Warum es sich lohnt, den Zypern Marathon zu laufen

Ein Laufbericht von Judith Havers zum Zypern Marathon im März 2019

ZYPERN MARATHON – ANMELDUNG

“JOIN US FOR WINTER SUN, RUN & HAVE FUN!” – Diese Einladung mit Aussicht auf Sonne, Laufen und Spaß lässt mich vorfreudig in die Tasten hauen, als ich mich im Februar bei kaltem Nieselregen in Hamburg zum Zypern Marathon anmelde.

Die Registrierung auf der Website logicomcyprusmarathon.com funktioniert einwandfrei. Man kann für das Event am 17. März 2019 zwischen drei angebotenen Distanzen wählen: Marathon (42,195km), Halb-Marathon (21,098km), 10km und 5km. Die Startgebühr beträgt abhängig von der Streckenlänge 45€/35€/25€/20€.

Ich war noch nie in der Republik Zypern (7 Gründe warum ihr Zypern besuchen solltet), der drittgrößten Mittelmeerinsel (nach Sizilien und Sardinien), und natürlich möchte ich in der kurzen Zeit, die wir dort sein werden (4 Tage sind geplant), so viel wie möglich zu Fuß von Land und Leuten mitkriegen und auch die Wintersonne möglichst lange auskosten – daher ist die Entscheidung für die Marathonstrecke längst gefallen. “Combining breath-taking and historic scenery with the traditional Mediterranean hospitality!” I’m in! 🙂 Kurz darauf flattert die Meldebestätigung in meine eMail-Inbox.

ZYPERN MARATHON – SIGHTSEEING-LONGRUN

Da ich letztes Jahr lange verletzt war und erst seit Januar 2019 wieder regelmäßig laufen kann, weiß ich diesen Marathon nur schwer einzuschätzen. Was wird mein Rücken von der Belastung halten? Bleibt mein Fuß schmerzfrei? Kann ich überhaupt Kondition aufbringen für die lange Distanz? Vom Tempo ganz zu schweigen… Ich bin unsicher, fühle mich aber gut und wieder bereit für neue Abenteuer. “You’ll never know if you never even try.” Marathon ist doch immer ‘ne Wundertüte, oder? Ich seh’s als Sightseeing-Longrun vor einem 60km Ultra Trail, zu dem ich Mitte April angemeldet bin.

ANREISE & UNTERKUNFT ZYPERN

Oliver kommt mit nach Zypern und hat sich für den 10km Lauf angemeldet. Start und Ziel dieser Rennstrecke liegen am historischen Fort in Paphos (griechisch Pafos), einer modernen Hafenstadt im Südwesten der griechischen Republik Zypern.

Die “Europäische Kulturhauptstadt 2017” Paphos konnten Besucher aus Deutschland bis vor Kurzem durch ein umfangreiches Flugangebot der Fluggesellschaft Germania in ca. 3h direkt ansteuern, doch Anfang Februar meldete die Airline mit dem grün-weißen Logo Insolvenz an und stellte sofort den Flugbetrieb ein. Kurzfristig bot sich für uns Hamburger als Alternative ein Flug mit Austrian Airlines über Wien zum 2. zyprischen Flughafen Larnaka an.

Am Donnerstag, den 14.03.2019, geht’s endlich los: Abflug am frühen Morgen (07:40 Uhr) und Ankunft um 14:30 Uhr Ortszeit (Zypern ist uns 1h voraus).

Während des Autobus-Transfers von Larnaka ins ca. 140km entfernte Paphos (Linksverkehr!) fällt sofort das saftige Grün der Landschaft auf, und ich möchte am liebsten direkt meine Laufschuhe schnüren und raus in die Natur! Auch beim Einchecken ins Constantinou Bros Athena Beach Hotel, gelegen am ruhigen Ende der Küste von Kato Paphos, etwa 4 km vom lebhaften Stadtzentrum entfernt, sind wir sofort Hin und Weg von der Location. Viele Sportler, in erster Linie Triathleten (und vor diesem Wochenende natürlich Läufer und deren Begleitung), sind hier untergebracht und nutzen den Ort als Basis für ihr Trainingscamp.

