Arnheim (niederländisch Arnhem) ist die Hauptstadt der niederländischen Provinz Gelderland, liegt direkt am Nederrijn und ist als grünste Stadt der Niederlande sowie als Mode- und Designstadt bekannt. Wer sich für Arnheim Sehenswürdigkeiten interessiert, bekommt hier auf kleinem Raum Architektur, Modeviertel, Kriegsgeschichte und Parks mit echten Wasserfällen. Wir waren dort im September 2019 im Rahmen eines Holland-Roadtrips für einen Tag, und ausgerechnet an diesem Tag hat es fast durchgehend geregnet. Das hat unseren Besuch mehr geprägt, als uns lieb war, aber es hat uns auch gezeigt, wie viel Arnheim drinnen zu bieten hat.
Arnheim auf einen Blick
- Provinz: Gelderland (Arnheim ist die Hauptstadt)
- Lage: am Nederrijn, rund 15 km von der deutschen Grenze entfernt
- Bekannt für: Mode & Design (Modekwartier, 7 Straatjes), moderne Architektur (Rozet, Bahnhof), Kriegsgeschichte (John-Frost-Brücke, Operation Market Garden)
- Zeit einplanen: ein guter Tag für die Innenstadt-Highlights, zwei Tage mit Park Sonsbeek/Zypendaal und einem Ausflug ins Umland
- Anreise: mit dem Zug direkt ab Oberhausen Hbf mit dem RE19 (Rhein-IJssel-Express) bis Arnhem Centraal, reine Fahrzeit rund 50 Minuten, stündlich ohne Umsteigen; mit dem Auto über die A3/A12
Alle Arnheim Sehenswürdigkeiten auf einer Karte
Modekwartier und die 7 Straatjes: Arnheims Antwort auf Amsterdams 9 Straatjes



Gleich am Hotel liegt das Modekwartier Arnheim im ehemaligen Arbeiterviertel Klarendal. Rund 60 Designerinnen und Designer haben hier ihre Ateliers und Läden, Mode, Schmuck, Keramik, alles selbst gemacht und meistens auch direkt vor Ort produziert.
Von dort sind es nur ein paar Gehminuten in die „7 straatjes“, sieben kleine Gassen rund um die Kerkstraat mit über 40 unabhängigen Läden. Wer Amsterdam kennt: Das ist im Kleinformat, was die „9 Straatjes“ dort sind, nur deutlich unbekannter und dadurch angenehm unaufgeregt. Wir sind einfach durch die Gassen geschlendert und haben uns von den Schaufenstern treiben lassen, mehr Programm braucht es hier eigentlich nicht.
[BILD: 7 Straatjes, Hochformat für Pinterest] Die 7 Straatjes bei Regen: leere Gassen, warme Schaufenster, perfekt für einen gemütlichen Bummel.
Arnhem Centraal: Bahnhofsarchitektur als Schlechtwetter-Programm


Weil es kaum aufgehört hat zu regnen, haben wir uns viel Zeit für Architektur genommen, die man auch trockenen Fußes bewundern kann. Der Bahnhof Arnhem Centraal ist dafür ein gutes Beispiel: ein komplett neu gestalteter Verkehrsknotenpunkt mit geschwungenem Glasdach, der eher wie ein Flughafenterminal wirkt als wie ein klassischer Bahnhof.
Rozet: unser persönliches Highlight in Arnheim


Das eigentliche Highlight des Tages war für uns das Kulturzentrum Rozet, ein Bau von Neutelings Riedijk, der 2013 eröffnet und ein Jahr später vom niederländischen Architektenverband BNA zum Gebäude des Jahres gekürt wurde. Unter einem Dach vereint es Stadtbibliothek, Kulturerbezentrum, Musikschule und ein Café.
[BILD: Rozet Außenfassade] Die Fassade der Rozet: Von außen ahnt man kaum, wie viel Leben und Architektur sich dahinter verbergen.
Wir haben dort tatsächlich Stunden verbracht, einfach weil es drinnen so viel zu entdecken gab und man von der Fensterfront aus den Leuten beim Durch-den-Regen-Hasten zusehen konnte. Innen ist das Gebäude komplett anders als von außen erwartet: eine mäandernde Holztreppe zieht sich durch das ganze Haus, überall Lesenischen und Ausstellungsflächen. Kein Wunder, dass Rozet in Arnheim selbst als Geheimtipp gilt, von außen sieht man dem Gebäude die Vielfalt drinnen kaum an.
[BILD: Rozet Innenraum/Treppe] Die Holztreppe in der Rozet zieht sich über mehrere Stockwerke, von hier oben sieht man bis auf die Straße.
Eusebiuskirche und John-Frost-Brücke: Geschichte im Vorbeigehen


