine mittelalterliche Flussumleitung zurück.
In Saarburg stürzt die Leuk mitten in der Altstadt rund zwanzig Meter in die Tiefe, zwischen Fachwerkhäusern hindurch. Dass dieser Wasserfall dort ist, verdankt die Stadt dem Mittelalter: Man leitete den Bach um, um Mühlen anzutreiben. Heute ist er das Wahrzeichen.
Über der Stadt steht die Saarburg aus dem 10. Jahrhundert, von deren Bergfried du über das Saartal blickst. Eine Besonderheit ist die Glockengießerei Mabilon, die über 200 Jahre in Betrieb war und heute als Museum die letzte weitgehend erhaltene historische Glockengießerei Deutschlands zeigt.
Von Saarburg ist es nicht weit ins Saarland, wo mit Saarlouis, Blieskastel und Mettlach weitere schöne Städte im Saarland warten.
Die Pfalz und Rheinhessen
Der Süden von Rheinland-Pfalz ist Weinland. Hier stehen die Orte enger beieinander als sonst irgendwo im Bundesland, und du kommst mit einem Quartier weit.
13. Neustadt an der Weinstraße: das Hambacher Schloss

Kurz & knapp Für wen: alle, die Wein und deutsche Demokratiegeschichte verbinden wollen Zeit einplanen: ein Tag, mit Schloss anderthalb Anreise per Bahn: Neustadt (Weinstr) Hbf, ab Mannheim rund 30 Minuten Highlight: das Hambacher Schloss Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Das Schloss liegt oberhalb der Stadt, zu Fuß sind es gut 45 Minuten bergauf.
Neustadt ist die größte weinbautreibende Gemeinde Deutschlands und der natürliche Mittelpunkt der Deutschen Weinstraße. Die Altstadt mit der gotischen Stiftskirche und dem Marktplatz ist hübsch, aber der eigentliche Grund herzukommen liegt oberhalb.
Auf dem Hambacher Schloss fand 1832 das Hambacher Fest statt, bei dem zehntausende Menschen für Einheit, Freiheit und Bürgerrechte demonstrierten und zum ersten Mal Schwarz-Rot-Gold als Symbol nutzten. Das Schloss gilt deshalb als Wiege der deutschen Demokratie, und die Dauerausstellung erzählt das erstaunlich gut.
Wenn du im Spätsommer kommst: Das Deutsche Weinlesefest in Neustadt gehört zu den größten Weinfesten des Landes.
14. Deidesheim: klein, teuer, ausgezeichnet
Kurz & knapp Für wen: alle, die gutes Essen und guten Wein zum Reiseanlass machen Zeit einplanen: ein halber Tag, ein Abend, oder gleich zwei Nächte Anreise per Bahn: Bahnhof Deidesheim, ab Neustadt rund 10 Minuten Highlight: der historische Marktplatz mit Rathaus Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Deidesheim ist der Ort auf dieser Liste, an dem du am schnellsten viel Geld ausgibst.
Deidesheim hat rund 3.700 Einwohner und eine Gastronomiedichte, die zu einer Stadt vom Zehnfachen passen würde. Helmut Kohl brachte hier über Jahre Staatsgäste hin, was dem Ort einen Ruf verschafft hat, den er bis heute pflegt.
Der Marktplatz mit dem spätgotischen Rathaus und der Ratstreppe ist der schönste Punkt. Eine liebenswerte Kuriosität ist die Geißbockversteigerung am Pfingstdienstag: Der Nachbarort Lambrecht schuldet Deidesheim seit dem 15. Jahrhundert jährlich einen Ziegenbock als Weidezins, und der wird öffentlich versteigert.
Ringsum liegen Weingüter mit klingenden Namen. Wenn du eine Weinprobe machen willst und nicht weißt, wo anfangen, ist Deidesheim ein guter Ort dafür.
15. Landau in der Pfalz: Festungsstadt mit Zoo
Kurz & knapp Für wen: Familien und alle, die eine entspannte Uni-Stadt mögen Zeit einplanen: ein Tag Anreise per Bahn: Landau (Pfalz) Hbf, ab Neustadt rund 20 Minuten Highlight: die Reste der Vauban-Festung und der Zoo Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Landau ist weniger Postkarte als die anderen Pfalz-Orte, dafür lebendiger.
Landau war lange französisch und wurde unter Ludwig XIV. von Festungsbaumeister Vauban zur Grenzfestung ausgebaut. Reste davon prägen die Stadt bis heute, etwa das Deutsche Tor und das Französische Tor.
In der Innenstadt lohnen die gotische Stiftskirche und der Rathausplatz. Für Familien ist der Zoo Landau ein guter Grund, einen ganzen Tag zu bleiben, und der Goethepark auf dem früheren Landesgartenschau-Gelände ist eine der schönsten innerstädtischen Grünanlagen der Pfalz.
