Landshut ist die Stadt, die viele auf dem Weg von München nach Regensburg links liegen lassen, und das ist ein Fehler. Die wichtigsten Landshut Sehenswürdigkeiten liegen alle in einem Altstadtkessel, den du in zwei Stunden zu Fuß abgehen kannst: eine Herzogsburg über der Stadt, der höchste Backsteinkirchturm der Welt und eine Prachtstraße mit bunten Giebelhäusern, die eher nach Norditalien aussieht als nach Niederbayern.
Wir waren für diesen Artikel selbst noch nicht in Landshut. Was hier steht, ist deshalb sauber recherchiert statt selbst erlebt: Preise, Öffnungszeiten und Adressen haben wir im August 2026 direkt bei den Betreibern geprüft, und genau dabei sind zwei Dinge aufgefallen, die in fast jedem anderen Landshut-Artikel noch falsch stehen. Dazu unten mehr.
Landshut auf einen Blick
- Wo: Niederbayern, an der Isar, gut 70.000 Einwohner
- Anfahrt: rund 45 Bahnminuten ab München, etwa 1 Stunde ab Regensburg
- Wahrzeichen: Burg Trausnitz und die Stiftsbasilika St. Martin
- Zeitbedarf: ein halber Tag reicht für die Altstadt, ein ganzer mit Burg und Museen
- Beste Zeit: Frühling und Frühherbst; alle vier Jahre im Sommer die Landshuter Hochzeit
- Besonderheit: zwei der bekanntesten Ziele sind aktuell nur eingeschränkt zu besichtigen
Wer Regensburg kennt: Landshut ist kompakter, deutlich weniger überlaufen und hat mit der Altstadt eine einzelne Straße, die als Ensemble mehr hermacht als die meisten ganzen Innenstädte.
1. Burg Trausnitz: das Wahrzeichen über der Stadt
Die Burg Trausnitz steht seit 1204 auf dem Hofberg und ist der Grund, warum Landshut überhaupt Landshut heißt. Von der Terrasse siehst du die komplette Altstadt von oben, mit dem Martinsturm als Fixpunkt.
Sehenswert ist vor allem die Narrentreppe, ein Treppenhaus, das im 16. Jahrhundert mit lebensgroßen Figuren der italienischen Commedia dell’arte bemalt wurde. Dazu kommt die Kunst- und Wunderkammer, ein Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums.
Ein Detail, das die Planung entscheidet: Von Montag bis Samstag kommst du nur mit Führung in die Burg. Nur sonntags und an Feiertagen darfst du allein durchgehen. Die Kunst- und Wunderkammer ist immer ohne Führung zugänglich.
Praxis (Stand 08/2026): Burg Trausnitz 168 · März bis September 9 bis 18 Uhr, Oktober bis März 10 bis 16 Uhr, täglich · 6 €, ermäßigt 5 €, unter 18 Jahren frei · geschlossen am 1. Januar, Faschingsdienstag sowie 24., 25. und 31. Dezember · schloesser.bayern.de
2. Stiftsbasilika St. Martin: der höchste Backsteinturm der Welt
130,08 Meter. Das ist keine gerundete Marketingzahl, sondern das Ergebnis einer Vermessung von 2015, vorher standen jahrzehntelang 131 bis 133 Meter in den Büchern. Damit ist der Turm von St. Martin der höchste Backsteinturm der Welt und zugleich der höchste Kirchturm Bayerns. Gebaut wurde er zwischen 1385 und etwa 1500, also über vier Generationen hinweg.
Und hier die Information, die in vielen Reiseartikeln fehlt: Der Turm kann nicht bestiegen werden. Die Pfarrei schreibt dazu unmissverständlich: „Eine Besichtigung des Turms der Martinskirche ist nicht möglich. Der Zugang genügt nicht den heutigen Standards der Verkehrssicherheit.“ Wenn du also mit dem Plan anreist, oben zu stehen, plane um. Als Ersatz gibt es eine virtuelle Turmbesichtigung auf der Seite der Pfarrei.
Die Kirche selbst ist geöffnet und lohnt sich: ein hoher, schmaler gotischer Raum mit einem Netzgewölbe, das den Blick nach oben zieht.
