Castle Combe ist ein Dorf im Süden der Cotswolds in der englischen Grafschaft Wiltshire und wird gern als „hübschestes Dorf Englands“ gehandelt. Bekannt ist es für honigfarbene Häuser aus Cotswold-Stein, die Steinbrücke über den By Brook und einen Ortskern, in dem seit etwa 1600 kein neues Haus mehr gebaut wurde.
Ich war im April 2018 dort, an einem Tag meiner zweiten Bristol-Reise, zusammen mit Bath. Nach Castle Combe ging es mit Zug und Bus. Der Bus fährt so selten, dass er meinen Besuch festgelegt hat, gut zwei Stunden zwischen zwei Abfahrten. Es war wenig los, die Sonne kam immer wieder durch die Wolken, und am Ende hatte ich rund 100 Fotos.
Das Manor House habe ich verpasst, und in die Kirche bin ich nicht gekommen. Die Fahrt lohnt sich trotzdem auf jeden Fall. Du solltest nur wissen, dass du dort vor allem schaust, fotografierst und einkehrst, viel mehr gibt es nicht zu tun.
Hier findest du meinen Rundgang in fünf Stationen, die besten Fotostellen, den aktuellen Busplan ab Chippenham, Parken und Übernachten.
Auf einen Blick
- Region: Wiltshire, südlichster Rand der Cotswolds
- Lage: rund 8 Kilometer nordwestlich von Chippenham; mit dem Auto 23 Kilometer ab Bath, 33 Kilometer ab Bristol und 164 Kilometer ab London
- Bekannt für: The Street, die Brücke über den By Brook, Market Cross, Drehort für „War Horse“ und „Der Sternwanderer“
- Einwohner: 356 in der Gemeinde, rund 50 im Dorfkern
- Zeit einplanen: ein bis zwei Stunden
- Anreise: Zug bis Chippenham, dann Bus 95 oder 95A; mit dem Auto zum Besucherparkplatz oben am Hügel
Castle Combe Rundgang: meine 5 Stationen
Das Dorf ist winzig. Vom Market Cross bis zur Brücke sind es keine 200 Meter, bis zum Manor House gut 300 Meter. Fast alles liegt an einer einzigen Straße, verlaufen kannst du dich hier nicht. Dass ich das Manor House trotzdem nicht gefunden habe, kommt noch.
1. The Street: die Hauptstraße
Das Hauptding in Castle Combe ist die Hauptstraße, und sie heißt tatsächlich The Street. Sie zieht sich in einer sanften Kurve vom Market Cross hinunter zum By Brook, und an ihr steht das meiste, was du fotografieren willst: Steinhäuser mit Spitzgiebeln, Dächer aus Steinplatten, Blumen vor den Türen. Souvenirläden gibt es hier keine.
Natürlich habe ich darauf geachtet, dass möglichst wenig Leute im Bild sind. Aber es war an dem Tag wirklich so leer wie auf den Fotos. Für Castle Combe war wenig los, sonst ist hier bestimmt mehr los.
Cool fand ich die rote Telefonzelle auf halber Strecke, ein knallroter Klecks zwischen all dem hellen Stein. Gleich in der Nähe tanzt ein Fachwerkhaus mit seinen weißen Feldern aus der Reihe.
Vor Ellen’s Cottage stand ein kleiner Tisch mit rot gepunkteter Decke und Kuchenglocken, daneben ein Eimer mit Getränken. Am Straßenrand gab es für mich ein Stück Zitronenkuchen, und viel stilechter kannst du in England nicht pausieren. Steck für solche Stände ein paar Pfund Bargeld ein.



2. Die Brücke und der By Brook: der Blick von den Postkarten
Unten an der Brücke steht der Blick, für den alle kommen: die Kurve von The Street, dahinter die Giebel, darüber der bewaldete Hang. Ich war gleich mehrmals hier, das Licht wechselte ständig. Nimm dir die Zeit, die Wolken ziehen auch mal weiter.
Drei Stellen haben sich für mich gelohnt: die Brücke selbst mit Blick die Straße hinauf, die gepflasterte Water Lane direkt am Wasser und der Uferweg auf der anderen Bachseite, von dem aus du die helle Häuserzeile mit Spiegelung bekommst. Auf der Brückenmauer stand außerdem Regenwasser, in dem sich die Häuser spiegelten. Manchmal hilft das englische Wetter eben mit.