16. Oppenheim: die Stadt über dem Kellerlabyrinth
Kurz & knapp Für wen: alle, die etwas sehen wollen, das buchstäblich niemand von oben erkennt Zeit einplanen: ein halber Tag plus Führung Anreise per Bahn: Bahnhof Oppenheim, ab Mainz rund 20 Minuten Highlight: das Kellerlabyrinth, ein Gangsystem von rund 40 Kilometern Länge Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Die Keller sind nur mit Führung zugänglich, Termine vorher prüfen.
Oberirdisch ist Oppenheim eine hübsche Weinstadt in Rheinhessen mit der gotischen Katharinenkirche, deren Südfassade mit ihren Maßwerkfenstern zu den schönsten der deutschen Gotik zählt. Über der Stadt liegt die Ruine der Burg Landskron mit Blick über die Rheinebene.
Der eigentliche Grund herzukommen liegt darunter. Das Oppenheimer Kellerlabyrinth ist ein über Jahrhunderte gewachsenes, mehrstöckiges System von Kellern und Gängen, das sich unter der gesamten Altstadt erstreckt und auf rund 40 Kilometer geschätzt wird. Die Kaufleute lagerten hier ihre Waren. Große Teile waren lange vergessen und wurden erst wiederentdeckt, als in den 1980er Jahren Straßen einzubrechen begannen.
Praktisch: Öffentliche Führungen gibt es von April bis Oktober, mittwochs bis sonntags, und buchen kannst du sie ausschließlich über die Tourist-Information der Stadt Oppenheim. Es gibt zwei Varianten: Kellerlabyrinth I führt über rund 500 Meter durch die weitläufigeren Gänge, Kellerlabyrinth II über rund 250 Meter durch die verzweigteren, hier gilt ein Mindestalter von fünf Jahren. Spontan hineinspazieren geht nicht, plane das ein. Stand Juli 2026.
Nahe und Hunsrück
Zwischen Rhein und Mosel liegt der Hunsrück, ein Mittelgebirge, das kaum jemand auf dem Zettel hat. Die Nahe schneidet südlich davon ein Tal, in dem Wein wächst und Edelsteine geschliffen werden. Hier findest du die schönsten Kleinstädte in Rheinland-Pfalz, die es nie in einen Reiseführer schaffen.
17. Bad Kreuznach: Häuser auf einer Brücke

Kurz & knapp Für wen: alle, die ein Motiv suchen, das es in Europa nur noch dreimal gibt Zeit einplanen: ein Tag Anreise per Bahn: Bad Kreuznach Bahnhof, ab Mainz rund 40 Minuten Highlight: die Brückenhäuser über der Nahe Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Steht bei beiden großen Konkurrenz-Artikeln in den Top 10, und zu Recht.
Die Brückenhäuser von Bad Kreuznach stehen seit dem 15. Jahrhundert auf einer Brücke mitten in der Nahe. Bewohnte Brücken dieser Art gibt es in Europa nur noch eine Handvoll, der Ponte Vecchio in Florenz ist die bekannteste. Von der benachbarten Brücke hast du den Blick, den alle fotografieren.
Der zweite Grund ist das Salinental zwischen Bad Kreuznach und Bad Münster. Die riesigen Gradierwerke, über die Sole herabrieselt, bilden das größte Freiluft-Inhalatorium Europas. Man spaziert daran entlang und atmet salzhaltige Luft, was ein bisschen nach Nordsee riecht und mitten im Hunsrückvorland ziemlich überraschend ist.
Dazu kommen der Kurpark, die Römerhalle mit gut erhaltenen Mosaiken und rundum die Weinberge des Nahetals.
18. Idar-Oberstein: eine Kirche im Felsen

Kurz & knapp Für wen: alle, die Edelsteine, Bergbau oder ungewöhnliche Kirchen mögen Zeit einplanen: ein bis zwei Tage Anreise per Bahn: Bahnhof Idar-Oberstein, ab Mainz rund 75 Minuten über Bad Kreuznach Highlight: die Felsenkirche, die in eine senkrechte Felswand gebaut wurde Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Zur Felsenkirche führen rund 200 Stufen hinauf.
Die Felsenkirche hängt seit dem 15. Jahrhundert in einer Felsnische hoch über der Altstadt, und es gibt in Deutschland kaum etwas Vergleichbares. Darüber liegen die Ruinen von Schloss Oberstein und Burg Bosselstein.
Idar-Oberstein ist die deutsche Edelsteinstadt. Der Grund ist geologisch: In den Achatvorkommen des Hunsrücks wurde jahrhundertelang abgebaut, und als die heimischen Vorkommen erschöpft waren, brachten Auswanderer aus Brasilien Nachschub. Die Schleiferei blieb. Heute zeigt das Deutsche Edelsteinmuseum die Sammlung, und in den Edelsteinminen Steinkaulenberg kannst du das einzige begehbare Edelsteinbergwerk Europas befahren und selbst nach Steinen suchen.
