Werbung – Üblicherweise geht es bei den Wettkämpfen, an denen ich teilnehme, darum, möglichst schnell ins Ziel zu rennen und dabei so viele andere Läufer hinter sich zu lassen, wie man kann. Der Wettbewerbsgedanke steht im Vordergrund, und was am Ende zählt, ist eine starke Einzelleistung. Sich zu pushen und an persönlichen Bestmarken zu messen – ich liebe das. Ein ähnliches Kribbeln spüre ich, wenn ich mich neuen Herausforderungen stellen darf… Letzten Monat bot sich mir die Gelegenheit, bei einem Rennen der besonderen Art an den Start gehen: Tough Mudder 2019.

TOUGH MUDDER – MAL WAS ANDERES…

Von Tough Mudder hatte ich schon gehört und wilde Bilder im Kopf… Jetzt würde ich zum ersten Mal als Teilnehmer selbst herausfinden, dass diese Veranstaltung mehr ist als ein Hindernislauf, bei dem alle extrem dreckig werden. 

Willensstärke, Ausdauer, Mut und Kraft sollten auch bei dieser Herausforderung wichtige Voraussetzungen sein, doch Allem voran steht hier weder Zeitnahme noch Platzierung sondern Zusammenhalt und die Erfahrung im Team.

RAINBOW WARRIORS ODER GLÜCKSBÄRCHIES… WIR MACHTEN UNS DEN TOUGH MUDDER BUNT

In Kooperation mit dem Frucht-Nussriegel-Hersteller RAWBITE, zugleich ein Sponsor des Events, durfte ich für den Tough Mudder Berlin-Brandenburg am 31. August ein eigenes Team zusammenstellen. Im Rahmen eines Gewinnspiels habe ich dafür auf meinem Instagram Account @judijumper fünf Startplätze verlost. Zwei Mädel und drei Jungs waren die glücklichen Gewinner.

Und so traf ich mich am letzten Samstag im August mit einer Handvoll bunt zusammengewürfelter Mitstreiter auf dem Nebengelände des Lausitzrings im Oberspreewald. Im Vorfeld hatten wir uns über Instagram, WhatsApp und Co. abgestimmt, doch “offline” kannte ich bisher nur Lars (auch aus Hamburg und ähnlich sportverrückt wie ich). Annemarie, Hannes, Ilona, Lars, Sebastian und ich trafen wie verabredet um 9 Uhr, eine Stunde vor unserer zugewiesenen Startzeit, am RAWBITE-Pavillon aufeinander. Das “Hallo” war groß – erstmal ordentlich vorstellen, Gesichter und Namen merken, bevor’s zusammen auf die Strecke geht.

Natürlich nicht ohne Team-T-Shirts! Isabelle, meine Ansprechpartnerin und Projektleiterin bei RAWBITE, hatte für alle die passende Größe parat. Jede/r im Team schlüpfte in eine andere Farbe, die zugleich für eine Riegel-Sorte stand. Es gibt insgesamt acht leckere Geschmacksrichtungen. Mein Shirt war meinem Lieblingsriegel entsprechend cacao-braun. Annemarie wählte peanut-hellblau, Hannes apple-cinnamon-rot, Ilona cashew-orange, Lars ging in protein-pink und Sebastian in vanilla-berries-lila an den Start. Eine bunte Truppe, als Team erkennbar an dem RAWBITE-Logo auf der Brust. Wir verstanden uns auf Anhieb, alberten sofort rum, und schnell war klar, dass wir gemeinsam (und auch alle anderen mit uns) heute viel Spaß haben würden.

