Dragør ist ein altes Seefahrer- und Lotsenstädtchen an der Südspitze der Insel Amager in Dänemark, nur 12 Kilometer vom Kopenhagener Rathausplatz entfernt. Die Altstadt mit gelben Häusern, Kopfsteinpflaster und Stockrosen gehört zu den besterhaltenen des Landes. Dazu kommen ein alter Hafen mit Lotsenturm, ein Seefort und das Nachbardorf Store Magleby, in dem sich im 16. Jahrhundert niederländische Bauern niederließen.
Judith und ich waren im Juli 2018 in Dragør, als Zwischenstopp mit dem Auto auf dem Weg nach Schonen in Schweden. Ein paar Stunden am späten Nachmittag und Abend sind wir geblieben: erst am Hafen, dann in den Gassen der Altstadt und zum Schluss noch einmal am Wasser. Im Museum, am Fort und in Store Magleby waren wir nicht. Was du dort erwarten kannst, steht trotzdem hier, mit Öffnungszeiten und Preisen, dazu alles zu Anfahrt und Parken.
Dragør auf einen Blick
- Lage: Südspitze der Insel Amager, 12 km vom Kopenhagener Rathausplatz, gleich hinter dem Flughafen Kastrup
- Bekannt für: gelbe Altstadt mit 76 denkmalgeschützten Häusern, alter Hafen mit Lotsenturm, Dragør Fort, das Hollænderdorf Store Magleby
- Zeit einplanen: 2 bis 3 Stunden für Altstadt und Hafen, mit Museen, Fort und Store Magleby einen ganzen Tag
- Anreise: Auto, rund 25 Minuten ab Kopenhagen und 15 Minuten vom Flughafen, oder mit Bus und Bahn
- Beste Zeit: Sommer, wenn die Stockrosen blühen. Die Museen öffnen vor allem von Mai bis September
- Unser Eindruck: hübsch, aber klein, gut als Zwischenstopp
Die Altstadt von Dragør: gelbe Häuser und Stockrosen
Dragørs Altstadt ist klein, in einer Dreiviertelstunde waren wir einmal durch. Die Häuser sind niedrig, meist gelb gestrichen, mit roten Ziegeln oder Reet gedeckt und in Reihen aneinandergebaut. Dazwischen laufen schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster, aus dessen Fugen im Sommer Stockrosen wachsen. 76 Häuser stehen unter Denkmalschutz. Zusammen mit den alten Gebäuden am Hafen ist das laut der Stadt die größte Ansammlung geschützter Häuser in einer dänischen Kleinstadt.
Ihr Gesicht bekam die Stadt in drei Phasen des Wohlstands, als Heringsfang, Handel und Seefahrt Geld brachten: um 1770, um 1830 und um 1890. Die meisten Männer fuhren als Schiffer oder Matrosen zur See, viele Frauen verdienten mit Weben und Bleichen dazu. Auf manchen Dächern sitzen noch die „Kikkenborge“, kleine Ausguck-Gauben mit Fenster, aus denen man nach den Schiffen draußen Ausschau hielt. Maler wie C. W. Eckersberg und Julius Exner haben Motive aus Dragør gemalt. Wer Sønderho auf Fanø kennt, findet hier etwas Ähnliches: ein altes Schifferdorf, in dem fast jedes Haus noch so aussieht wie zur großen Zeit der Seefahrt.
Durch die Altstadt sind wir ab etwa sieben Uhr gebummelt. Es war ein sehr warmer Tag, die Sonne warf lange Schatten, und die gelben Fassaden leuchteten warm. An den Hauswänden lehnten Fahrräder, vor den Türen standen Blumentöpfe, und zwischen den Ziegeldächern tauchte immer wieder ein Reetdach auf. Hübsch ist der Ort, das kann man nicht anders sagen. Ich fand ihn allerdings auch recht klein und hatte mir einen Ticken mehr erwartet.



Die Leute wohnen hier, die Altstadt ist kein Museum. Die Stadt bittet deshalb darum, auch beim Fotografieren auf Straßen und Wegen zu bleiben.
Badstuevælen
Badstuevælen ist ein Platz mit Bäumen und Sandboden, an dem unsere Runde durch die Altstadt begann. Seine unregelmäßige Form hat einen Grund: Hier war bis weit ins 19. Jahrhundert die Lehmgrube des Orts, aus der die Bewohner das Material für ihre Lehmhäuser holten. „Væl“ ist ein altes niederländisches Wort für Wasserloch.