Alle Details in unserem Artikel zu den Idar-Oberstein Sehenswürdigkeiten.
19. Kirchberg im Hunsrück: die offizielle kleine Schönheit
Kurz & knapp Für wen: alle, die einen Ort ohne Reisebusse suchen Zeit einplanen: zwei bis drei Stunden Anreise per Bahn: kein Bahnhof. Bus ab Simmern oder Kirn, Auto ist hier ehrlicherweise praktischer Highlight: der Marktplatz mit Fachwerk und Rathaus Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Kirchberg steht auf Platz zwei der offiziellen Landesliste kleiner Städte mit großem Charme, was mich selbst überrascht hat.
Kirchberg ist eine der ältesten Städte des Hunsrücks und führt die offizielle Liste der Landes-Tourismusseite gleich hinter Meisenheim an. Der historische Ortskern mit dem Marktplatz, dem Rathaus und den Fachwerkzeilen ist gut erhalten, die Evangelische Kirche mit ihrem markanten Turm prägt die Silhouette.
Ehrlich gesagt ist Kirchberg kein Ort für einen ganzen Tag. Es ist ein Ort für zwei Stunden auf dem Weg irgendwohin, und dafür ist er sehr hübsch. Rundherum liegt der Hunsrück mit seinen Wanderwegen, und die Hängeseilbrücke Geierlay bei Mörsdorf ist keine halbe Stunde entfernt.
20. Meisenheim am Glan: unzerstört seit dem Mittelalter
Kurz & knapp Für wen: Fachwerkfans, die schon alles gesehen haben Zeit einplanen: ein halber Tag Anreise per Bahn: kein Bahnhof, die Glantalbahn ist stillgelegt. Bus ab Bad Kreuznach oder Lauterecken Highlight: die spätgotische Schlosskirche Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Platz eins der offiziellen Landesliste, und der am schwersten erreichbare Ort in diesem Artikel.
Meisenheim hat rund 2.800 Einwohner und einen mittelalterlichen Stadtkern, an dem sämtliche Kriege und Stadtbrände vorbeigegangen sind. Das ist in Deutschland selten genug, um allein deswegen hinzufahren.
Überragt wird der Ort von der Schlosskirche, einem dreischiffigen spätgotischen Hallenbau mit einem Netzgewölbe, das man in einer Kleinstadt dieser Größe nicht erwartet. Dazu kommen die Adelshöfe, allen voran der über 800 Jahre alte Boos von Waldecksche Hof, heute Veranstaltungsort.
Eifel, Lahn und Westerwald
Der Norden und Westen des Landes ist der Teil, den die wenigsten kennen. Wer nach Orten sucht, an denen keine Reisebusse halten, ist hier richtig. Noch mehr davon findest du in unseren Geheimtipps für Rheinland-Pfalz.
21. Monreal: Fachwerk im Elztal

Kurz & knapp Für wen: alle, die das schönste Dorf-Motiv der Eifel wollen Zeit einplanen: ein halber Tag, mit Wanderung ein ganzer Anreise per Bahn: Bahnhof Monreal an der Strecke Andernach–Kaisersesch, ab Andernach rund 35 Minuten Highlight: die Fachwerkzeile an der Elz mit zwei Burgruinen darüber Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Monreal ist winzig, du hast es in einer Stunde gesehen. Die Wanderung ringsum ist der eigentliche Tagesinhalt.
Monreal liegt im engen Tal der Elz, hat keine 900 Einwohner und wurde als eines der schönsten Dörfer Deutschlands ausgezeichnet. Die Fachwerkhäuser stammen zum Teil aus dem 15. Jahrhundert und stehen direkt am Bach, darüber thronen die Ruinen von Löwenburg und Philippsburg.
Von hier startet der Monrealer Ritterschlag, einer der Traumpfade der Eifel und eine der bekanntesten Halbtageswanderungen der Region. Wer schon da ist, sollte ihn mitnehmen, sonst hat der Besuch etwas von Durchfahrt.
22. Gerolstein: Dolomiten in der Vulkaneifel

Kurz & knapp Für wen: alle, die Geologie und Wandern mögen Zeit einplanen: ein bis zwei Tage Anreise per Bahn: Bahnhof Gerolstein an der Eifelstrecke Köln–Trier. Wichtig: Die Strecke wird nach der Flut 2021 noch immer wiederaufgebaut, siehe Hinweis unten Highlight: die Gerolsteiner Dolomiten mit der Munterley Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Die Anreise ist der Knackpunkt, deshalb hier ausführlicher.