Auf dem Weg durch die Altstadt kommt man an der Eusebiuskirche (offiziell Grote Kerk, „Große Kirche“) kaum vorbei, mit ihrem rund 80 Meter hohen spätgotischen Turm eines der Wahrzeichen der Stadt. Wer schwindelfrei ist, kann mit dem Panoramalift bis auf 73 Meter fahren und von dort auf zwei gläserne Aussichtsbalkone in 60 Metern Höhe hinaustreten (Stand 2026, Details bei eusebius.nl). Wir haben es bei dem Wetter bei einem Blick von unten belassen.
[BILD: Eusebiuskirche, Turm von außen] Der Turm der Eusebiuskirche ragt über die Dächer der Altstadt, selbst im Regen gut zu erkennen.
Ein paar hundert Meter weiter liegt die John-Frost-Brücke über den Nederrijn, 601 Meter lang und nach dem britischen Generalmajor benannt, der hier im September 1944 während der Operation Market Garden mit seinen Fallschirmjägern ausharrte. Ich hatte bei jedem Blick auf die Brücke den Kriegsfilm „Die Brücke von Arnheim“ (Originaltitel „A Bridge Too Far“) im Kopf, die Ereignisse von damals sind hier im Stadtbild noch spürbar präsent. Direkt an der Brücke liegt die kostenlose Ausstellung Airborne at the Bridge, die die Ereignisse dort vor Ort dokumentiert. Das große Airborne Museum Hartenstein mit der kompletten Ausstellung liegt im rund 15 Autominuten entfernten Oosterbeek.
[BILD: John-Frost-Brücke] Die John-Frost-Brücke über den Nederrijn: 601 Meter Stahl mit einer Geschichte, die man im Kopf hat, sobald man sie sieht.
Park Sonsbeek: Wasserfall statt Sonnenbaden



Weil an diesem Tag ohnehin schon alles nass war, sind wir noch in den Park Sonsbeek, Arnheims grüne Lunge mit 67 Hektar Fläche. Der große Wasserfall, den Baron van Heeckeren 1826 anlegen ließ, hatte durch den Dauerregen ordentlich Wasser, so gut haben wir ihn wahrscheinlich selten gesehen. Mitten im Park liegt außerdem das Nederlands Watermuseum in einer alten Wassermühle aus dem 15. Jahrhundert, ein kleines, aber sehr anschauliches Museum rund um das Thema Wasser, das an diesem Tag natürlich thematisch bestens gepasst hat.

Direkt angrenzend liegt der Park Zypendaal mit dem Landgut Huis Zypendael aus dem 18. Jahrhundert. Das Gelände kann man frei besichtigen, das Landhaus selbst nur im Rahmen einer geführten Tour, die (Stand unseres Besuchs) sonntags im Stundentakt stattfand. Wir sind einfach durchspaziert, auch ohne Tour ist der Park einen Abstecher wert.
Abends: Dinner in einer echten Kirche



Den Abend haben wir in einem Restaurant verbracht, das uns bis heute im Kopf geblieben ist: einer ehemaligen lutherischen Kirche, umgebaut zu Restaurant und Hotel. Man sitzt unten im Kirchenschiff, während oben, auf einer Art Stahlkonstruktion, die Hotelzimmer wie einzelne Häuser über dem Raum schweben. Damals hieß der Laden Bizar-Bazar, mittlerweile firmiert er als The Church, inzwischen sogar im Guide Michelin gelistet.
Die Betreiberin hat uns spontan kurz durch die oberen Zimmer geführt, das werde ich nicht vergessen. Und das Essen war tatsächlich so gut, wie der Rahmen es versprochen hat: Wir haben uns durch ein Menü probiert, das nordafrikanische und europäische Küche mischt, ziemlich passend zur Kirche-trifft-Basar-Optik im Innenraum.
[BILD: The Church Innenraum, quer] Unten Kirchenschiff, oben schwebende Zimmer auf Stahlstützen: The Church (früher Bizar-Bazar) ist architektonisch einzigartig in Arnheim.
Weitere Highlights, die auf unserer Liste für den nächsten Besuch stehen
Bei einem einzigen Regentag schafft man nicht alles, was Arnheim zu bieten hat. Diese Orte haben wir nicht mehr geschafft, sie stehen aber ganz oben auf der Liste für unseren nächsten Besuch:
- Nederlands Openluchtmuseum: Freilichtmuseum mit historischen Gebäuden aus ganz Holland, seit 1918.
- Museum Arnhem: Kunstmuseum mit Skulpturengarten, 2022 umgebaut.
- Schloss Rosendael: mittelalterliches Schloss mit Muschelgalerie und Wassergärten, nördlich von Arnheim.
- Nationalpark Veluwezoom: 1930 zum Nationalpark erklärt und damit der älteste der Niederlande, direkt an Arnheim angrenzend, mit dem Aussichtspunkt Posbank als Highlight. Wer noch mehr Natur will: Der deutlich größere Nationalpark De Hoge Veluwe mit dem Kröller-Müller Museum hat einen Eingang bei Schaarsbergen nur wenige Kilometer nördlich von Arnhem, die beiden anderen Eingänge liegen Richtung Apeldoorn/Otterlo und lassen sich gut mit einem Abstecher dorthin verbinden.
- Burgers‘ Zoo: für Familien einer der bekanntesten Zoos der Niederlande.
Ausflüge ins Gelderland-Umland