Tough Mudder-Team-RAWBITE

GUTER SNACK, GUTE LAUNE – BESTES ESSEN VOR, WÄHREND UND NACH DEM SPORT

Die zwei hübschen Mädel, die an unserem RAWBITE-Stand die Riegel mit Handschuhen und scharfen Messern auf Probierhäppchen-Größe zurechtschnitten, hatten alle Hände voll zu tun, denn Andrang und Appetit waren schon früh morgens groß. Nach und nach trafen die ersten Läufer der ersten Startwelle, die als “Tougher Mudder” als einzige mit Zeitmessung unterwegs waren, im Ziel ein. Alle brauchten einen natürlichen Energieschub. Auch wir stärkten uns für den Tag im Matsch und machten uns dann auf zum Einlass. Ich nahm sicherheitshalber (ich werde schnell hangry…) noch einen Riegel für unterwegs mit.

Tough Mudder-Stand

TOUGH MUDDER – EINMAL MIT ALLEM, BITTE!

Bei der Zusammenstellung und Anmeldung des Teams durfte ich entscheiden, auf welche Distanz wir gehen. Zur Wahl standen der Tough Mudder Classic, der das Herzstück aller Veranstaltungsformate bildet und eine Strecke von 14-16 km sowie 25 Hindernisse umfasst, oder die Kurzdistanz (Tough Mudder 5k) mit technisch weniger anspruchsvollen Hindernissen. Selbstverständlich wollte ich für unser Team das volle Erlebnis, und alle trauten sich die große Runde zu. 

Den genauen Streckenplan zeigt folgende Grafik (und falls ihr Bilder von allen Hindernissen sehen möchtet -die ich hier in einem bunten Durcheinander beschreiben werde- schaut einmal bei https://toughmudder.de/obstacles vorbei):

Tough Mudder-Strecke

“WER NICHT HÜPFT, DER IST KEIN MUDDER – HEY, HEY!”

Gestartet wurde in Wellen über den Tag verteilt, um Staus auf der Strecke zu vermeiden. Jede Startwelle kam in den Genuss eines gemeinsamen, angeleiteten WarmUps (Kniebeugen, Liegestütz…), welches abgeschlossen wurde mit dem Tough Mudder Pledge, einer Art Hausordnung, von allen zusammen gesprochen. Dabei knien sich alle Teilnehmer nieder und geben folgendes Gelöbnis ab:

Als Tough Mudder gelobe ich, dass…

…ich weiß, dass Tough Mudder kein Rennen ist, sondern eine Herausforderung.

…ich Teamwork und Teamgeist Vorrang vor meiner Streckenzeit gebe.

…ich nicht jammern werde – Jammern ist was für Kinder!

…ich meinen Mudder-Kameraden helfen werde, die Strecke zu bewältigen.

…ich alle Ängste überwinden werde.

NATÜRLICH GESCHMINKT, ODER WAS SOLL ALL DER MATSCH?

Dann sprinteten alle los… Wir sechs sahen zu, auf der Wiese hinter dem Start nah beieinander zu bleiben, um uns im Getümmel nicht sofort aus den Augen zu verlieren. Das wär’ was…!

Schon nach wenigen hundert Metern stürzten wir uns mit Anlauf in das erste “Feuchtgebiet”, ein solides 3m Matschloch mit einem 2,50m Matschberg am Ende. Es ist halt ein Matschlauf, und wir nutzten die Gelegenheit, mit den Fingern in die Pampe zu greifen, um uns für den folgenden Parcours zu “stylen”…

MakeUp dieser Art würde uns im weiteren Verlauf nie ausgehen, denn es folgten ähnliche Schminkstationen. Beim “Kiss of Mud 2.0” kriecht man z.B. unter Stacheldraht hindurch durch eine Schlammgrube, und auch das “Drecksloch” hält, was der Name verspricht. Ich kann nur jedem empfehlen, gut sitzende Trailrunning-Schuhe anzuziehen. Eine profilierte Sohle ist beim Tough Mudder Gold wert.