Das ist die zweite Sache, die ich beim Recherchieren gefunden habe. Die Eifelstrecke wurde bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 schwer zerstört. Seit Ende März 2026 fahren zwischen Köln und Trier wieder weitgehend durchgehend Züge, allerdings mit Einschränkungen: Wegen der laufenden Elektrifizierung wird zwischen Kall und Euskirchen an vielen Wochenenden bis in den Spätherbst hinein mit Bussen ersetzt. Der dauerhaft ungestörte Betrieb wird erst gegen 2028 erwartet. Den aktuellen Stand veröffentlicht die Deutsche Bahn laufend auf der Projektseite zum Wiederaufbau. Wenn du am Wochenende fährst, prüf die Verbindung vorher, sonst sitzt du länger im Bus als geplant.
Ist man da, lohnt es sich. Die Gerolsteiner Dolomiten sind ein Riffkalk-Massiv aus dem Devon, also der versteinerte Rest eines tropischen Korallenriffs. Über der Stadt ragt die Munterley auf, ein Felsplateau mit Aussicht, in dem die Buchenlochhöhle steckt, in der Werkzeuge von Neandertalern gefunden wurden.
Dazu kommt die neuromanische Erlöserkirche, die auf einem Hügel über dem Ort steht und von einer Berliner Stiftung finanziert wurde, was ihr eine für die Eifel ungewöhnliche Größe verschaffte. Und natürlich das Wasser: Der Name Gerolstein steht bundesweit auf Flaschen, und der Ursprung ist der kohlensäurehaltige Untergrund der Vulkaneifel. Ein paar Kilometer entfernt liegt die Kasselburg mit dem Adler- und Wolfspark.
Mehr in unserem Artikel zu den Gerolstein Sehenswürdigkeiten.
23. Bad Ems: UNESCO-Welterbe an der Lahn
Kurz & knapp Für wen: alle, die Bäderarchitektur des 19. Jahrhunderts mögen Zeit einplanen: ein Tag Anreise per Bahn: Bahnhof Bad Ems an der Lahntalbahn, ab Koblenz rund 20 Minuten Highlight: die Kurhaus-Fassade und die Emser Therme Ehrlich gesagt: Nicht besucht. Bad Ems ist eher Erholung als Sightseeing, das sollte zur Reiseplanung passen.
Bad Ems gehört seit 2021 zum UNESCO-Welterbe Great Spa Towns of Europe, gemeinsam mit Baden-Baden, Karlsbad, Bath und weiteren. Das ist kein Zufall: Im 19. Jahrhundert traf sich hier der europäische Hochadel, Kaiser Wilhelm I. kam ebenso wie der russische Zar.
Die prachtvolle Bäderarchitektur entlang der Lahn stammt aus dieser Zeit, allen voran das Kurhaus mit seiner langen Fassade und dem Marmorsaal. Wer heute herkommt, geht in die Emser Therme und danach durch den Kurpark.
Historisch bekannt ist Bad Ems noch aus einem anderen Grund: Die Emser Depesche von 1870, Bismarcks redaktionell zugespitzte Meldung über ein Gespräch des Kaisers hier vor Ort, löste den Deutsch-Französischen Krieg mit aus.
Und ein Ort für den Westerwald: Hachenburg
Der Westerwald kommt in Städtelisten fast nie vor, dabei nennt die offizielle Landes-Tourismusseite mit Hachenburg einen Ort, der es verdient hätte. Die Barockstadt hat einen großzügigen Alten Markt, der nach einem Stadtbrand im 18. Jahrhundert einheitlich neu gebaut wurde, und darüber das Schloss Hachenburg, in dem heute die Hochschule der Deutschen Bundesbank sitzt. Mit der Bahn erreichst du Hachenburg über die Oberwesterwaldbahn.
Bad Neuenahr-Ahrweiler: das Ahrtal nach der Flut
Diesen Ort führe ich bewusst getrennt von der Liste, weil er sich nicht wie ein Ranking-Punkt anfühlen soll.
In der Nacht zum 15. Juli 2021 zerstörte die Flut große Teile des Ahrtals. Über 130 Menschen starben allein im Landkreis Ahrweiler. Wer heute herkommt, sieht eine Region, die noch mitten im Wiederaufbau steckt, und gleichzeitig eine, die Gäste ausdrücklich haben möchte, weil der Tourismus die wirtschaftliche Grundlage ist.
Ahrweiler, der historische Stadtteil, hat eine fast vollständig erhaltene mittelalterliche Stadtmauer mit vier Toren und einen Fachwerkkern, der zu den schönsten am Mittelrhein gehört. Bad Neuenahr ist der jüngere Kurteil mit Thermalquellen und Kurpark.
Rundum liegt das kleinste zusammenhängende Rotweingebiet Deutschlands. Der Rotweinwanderweg führt auf rund 35 Kilometern durch die Steillagen von Altenahr bis Bad Bodendorf und ist einer der schönsten Weinwanderwege des Landes. Oberhalb von Ahrweiler liegt außerdem der frühere Regierungsbunker, in dem die Bundesregierung im Kalten Krieg den Ernstfall überstehen sollte, heute eine Dokumentationsstätte.