3. Market Cross und The Castle Inn
Am oberen Ende von The Street treffen sich die drei Straßen des unteren Dorfs auf einer Art Marktplatz. Dort steht das überdachte Market Cross aus dem 14. Jahrhundert. Aufgestellt wurde es, als Castle Combe das Recht auf einen Wochenmarkt bekam, und daneben steht eine der beiden Dorfpumpen.
Direkt am Platz liegt The Castle Inn, und das ist cool. Ich habe mir dort einen Kaffee geholt, mich davor in die Sonne gesetzt und die Leute beobachtet. Der Kaffee war gut, gegessen habe ich nichts. Drinnen hängt die Weinkarte auf einer großen Tafel, und wenn die Sonne auf den Holzboden fällt, sieht es ziemlich gemütlich aus. Das Haus hat 12 Zimmer und zwei AA-Rosetten für die Küche.
An dem Tag war Hochzeit im Dorf. Als die Gesellschaft aus der Kirche kam, wurde es am Platz kurz lebhafter, viel mehr Betrieb habe ich an dem Tag nicht erlebt.
Ein paar Schritte weiter an The Street steht das auffälligste Haus im Dorf: das gelbe Dower House aus dem späten 17. Jahrhundert. Gleich in der Nähe liegt mit The White Hart der zweite Pub.



4. St Andrew’s Church
In die Kirche bin ich nicht gekommen, wegen der Hochzeit. Das ist ärgerlich, denn St Andrew’s hat etwas, das du nicht überall findest: eine mittelalterliche Uhr ohne Zifferblatt am Fuß des Turms, die noch läuft.
Die Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert, der größte Teil aus dem 15. Jahrhundert, und sie steht unter dem höchsten englischen Denkmalschutz. Den Turm siehst du am besten von außerhalb, ein Stück die Park Lane hinauf.

5. Das Torhaus und das Manor House, das ich verpasst habe
Vom Marktplatz führt die Park Lane durch ein Torhaus aus dem Dorf hinaus. Davor steht sogar ein Schild des Manor House, es ist auf meinem Foto drauf. Ich bin hindurchgegangen, ein Stück weiter, habe den Kirchturm fotografiert und bin wieder umgekehrt, ein Stück zu früh. Ich war schlicht zu dämlich zu wissen, dass ich nur noch ein bisschen weitergehen muss.
Das Manor House ist heute ein Luxushotel, mit italienischem Garten und 18-Loch-Golfplatz. Das Haus selbst nennt das 14. Jahrhundert als Baujahr. Afternoon Tea und Tische kannst du auch ohne Übernachtung reservieren. Für mich ist das neben der Kirche der zweite Grund, noch einmal hinzufahren.


Castle Combe Geschichte: reich durch Wolle
Dass hier so viele alte Häuser stehen, hat mit Wolle zu tun. Im Mittelalter war Castle Combe ein Zentrum der Tuchherstellung. Spinnerinnen und Weber wohnten in den Cottages, der By Brook trieb die Mühlen an, schon 1340 gab es eine Walkmühle. Daher hat auch das Weavers House an der Water Lane seinen Namen. Im späten 18. Jahrhundert sank der Wasserstand, die Mühlen standen still, und das Geld zog weiter. Mehr zur Geschichte steht bei Wikipedia.

Castle Combe als Filmkulisse
Wenn dir das Dorf bekannt vorkommt, liegt das vermutlich am Kino. Schon 1966 wurde hier „Doctor Dolittle“ gedreht, später „Der Sternwanderer“ (Stardust) und „Wolfman“. Im September 2010 kam Steven Spielberg für „War Horse“. Auch eine Poirot-Folge entstand hier.
Das Dorf legt trotzdem Wert auf einen Satz: Es ist ein kleiner, bewohnter Ort und kein Filmset. Daran solltest du beim Fotografieren denken. Du stehst vor echten Wohnzimmerfenstern.