TOUGH MUDDER – ÄNGSTE ÜBERWINDEN

Schon direkt beim zweiten Hindernis (“Beifang”) begann mein Herz schneller zu schlagen… Es galt, durch ein riesiges Fischernetz, das fest auf dem Boden gespannt und zusätzlich mit Matten beschwert war, hindurchzukommen. Jetzt bloß keine Platzangst zulassen! Ich atmete tief durch, ging in leichten Unterarmstütz, stülpte mir die Last über und zog mich tapfer am Boden entlang. Um mich herum die anderen krabbelnden, kriechenden und schiebenden Körper… Ich blickte in ein fremdes aber lächelndes Gesicht, das neben mir her robbte, musste selbst auch grinsen, was mir half, Ruhe zu bewahren. Cool, geschafft! War doch gar nicht schlimm.

TOUGH MUDDER – TEAMWORK MAKES THE DREAM WORK

Am Ende dieses Tunnels aus engen Maschen tauchten meine Teamkameraden auch gerade wieder auf, und wir liefen geschlossen weiter. Die Stimmung war von Beginn an super. Alle lachten viel und genossen das schöne Wetter. 30 Grad und Sonne satt.

Auf dem zweiten Kilometer, einer kurzen Waldpassage, nahmen wir einander “Huckepack” – nicht etwa aus Langeweile… dies war eine weitere Aufgabe, für die sich jeweils zwei zusammentaten. Annemarie sprang als Erste auf meinen Rücken, und als auf halber Strecke gewechselt werden musste, hüpfte Ilona hinten auf. „Yee-Haw!“ Auch die anderen Zweierteams schwangen im Schweinsgalopp die Hufe.

Zurück auf der Wiese gönnten sich alle Matsch-Nerds auf den Erdhügeln und in den Gräben der “Mud Mile 2.0” eine Spa-Behandlung. Flatsch! Es geht doch nichts über einen schönen Gesichtsklatscher in eine Grube Matsch… Hannes machte ein paar Schlamm-Engel. Die ganze Pampe wurde am “Block Ness Monster” wieder abgespült. In diesem schlammigen Gewässer schafft man es nur mit Hilfe anderer Mudder, sich über die großen, rotierenden Barrieren hinweg zu bringen. Ich griff die helfenden Hände von einem Fremden, und als ich auf der anderen Seite angekommen war, tat ich dasselbe für meinen Nachfolger.

Tough Mudder-nass

Überhaupt kann man einige Hindernisse tatsächlich nicht alleine bewältigen.

“Texas Hold’Em” beispielsweise… Man muss drei Blöcke passieren, die im 45-Grad-Winkel ausgerichtet sind und fieserweise sogar wackeln. Also packt man einen Partner an den Händen, baut sowohl mit den Armen als auch mit den Beinen maximale Spannung auf, findet die Balance und bewegt sich dann mit möglichst synchronen Bewegungen Schritt für Schritt weiter. Das funktioniert nur, wenn man sich gegenseitig festhält, vertraut und die Bewegungen möglichst gut koordiniert – insbesondere bei den Übergängen. Ein cooles Teamhindernis! Danke fürs Teamwork, Sebastian!

Auch die drei “Berlin Walls” sind im Alleingang wirklich keine leichte Aufgabe.

Erst wenn Du vor der ersten senkrechten Holzwand stehst, merkst Du, wie hoch 3 Meter eigentlich sind. Drunter her geht’s nicht, durch die Wand auch nicht… Da muss man oben rüber.

Die drei Mauern wurden in ihrer Reihenfolge immer höher. Bei der ersten bekam ich irgendwie die obere Kante zu fassen, machte einen Klimmzug hoch und hab’ mein rechtes Bein über die Mauer geworfen, um mich anschließend nicht besonders elegant komplett hoch- und auf der anderen Seite wieder runterzuhangeln. Zack, bezwungen. Bei der mittleren Holzwand standen ein paar Jungs schon parat, und dank einer Räuberleiter war ich im Handumdrehen auf der anderen Seite. Einem Mädel, das Probleme beim Runterkommen hatte, streckte ich meinen Arm entgegen, sodass sie sich abstützen konnte, und zusammen liefen wir auf die große Wand zu.