Die ruhige Bucht lädt ganzjährig zum Freiwasserschwimmen ein. In unmittelbarer Nähe gibt es außerdem ein 50m Schwimmbecken und ein Stadion mit Tartanbahn (Fun Fact: die Bahn ist statt 400m ganze 440m lang – also, immer schön 110% geben!).

TOURI-PROGRAMM AUF ZYPERN

Am Morgen laufe ich ein kurzes Stück an der Uferpromenade, aber hauptsächlich verbringen wir die Tage vor dem Laufevent mit Sightseeing und kleinen Ausflügen in die Geschichte: In Paphos treffen Moderne und Antike harmonisch aufeinander. Die UNESCO hat die gesamte Umgebung mit ihren historischen Stätten und archäologischen Funden auf die Liste der Weltkulturerbe gesetzt. Besonders geschichtsträchtige Orte sind die ptolemäischen Königsgräber und die römischen Villen mit ihren kunstvollen Mosaiken. Der Hafen hat magnetische Anziehungskraft, und die stadtnahen Strände sind beliebtes Ziel für den Badetourismus. Auch ein Ausflug zu einem Weingut steht auf unserer Agenda – aber davon nicht zu viel, denn der Fokus ist auf den Lauf am Sonntag gerichtet. 😉

ZYPERN MARATHON – DER TAG VOR DEM RENNEN

Zu unserer Reisegruppe gehören neben Oliver und mir sechs weitere Personen – jede hat die Distanz gewählt, die ihm/ihr am besten passt. Christian und ich laufen Marathon, Klaus den Halben, Elo, Gabriela und Oliver die 10km – und unsere zwei Cheerleader Anja und Ekavi werden uns hoffentlich lautstark ins Ziel brüllen. Als wir am Samstag gemeinsam zur Burg kommen, um im gegenüberliegenden Veranstaltungszentrum die Startnummern und Goody Bags abzuholen, sehen wir einige Läufer in weinroten Finisher-Shirts. Bei vielen größeren Laufveranstaltungen wird am Vortag ein kurzer Fun Run angeboten. Hier auf Zypern findet zwei Tage vor dem Hauptevent, am Freitag, ein 5km “Wine Run” rund um die Vasilikon winery im nahegelegenen Ort Kathikas statt – sehr cool!

Wir sind früh dran, und die Starterbeutelausgabe geht ruckizucki, sodass wir die mediterrane Umgebung direkt am Hafen, rund um das mittelalterliche Kastell, dem Wahrzeichen von Paphos, genießen und uns schon mal vorstellen können, wie es sein wird, hier zu finishen.

Die Marathonis starten östlich von Paphos, auf halber Strecke nach Limassol, bei Petra tou Romiou, am “Aphrodite-Felsen”, dem Geburtsort der Göttin der Liebe und der Schönheit, und laufen nach Paphos zurück. Alle anderen Läufe sind Wendepunktkurse und werden Sonntag auch hier am Hafen gestartet.

Es herrscht eine freundliche Atmosphäre und harmonisches Miteinander, während sich im Laufe des Tages der Platz füllt und wir unsere Kohlenhydratspeicher mit gutem Essen anreichern.

Der Cyprus Marathon ist eine relativ kleine, fast familiäre Veranstaltung, aber stetig wachsend. Wir treffen den Race Director Stavros Kakourides, der mit seinem sechsköpfigen Orga-Team (und rund 200 freiwilligen Helfern) neben der professionellen Organisation alles daran setzt, dass sich die Läufer und ihre Begleiter herzlich willkommen fühlen. Erstmals können sie über 4.000 Anmeldungen für das Event verzeichnen.