Mehr England abseits von London? Alle Artikel findest du auf meiner Seite Großbritannien jenseits der üblichen London-Reise.
Anreise nach Castle Combe: mit Bus, Auto oder Tagestour
Ohne Auto: Zug bis Chippenham, dann Bus 95
Mit Zug und Bus bin ich auch gefahren, und es geht gut, wenn du den Fahrplan vorher kennst. Mit dem Zug kommst du aus London, Bath oder Bristol nach Chippenham. Der Bus von Faresaver fährt direkt am Bahnhof ab, Bay B auf dem Vorplatz, und braucht rund 20 Minuten bis Castle Combe Village Centre.
Der aktuelle Fahrplan (Stand November 2026, montags bis freitags):
- Hin ab Bahnhof Chippenham: 10:33, 12:33, 14:33 und 16:39 Uhr
- Ankunft im Dorf: 10:53, 12:53, 14:51 und 17:04 Uhr
- Zurück: Die Busse um 10:53 und 12:53 Uhr fahren eine Schleife über Grittleton und sind um 11:33 und 13:33 Uhr am Bahnhof. Der Bus um 17:04 Uhr erreicht um 17:35 Uhr den Busbahnhof von Chippenham.
Am besten passt die Fahrt um 10:33 Uhr: Du hast zwei Stunden im Dorf und nimmst um 12:53 Uhr den nächsten Bus zurück, das entspricht ziemlich genau der Dauer meines Besuchs. Samstags gelten andere Zeiten, für sonntags zeigt der Fahrplan keine Fahrten, also schau vor der Abfahrt noch einmal nach. Für den Notfall gibt es Taxis ab Chippenham oder Bath.

Mit dem Auto: Parken oben am Hügel
Fahr nicht ins Dorf hinein. Im unteren Teil kannst du praktisch nicht parken, und die Gassen sind eng. Von der M4 führen die Ausfahrten 17 und 18 nach Castle Combe, das Dorf und die Rennstrecke sind ausgeschildert. Der Besucherparkplatz liegt oben am Hügel, von dort läufst du gut 700 Meter bergab, rund 10 Minuten. Auf dem Rückweg geht es entsprechend bergauf.
An Feiertagen ist der Parkplatz oft voll, Ausweichplätze gibt es nicht. Ab Bristol oder Bath bist du je rund eine halbe Stunde unterwegs, ab London gut zwei Stunden.
Mit einer Tagestour ab Bristol oder Bath
Wer weder Bus noch Auto will: Ab Bristol gibt es eine Tagestour mit Stonehenge, Avebury, Lacock und Castle Combe*, ab Bath dieselbe Kombination*. Sie dauern 8,5 und 9 Stunden, kosten ab 186 und 169 Euro (Stand November 2026) und laufen auf Englisch. Für Castle Combe allein ist das viel, als Tag für die ganze Gegend passt es.
Beste Zeit: wann es in Castle Combe ruhig ist
Das Dorf selbst rät zu Wochentagen im Frühling oder Herbst, früh am Morgen oder spät am Nachmittag. Die Mittagszeit und die Bank Holidays solltest du meiden. Im Sommer kann es richtig voll werden, und bei rund 50 Menschen im Dorfkern merkt man das sofort.
Mein Montag im April passt genau in dieses Muster. Falls du also ein leeres Foto willst: unter der Woche kommen, nicht in fremde Gärten steigen und dich nicht an Fensterbänke lehnen. Die Bitten stehen auf der Website des Dorfs, dort findest du auch die Toiletten südlich der Brücke.

Castle Combe oder Stratford-upon-Avon?
Beide stehen für das England aus dem Bilderbuch, sind aber sehr verschieden. Stratford-upon-Avon hat Shakespeare, Fachwerk und Häuser, die du von innen besichtigen kannst, und füllt damit locker einen Tag. Castle Combe hat Stein, Ruhe und eine Straße, die du in zwei Stunden gesehen hast. Wer Programm will, fährt nach Stratford. Wer ein Dorf zum Anschauen will, fährt nach Castle Combe.
Übernachten in Castle Combe
Der durchschnittliche Besuch dauert laut Dorf nur gut eine Stunde. Abends wird es laut Website des Dorfs sehr still, dann gehört der Ort den Übernachtungsgästen. Im Dorf selbst sind The Castle Inn am Marktplatz und das Manor House die bekannten Adressen, dazu kommen ein paar Bed & Breakfasts.
Auf Booking findest du zwölf Unterkünfte im Umkreis von einem Kilometer (Stand November 2026), hier kannst du nach Unterkünften in Castle Combe suchen*.