Kongevejen
Die Kongevejen ist die Hauptgeschäftsstraße der Altstadt, hier haben wir unseren Abend begonnen. Gepflastert wurde sie 1790. Ein alter Meilenstein mit dem Monogramm von König Christian VII. verkündet seit 1789, dass es von hier 1,5 Meilen bis Kopenhagen sind. An einem der Läden hing eine Kreidetafel mit „Køb en kaffe og lån en hynde“: Kauf einen Kaffee und leih dir ein Kissen.

Fotospots in den Gassen
Einige unserer Fotos sind in den Gassen um die Strandstræde entstanden: ein Fahrrad mit einer Carlsberg-Kiste als Korb, Kletterpflanzen an den Wänden, dazu die Stockrosen. Der Platz Jens Eyberts Plads gilt laut der Stadt als der malerischste der Altstadt. Mit dem Licht hatte ich an diesem Tag allerdings zu kämpfen: Die Sonne war grell und hat geblendet, das hat mich beim Fotografieren ein bisschen genervt. Bei weicherem Licht, morgens oder mit ein paar Wolken, hast du es mit der Kamera leichter.
Der alte Hafen: Dragør Havn
Vom Hafen lebt Dragør seit dem Mittelalter. Damals war der Ort ein internationaler Heringsmarkt, von dem aus Kaufleute der Hanse den Fisch in mehrere Länder Europas verschifften. Zu den wichtigsten Seefahrtsstädten Dänemarks gehörte Dragør gleich zweimal: in der zweiten Hälfte des 18. und Ende des 19. Jahrhunderts. Der alte Teil des Hafens hat sich seit etwa 1850 kaum verändert. Heute gibt es noch ein paar Fischer und eine Lotsenstation, dazu Segelclubs, Museen und Restaurants.

Nach einem ersten Blick in die Kongevejen waren wir kurz nach sechs am Hafen. Das Wasser lag so still, dass sich die Boote darin spiegelten. Im Fischerhafen lag ein rostiger Kutter neben einem lackierten Holzboot, auf der Mole stehen rote Holzhäuser mit weißen Toren. Am gelben Giebelhaus des Segelclubs Dragør Sejlklub mit der Aufschrift „Café“ lehnten Fahrräder, davor blühten Stockrosen. Außerdem lag ein Katamaran mit Regenbogensegeln an einem Steg.


Lotsen gibt es in Dragør seit 1684. Der Lotsenturm Lodstårnet ist knapp 16 Meter hoch und das höchste Gebäude am Hafen. Gebaut wurde er 1920, weil das neue Fort den Lotsen die Sicht auf die Fahrrinne Drogden versperrte. Südlich davon liegt der Stejleplads, ein Wald aus Holzpfählen, an denen die Fischer ihre Netze zum Trocknen und Flicken aufhängten. Ab und zu wird er noch genutzt. Daneben stehen die Schuppen der Skurbyen, in denen Fischer und Handwerker bis heute arbeiten.
Im Hafen liegt außerdem der Fischkutter Elisabeth K571. Er brachte 1943 Jüdinnen und Juden in Sicherheit nach Schweden, ein Gedenkstein im nördlichen Teil des Hafens erinnert an die Flucht. Am Nordende des Öresunds liegt übrigens Helsingør mit Schloss Kronborg, dort wurde früher der Sundzoll kassiert.
Dragør Museum und Lodsmuseet
Das Dragør Museum steht in einem der ältesten Häuser der Stadt, nah am Hafen. Es erzählt von Seefahrt, Handel und dem Alltag im Fischerort, mit alten Schifferstuben. Gleich daneben zeigt das kleine Lodsmuseet die Lotsenstation mit Seekarten und Geschichten über die Arbeit auf dem Öresund. Beide gehören zum Verbund Museum Amager.
- Dragør Museum: Strandlinien 4. Geöffnet 1. Mai bis 30. September, Dienstag bis Sonntag 11 bis 16 Uhr. Erwachsene 75 Kronen, unter 18 Jahren frei
- Lodsmuseet: Gammel Havn 11. Geöffnet vom 20. Juni bis 9. August samstags und sonntags 14 bis 16 Uhr, Eintritt frei
Stand Oktober 2026, laut Museum Amager.