NU ABER MAL LOS – RACEDAY!

Um 5 geht’s aus den Federn (4 Uhr deutscher Zeit, ich erwähn’s einfach mal *gähn*) – kurz unter die Dusche, um die müden Knochen wachzuspülen. Ich bin ziemlich aufgeregt, als ich um 5:30 Uhr in den Frühstückssaal komme (schon im Renn-Outfit aber mit langen Wohlfühlklamotten darüber). Christian checkt bereits das Buffet, ansonsten ist noch kein Gast hier. Das Servicepersonal ist mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt, und die Essensauswahl ist jetzt schon enorm… Wie gern würde ich mir beim Anblick des frischen Obstes wieder den Bauch vollschlagen, aber zu viel “mitzuschleppen” auf den gut 42km wäre blöd. Christian und ich mampfen ein paar Happen, reden, schweigen, reden, schweigen – in Gedanken sind wir beide schon auf der Strecke. Nach und nach kommen ein paar Läufer in den Raum. Wir verziehen uns wieder auf unsere Zimmer. Noch kurz Ruhe vor dem Sturm, nochmal Durchatmen.

ZYPERN MARATHON – TRANSFER

Der Start des Marathons ist für 07:30 Uhr angesetzt. Startschuss für die anderen Distanzen ist ca. 1-1,5h später. Oliver und ich gehen um 06:30 Uhr gemeinsam zum Hotelausgang. Er biegt zum Frühstück ab, während ich mit zwei Paar Schuhen “bewaffnet” nach draußen schlender’. Es wird langsam hell, als ich mit wackligen Beinen in den Bus steige. Sehr zur Beruhigung meiner Nerven bringt uns ein privater Shuttle zum Start. Während der halbstündigen Fahrt bin ich mit meiner Schuhwahl beschäftigt, trage am linken Fuß den ASICS Tartherzeal und am rechten Fuß den DS Trainer. Ich tippel’ auf meinem Sitz mit den Füßen auf und ab… Welcher Schuh gibt mir heute ein besseres Laufgefühl? Ein paar Minuten später wechsle ich die Seiten – Trainer links, Tartherzeal rechts – tippel’, tippel’. Oh man. Welcher wird’s? Leichte Panik steigt auf. Verrückt. Normal. Letztendlich fällt die Wahl heute zugunsten von mehr Dämpfung aus, und der DS Trainer begleitet mich aus dem Bus. Gestern fragte unser Fahrer noch, wie wir von hier zurück kommen. *haha* Mittlerweile wundert ihn nichts mehr… 😉

Hier sind wir nun an dem vielbesuchten Ort, wo Aphrodite der Sage nach dem Meer entstieg – heute Morgen ist der Blick auf die sonderbaren Felsformationen im Meer uns Läufern vorbehalten. Die Frühjahrssonne wärmt, und viele bunte Shirts strahlen auf den Selfies ihrer Träger um die Wette. Ein paar der lila (Finisher-)Shirts, die jeder Teilnehmer vorab im Starterbeutel bekam, hüpfen auch vor den Kameras auf und ab. Ich bin da abergläubisch und spare mir den Trikottausch für nach dem Ziel.

Auf dem Parkplatz wendet ein Reisebus, einige Läufer sind auch mit eigenen PKWs angereist oder nutzen den kostenfreien Bus-Transfer. Christian und ich verstauen unsere himmelblauen Starterbeutel in den bereitgestellten DHL-Wagen, die unsere Wechselklamotten zurück nach Paphos bringen werden. Wir reihen uns in die Schlangen vor den Dixi-Clos ein, verschwinden kurz darauf aber doch in die hügelige Natur – Geduld ist nicht die Stärke eines nervösen Marathonis.