Zur Anreise: Die Ahrtalbahn ist seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 wieder vollständig in Betrieb, elektrifiziert und durchgehend bis Ahrbrück befahrbar, wie die Projektseite zur Ahrstrecke dokumentiert. Du kommst also wieder ganz normal mit dem Zug über Remagen ins Tal. Das war jahrelang nicht so, und viele Artikel im Netz sind an dieser Stelle noch auf dem alten Stand.
Die schönsten Altstädte in Rheinland-Pfalz
Wenn du gezielt nach Altstädten suchst, ist die Auswahl kleiner als die Städteliste. Viele Innenstädte des Landes wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, Worms und Ludwigshafen am schwersten. Diese sechs haben ihren historischen Kern behalten:
- Meisenheim am Glan: der vollständigste mittelalterliche Stadtkern des Landes, an dem sämtliche Kriege und Stadtbrände vorbeigegangen sind
- Bacharach: noch fast komplett von der Stadtmauer umschlossen, mit dem Alten Haus von 1368
- Ahrweiler: mittelalterliche Stadtmauer mit allen vier Toren erhalten
- Bernkastel-Kues: der Fachwerk-Marktplatz mit dem Spitzhäuschen von 1416
- Monreal: Fachwerkzeile aus dem 15. Jahrhundert direkt an der Elz
- Trier: die mittelalterliche Altstadt rund um den Hauptmarkt, oft übersehen neben den römischen Bauten
Wenn dich historische Altstädte generell reizen, findest du bundesweite Ziele in unserer Übersicht der historischen Orte und schönsten Altstädte.
Romantische Städte und was du in der Nähe von Koblenz findest
Am romantischsten ist Rheinland-Pfalz im Oberen Mittelrheintal, und das ist keine Geschmacksfrage, sondern Kunstgeschichte: Die Rheinromantik des 19. Jahrhunderts hat genau diese Landschaft zum Sehnsuchtsort gemacht, mit Burgen über Weinbergen und der Sage von der Loreley, dem berühmten Schieferfelsen bei Sankt Goarshausen.
Für ein romantisches Wochenende zu zweit würde ich Bacharach, Cochem und Bernkastel-Kues nehmen. Alle drei sind klein genug, dass du abends allein durch die Gassen läufst.
Wenn du von Koblenz aus unterwegs bist, hast du es besonders leicht. In unter 40 Bahnminuten erreichst du Boppard, Bacharach, Andernach, Cochem und Bad Ems. Kaum eine andere deutsche Stadt hat so viele sehenswerte Kleinstädte in dieser Reichweite. Noch mehr Orte entlang des Flusses stehen in unserem Artikel zu den schönsten Städten am Rhein, der auch Oberwesel, Rhens und Linz mit aufnimmt.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf einen Blick
| Stadt | Wahrzeichen | Bahnhof | Zeit einplanen |
|---|---|---|---|
| Trier | Porta Nigra | Trier Hbf | 2 Tage |
| Koblenz | Deutsches Eck, Festung Ehrenbreitstein | Koblenz Hbf (ICE) | 1–2 Tage |
| Mainz | Dom St. Martin, Gutenberg-Museum | Mainz Hbf (ICE) | 1–2 Tage |
| Speyer | Kaiserdom, Judenhof | Speyer Hbf | 1 Tag |
| Worms | Wormser Dom, Heiliger Sand | Worms Hbf | 1 Tag |
| Bacharach | Burg Stahleck, Weinberge | Bacharach | ½ Tag |
| Bingen | Mäuseturm, Burg Klopp | Bingen (Rhein) Hbf | ½–1 Tag |
| Boppard | Vierseenblick, Römerkastell | Boppard | ½–1 Tag |
| Andernach | Kaltwassergeysir, Runder Turm | Andernach | 1 Tag |
| Cochem | Reichsburg, Bundesbank-Bunker | Cochem | 1 Tag |
| Bernkastel-Kues | Marktplatz, Spitzhäuschen | keiner, Bus ab Wittlich | 1 Tag |
| Saarburg | Wasserfall der Leuk | Saarburg | ½ Tag |
| Neustadt a.d.W. | Hambacher Schloss | Neustadt (Weinstr) Hbf | 1–1½ Tage |
| Deidesheim | Marktplatz, Weingüter | Deidesheim | ½ Tag |
| Landau | Vauban-Tore, Zoo | Landau (Pfalz) Hbf | 1 Tag |
| Oppenheim | Katharinenkirche, Kellerlabyrinth | Oppenheim | ½ Tag |
| Bad Kreuznach | Brückenhäuser, Salinental | Bad Kreuznach | 1 Tag |
| Idar-Oberstein | Felsenkirche, Edelsteinminen | Idar-Oberstein | 1–2 Tage |
| Kirchberg | Marktplatz | keiner, Bus | 2–3 Std. |
| Meisenheim | Schlosskirche | keiner, Bus | ½ Tag |
| Monreal | Fachwerk an der Elz | Monreal | ½–1 Tag |
| Gerolstein | Gerolsteiner Dolomiten | Gerolstein (Eifelstrecke) | 1–2 Tage |
| Bad Ems | Kurhaus, Emser Therme | Bad Ems | 1 Tag |
| Bad Neuenahr-Ahrweiler | Stadtmauer Ahrweiler, Rotweinwanderweg | Ahrweiler / Bad Neuenahr | 1–2 Tage |
Welche Stadt passt zu dir?