Ich half ein paar anderen kurz bei Räuberleitern, Ziehen und Drückern und war dann erneut selbst dankbar über eine helfende Hand unter meinem Fuß. Von oben zog ich noch zwei Mit-Mudder hoch und über die Kante, bevor ich mit einem beherzten Sprung auch dieses Hindernis hinter mir lassen konnte. Tschakka, alle haben es geschafft!

TOUGH MUDDER – AIN’T NO MOUNTAIN HIGH ENOUGH

Doch nicht nur Mauern sondern auch Berge haben wir gemeinsam gerockt.

Vom “Everest” (fangen wir mal klein an… ;)) sagt man: “Du brauchst 50% Tony Hawk, 50% Sir Edmund Hillary und 100% Willensstärke, um dieses Biest zu erklimmen.” Ich hatte zum Glück Powerfrau Ilona, die mich mit einem zupackenden Griff auf die Plattform zog. Schon beim Anlauf waren die Anfeuerungsrufe meiner Teamkollegen nicht zu überhören, sodass ich ihnen mit Vollgas und viel Gelächter in die Arme flog.

Für den Nervenkitzel dieser 3 Meter hohen Quarterpipe musste Team RAWBITE nicht mal ins Himalaya Gebirge reisen. Das Gelände rund um den Lausitzring bot ausreichend Platz…

…auch für meinen manifestierten Endgegner, Tough Mudders Matterhorn aka. “Mudderhorn”…

Vor dem 10 Meter hohen Ungetüm aus Netzen hatte ich im Vorfeld ziemlich Bammel. Gelegentlich aufkommende Höhenangst wird mir manchmal zum Verhängnis. Leider mussten wir vor diesem Hindernis zum ersten Mal etwas anstehen (was bedingt durch die zeitversetzten Starts zum Glück bisher ausblieb) – vermutlich weil viele zweimal nachdenken mussten, ob sie da wirklich hoch wollen… Ehe ich mich jedoch ernsthaft mit der Höhe auseinandersetzen konnte, galt es zunächst mal eine rutschige Schrägwand zu überwinden – ohne die Unterstützung seiner Mit-Mudder kommt man gar nicht erst auf das Hindernis rauf. 

Ein Mann half seinen Teamkameradinnen, die vor mir an der Reihe waren, über die Rampe. Jede einzelne stieg auf seine Schulter und drückte sich ab ins Netz. Der Arme! Ich fragte, ob er auch mir behilflich sein könne – na klar – und schwuppdiwupp, ging auch ich ins Netz. Nun war ich Spiderwoman und auf mich allein gestellt. Mit zitternden Händen aber kontrollierten Bewegungen und in einem moderaten Tempo stieg ich hoch, den Blick nur nach oben. Jetzt bloß kein Stau, bloß nicht anhalten! Oben am Mudderhorn-Gipfel pfiff ich auf die schöne Aussicht auf das Eventgelände und schwang mich zügig, ohne einen Blick nach unten auf die andere Seite. Treppab grinste ich wie ein Honigkuchenpferd vor mich hin – stolz, diese Angst überwunden zu haben. Auch bei allen anderen im Team blieben die Nerven stark.

TOUGH MUDDER – ICE, ICE, BABY

Doch eigentlich habe ich jetzt viel zu viel vorweg genommen, denn wir sind noch längst nicht durch (das Mudderhorn kommt erst als vorletztes Hindernis).