ZYPERN MARATHON – START UND VERPFLEGUNG

Endlich nehmen wir Aufstellung unter dem Start-Banner, der über der asphaltierten Küstenstraße im Wind wankt. Nach ein paar letzten Ankündigungen und dem Hinweis, sich auf den Straßen “always left” zu halten, erfolgt pünktlich um 7:30 Uhr der Startschuss. Juchuuu! Jetzt hab’ ich mega Bock – und obwohl die Strecke gleich zu Beginn etwas ansteigt, bin ich versucht, mit einigen Übermütigen direkt loszusprinten.

Jeder Kilometer ist mit einem neongelben Schild deutlich markiert. Die ersten 3km laufen wir entlang der Steilküste mit herrlicher Aussicht runter zum Mittelmeer. Ein paar Mal drehe ich mich noch um, um die kleiner werdenden Aphrodite-Felsen im Gegenlicht zu bewundern, dann schaue ich auf den Asphalt vor mir und auf meinen eigenen Schatten. Die Sonne wärmt meine Arme von hinten. Endlich wieder kurz-kurz laufen!

Der Kurs ist wellig, und ich laufe von Beginn an ein lockeres Tempo. Alle 3km gibt es Wasser aus 0,5l Flaschen. Zunächst denke ich noch “Was für eine Verschwendung!” – jeder Läufer nimmt lediglich 1-2 Schluck und wirft die Flasche dann weg. Wie die meisten Läufer treffe ich die Mülleimer mal mehr, mal weniger gut und mache mir Gedanken darüber, ob ich meine Flasche wieder zudrehen soll, damit kein Wasser ausläuft, oder ob ich den Deckel separat entsorge, damit ich zumindest noch die trockene Erde wässern kann… Oh man, fokussier’ dich aufs Laufen, Judijumper! Ein Läufer direkt hinter mir hat einen lauten Schluffschritt drauf, der mich nervt. Ich sehe seinen Schatten und befürchte mehrmals, dass er mir in die Hacken tritt. Kaum denke ich, ihn abgehängt zu haben, schlurft er sich wieder dicht ran, Windschatten suchend. Na gut – ich versuche, ihn zu ignorieren.

Alle 6km gibt es Becher mit einem Elektrolyt-Getränk und Schwämme zum Kühlen der Haut.

ZYPERN MARATHON – VERKEHR AUF DER STRECKE

Auch als wir uns vom Meer entfernen und im Landesinneren laufen, bleibt die Strecke abwechslungsreich. Die Wiesen blühen – vor Allem gelbe Blüten zieren die Sträucher. Wir kommen an Zitronenbäumen und Orangenplantagen vorbei, auch Oliven- und Palmenhaine wechseln sich ab. Doch ungestört kann man den Blick leider nicht schweifen lassen, und somit nehme ich die bis zu 1.952m hohen Berge (Olympos) des Troodos-Gebirges in der Ferne kaum wahr. Wir laufen am Rand befahrener Hauptverkehrsrouten bzw. auf mal mehr mal weniger breiten Standstreifen. Zwar fährt vor dem 1. Läufer Polizei und hinter dem letzten Läufer der Saniwagen, doch die Straßen sind nicht gesperrt, sodass die Kraftwagen neben uns her düsen und trotz früher Stunde für alle Vorsicht geboten ist. An Kreuzungen regeln “Race-Marshalls” den Verkehr.

ZYPERN MARATHON – WIND & ZEITMESSUNG

Hinter dem 13. Kilometer biegen wir von der Landstraße ab und laufen 4,5 km in Richtung Flughafen Paphos, der direkt am Meer liegt. Der Wind bläst stark, und ich bin froh, dass ich meine Startnummer, die den Zeitmesschip integriert hat, mit Sicherheitsnadeln und zusätzlich noch mit Magneten am Shirt befestigt habe.

Etwa auf der Hälfte dieses Abschnitts kommt mir der Brite Adam Holland entgegen, der mit großem Vorsprung das Feld anführt und den Marathon in 2:35:03 gewinnen wird – auch zwischen dem 2. und 3. Läufer ist jede Menge Luft.