| Wenn du das suchst | Fahr hierhin |
|---|---|
| Römer und Antike | Trier, dazu Boppard |
| Fotografieren | Bacharach, Cochem, Monreal |
| Wein und gutes Essen | Deidesheim, Bernkastel-Kues, Neustadt |
| Fachwerk | Meisenheim, Monreal, Bernkastel-Kues, Ahrweiler |
| Burgen und Festungen | Koblenz, Cochem, Bacharach |
| Wandern | Gerolstein, Bad Neuenahr-Ahrweiler, Monreal |
| Mit Kindern | Andernach, Speyer, Landau |
| Jüdische Geschichte | Speyer, Worms, Mainz |
| Erholung | Bad Ems, Bad Kreuznach |
| Ein Wochenende ohne Auto | Mainz, Koblenz, Boppard, Bacharach |
Praktische Tipps für deinen Rheinland-Pfalz-Trip
Anreise und unterwegs
Ich habe meine Rhein-Tour komplett mit der Bahn gemacht, und das war die richtige Entscheidung. Rheinland-Pfalz ist ein Land der Flusstäler, und an fast jedem Fluss verläuft eine Bahnstrecke. Am Mittelrhein fahren sogar auf beiden Seiten Züge, sodass du zwischen den Ufern wechseln kannst.
Vier ICE-Halte erschließen das Land: Mainz, Koblenz, Montabaur und Kaiserslautern. Von dort übernehmen Regionalzüge. Die Mittelrheinbahn zwischen Mainz und Koblenz hält an praktisch jedem der schönen Orte, die Moselstrecke verbindet Koblenz mit Trier, die Nahetalbahn Mainz mit Idar-Oberstein und Saarbrücken.
Drei Orte in diesem Artikel haben allerdings keinen Bahnhof: Bernkastel-Kues, Kirchberg und Meisenheim. Dort brauchst du den Bus oder das Auto. Und bei Gerolstein solltest du wegen des laufenden Wiederaufbaus der Eifelstrecke am Wochenende vorher die Verbindung prüfen.
Für die Fahrkarte lohnt der Vergleich zwischen dem Deutschlandticket und dem Rheinland-Pfalz-Ticket, mit dem mehrere Personen gemeinsam einen Tag lang die Nahverkehrszüge im Land nutzen. Die aktuellen Preise ändern sich regelmäßig, deshalb schaust du besser direkt beim Verkehrsverbund nach, statt dich auf Zahlen aus Blogartikeln zu verlassen.
Im Mittelrheintal kommen Fähren und Ausflugsschiffe dazu. Zwischen Bingen und Rüdesheim dauert die Überfahrt Minuten, und eine Schifffahrt an der Loreley vorbei ist ein eigener Programmpunkt.
Wenn du neben den Städten auch Natur, Burgen und Freizeitziele einplanen willst, findest du eine breitere Auswahl in unserer Übersicht der Ausflugsziele in Rheinland-Pfalz.
Beste Reisezeit
Mai und Juni sind meine Empfehlung: Die Weinberge sind grün, es ist warm genug für die Terrasse und die großen Ferienströme fehlen noch.
Juli und August bringen das beste Wetter und die volle Auslastung. Cochem und Bacharach sind dann deutlich belebter. Wenn du in dieser Zeit fährst, steh früh auf. Ich war um acht Uhr morgens in Bingen, und außer mir war niemand unterwegs.
September und Oktober sind die Weinlese-Monate und für mich die stimmungsvollste Zeit. Überall laufen Weinfeste, in den Straußwirtschaften gibt es Federweißen, und die Steillagen färben sich. Der Rotweinwanderweg an der Ahr ist im Oktober auf seinem Höhepunkt.
November bis März ist ruhig. Viele kleine Betriebe schließen, dafür hast du Bacharach und Monreal fast für dich allein. Die Weihnachtsmärkte in Mainz und Trier gehören zu den schöneren des Landes.
Was du essen solltest
Der Saumagen ist das bekannteste pfälzische Gericht und deutlich besser als sein Name. Es ist im Kern eine Brät-Kartoffel-Masse im Schweinemagen, wird in Scheiben gebraten und mit Sauerkraut serviert. In der Pfalz bekommst du ihn fast überall.