Abends am Steg
Zum Essen hatten wir uns irgendwo etwas zum Mitnehmen geholt, in Alu-Schalen. Was es war, weiß ich nicht mehr. Damit haben wir uns kurz nach sechs auf einen Holzsteg am Strandstien gesetzt, nordwestlich vom alten Hafen, und dort gegessen. Gegen acht, nach der Runde durch die Altstadt, saßen wir noch einmal am Wasser. Judith hat sich in die Abendsonne gesetzt, draußen auf dem Öresund war ein Frachter zu sehen. Gegen Viertel vor neun leuchteten die roten Holzhäuser auf der Mole vor dem Mastenwald der Marina, kurz darauf badeten an einem Steg noch Kinder.



Dragør Fort und der Strand im Süden
Dragør Fort liegt auf einer künstlichen Insel südlich des Hafens. Gebaut wurde es von 1910 bis 1915 als Teil der Seebefestigung Kopenhagens. Die Anlage ist rund 32.000 Quadratmeter groß, etwa 2.500 davon sind bebaut, teils als Kasematten. Platz war für 380 Mann.
Südlich vom Hafen beginnt der Sydstranden: ein fünf Kilometer langer Streifen bis Søvang mit Seen, Feuchtwiesen, Grasflächen und vielen Wegen zum Gehen und Radfahren. Die Strandwiesen stehen unter Naturschutz. Von dort schaust du auf die Öresundbrücke und eine der meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt. Unterwegs siehst du Graureiher, Graugänse, Kiebitze, Blässhühner und Weißwangengänse, mit Glück auch Seehunde, die sonst vor allem auf der Insel Saltholm liegen.
Zum Baden gibt es gleich südlich vom Hafen den flachen Mormorstranden und das Dragør Søbad, eine Badeanstalt mit Herren-, Damen- und gemeinsamem Bereich. Den Eingang findest du am Südende des Strands, betreut ist das Søbad vom 1. Mai bis 31. August. Auf dem Weg dorthin kommst du an der Gåserepublikken vorbei: Gänse halten die Leute in Dragør seit Jahrhunderten, früher wohnten sie mitunter sogar unter der Bank in der Stube.
Store Magleby und die Hollændergårde
Knapp drei Kilometer landeinwärts liegt Store Magleby, das „Holländerdorf“. Im 16. Jahrhundert siedelten sich hier niederländische Bauern an. Fast 300 Jahre lang lebten sie mit eigener Sprache, eigenen Rechtsregeln und eigenen Bräuchen, die sich von denen anderer dänischer Dörfer deutlich unterschieden. Das Dorf hat bis heute keinen Gürtel aus Einfamilienhäusern, sondern noch Dorfteich, alte Wegeführung und Felder fast ringsum. Die Kirche steht auf dem höchsten Punkt von Amager, ganze acht Meter über dem Meer. Zu Fastnacht wird hier noch „die Tonne geschlagen“, zu Pferd.
Die Hollændergårdene sind ein kleines Freilichtmuseum mit alten Höfen, Bauerngarten und Tieren, die man im Sommerhalbjahr streicheln darf. Gezeigt werden Trachten, Gesetze und Bräuche der niederländischen Bauern.
- Adresse: Hovedgaden 4, Store Magleby. Parkplatz hinter dem Museum in der Nordre Kinkelgade 18
- Geöffnet 2026: 1. Mai bis 28. Juni Mittwoch bis Sonntag, 1. Juli bis 9. August Dienstag bis Sonntag, 12. August bis 30. September Mittwoch bis Sonntag, jeweils 12 bis 16 Uhr. Dazu in den dänischen Herbstferien (12. bis 18. Oktober) und vom 21. November bis 20. Dezember mittwochs bis sonntags
- Eintritt: Erwachsene 75 Kronen, in der Sommerhochsaison und den Herbstferien 90 Kronen, unter 18 Jahren frei. Hunde dürfen nicht mit
Stand Oktober 2026, laut Museum Amager.
Gut zu wissen: Anfahrt, Parken und Zeit
Mit dem Auto: So sind wir gekommen. Vom Grenzübergang Padborg sind es rund 320 Kilometer und dreieinhalb Stunden, von der Fähre in Rødby rund 170 Kilometer und zwei Stunden. Aus der Innenstadt von Kopenhagen brauchst du etwa 25 Minuten, vom Flughafen Kastrup eine Viertelstunde. Nach Malmö über die Öresundbrücke sind es rund 40 Minuten, die Brücke kostet Maut.
Parken: Parkplätze gibt es laut der Stadt reichlich. Am Hafen liegt der Parkplatz Færgevej 12, von dort sind es rund 400 Meter bis zur Kongevejen.
Mit Bus und Bahn: Dragør ist auch ohne Auto erreichbar. Die schnellste Verbindung ab deinem Startpunkt zeigt der dänische Reiseplaner Rejseplanen.