Am Wendepunkt bei KM17,5 gibt es nicht etwa Zeitmessmatten (allerdings das erste und einzige Mal Bananenstücke) – alle Startnummern werden von zwei Ordnern notiert, bevor es auf gleichem Weg zurück geht.

Die erste Zeitmessung erfolgt zur Halbmarathon-Marke, die ich bald erreicht habe. Plötzlich sehe ich einen Läufer unweit vor mir taumeln und zu Boden fallen. Ich stocke kurz, ziehe dann das Tempo an, um ihm zu Hilfe zu eilen. Es ist jetzt wirklich heiß geworden. Doch er berappelt sich sofort und ist anscheinend nur über die Matte gestolpert. Alles gut.

Bisher bin ich nur nach Gefühl gelaufen, ohne auf meine Laufuhr zu schauen, doch beim Überqueren dieser Halbmarathon-Matte riskiere ich einen ersten Blick. Die Streckenhälfte ist immer der Punkt, an dem ich mich frage, ob ich richtig Bock auf “nochmal soviel” habe… Hab’ ich, und wie! 1h39 auf 21,098km – die Zwischenzeit nehme ich relativ emotionslos zur Kenntnis. Sie ist im Vergleich zu meinen bisherigen Straßenmarathons weder besonders schlecht noch gut, für mich heute aber auch gar nicht relevant; sie dient nur zur Orientierung.

Noch vor einem halben Jahr konnte ich mich wegen einer Rückenverletzung kaum aufrecht halten, geschweige denn einen Fuß schmerzfrei vor den anderen setzen. Daran mag ich gar nicht zurückdenken und bin im Moment einfach dankbar, dass mein Körper wieder funktioniert. Auch dass ich mir vor einer Woche bei einem Sturz das Steißbein geprellt habe, ist für den Moment vergessen. Links, rechts, links, rechts… Ich genieße das lockere Weiterlaufen.

Bei KM22 ist die Landstraße wieder erreicht.

ZYPERN MARATHON – WÄRME & ZUSCHAUER

Die Temperaturen haben zwischenzeitlich deutlich zugelegt, und auch der Verkehr ist mehr geworden. Wir passieren ein paar Orte, und ich nutze jede Getränkestelle, trinke und schütte mir das restliche Wasser über den Kopf. Zwei meiner drei mitgebrachten Datteln habe ich schon gegessen, und jetzt bereue ich, vorhin nur kurz an einem Gel genippt und es dann weggeworfen zu haben. Ich bin kein Fan von Gels, doch das schmeckte tatsächlich gut… Leider gibt es nur zwei Verpflegungsstellen mit Gels: bei KM17,5 (vorbei) und KM33 (das dauert noch, und ich hab’ mich nicht informiert und nur noch ein paar Gummibärchen dabei… Anfängerfehler).

Zuschauer gibt es kaum am Streckenrand, doch die gelben Kilometerschilder strahlen mich an… Ich hab’ zwar Hunger aber gute Laune – endlich wieder lange laufen!

Die Kilometer steigen über 30 (die Temperaturen gefühlt auch), und irgendwann in einem kleinen Industriegebiet erreichen wir den Wendepunkt, der auch für die Halbmarathonis gilt, die nach uns gestartet sind. Das heißt, es sind noch genau 10,55km zu laufen, denn die beiden Strecken sind ab hier identisch. Ich fliege an vielen, mal mehr mal weniger athletischen Körpern vorbei.