Praxis: Kirchgasse 227 · geöffnet 7:30 bis 17 Uhr im Winter, bis 18:30 Uhr im Sommer · Eintritt frei
3. Die Altstadt: die Prachtstraße, nicht das Viertel
„Altstadt“ ist in Landshut der Name einer einzelnen Straße, nicht des Viertels. Das verwirrt bei der Anreise regelmäßig, ist aber der Kern des Ganzen: ein rund 500 Meter langer, an der breitesten Stelle 25 Meter weiter Straßenraum, links und rechts gesäumt von Giebelhäusern in Ocker, Rosé, Grün und Blau.
Die Häuser stammen überwiegend aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Weil die Straße leicht geschwungen verläuft, siehst du nie das ganze Ensemble auf einmal, sondern immer nur den nächsten Abschnitt. Das ist der Grund, warum Fotos von Landshut selten wiedergeben, wie der Ort tatsächlich wirkt.
4. Die Neustadt: die ruhigere Schwester
Parallel zur Altstadt verläuft die Neustadt, ebenfalls eine Straße und ebenfalls mittelalterlich, trotz des Namens. Sie ist schmaler, weniger herausgeputzt und deutlich leerer. Wer die Altstadt fotografiert hat und dann feststellt, dass überall Menschen im Bild sind, geht eine Gasse weiter.
5. Stadtresidenz: der Palast, den du gerade nicht sehen kannst
Die Stadtresidenz ist der erste Renaissancepalast nördlich der Alpen, gebaut ab 1536 nach italienischem Vorbild. Sie steht mitten in der Altstadt und wäre eines der stärksten Ziele der Stadt.
Sie ist zurzeit geschlossen. Auf der Seite der Bayerischen Schlösserverwaltung steht wörtlich: „Aufgrund von Baumaßnahmen kann die Stadtresidenz Landshut bis auf Weiteres leider nicht besichtigt werden.“ Kein Enddatum, kein Ausweichprogramm. Viele Listen führen die Stadtresidenz weiterhin als Höhepunkt mit Öffnungszeiten. Wenn du danach planst, stehst du vor verschlossener Tür.
Von außen ist die Fassade an der Altstadt 79 trotzdem sehenswert.
6. Rathausprunksaal: der Hochzeitszug an der Wand
Im Landshuter Rathaus liegt ein neugotischer Saal, dessen Wände umlaufend den Festzug der Landshuter Hochzeit von 1475 zeigen. Vier Münchner Maler haben ihn im späten 19. Jahrhundert ausgeführt. Wenn du das Fest selbst nicht erwischst, ist das hier die zweitbeste Möglichkeit, es zu sehen.
Praxis: Altstadt 315 · Montag bis Freitag 14 bis 15 Uhr, nicht an Feiertagen · 3 € (seit März 2026, vorher frei), Kinder bis 12 Jahre frei
7. KOENIGmuseum: der Bildhauer hinter „The Sphere“
Fritz Koenig war Landshuter, und sein bekanntestes Werk stand bis 2001 auf der Plaza des World Trade Centers: die „Kugelkaryatide“, international als „The Sphere“ bekannt. Sie überstand den Einsturz der Türme beschädigt und wurde zum Mahnmal.
Das KOENIGmuseum am Hofberg zeigt sein Werk im Zusammenhang. Und es hat ein Argument, das man selten schreiben kann: Seit dem 21. März 2026 ist der Eintritt frei.
Praxis: Am Prantlgarten 1 · Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr · Eintritt frei
8. LANDSHUTmuseum und KASiMiRmuseum: Stadtgeschichte und Pumuckl
Das LANDSHUTmuseum am Alten Franziskanerplatz erzählt die Stadtgeschichte und kostet ebenfalls keinen Eintritt. Im selben Haus sitzt das KASiMiRmuseum, das Kinder- und Jugendmuseum.
Dort läuft die Pumuckl-Ausstellung, der Grund, warum sehr viele Menschen „Pumuckl Museum Landshut“ googeln. Für die Ausstellung gilt ein eigener Tarif.
Praxis: Alter Franziskanerplatz 483 · Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr · LANDSHUTmuseum Eintritt frei · KASiMiRmuseum 8 € Erwachsene, 6 € ermäßigt, 4 € Kinder von 6 bis 17 · Pumuckl-Dauerkarte 25 € Erwachsene, 20 € ermäßigt, 15 € Kinder
9. Röcklturm und Isarpromenade
Der Röcklturm ist ein Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung, direkt an der Isar. Im Erdgeschoss sitzt ein Literaturcafé, davor liegt eine Wiese mit Liegestühlen. Das ist der Ort, an dem Landshut aufhört, Sehenswürdigkeit zu sein, und anfängt, Stadt zu sein.