Schlamm, Wasser, Eis und Elektrizität standen uns noch weiterhin bevor. Eis? Ja, richtig gelesen. Bei “Arctic Enema – The Rebirth” geht es ebenfalls nicht um körperliche, sondern eher um nervliche Stärke. Man rutscht durch eine Röhre in 4°C kaltes Eiswasser. Ich wage zu behaupten, dass kurz vor Mittag, bei 30 Grad Aussentemperatur, das Eiswürfelbad bereits wärmer geworden ist… Nichtsdestotrotz ertönt rechts und links neben mir lautes Fluchen und Japsen und bibberndes “Brrr, brrrr”. Ich habe die Abkühlung an diesem heißen Tag total genossen und freute mich, dass morgendliche Wechselduschen und Badetage in der Ostsee mich anscheinend gut auf dieses Eisbad vorbereitet hatten – für mich eins der ultimativen Tough Mudder Highlights.

Tough Mudder-smile

WAS ZIEH’ ICH BLOSS AN? KLEIDUNG, SCHUHE, HANDSCHUHE ETC. BEIM TOUGH MUDDER

Wir überholten eine als Einhörner verkleidete Gruppe, deren goldene Leggings nach dem o.g. Waschgang nun auch wieder in der Sonne strahlten. Kostümierungen gab’s viele (Wikinger, Rettungsschwimmer, grüne Spreewaldgurken und schicke Anzüge…). Bevor’s weitergeht, ein kurzer Hinweis zur Klamottenwahl: Die Entscheidung, trotz der Hitze an diesem Tag eine lange Lauftight anzuziehen, war goldrichtig. Nicht erst nach dem Eisbad war ich froh über den kühlenden, feuchten Stoff auf meiner Haut. Doch in erster Linie diente die lange Hose zum Schutz von Knien und Oberschenkeln bei diesem Hindernislauf, denn…

…MAN KRIECHT EINFACH SEHR VIEL AUF DEM BODEN RUM

Zum Beispiel ist beim “Tight Squeeze” der Name Programm – unter Rohren durchquetschen mussten wir uns, um zum Ende zu gelangen. Mein Gefühl hier war ähnlich wie zu Beginn beim Fischernetz…

Oder auch “Entrapment” – hier gilt es, bäuchlings möglichst flach zu kriechen, um nicht mit dem Po das Balkenkonstrukt voller Strombänder zu berühren. Erschwerend baumeln daran in unregelmäßigen Abständen auch noch elektrisch geladene Kabel, denen man ebenfalls besser ausweicht. Auf dem zehnten Kilometer stand man vor der Hürde “Overtired” zwar wieder aufrecht, doch auch hier empfand ich die lange Büx (und Handschuhe!) als vorteilhaft, während ich mich an den Seilen und Reifen die steile Schrägwand hochzog und -kletterte. Auch hier zahlt sich der Grip von Trailrunning-Schuhen aus.

Die gerade genannten Hindernisse befanden sich im Wald, sodass sich Staub, kleine Zweige, Baumnadeln und Blätter zu dem Matsch auf der Kleidung gesellten und man eine knusprige Panade mit sich rumtrug. Mittlerweile waren auch die Shirts der anderen cacao-braun.

Apropos Tragen: Bei “Holz vor der Hütte” tut man sich zu zweit zusammen, schultert einen mind. 30kg Baumstamm und trägt ihn gemeinsam über eine Route. 100m, 200m… Ich weiss nicht mehr wie lang. Etwa auf der Hälfte der Strecke wurde mir jedenfalls klar, wieso unseren Stamm zuvor niemand wollte… der wiegt doch mindestens das Doppelte! Zwar wehten mir ein paar Sägespäne in die Augen (bestimmt durch den schnellen Fahrtwind, haha!), doch durch die Handschuhe drangen zumindest keine Holzsplitter in die Hände.

DON’T WORRY, BE TOUGH

Übrigens: Tough Mudder zwingt niemanden dazu, alle Hindernisse komplett durchzuziehen. “Extrem-Hindernisrennen” klingt vielleicht für einige abschreckend (doch spätestens seit dem Pledge vorm Start wissen wir, dass man nicht von Rennen spricht). Es gibt weder Strafen noch Punktabzüge, wenn man irgendwas “vergeigt”.