Ausflüge rund um Castle Combe
Lacock liegt rund 15 Kilometer entfernt und ist die bekannteste Nachbarin. In der Lacock Abbey wurden Teile der ersten beiden Harry-Potter-Filme gedreht.
Biddestone ist mit knapp 6 Kilometern das nächste Dorf, das auch die Website von Castle Combe empfiehlt.
Castle Combe Circuit ist die Rennstrecke südlich von Upper Castle Combe, angelegt auf einem früheren Flugplatz. Wenn du an einem Renntag kommst, solltest du das bei der Parkplatzsuche einrechnen.
Bath ist 23 Kilometer entfernt. Bei mir lag das am selben Tag. Bristol ist die größere Basis für diese Ecke, von dort sind Judith und ich bei einem früheren Besuch mit dem Leihrad über den Railway Path nach Bath gefahren.

Weiter nördlich warten Warwick und die Kurstadt Leamington Spa. Einen Überblick über das ganze Land bekommst du bei den Sehenswürdigkeiten in England.
Mein Fazit zu Castle Combe
Castle Combe ist super schön und niedlich, und die Fahrt lohnt sich auf jeden Fall. Erwarte nur kein Programm. Du kommst für die Häuser, die Brücke und einen Kaffee in der Sonne, und nach zwei Stunden hast du das Dorf gesehen.
Ich möchte noch einmal hin, für die Kirche von innen und für das Manor House, das diesmal gefunden wird. Mehr Fotos von unseren Reisen gibt es auf unserem Instagram.

Häufige Fragen zu Castle Combe
Lohnt sich Castle Combe?
Ja, wenn du schöne Dörfer und Fotos magst. Du kommst wegen der Häuser, der Brücke und der Ruhe. Museen oder Attraktionen mit Eintritt gibt es im Dorf nicht, außer Schauen und Einkehren ist wenig zu tun.
Wie viel Zeit braucht man für Castle Combe?
Ein bis zwei Stunden reichen. Laut Dorf bleiben Besucher im Schnitt gut eine Stunde, ich hatte gut zwei Stunden. Mit Einkehr und einem Abstecher zum Manor House kannst du mehr Zeit füllen.
Wie kommt man ohne Auto nach Castle Combe?
Mit dem Zug nach Chippenham und von dort mit dem Bus 95 oder 95A. Die Fahrt dauert rund 20 Minuten. Montags bis freitags fahren vier Busse ins Dorf (Stand November 2026), sonntags zeigt der Fahrplan keine Fahrten.
Wo parkt man in Castle Combe?
Auf dem Besucherparkplatz oben am Hügel, dann läufst du rund 10 Minuten bergab. Im unteren Dorf ist Parken praktisch unmöglich, und an Feiertagen ist auch der obere Parkplatz oft voll.
Gibt es in Castle Combe eine Burg?
Nein, zu sehen ist fast nichts mehr. Die Burg aus dem 12. Jahrhundert stand rund 500 Meter nördlich des Dorfs, heute markieren nur noch Erdwälle die Stelle. Sie hat dem Dorf aber ihren Namen gegeben.
Wurde Harry Potter in Castle Combe gedreht?
Das Dorf nennt Harry Potter nicht unter seinen Filmen. Gedreht wurde in der Lacock Abbey, rund 15 Kilometer entfernt. Castle Combe selbst kennst du eher aus „War Horse“, „Der Sternwanderer“ und „Doctor Dolittle“.
Liegt Castle Combe in den Cotswolds?
Ja, am südlichsten Rand. Das Dorf gehört zur Grafschaft Wiltshire und liegt im Schutzgebiet Cotswolds Area of Outstanding Natural Beauty.
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