10. Ländtor: das letzte Stadttor
Von den einst mehreren Stadttoren steht am Ländtorplatz noch eines. Es ist der sauberste Punkt, um sich klarzumachen, wo die mittelalterliche Stadt endete, denn die Altstadt beginnt direkt dahinter.
11. Mühleninsel: die Insel in der Isar
Die Isar teilt sich in Landshut, und dazwischen liegt die Mühleninsel. Ein schmaler, grüner Streifen mit Wegen am Wasser, Spielplatz und Blick zurück auf die Silhouette der Altstadt. Für eine Pause zwischen zwei Programmpunkten der naheliegende Ort.
12. Hof- und Herzoggarten: der Weg zur Burg
Wer nicht die direkte Treppe zur Burg Trausnitz nimmt, geht durch den Hof- und Herzoggarten hinauf. Der Weg ist länger, dafür schattig, und du bekommst die Stadt beim Aufstieg mehrfach von verschiedenen Punkten zu sehen.
Die Landshuter Hochzeit: der Termin, auf den alles zuläuft
Alle vier Jahre spielt Landshut die Hochzeit von Herzog Georg dem Reichen mit der polnischen Königstochter Hedwig aus dem Jahr 1475 nach, mit mehreren tausend Laiendarstellern in historischen Kostümen, seit 1903.
Der nächste Termin steht fest: 25. Juni bis 18. Juli 2027. Wer das erleben will, sollte Unterkunft und Karten früh buchen; die Stadt ist in diesen Wochen ausgebucht, und Parkplätze wie die Grieserwiese sind belegt.
Dazwischen gibt es zweimal im Jahr die Dult auf der Grieserwiese, das niederbayerische Volksfest im Frühjahr und im Spätsommer. Alle Details und den Kartenvorverkauf findest du auf landshuter-hochzeit.de.
Führungen und Touren ab Landshut
Landshut hat ein ungewöhnlich dichtes Führungsangebot, das sich in einem Punkt von anderen Städten unterscheidet: Die meisten Touren sind private Gruppentouren mit einem Festpreis für die ganze Gruppe, nicht Einzeltickets. Für zwei Personen lohnt sich das selten, für eine Familie oder eine Reisegruppe dagegen deutlich.
Landshut Highlights-Tour. Der klassische Rundgang durch die Altstadt mit Rathausprunksaal und St. Martin, für kleine Gruppen bis 15 Personen. Angebote ansehen*
Kulinarische Tour. Die einzige Tour im Angebot, die pro Person abgerechnet wird und damit auch für zwei Reisende funktioniert. Sie führt zu Lokalen und Produzenten abseits der Altstadt-Hauptachse. Angebote ansehen*
Nachtwächter- und Henkertour. Zwei kostümierte Abendführungen durch die Gassen, thematisch auf Stadtgeschichte und Gerichtsbarkeit zugespitzt. Beides Gruppentouren. Angebote ansehen*
Wer lieber ohne Buchung losgeht: Die Tourist-Information im Rathaus (Altstadt 315) bietet öffentliche Stadtführungen an, für die keine Gruppe nötig ist.
Praktische Infos für deinen Besuch
Anreise. Mit der Bahn ab München rund 45 Minuten, ab Regensburg etwa eine Stunde. Vom Hauptbahnhof sind es gut 15 Gehminuten in die Altstadt. Mit dem Auto über die A92 München bis Deggendorf.
Parken. Die Altstadt ist weitgehend autofrei, du parkst außen herum:
- Parkhaus Zentrum, Badstraße 1, 270 Plätze: 2,30 € je angefangene Stunde zwischen 6 und 19 Uhr, Tageshöchstsatz 14 €, nachts pauschal 7 € (Stand 01.07.2026)
- Parkhaus An der Freyung, Gestütstraße 1, 184 Plätze: 1,20 € je Stunde, Tageshöchstsatz 8,50 €
- Grieserwiese an der Isar, über 2.000 Plätze: die günstigste Variante und ein kurzer Fußweg über die Brücke. Während Dult und Landshuter Hochzeit steht der Platz nicht zur Verfügung.