ZYPERN MARATHON – EIN MOMENT, DER IN ERINNERUNG BLEIBT

Schon ziemlich von Beginn an war ich die 2. Frau im Marathon. Die Erste hatte ich zwar immer im Blick, wollte aber meinen Rhythmus nicht aufgeben und ließ uns beide erstmal einfach laufen. Hier nun jenseits der 30km, zwischen all den anderen Läufern, knickt die Führende plötzlich ein… Im selben Moment, als ich sie überhole, um den 1. Platz zu übernehmen, werde ich selbst von der bis dahin 3. Frau überholt… Beides passiert in Sekundenbruchteilen. Völlig ungläubig über die Aussicht auf die Führung, will ich der zuvor Ersten noch aufmunternde Worte mitgeben, werde aber zeitgleich ebenso überrascht von der von hinten heranrauschenden Britin, die bestens gelaunt mit ihrem Laufpartner schnattert. 😀 Ich gratuliere ihr noch zu ihrer Energie, worauf sie etwas über den kraftraubenden Wind erwidert, dann aber weiterzieht und die Führung auch halten kann.

Wie gewonnen, so zerronnen – ich bleibe also Zweite. Einer der Ordner verspricht mir kurz darauf zwar lautstark und motivierend eine große Portion Eiscreme, wenn ich die Britin noch schnappe, doch mir fällt es schwer, die Pace anzuziehen. An dieser Stelle bereue ich besonders, nicht mehr Eigenverpflegung für die Energieversorgung und den entscheidenden Push mitgenommen zu haben.

ZYPERN MARATHON – ENDSPURT

Am KM36 Wendepunkt gibt es die letzte volle Getränkestelle. Ich wage kaum, in die Gesichter meiner “Verfolger” zu blicken. Den 2. Platz bei den Frauen will ich mir nicht nehmen lassen, daher gebe ich Gas, so gut es geht.

Ich überhole einen Mann in einem “I hate running” T-Shirt. Das Motto des Zypern Marathons lautet: “Run in the Logicom Cyprus Marathon to fall in love with running!”, und ich bin voller Laufliebe, als ich ihm dankend zulächel, weil er mir Platz gemacht hat.

Kurz vor KM39 erreichen die Läufer die großen Hotelanlagen. Je näher man dem Zentrum Paphos’ kommt, desto zahlreicher und lauter werden die Zuschauer.

Ich erblicke Anja und Ekavi, die mich vor unserem Hotel lautstark anfeuern und mir einen Rest Cola reichen – hhhhmmm, noch nie tat warme, abgestandene Cola so gut! Ich denke an das sagenhafte Frühstücksbuffet und freue mich auf das herannahende Ziel.

Die letzten Kilometer führen entlang der Promenade: rechts gut gefüllte Terrassen der Restaurants und Cafés (ich blicke in viele lächelnde Gesichter und höre die Zuschauer applaudieren), links das Meer, gar nicht mehr weit vorn die Burg, das Ziel.

Fieser Fact: 400m vor dem Ziel geht es eine Rampe hoch und noch mal im Bogen um einige Gebäude herum… aber dann fliegt man direkt neben dem Fort über die Zielgerade.

ZYPERN MARATHON – FINISH

Als ich im Ziel die Medaille umgehängt bekomme, bin ich sehr zufrieden mit meinem Silberrang, und auch meine Zielzeit (03:24:52) ist unter Berücksichtigung des warmen und windigen Wetters, meines Energielochs (selbst Schuld…) und der hügeligen Strecke voll akzeptabel.

Oliver fällt mir auch sofort um den Hals, unsere Medaillen klingen zusammen – er hat die 10km gerockt! Kurz darauf stößt unser Halbmarathoni Klaus dazu. Alle sind gut drauf.

Zur Erfrischung gibt es im Zielbereich Bier, Saft und Früchte. Auch Massagetische stehen bereit. Die Atmosphäre am Hafen ist ausgelassen – strahlender Sonnenschein und glückliche Läuferinnen und Läufer.

Nach und nach findet sich unsere Gruppe wieder zusammen. Christian konnte mit einer Zeit von knapp über 3h beim Marathon in die Top10 der Männer laufen, und auch alle anderen sind zufrieden.