Ich bin z.B. beim Klettergerüst “Funky Monkey – The Revolution” auf der Hälfte abgestürzt. Sprossen, wacklige Stangen, Räder, mit denen man sich um die eigene Achse dreht, und ein großes Schwungrad… ganz schön knifflig, wenn man nicht regelmäßig auf dem Spielplatz trainiert. Doch es geht darum, es zu probieren, und ich war überrascht (und auch ein bisschen stolz), wie weit ich kam. Noch ein Tipp zu dieser Station: Um das Verletzungsrisiko zu minimieren, trug ich auf der gesamten Strecke Handschuhe. An dieser Stelle sollte man sie allerdings ausziehen, denn die Gummierung sorgt, sobald sie einmal nass ist, allenfalls für einen mittelmäßigen Grip. Also, wegstecken, und am besten die Hände nochmal an einem netten Volunteer abtrocknen.

Nichtsdestotrotz – beim Schwungrad bin ich mit Schwung im Wasser gelandet. Auch beim darauffolgenden “Leap of Faith” weiß ich nicht mehr, ob mich das Selbstvertrauen oder die Griffkraft verlassen hat – auf jeden Fall ging’s dabei schnell vom Seil ins Planschbecken.

Das Wasser tat aber auch gut bei der Hitze!

TOUGH MUDDER – KEINE PANIK!

Meine Reaktion auf “Hydrophobia” konnte ich im Vorfeld nur schwer einschätzen. Theoretisch ist es nicht unfassbar schwierig, in einem Wasserbecken dreimal unter Röhren hindurchzutauchen, doch die Tatsache, dass man im Schlammwasser nicht sieht, wo es hingeht, war mir nicht ganz geheuer. Vor Ort, als ich selbst in dem kalten, schwarzen Pool schwamm, war das Ganze halb so wild. Der Abstand zwischen Röhre und Boden war zwar nicht allzu üppig bemessen, aber dank langer Arme konnte ich die Röhre an beiden Seiten fest packen und mich darunter durchziehen. 3,2,1… Lars und ich schauten uns an, holten Luft und “Los!” tauchten ab… und wieder auf. Das wiederholten wir noch zweimal und stiegen am Beckenrand mit einem Grinsen und High Five aus dem Wasser. Es ist ein unfassbares Gefühl, über sich hinauszuwachsen. Wie so oft ist’s hilfreich, den Kopf beim Tough Mudder gelegentlich auszuschalten und unbeschwert einfach zu machen.

TOUGH MUDDER – ALLES KANN, NICHTS MUSS

Es ist erlaubt, Hindernisse ganz auszulassen. Kein Mudder mit Herzschrittmacher oder sonstigem Metall im Körper muss sich Elektroschocks aussetzen. Es gibt immer die Möglichkeit, Stationen zu umgehen. Demgegenüber kann man den Schwierigkeitsgrad eines Hindernisses auch erhöhen, indem man sich für die “Level-up-Lane” (höher, enger o.ä.) entscheidet. So kann jede/r an die ganz persönlichen Grenzen gehen.

Die Hindernisse, bei denen ich die meisten Zweifel und Muffe hatte, blieben mir im Nachhinein am besten und als die coolsten in Erinnerung. Wenn Du etwas wirklich willst, kannst Du’s auf jeden Fall schaffen. SO!

TOUGH MUDDER TEAM RAWBITE – NICHTS TROPFT, NICHTS SCHMIERT, NICHTS KRÜMELT… YUMMY!