Weck, Worscht un Woi ist die pfälzische Kurzformel für Brötchen, Wurst und Wein und das, was auf jedem Weinfest gereicht wird. Dazu passt der Dubbeglas, ein halbliterhohes Glas mit Diedeln, das nicht so leicht aus feuchten Händen rutscht.
An der Mosel und am Rhein dreht sich alles um den Riesling. Die Steillagen an Mosel und Mittelrhein bringen Weine hervor, die weltweit einen Ruf haben. An der Ahr ist es dagegen Spätburgunder, also Rotwein, was in Deutschland selten ist.
Im Hunsrück und in der Eifel wird deftiger gekocht. Der Döppekooche, ein Kartoffelauflauf aus dem Topf, ist ein Klassiker.
Sparen in Rheinland-Pfalz
Die Kirchen und Dome kosten fast überall keinen Eintritt, nur Türme und Schatzkammern werden berechnet. Der Kaiserdom in Speyer, der Mainzer Dom und der Trierer Dom sind alle frei zugänglich.
Viele Aussichtspunkte sind ebenfalls kostenlos: die Weinberge über Bacharach, der Blick von der Burg Klopp in Bingen zwischen April und Oktober, der Rundweg um die Munterley in Gerolstein.
Übernachten ist außerhalb der Hauptsaison und abseits von Cochem deutlich günstiger. Ich habe in Mainz, Koblenz und Speyer jeweils zentral und bezahlbar gewohnt, weil ich unter der Woche unterwegs war.
Drei Routenvorschläge
Mittelrhein in drei Tagen, ohne Auto. Start in Mainz mit Dom und Gutenberg-Museum. Am zweiten Tag mit der Bahn über Bingen nach Bacharach, dort hoch in die Weinberge. Am dritten Tag weiter über Boppard nach Koblenz, abends ans Deutsche Eck. Das ist genau die Tour, die ich gemacht habe, und sie funktioniert.
Mosel und Trier, vier Tage. Von Koblenz mit der Moselstrecke nach Cochem, einen Tag Reichsburg und Bunker. Weiter nach Wittlich, mit dem Bus nach Bernkastel-Kues. Zum Abschluss zwei Tage Trier, das braucht die Zeit.
Pfalz und Rheinhessen, drei Tage. Quartier in Neustadt an der Weinstraße, von dort Hambacher Schloss und ein Abend in Deidesheim. Am zweiten Tag Speyer mit Dom und Technik-Museum. Am dritten über Oppenheim zurück Richtung Mainz, mit Führung durchs Kellerlabyrinth.
Tagesausflüge von den Nachbarländern aus
Rheinland-Pfalz grenzt an fünf Bundesländer, und viele der Orte auf dieser Liste funktionieren als Tagesausflug, ohne dass du übernachten musst.
Ab Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet sind Mainz, Bingen und Oppenheim in unter einer Stunde erreichbar. Ab Köln und Bonn liegen Andernach, Koblenz und das Ahrtal in Reichweite, dazu passt unsere Übersicht der schönen Städte in NRW. Ab Mannheim und Heidelberg sind Speyer, Neustadt und Deidesheim je eine halbe Stunde entfernt. Und wer aus Hessen kommt, findet in unserem Artikel zu den schönen Städten in Hessen die passende Ergänzung auf der anderen Rheinseite.
Wenn du kleine Orte generell magst und nicht auf ein Bundesland festgelegt bist, lohnt ein Blick in unsere Geheimtipp-Kleinstädte in Deutschland und in die große Übersicht der schönen Städte in Deutschland.
Fazit
Rheinland-Pfalz wird unterschätzt, und das liegt an seinen bekanntesten Bildern. Wer nur die Loreley kennt, verpasst die Brückenhäuser von Bad Kreuznach, das Kellerlabyrinth unter Oppenheim und ein Riff aus dem Devon mitten in der Eifel.
Mein persönlicher Favorit bleibt Bacharach, gerade weil es so klein ist. Mainz hat mich als Stadt am meisten überrascht, und Koblenz hatte den besten Abend. Bei den siebzehn Orten, an denen ich nicht war, habe ich versucht, dir ehrlich zu sagen, worauf sich meine Einschätzung stützt.
Und wenn du kannst: Lass das Auto stehen. Dieses Land liest sich vom Zugfenster aus am besten.
Häufig gestellte Fragen
Welche ist die schönste Stadt in Rheinland-Pfalz?
Wenn ich eine nennen muss: Bacharach. Der Ort am Mittelrhein ist klein, komplett von seiner Stadtmauer umgeben und hat mit dem Blick aus den Weinbergen das beste Motiv des Landes. Wer statt eines Dorfes eine richtige Stadt sucht, nimmt Trier wegen der römischen Bauten oder Mainz wegen der Mischung aus Dom, Altstadt und Lebensart. Das ist meine persönliche Einschätzung nach einer Woche vor Ort, keine objektive Rangliste.