Die Siegerehrung erfolgt sehr spät. Mit dem 10km Lauf wird begonnen, im Anschluss gibt es die Halbmarathonwertung. Bis zur Ehrung der Marathonis wird gewartet bis der letzte Läufer im Ziel ist. Da neben den Top3 auch die Altersklassenwertung und Mannschaftswertung erfolgt, zieht sich die Prozedur. Über 150 Pokale werden verteilt, und die Mittagssonne lacht, als ich endlich aufs Treppchen hüpfen darf. (Anmerkung: Wer in die gesamt Top3 gelaufen ist und dadurch bereits aufs Podium kam, wird von der Altersklassenwertung ausgenommen.)

Alle Ergebnisse des Marathons findet man hier.

Den frühen Nachmittag verbringt unsere Gruppe zunächst gemeinsam auf der sonnigen Terrasse eines Hafenrestaurants – yeah, Essen!! Später erholt sich jede/r auf eigene Art in der Hotelanlage: die meisten genießen die Spätnachmittagssonne auf dem Balkon, Christian testet die Sauna, und ich freue mich, an einem Stretch & Relax Kurs vom Training Camps Zypern teilnehmen zu dürfen – unter Palmen im Gras, mit Vorfreude auf das Abendbuffet, perfekt! Wie gern würde ich noch bleiben…!

ZYPERN MARATHON – FAZIT

Zypern ist sicherlich eine Laufreise wert – besonders wenn wir norddeutschen Läufer uns nach einem dunklen Winter auf den Frühling freuen. Neben den milden Temperaturen ist die abwechslungsreiche Landschaft, die Begeisterung der Menschen und ihre Gastfreundschaft sowie das zypriotische Essen wie Balsam für die Seele.

Auch das Event hat mir sehr gut gefallen. Gerade wenn man als Gruppe anreist, ist es toll, dass hier mehrere Distanzen angeboten werden – so kann jede/r die Strecke wählen, die einem am besten passt. Beim Marathon sieht man natürlich am meisten von der Landschaft. 🙂 Ich fand die fast familiäre Atmosphäre aufgrund der überschaubaren Teilnehmerzahl (etwa 3.500 Läufer über alle Distanzen) total angenehm. Man kann davon ausgehen, weite Strecken teilweise ganz allein zu laufen. Auch Zuschauern begegnet man als Marathoni erst auf den letzten drei Kilometern, wenn die ersten Hotels erreicht sind und man in Paphos‘ Zentrum einläuft. Die Strecke war sehr gut markiert, die Streckensicherung muss allerdings verbessert werden. Auf Hauptverkehrsstraßen bewegen sich die Läufer ungeschützt am Straßenrand neben Autos und LKWs fort. Die Wasserversorgung alle 3km war spitze. Ich hätte mir lediglich etwas mehr Iso/Gels/Bananen gewünscht – beim nächsten Mal nehme ich mehr Eigenverpflegung mit als drei Datteln und ein paar Gummibärchen. 😉

ZU GUTER LETZT – DREI DINGE, DIE MAN WISSEN SOLLTE, WENN MAN AUF ZYPERN LAUFEN MÖCHTE

  1. Sonnenschutz ist Pflicht. Durch den Wind kann man die Kraft der Sonne leicht unterschätzen.
  2. Augen auf im Straßenverkehr! Auf Zypern fährt und läuft man auf der linken Seite.
  3. Ihr könnt noch so viel Laufen – Abnehmen könnt ihr vergessen, zu gut ist die zypriotische Küche und Gastfreundschaft.

Ich freue mich schon sehr darauf, bei einem nächsten Besuch auf Zypern die Trails im Landesinneren zu erkunden. Die Insel ist klein, die Wege sind kurz, und somit kommt man schnell vom Meer in die Wälder und Berge. Was will ein Läufer mehr? “JOIN US FOR WINTER SUN, RUN & HAVE FUN!”

Disclaimer: Wir wurden zu dieser Recherchereise vom Cyprus Tourism Office eingeladen. Alle Meinungen und Berichte sind jedoch unsere eigenen.