“Wer SO! sagt, hat noch Reserven,” pflegte Hannes unterwegs des öfteren zu sagen… Ein bisschen Nervennahrung brauchte ich trotzdem. Vorm Start hatte ich mir zum Glück einen Lime-RAWBITE-Riegel in die hintere Reissverschlusstasche meiner Lauftight gesteckt. Bei der Hitze und nach den zahlreichen Tauchgängen im Schlamm und dem Rumrutschen an den Hindernissen war meine Hoffnung zwar nicht allzu groß, dass er “überlebt” hat – doch Verpackung und Inhalt waren unversehrt. Die frische Kombi aus Zitrus, Ingwer und Chili sorgte sofort für ein Stimmungshoch – und so konnte die wilde Reise weitergehen.

Tough Mudder-hab-ihn

TOUGH MUDDER – VIEL SPASS MUSS SEIN

Zwischendurch gab’s auch einfach nur super lustige Hindernisse: Die über-Wasser-gespannten Slackline-Felder “Spread Eagle” und “Black Widow” z.B. erfordern lediglich Koordination, Körperspannung und Balance, um die wackligen Parcours halbwegs trocken zu überwinden. Auch hier gilt: elegant muss das Ganze nicht aussehen…

TRAILRUNNINGLIEBE

Als Team blieben wir die ganze Zeit zusammen. Wir achteten bei den Hindernissen aufeinander, und sahen vor Allem auf den Laufstrecken zu, dass das Tempo für alle ok war und jede/r mitkam. Besonders bei Sebastian und mir drohten die Pferde das ein oder andere Mal durchzugehen… Wir lieben es einfach zu laufen, und die Waldwege und freien Wiesen verleiteten zum schnellen Flitzen. So war auch “Berg & Talfahrt” genau unser Ding: Hügel hoch und runter und hoch und runter – ein fantastisches “Hindernis”! Doch mit Rücksicht aufs Team (und den nächsten Tag, denn uns beiden stand noch ein Wettkampf bevor…) zogen wir die Zügel an und genossen das Ganze in einer ruhigen Pace, die uns zusammen ins Ziel bringen würde. Wir erzählten einander von vergangenen Laufreisen und noch anstehenden Abenteuern und nutzten jede Gelegenheit zur Erfrischung, wenn irgendwo im Nirgendwo ein Wasserschlauch rumlag.

TOUGH MUDDER AM LAUSITZRING

In Kontrast zu der Ruhe in der Natur stand, dass wir direkt an der Motorsport-Anlage Lausitzring vorbeikamen – ein Highlight! Bekannt auch als EuroSpeedway Lausitz, gehört sie zu den modernsten Motorsport- und Entertainmentanlagen Europas. Wir liefen die Besuchertribüne entlang und hatten von oben einen hervorragenden Blick auf die Rennstrecke. Der Sound der Motorräder blieb uns noch lange Zeit im Ohr… bis wir kurz vor Schluss auf dem 14. Kilometer jede Menge Wasser über den Kopf geschüttet bekamen.

TOUGH MUDDER – ENDE IN SICHT

“Augustus Gloop 2.0” verlangte, dass wir in ein Wasserbecken sprangen und von dort durch eine Röhre eine vertikale Kletterwand emporstiegen (entweder an einer Leiter oder bei der Level-up-Lane mit Bouldergriffen). Die Schwierigkeit dabei: von oben kommt jede Menge Wasser, sodass man kurzzeitig nichts mehr sieht. Oben angekommen geht’s an einem Gerüst wieder runter zum Boden.

Vor dem Endspurt über die oben genannten Berge, gab es mit “The Gauntlet” noch ein besonders langes Hindernis, zusammengesetzt aus vier unterschiedlichen Segmenten (damit’s auch ein Ganzkörpertraining ergibt):

  1. Über einen schmalen, schräg nach oben verlaufenden Schwebebalken balancieren
  2. Füße und Arme gegen zwei Metallstangen spannen, seitlich bewegen (Bauchkraft!)
  3. An vier Ringen plus einer Längsstange übers Wasser hangeln – hier hatte ich nicht die richtige Technik, tauchte ab und stieg beim nächsten Punkt 4 wieder ein
  4. Mit den Händen an einem Balken entlanghangeln