Wie lange bleiben. Für Altstadt, St. Martin und einen Blick von oben reicht ein halber Tag. Wenn du die Burg mit Führung machst und ein Museum mitnimmst, wird es ein voller Tag. Als Übernachtungsstopp ist Landshut vor allem für Radler auf dem Isar-Radweg interessant, der von München kommend hier eine natürliche Etappe hat. Unterkünfte gibt es dafür ausreichend, von Hotels in der Altstadt bis zu Ferienwohnungen am Rand*.
Tourist-Information. Altstadt 315, im Rathaus. April bis Oktober Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 9:30 bis 15 Uhr; November bis März Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag 9:30 bis 14 Uhr. Alle aktuellen Angaben auf erleben.landshut.de.
Ausflugsziele in der Umgebung
Landshut liegt günstig für Kombinationen. Regensburg mit seiner Steinernen Brücke ist eine knappe Stunde entfernt, Passau als zweite große Stadt Niederbayerns gut anderthalb. Richtung Süden erreichst du München in unter einer Stunde, und wer im Bäderdreieck unterwegs ist, hat mit Bad Füssing das größte Thermalbad Europas in Reichweite.
Eine Einordnung im größeren Zusammenhang findest du in unserer Übersicht der schönsten Städte in Bayern.
Fazit
Landshut ist eine Stadt, die man an einem Tag versteht und trotzdem nicht so schnell vergisst. Die Kombination aus Burg, Rekordturm und einer einzelnen, außergewöhnlich breiten Prachtstraße gibt es so kein zweites Mal in Bayern, und weil die Stadt zwischen München und Regensburg liegt, ist sie deutlich ruhiger als beide.
Zwei Dinge solltest du vor der Anreise wissen, weil sie fast überall falsch stehen: Der Turm von St. Martin ist nicht begehbar, und die Stadtresidenz ist wegen Bauarbeiten geschlossen. Wer damit plant, hat den Tag trotzdem voll. Wer es nicht weiß, ärgert sich zweimal.
Mehr Bilder aus Bayern und dem Rest unserer Touren findest du auf unserem Instagram.
Häufige Fragen zu Landshut
Was muss man in Landshut gesehen haben?
Die drei Pflichtziele sind die Burg Trausnitz über der Stadt, die Stiftsbasilika St. Martin mit dem höchsten Backsteinturm der Welt und die Altstadt, die in Landshut der Name einer einzelnen Prachtstraße ist. Alle drei liegen zu Fuß beieinander und lassen sich in einem halben Tag verbinden.
Kann man den Turm von St. Martin in Landshut besteigen?
Nein. Der Turm ist für die Öffentlichkeit gesperrt, weil der Aufgang die heutigen Anforderungen an die Verkehrssicherheit nicht erfüllt. Die Kirche selbst ist geöffnet, und die Pfarrei bietet online eine virtuelle Turmbesichtigung an.
Ist Burg Landshut die Burg in Landshut?
Meistens nicht. Unter dem Namen Burg Landshut ist vor allem die Burgruine über Bernkastel-Kues an der Mosel bekannt. Die Burg in der Stadt Landshut heißt Burg Trausnitz.
Wann ist die nächste Landshuter Hochzeit?
Vom 25. Juni bis 18. Juli 2027. Das Fest findet alle vier Jahre statt und stellt die Hochzeit von 1475 mit mehreren tausend Mitwirkenden nach.
Gibt es in Landshut ein Pumuckl-Museum?
Es gibt eine Pumuckl-Ausstellung im KASiMiRmuseum am Alten Franziskanerplatz 483, dem Kinder- und Jugendmuseum im Haus des LANDSHUTmuseums. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.
Kann man die Stadtresidenz Landshut besichtigen?
Derzeit nicht. Sie ist wegen Baumaßnahmen bis auf Weiteres geschlossen. Die Fassade an der Altstadt 79 ist weiterhin frei zugänglich.
Was kostet Parken in Landshut?
Im Parkhaus Zentrum 2,30 Euro je angefangene Stunde mit 14 Euro Tageshöchstsatz, im Parkhaus An der Freyung 1,20 Euro je Stunde mit 8,50 Euro Tageshöchstsatz. Am günstigsten ist der große Platz auf der Grieserwiese an der Isar.
Wie lange sollte man in Landshut bleiben?
Ein halber Tag reicht für Altstadt und Kirche. Mit Burgführung und einem Museum wird ein ganzer Tag daraus. Zum Übernachten lohnt Landshut vor allem als Etappe auf dem Isar-Radweg.
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