Wo ist es in Rheinland-Pfalz am schönsten?
Am Oberen Mittelrhein zwischen Bingen und Koblenz. Auf 65 Kilometern reihen sich hier rund vierzig Burgen, Steillagen und Fachwerkorte aneinander, und das gesamte Tal ist seit 2002 UNESCO-Welterbe. Mein persönlicher Favorit auf dieser Strecke ist Bacharach. Wer lieber Natur als Fachwerk will, fährt in die Vulkaneifel rund um Gerolstein.
Welche 10 Städte in Rheinland-Pfalz sind am schönsten?
Meine Top 10 wären: Trier, Mainz, Koblenz, Speyer, Bacharach, Cochem, Bernkastel-Kues, Monreal, Bad Kreuznach und Ahrweiler. Damit hast du die großen historischen Städte, die schönsten Flussorte und zwei sehr kleine Orte abgedeckt, die kaum jemand auf dem Zettel hat.
Welche Stadt in der Pfalz ist sehenswert?
Speyer, wegen des Kaiserdoms und des jüdischen Erbes. Wenn es um Wein geht, ist Deidesheim die erste Adresse, und Neustadt an der Weinstraße lohnt wegen des Hambacher Schlosses. Landau ist die lebendigste der Pfalz-Städte und gut für Familien.
Welche Stadt lohnt sich für einen Kurztrip?
Mainz und Koblenz, weil beide ICE-Halt haben und du ohne Umsteigen ankommst. Beide bieten genug für zwei Tage und liegen gleichzeitig so, dass du von dort Tagesausflüge machen kannst. Für ein romantisches Wochenende zu zweit ist Bacharach die schönere Wahl, dann aber mit Anreise über Mainz oder Koblenz.
Hat Rheinland-Pfalz eine Altstadt, die im Krieg nicht zerstört wurde?
Ja, mehrere. Meisenheim am Glan ist das beste Beispiel: Dort sind sämtliche Kriege und Stadtbrände vorbeigegangen, der mittelalterliche Kern ist vollständig erhalten. Auch Bacharach, Monreal und Ahrweiler haben ihre historischen Kerne behalten. Worms und Ludwigshafen dagegen wurden schwer getroffen.
Kann man Rheinland-Pfalz gut ohne Auto bereisen?
An den Flüssen sehr gut. Rhein, Mosel, Nahe und Lahn haben alle Bahnstrecken direkt am Ufer, und die Orte liegen so dicht, dass du in zehn bis dreißig Minuten von einem zum nächsten kommst. Schwieriger wird es im Hunsrück und im Hochland: Bernkastel-Kues, Kirchberg und Meisenheim haben keinen Bahnhof und sind auf Busse angewiesen.
Wie viele Tage sollte ich für Rheinland-Pfalz einplanen?
Für eine Region reichen drei bis vier Tage. Der Mittelrhein zwischen Mainz und Koblenz lässt sich in drei Tagen gut abfahren, die Mosel mit Trier braucht vier. Wenn du mehrere Regionen verbinden willst, also etwa Mosel, Mittelrhein und Pfalz, solltest du eine Woche einplanen. Das Land ist größer, als es auf der Karte wirkt, und die Wege zwischen Eifel und Pfalz sind weiter als gedacht. Für einen einzelnen Städtetrip nach Mainz, Koblenz oder Trier genügt ein Wochenende.
Kann man in Rheinland-Pfalz gut wandern?
Ja, das Land ist eines der besten Wanderziele Deutschlands. Der Rheinsteig führt auf rund 320 Kilometern von Bonn über Koblenz bis Wiesbaden, der Moselsteig auf 365 Kilometern von Perl bis Koblenz. Beide gehören zu den bekanntesten Fernwanderwegen des Landes und lassen sich in Tagesetappen zwischen zwei Bahnhöfen laufen. Kürzer und sehr lohnend sind die Traumpfade in der Eifel, etwa der Monrealer Ritterschlag. Im Pfälzerwald, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Deutschlands, führen Wege zu Burgen und Sandsteinfelsen. Und der Rotweinwanderweg an der Ahr verbindet auf 35 Kilometern Steillagen mit Einkehrmöglichkeiten.
Wann ist die beste Zeit für eine Weinprobe?
September und Oktober zur Weinlese. Dann öffnen die Straußwirtschaften, es gibt Federweißen, und die meisten Weinfeste finden statt. Weinproben selbst sind ganzjährig möglich, viele Weingüter haben durchgehend geöffnet. Für die Kombination aus Weinprobe und schönem Wetter auf der Terrasse sind Mai und Juni die bessere Wahl.
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