So… (“Wer “So!” sagt…”) Das war’s im Großen und Ganzen. Nach 2,5 Stunden, die mit den abwechslungsreichen Hindernissen und ganz viel Spaß wie im Flug vergingen, sammelten wir sechs uns hinter dem Mudderhorn für die allerletzte (vorrangig mentale) Herausforderung. Quasi als letztes Biest auf freier Wildbahn erwartete uns die “Electroshock Therapy”… Noch 30 Meter bis zur Ziellinie und zwischen ihr und uns ein schlammiges Feld voller kleiner Drähte und herunterhängender Stromkabel, mit bis zu 10.000 Volt geladen… Schon beim Näherkommen hörte man das leise Knistern. Und nun? Mit wildem Kampfgebrüll ins Kabelfeld stürzen und sprinten, damit der Spuk schnell vorbei ist? Oder versuchen, den Kabeln mit komischen Verrenkungen auszuweichen? Ich entschied mich für Letzteres, was ein paar Minütchen dauerte, doch ich habe tatsächlich keinerlei Strom gespürt. Da muss ich wohl nochmal durch…

TADAAAA, WIR HABEN’S GESCHAFFT UND STÜRMEN ZU SECHST BEIM TOUGH MUDDER ÜBER DIE ZIELLINIE!

DAS TOUGH MUDDER STIRNBAND

Wir gehören nun alle zu den sogenannten Legionären. Getreu dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt“, bekommen die Teilnehmer nach dem Zieleinlauf ein Finisher-Shirt und ein orangenes Stirnband übergestreift – so auch wir. 🙂

Hat man schon mehrfach erfolgreich an Tough Mudder teilgenommen, erlangt man zusätzlich noch ein Legionärsstirnband in unterschiedlichen Farben. Das Stirnband ist, ähnlich wie z.B. die Gürtel im Judo, das Statussymbol der “Mudder Legion”. Lars durfte sich nach seiner nun siebten erfolgreichen Teilnahme ein pinkes Stirnband aufsetzen – passt ja heute zu seinem Shirt.

IM ZIEL – TOUGH MUDDER VILLAGE

Im Ziel war die Stimmung natürlich bombastisch. Isabelle nahm uns jubelnd in Empfang, und wir erzählten ihr und den anderen lautstark von unseren Erlebnissen. Wir schossen Selfies ohne Ende, stillten unseren Durst und füllten unsere Energiespeicher mit RAWBITE Riegeln wieder auf. Auf dem Eventgelände, dem Tough Mudder Village, gab es diverse Essensstände und Attraktionen, an denen man noch einmal seine Fitness testen konnte – alles untermalt von einem wirklich guten DJ. Zu einem gemütlichen Teil konnten wir allerdings gar nicht übergehen, da bis auf Annemarie, die direkt in Berlin wohnte, alle noch eine mehrstündige Heimreise vor sich hatten. Als ich die lange Schlange an den Wasserschläuchen erblickte, verzichtete ich widerwillig sogar aufs Duschen – gut dass “nur” Sebastian neben mir im Zug zurück nach Hamburg sitzen würde. 😉

DANKE 🙂 TOUGH MUDDER TEAM

Auch wenn ich es “live” schon überschwänglich und mehrfach gesagt habe: DANKE an jede/n einzelne/n für das starke Teamwork, für den Spaß und die geballte Motivation! DANKE an Tough Mudder dafür, dass ihr dieses besondere Abenteuer mittlerweile weltweit organisiert! Und last but not least DANKE an RAWBITE für diese Möglichkeit und das herzliche Willkommen – ich freue mich sehr, mit einem Partner zusammenzuarbeiten, dessen Produkte mich total begeistern. Gesunde Snacks – nährstoffreich, Bio, vegan, praktisch und einfach lecker! Und dann seid ihr auch noch alle so nett. 🙂 Tak!

Tough Mudder-lecker