Übernachten: Viele Besucher wohnen in Kopenhagen oder am Flughafen. Wenn du früh fliegst, ist eine Nacht in Dragør eine ruhige Alternative, Hotels und Ferienwohnungen in Dragør findest du bei Booking.com.*
Tourist-Information: im Besucherzentrum am Hafen, Gamle Havn 14, mit Museumsladen und Ticketverkauf. Aktuelle Infos auf visitdragoer.dk (Dänisch und Englisch).
Wie viel Zeit: Für Altstadt und Hafen reichen zwei bis drei Stunden. Mit Dragør Museum, Fort, Strand und Store Magleby wird ein ganzer Tag daraus.
Karte: Dragør und Umgebung
Lohnt sich Dragør? Unser Fazit
Dragør ist ein hübsches Städtchen und eine schöne Stadt in Dänemark, das kann ich nicht anders sagen. Ich fand es aber recht klein, hatte mir einen Ticken mehr erwartet, und für mich persönlich gibt es in Dänemark hübschere Städte. Meine Favoriten sind Kopenhagen, Odense und Ribe.
Als Zwischenstopp lohnt sich Dragør trotzdem: wenn du ohnehin in Kopenhagen bist, am Flughafen Kastrup ankommst oder abfliegst oder wie wir auf dem Weg nach Schweden bist. Für Gassen und Hafen reichen zwei bis drei Stunden, mit Museen, Fort und Store Magleby wird ein ganzer Tag daraus. Extra hinfahren würde ich deswegen nicht. Wenn es auf dem Weg liegt, würde ich wahrscheinlich noch einmal anhalten, vor allem für bessere Fotos als an diesem grellen Sommertag. Seitdem waren wir nicht wieder dort.
Weitere Ziele in Dänemark findest du bei unseren Dänemark Sehenswürdigkeiten. Mehr Fotos von unseren Reisen gibt es auf unserem Instagram.
Häufige Fragen zu Dragør
Wo liegt Dragør in Dänemark?
Dragør liegt an der Südspitze der Insel Amager, 12 Kilometer vom Kopenhagener Rathausplatz entfernt und gleich südlich des Flughafens Kastrup. Mit dem Auto brauchst du aus der Innenstadt etwa 25 Minuten.
Lohnt sich ein Ausflug von Kopenhagen nach Dragør?
Als kurzer Abstecher ja. Die Altstadt mit gelben Häusern und Kopfsteinpflaster gehört zu den besterhaltenen in Dänemark, und für Altstadt und Hafen reichen zwei bis drei Stunden. Der Ort ist allerdings klein, einen ganzen Tag füllst du nur mit Museen, Fort und Store Magleby.
Was kann man in Dragør machen?
Durch die Altstadt mit ihren 76 denkmalgeschützten Häusern laufen, am alten Hafen den Lotsenturm und die Fischerschuppen ansehen, das Dragør Museum besuchen, am Mormorstranden baden und ins Holländerdorf Store Magleby mit dem Freilichtmuseum Hollændergårdene fahren.
Kann man in Dragør baden?
Ja. Gleich südlich vom Hafen liegt der flache Mormorstranden und daneben das Dragør Søbad, eine Badeanstalt mit Herren-, Damen- und gemeinsamem Bereich. Betreut ist sie vom 1. Mai bis 31. August.
Was ist Dragør Fort?
Ein Seefort auf einer künstlichen Insel südlich vom Hafen, gebaut von 1910 bis 1915 als Teil der Seebefestigung Kopenhagens. Weil es den Lotsen die Sicht versperrte, bekam der Hafen 1920 einen eigenen Lotsenturm.
Wie viel Zeit sollte man für Dragør einplanen?
Für Altstadt und Hafen zwei bis drei Stunden. Mit Museum, Fort, Strand und Store Magleby einen ganzen Tag.
Noch mehr Reisetipps
- Kopenhagen Sehenswürdigkeiten: die Hauptstadt, eine knappe halbe Stunde entfernt
- Malmö Sehenswürdigkeiten: über die Öresundbrücke nach Schweden
- Helsingør: Schloss Kronborg am Nordende des Öresunds
- Louisiana Museum of Modern Art: Kunst und Skulpturenpark am Öresund
- Gilleleje: Fischerhafen und Reetdachhäuser an der Nordküste Seelands
- Fanø: Sønderho, ebenfalls ein altes Schifferdorf, an der Nordsee
- Dänemark Sehenswürdigkeiten: unsere Highlights aus ganz Dänemark
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