Arnheim eignet sich gut als Basis für weitere Tagesausflüge in der Provinz Gelderland. Nur rund 20 Kilometer südlich liegt Nijmegen, die älteste Stadt der Niederlande mit römischen Wurzeln. Richtung Nordosten, am Rand der Veluwe, liegt Apeldoorn, von wo aus auch der Nationalpark De Hoge Veluwe gut erreichbar ist. Und wer die Hanse-Geschichte am IJssel mag, findet in der Fachwerkstadt Zutphen ein hübsches Gegenstück zu Arnheims moderner Architektur. Einen Überblick über weitere schöne Städte in Holland und generell über Sehenswürdigkeiten in den Niederlanden haben wir gesammelt.
Übernachten in Arnheim



Übernachtet haben wir im Hotel Modez mitten im Modekwartier, direkt an der Elly Lamakerplantsoen. Das Auto stand dort quasi vor der Tür, und von da an ging alles zu Fuß, die Arnheimer Innenstadt ist angenehm kompakt. Jedes der 20 Zimmer im Hotel ist von einem anderen niederländischen Modedesigner gestaltet, ein passender Einstieg für eine Stadt, die sich selbst als Modestadt versteht.
Fazit
Arnheim hat uns trotz (oder gerade wegen) Dauerregen überrascht. Die Stadt ist kompakt genug für einen guten Tagesausflug, hat mit Rozet und dem Bahnhof aber auch genug Indoor-Programm für Schlechtwettertage, und mit The Church einen Abend-Höhepunkt, den man in einer 150.000-Einwohner-Stadt nicht erwarten würde. Für uns ist Arnheim ein echter Geheimtipp geblieben, obwohl wir nur einen einzigen Tag dort waren.
Häufig gestellte Fragen
Ist Arnheim einen Tagesausflug wert?
Ja. Arnheim lässt sich gut an einem Tag zu Fuß erkunden, von Bahnhof, Modekwartier und 7 Straatjes bis zur Altstadt mit Eusebiuskirche und John-Frost-Brücke sind es überall nur wenige Gehminuten. Für Park Sonsbeek, Zypendaal und einen entspannteren Abend lohnt sich aber auch eine Übernachtung.
Wie heißen die 7 Straatjes in Arnheim?
Die „7 straatjes“ sind sieben kleine Gassen rund um die Kerkstraat im Stadtzentrum (Arke Noachstraat, Bentinckstraat, Eiland, Kerkstraat, Pastoorstraat, Wielakkerstraat und Zwanenstraat) mit über 40 unabhängigen Läden. Der Name wurde 2014 vom früheren Schuhladenbesitzer Arend Vogel geprägt.
Was ist die Rozet in Arnheim?
Die Rozet ist Arnheims Kulturzentrum, ein 2013 eröffnetes Gebäude von Neutelings Riedijk, das Stadtbibliothek, Kulturerbezentrum, Musikschule und ein Café unter einem Dach vereint und frei zugänglich ist.
Ist Arnheim eine gute Alternative zu Amsterdam?
Für einen ruhigeren Städtetrip ja: Arnheim hat mit den 7 Straatjes ein Pendant zu Amsterdams 9 Straatjes, deutlich weniger Touristen und dazu noch die grüne Umgebung der Veluwe direkt vor der Tür. Als Ersatz für Amsterdams Museen oder Grachten taugt es aber nicht.
Was sind Geheimtipps in Arnheim abseits der Top-Sehenswürdigkeiten?
Zwei echte Geheimtipps aus unserem eigenen Besuch: das Kulturzentrum Rozet mit kostenlosem Zugang zur Aussichtsterrasse, und ein Abendessen in The Church, dem ehemaligen Bizar-Bazar in einer umgebauten Kirche. Beide tauchen in den meisten klassischen Sehenswürdigkeiten-Rankings gar nicht auf, obwohl sie zu unseren persönlichen Highlights zählten.
Wie kommt man von Deutschland nach Arnheim?
Am einfachsten mit dem Zug: Der RE19 (Rhein-IJssel-Express) fährt stündlich ganz ohne Umsteigen von Oberhausen Hbf bis Arnhem Centraal, die Fahrt dauert rund 50 Minuten. Mit dem Auto führt die Route über die A3 bzw. A12.
Was hat es mit der John-Frost-Brücke auf sich?
Die 601 Meter lange Brücke über den Nederrijn war im September 1944 zentraler Schauplatz der Operation Market Garden. Britische Fallschirmjäger unter Generalmajor John Frost hielten sie mehrere Tage gegen deutsche Truppen, bevor sie sich zurückziehen mussten. 1977 wurde die Brücke nach ihm benannt, zuvor hieß sie schlicht Rijnbrug.
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